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Scholary Paper (Seminar), 1998, 32 Pages
Author: Sebastian Muthig
Subject: Sociology - Classics, Basics and Theoretical Directions
Details
Institution/College: University of Frankfurt (Main) (Gesellschaftswissenschaften)
Tags: sozialbehaviorismus, pragmatismus, mead, mind, self, identity, bewusstsein, geist, identität, vokal, geste, signifikant, symbol, reflektiv, verhalten, intelligenz, generalisierter anderer, ich, mich
Year: 1998
Pages: 32
Grade: 1,0
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-13721-8
File size: 278 KB
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Excerpt (computer-generated)
"Die Genesis des sozialen Selbst und die soziale Kontrolle" (1925);
In: George Herbert Mead;
Philosophie der Sozialität.
Aufsätze zur Erkenntnisanthropologie; Frankfurt/M. 1969.
Studienrichtung: Dipl.- Soziologie
Fachsemester : 04
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG 4
2. SOZIALBEHAVIORISMUS UND PRAGMATISMUS 6
3. DIE GENESIS VON GEIST ("MIND") UND IDENTITÄT ("SELF") 10
3.1. DAS BEWUßTSEIN 10
3.2. DIE VOKALE GESTE UND DAS SIGNIFIKANTE SYMBOL 12
3.3.1. GEIST (MIND) 14
3.3.2. REFLEKTIVES VERHALTEN ODER DIE REFLEKTIVE INTELLIGENZ 16
3.4. SPIEL (PLAY), WETTKAMPF (GAME) UND DER "GENERALISIERTE ANDERE" 19
3.5. IDENTITÄT ("SELF") 21
3.6. DAS "ICH" ("I") UND DAS "MICH" / "SOZIALES SELBST" ("ME") 23
3.7. DIE INDIVIDUALITÄT DER IDENTITÄT ODER PERSÖNLICHKEIT 26
4. ABSCHLUßBEMERKUNG 28
5. LITERATURVERZEICHNIS 32
Die Genesis des sozialen Selbst und die soziale Kontrolle
1. Einleitung
Der Sozialpsychologe und Sozialphilosoph George Herbert Mead (1863-1931) war von 1893 bis zu seinem Tode Professor an der Philosophischen Fakultät der Universität Chicago/USA. Dort entwickelte er in einer Vorlesungsreihe über Sozialpsychologie sein bis auf den heutigen Tag äußerst einflußreiches sozialpsychologisches und sozialphilosophisches Konzept. Da Mead seine Theorie oder die Ergebnisse seiner Forschungen nie in systematischer Form dargelegt oder gar veröffentlicht hatte, ist es dem Engagement einiger seiner ehemaligen Studenten zu verdanken, daß posthum - auf Grundlage von Vorlesungsmitschriften und ausgewählter Passagen unveröffentlichter Manuskripte - seine Theorie des Sozialbehaviorismus in Form des Bandes "Mind, Self and Society. From the standpoint of a social behaviorist" der Welt zugänglich gemacht wurde. Dieser Klassiker wurde mit Begeisterung rezipiert und übte einen enormen Einfluß (nicht nur) auf die damalige konventionelle Sozialpsychologie aus. Eine bedeutende und fruchtbare Rezeption Meads stellt beispielsweise die Phänomenologie von Alfred Schütz dar.
In seinem philosophischen Denken war Mead besonders durch den Pragmatismus geprägt, deren Apologeten vor allem amerikanische Philosophen (C. Peirce, W. James, J. Dewey) waren, in deren Tradition er stand. Diese "Philosophie des Handelns" wurde in Aus-einandersetzung mit der cartesianischen Bewußtseinsphilosophie seit dem Ausgang des 19. Jahrhunderts entwickelt, und betonte explizit die situativen, problemlösenden und kreativen Momente des Handelns. Bedeutsam war der Pragmatismus als Ausgangspunkt einer politischen Philosophie der Demokratie und für die Soziologie durch die Entwicklung des symbolischen Interaktionismus durch G.H. Mead in der sogenannten "Chicago Schule", in deren intensive Diskussionszusammenhänge er die größte Zeit seines Lebens eingebettet war. Der symbolische Interaktionismus richtet sich gegen alle "Faktorentheorien", die das Individuum als bloßen Spielball äußerer oder innerer Kräfte auffassen, und stellt als Gegenkonzeption das gemeinsame, aktiv problemlösende Handeln von Individuen mit einer sozial konstituierten Ich-Identität in dem Mittelpunkt. Mead war ein Zeitgenosse und enger Freund des Hegelianers John Dewey (1859-1952), welcher sich insbesondere mit dem Idealismus auseinandersetzte. Der von Dewey vertretene anti-platonische Pragmatismus kann als eine Variante des Junghegelianismus angesehen werden und hatte einen enormen Einfluß auf die Pädagogik und die Anthropologie (insb. auf Gehlen). Seine philosophische Theorie steht in Opposition zu dem logischen Empirismus Carnaps und Reichenbachs, zum philosophischen Idealismus von Scheler und Heidegger und zum Antiszientismus von Horkheimer und Adorno .
