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Details

Veranstaltung: Der "neue" Terrorismus? Terroristische Gruppierungen im Vergleich
Institution/Hochschule: Freie Universität Berlin (Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaften)
Tags: Widerstand, Akteur, Terrorismus, Terroristische, Gruppierungen, Vergleich
Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2005
Seiten: 37
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 83  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 162 KB
Archivnummer: V59904
ISBN (E-Book): 978-3-638-53711-7
Anmerkungen :
Kleinere Anmerkungen des Dozenten wurden eingearbeitet. Die Arbeit ist auf dem Stand September 2005.

Textauszug (computergeneriert)

Freie Universität Berlin, Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften
Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft
HS: Der „neue“ Terrorismus? Terroristische Gruppierungen im Vergleich
Sommersemester 2005

Die hizb′allah –
vom bewaffneten Widerstand zum politischen Akteur

von: Annette Heppel

 


Inhalt

1. Einleitung 3

2. Entstehungsgeschichte 3

2.1. Der libanesische Bürgerkrieg und der israelische Einmarsch 3
2.2. Die Gründung der hizb’allah und ihre ersten Aktionen 6
2.3. Ihre Verankerung in der Bevölkerung 8

3. Struktur der hizb’allah 9

3.1. Aufbau der Führungsstruktur 9
3.2. Finanzierung, soziale und medienpolitische Aktivitäten 11
3.3. Außenverbindungen zu Syrien und dem Iran 13

4. Ideologie und Strategie 15

4.1. Die Ziele der hizb’allah 15
4.2. Veränderungen in der Strategie nach dem Ende des Bürgerkriegs 17
4.3. Veränderungen in der Strategie nach dem israelischen Abzug aus dem Südlibanon 18

5. Die hizb’allah als politischer Akteur 19

5.1. Das konfessionsgebundene Wahlsystem im Libanon 19
5.2. Die innenpolitischen Positionen der hizb’allah 20

6. Die aktuelle politische Situation im Libanon 21

6.1. Perspektiven nach dem syrischen Abzug 21
6.2. Die Frage der Entwaffnung der hizb’allah 22

7. Fazit 23

Literatur 24

 


 

1. Einleitung

In der vorliegenden Arbeit wird die Entwicklung der schiitischen Widerstandorganisation hizb’allah (arab.: Partei Gottes) vom Zeitpunkt ihrer Gründung im Jahr 1982 bis zur ersten Regierungsbeteiligung im Juli 2005 nachgezeichnet. Ziel ist es, ihre Entwicklung vom bewaffneten Widerstand auf dem Weg hin zur rein politischen Partei darzustellen und eine Einschätzung über ihre Handlungsmöglichkeiten in der derzeitigen Situation sowie ihre zukünftige Rolle innerhalb des Landes und der regionalen Gegebenheiten zu treffen. Nach einem kurzen Abriß der für die Entstehung der hizb’allah relevanten Ereignisse des libanesischen Bürgerkrieges sowie den Umständen der eigentlichen Gründung werden die Struktur, die sozialen Aktivitäten, die Verbindungen zu Syrien und dem Iran und die Ideologie der Organisation beschrieben und es wird näher auf ihre Strategie in den einzelnen Phasen der Geschichte dieser konfliktreichen Region eingegangen. Anschließend erfolgt die Einordnung der hizb’allah in das politische System des Landes, auf das an dieser Stelle ebenfalls genauer eingegangen wird. Den Abschluß bilden die Betrachtung der momentanen Perspektiven und die daraus resultierenden Überlegungen, welchen Weg die hizb’allah in Zukunft einschlagen wird.

