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Autor: Anna Fritzsche
Fach: Medien / Kommunikation - Massenmedien allgemein
Details
Tags: Süden, Neues, Blick, Massenmedien, Dritte, Welt
Jahr: 2006
Seiten: 64
Note: 1
Literaturverzeichnis: ~ 101 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 547 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-54046-9
ISBN (Buch): 978-3-638-66736-4
Zusammenfassung / Abstract
„In Zeiten der Globalisierung bleibt die Welt in den Medien noch immer seltsam geteilt.“ Jörgen Klußmann Die soziale Realität in den Ländern der „Dritten Welt“ ist für den Großteil der „westlichen“ Bevölkerung medial vermittelte Realität, die zumeist nicht mit Erfahrungen erster Hand korrespondiert. Sofern Länder des Südens überhaupt Eingang in die massenmediale Berichterstattung finden, wird ein Bild von ihnen gezeichnet, dass von Stereotypen und Klischees geprägt ist, und sich in einer „Mischung aus viel Krieg und Katastrophen, etwas Mitleid, einem Schuß Exotik und wenig Hintergrundinformation“ konstituiert. Die „Dritte Welt“- Berichterstattung der hiesigen Massenmedien wird seit Jahren gleichermaßen von Journalisten, Kommunikationswissenschaftlern und Entwicklungsarbeitern wegen ihrer verzerrenden Darstellung sozialer Realität in den Entwicklungsländern kritisiert. In den 70er und 80er Jahren, nach dem Aufkommen der Nord-Süd-Konfliktes und im Rahmen der Debatte um eine Neue Weltinformationsordnung, erfreute sich der Gegenstand der medialen Inszenierung der „Dritten Welt“, nicht zuletzt aufgrund des großen Engagements der Vertreter der zu weiten Teilen gerade unabhängig gewordenen Ländern, sehr großer Beliebtheit in der Scientific Community und fand in dieser oder ähnlicher Form Eingang in zahlreiche Forschungsarbeiten bzw. öffentliche Diskurse. Obwohl der Gegenstand heute, 25 Jahre nach dem Aufkommen der verstärkten Kritik an der Wirklichkeitskonstruktion der Entwicklungsländer in der massenmedialen Berichterstattung, längst nicht mehr zu den Mainstream-Themen der Kommunikationswissenschaft gehört, hat sich an den grundsätzlichen Anklagepunkten gegen den Journalismus, der zwar den Verwertungsgesetzen des westlichen Informationsmarktes und den Berufspraktiken hiesiger Korrespondenten entspricht, jedoch nicht der sozialen Realität in den Ländern der „Dritten Welt“, nicht viel geändert. Die Ergebnisse der vorliegenden Literaturrecherche sind grob auf die folgenden forschungsleitenden Fragen ausgerichtet: Welches Bild der „Dritten Welt“ wird in den Massenmedien konstruiert und welche Folgen ergeben sich dabei in Bezug auf die Wissensbestände und das Weltbild der Rezipienten? Was sind die Ursachen für die defizitäre „Dritte Welt“- Berichterstattung? Und nach welchen Kriterien müsste der Journalismus umgestaltet werden, um die soziale Realität in den Ländern der Dritten Welt besser zu erfassen?