Weiterhin war Meads Denken von der europäischen, explizit der deutschen, Philosophie beeinflußt. Er studierte in Leipzig und in Berlin (u.a. Philosophie bei Wundt) und geriet dort auch in den - sein späteres Denken prägenden - Konflikt zwischen zwei konkurrierenden akademischen Positionen; der Kontroverse zwischen einer naturwissenschaftlich orientierten, reduktionistisch verfahrenden ("erklärenden") Psychologie (bei Ebbinghaus) und der geisteswissenschaftlich-interpretativen ("beschreibenden") Psychologie Diltheys. Dieser folgenreiche Konflikt führte später zur Trennung von Phänomenologie und experimenteller Psychologie. Für Mead war hierbei das entscheidende Problem, das der naturwissenschaftlichen, anthropogenetischen Analyse der interpretativen Leistungen der Seele.
In seiner philosophischen Anthropologie wurde Mead vor allem durch Darwins Deszendenztheorie beeinflußt, welche er zu modifizieren versuchte, indem er die Abgrenzung zwischen Mensch und Tier (und somit die evolutorische Sonderstellung des Menschen) zu betonen und erklären versuchte. Seine sozialbehavioristische Theorie wurde von ihm, in kritischer Auseinandersetzung mit dem - von John B. Watson vertretenem - allgemeinem Sozialbehaviorismus formuliert. Mead richtete seine Kritik im besonderen gegen die physiologische Psychologie (psycho-physischer Pallelismus) .
Ein weiterer, auf sein Wirken einflußreicher Theoretiker, war Albert Einstein.
Das Bestreben Meads in seinen Arbeiten galt der Lösung des zentralen Problems, wie soziale Integration ermöglicht wird. Sein Hauptaugenmerk galt dabei den (phylogenetisch-ontogenetischen) Fragen: was unterscheidet den Menschen vom Tier? Was sind die Voraussetzungen für die Entwicklung von Intelligenz, Geist ("Mind") und Identitäts-/Selbst-Bewußtsein ("Self")? Wie entwickeln sie sich? Welche Bedeutung haben sie für das soziale Zusammenleben?
Sein Versuch die sozialen Bedingungen und Funktionen der Selbstreflexivität von Individuen zu erklären, fand vor dem Hintergrund der Unterscheidung der Grundstruktur menschlicher Sozialität von allen tierischen Sozialformen statt. Dazu diente ihm die anthropologische Kommunikationstheorie, deren Ansatz sich von Darwins Analyse tierischen Ausdrucksverhaltens und insbesondere Wundts Sprach- und Gebärdenkonzeption ableitete. In seine Sozialpsychologie flossen u.a. Baldwins Theorie vom sozialen Ursprung der Ich-Identität; Royces These vom prinzipiell sozialen Charakter sprachlicher Bedeutung und damit der symbolgebundenen Reflexion; sowie McDougalls Lehre von der Existenz sozialer Instinkte ein.
Auf den folgenden Seiten werde ich Meads Frage nach der Genesis der reflektiven Intelligenz, des sozialen Selbst und der sozialen Kontrolle nachgehen. Dabei werde ich mich auf die beiden Aufsätze "eine pragmatische Theorie der Wahrheit" und "die Genesis des sozialen Selbst und die soziale Kontrolle" , sowie auf das Werk "Geist, Identität und Gesellschaft" beziehen. Ich möchte gleich zu Beginn darauf hinweisen, daß ich die Begriffe "Identität" und "Selbst" (als Übersetzung für den englischen Begriff "Self") synonym verwende, obwohl eine deutlichere Differenzierung sinnvoller gewesen wäre, da das Alltagsverständnis des Begriffs "Identität" von Meads beabsichtigter Bedeutung des Wortes "Self" nicht unwesentlich abweicht .
2. Sozialbehaviorismus und Pragmatismus
- Warum Sozialbehaviorismus?
[...]
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