2. Entstehungsgeschichte

2.1. Der libanesische Bürgerkrieg und der israelische Einmarsch

Das libanesische Regierungssystem baut seit der Unabhängigkeit des Landes im Jahr 1943 auf einem starren Proporz der großen Religionsgemeinschaften bei der Verteilung der öffentlichen Ämter im Staat auf. Die Aufteilung im Verhältnis sechs zu fünf für Christen und Muslime beruhte auf der letzten offiziellen Volkszählung im Jahr 1932, bei der die christlichen Religionsgemeinschaften noch eine knappe Mehrheit stellten. Das Bevölkerungsverhältnis hat sich jedoch seitdem stark zu Lasten der Christen verändert, da die muslimische Bevölkerung stärker zunahm als die christliche und mittlerweile die Mehrheit bildet. Die zahlenmäßig größte Minderheit im Lande sind nun nicht mehr die maronitischen Christen, sondern die schiitischen Muslime. 1 Mit dem Zustrom palästinensischer Flüchtlinge in den Jahren nach dem Sechstagekrieg Israels mit seinen arabischen Nachbarn 1967 und dem ‚Schwarzen September’2 1970 sowie der bald darauf beginnenden Aufstellung bewaffneter palästinensischer Verbände hauptsächlich im Süden des Landes, die sich mehr und mehr zum eigenständigen Machtfaktor entwickelten, waren die demographischen Grundlagen des konfessionellen Proporzes endgültig nicht mehr gegeben und das gesamte politische System wurde verstärkt in Frage gestellt. Des weiteren hatte sich im Zuge der schnellen wirtschaftlichen Veränderungen im Libanon die Kluft zwischen Arm und Reich vergrößert und die Armen waren im Wesentlichen Sunniten und Schiiten, während die reichsten Familien überwiegend christlichen Glaubens waren. Dies verschärfte die sozialen Spannungen innerhalb der Gesellschaft zunehmend. So standen sich bei Ausbruch des libanesischen Bürgerkrieges am 13. April 19753 zunächst zwei Lager gegenüber: auf der einen Seite ein vorwiegend christliches Bündnis unter der Führung der maronitischen kata’ib-Partei (arab.: Brigaden), das sich die Verteidigung des bestehenden politischen Systems zum Ziel gesetzt hatte, und auf der anderen Seite eine Allianz bestehend aus den verschiedenen palästinensischen Gruppierungen, darunter auch die Palästinensische Befreiungsorganisation PLO mit ihren Kampfeinheiten, und der sogenannten Nationalen Front unter drusischer Führung, zu der auch schiitische Milizen gehörten. Diese Frontstellung veränderte sich jedoch bald, der Frontverlauf wechselte immer schneller und der libanesische Bürgerkrieg zeichnete sich vor allem als ein Kampf aller gegen alle mit häufig wechselnden Allianzen aus. Auf den genaueren Verlauf der 16 Jahre währenden Auseinandersetzung soll im Rahmen dieser Arbeit nicht eingegangen werden, eine übersichtliche Darstellung der einzelnen Kriegsphasen und Kriegsparteien findet sich bei Rotter/Fathi im Nahost Lexikon unter dem Stichwort ‚Libanesischer Bürgerkrieg’. Auch Israel begann bald, sich in diesen Konflikt einzuschalten und versuchte, den Kriegsverlauf zugunsten der christlichen Milizen, in denen potentielle Verbündete für die Zeit nach Beendigung des Bürgerkrieges gesehen wurden, zu beeinflussen und somit den gemeinsamen Gegner PLO dauerhaft zu schwächen. Schon im März 1978 rückten israelische Truppen in den Südlibanon ein, zerstörten Stützpunkte der PLO und lösten eine Massenflucht der vorwiegend schiitischen Bevölkerung in die Beiruter Vororte aus.

[...]


1 Rotter, Gernot/Fathi, Schirin: Nahost Lexikon; Palmyra, Heidelberg, 2001, S. 207 ff.

2 Nachdem sich die PLO gegen Ende der 1960er Jahre in Jordanien nach und nach zu einem Staat im Staate entwickelt und somit die Legitimität der jordanischen Führung immer mehr in Frage gestellt hat, kam es im September 1970 zur vollständigen Zerschlagung und Vertreibung der palästinensischen fedajin aus Jordanien.

3 Rotter/Fathi: Nahost Lexikon, S. 196 ff.; Abul-Husn, Latif: The Lebanese Conflict. Looking inward; Canberra Studies on Peace Research and Conflict Studies, 1998, S. 2 ff.; Als unmittelbarer Auslöser des libanesischen Bürgerkrieges gilt der Beschuß von maronitischen Kirchenbesuchern durch Mitglieder der palästinensischen Demokratischen Front, bei dem zwei Angehörige der maronitischen kata’ib- Miliz getötet wurden. Noch am selben Tag erfolgte ein Vergeltungsschlag der kata’ib auf einen Bus der palästinensischen Arabischen Befreiungsfront, der 27 Tote forderte.

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