Textauszug (computergeneriert)
Universität Wien
Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft
"Im Süden nichts Neues" - Der Blick der Massenmedien auf die Dritte Welt
Anna Fritzsche
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung ... 3
2. Die so genannte „Dritte Welt“ – Begriffserklärung ... 6
3. Massenmedien und Wirklichkeit ... 9
3.1 Realitäts- und Konstruktivismusdebatte in der Kommunikationswissenschaft ... 10
3.2 Medien und die soziale Konstruktion von Wirklichkeit ... 13
4. Die „Dritte Welt“ in der Berichterstattung – Charakteristika und Darstellungstendenzen ... 16
4.1 Themenarmut, Negativismus und Stereotypisierung – Das Medienbild der Dritten Welt ... 16
4.2 Einstellungen, Meinungen und Bilder – Wahrnehmung der „Dritten Welt“ ... 21
5. Ursachen für die defizitäre Dritte-Welt-Berichterstattung ... 25
5.1 Strukturelle Gründe ... 25
5.2 Mediale Entwicklungstendenzen ... 28
5.3 Faktoren der Nachrichtenauswahl ... 31
5.4 Struktur der internationalen Informationsordnung ... 35
5.4.1 Die Weltnachrichtenagenturen und der Internationale Informationsfluss in den Nord-Süd-Beziehungen ... 37
5.4.2 Die NWICO und der McBride Report ... 42
6. Möglichkeiten einer faireren Dritte-Welt-Berichterstattung ... 50
7. Conclusio ... 55
8. Anhang ... 57
8.1 Literaturverzeichnis ... 57
8.2 Abbildungsverzeichnis ... 64
1. Einleitung
„In Zeiten der Globalisierung bleibt die Welt in den Medien noch immer seltsam geteilt.“
Jörgen Klußmann (2000, S. 8)
Die soziale Realität in den Ländern der „Dritten Welt“ ist für den Großteil der „westlichen“ Bevölkerung medial vermittelte Realität, die zumeist nicht mit Erfahrungen erster Hand korrespondiert. Sofern Länder des Südens überhaupt Eingang in die massenmediale Berichterstattung finden, wird ein Bild von ihnen gezeichnet, dass von Stereotypen und Klischees geprägt ist, und sich in einer „Mischung aus viel Krieg und Katastrophen, etwas Mitleid, einem Schuß (sic!) Exotik und wenig Hintergrundinformation“1 konstituiert.
Die „Dritte Welt“- Berichterstattung der hiesigen Massenmedien wird seit Jahren gleichermaßen von Journalisten, Kommunikationswissenschaftlern und Entwicklungsarbeitern wegen ihrer verzerrenden Darstellung sozialer Realität in den Entwicklungsländern kritisiert. In den 70er und 80er Jahren, nach dem Aufkommen der Nord-Süd-Konfliktes und im Rahmen der Debatte um eine Neue Weltinformationsordnung, erfreute sich der Gegenstand der medialen Inszenierung der „Dritten Welt“, nicht zuletzt aufgrund des großen Engagements der Vertreter der zu weiten Teilen gerade unabhängig gewordenen Ländern, sehr großer Beliebtheit in der Scientific Community und fand in dieser oder ähnlicher Form Eingang in zahlreiche Forschungsarbeiten bzw. öffentliche Diskurse. Dieser Hintergrund erklärt warum ein großer Teil der in dieser Arbeit verwendeten Publikationen in diesem Zeitraum entstanden sind. Ganz besonders seinen an dieser Stelle die immer neuen wissenschaftlichen Bemühungen von Universitätsprofessor Kurt Luger gewürdigt, der die mediale Abhandlung der „Dritten Welt“ immer wieder in den Mittelpunkt seiner Beschäftigung stellte und damit einen großen Teil zur theoretischen Fundierung und Weiterentwicklung des Themas beigetragen hat. Dank dieser und anderer neuer Forschungsergebnisse ist es nun möglich, differenzierter auf die Defizite der Berichterstattung einzugehen und diese vor dem Hintergrund eines umfangreicheren theoretischen Bezugsrahmens zu erklären. Obwohl der Gegenstand heute, 25 Jahre nach dem Aufkommen der verstärkten Kritik an der Wirklichkeitskonstruktion der Entwicklungsländer in der massenmedialen Berichterstattung, längst nicht mehr zu den Mainstream-Themen der Kommunikationswissenschaft gehört, hat sich an den grundsätzlichen Anklagepunkten gegen den Journalismus, der zwar den Verwertungsgesetzen des westlichen Informationsmarktes und den Berufspraktiken hiesiger Korrespondenten entspricht, jedoch nicht der sozialen Realität in den Ländern der „Dritten Welt“, nicht viel geändert. Um diese Art des Journalismus richtig einordnen zu können, bedarf es zunächst einer Analyse der Massenmedien in ihrem gesamtgesellschaftlichen Bezugsrahmen, die die Integration einer Vielzahl von theoretischen Konzeptionen unerlässlich macht und an denen sich der Aufbau der vorliegenden Arbeit orientiert. Die Ergebnisse der Literaturrecherche sind grob auf die folgenden forschungsleitenden Fragen ausgerichtet: Welches Bild der „Dritten Welt“ wird in den Massenmedien konstruiert und welche Folgen ergeben sich dabei in Bezug auf die Wissensbestände und das Weltbild der Rezipienten? Was sind die Ursachen für die defizitäre „Dritte Welt“- Berichterstattung? Und welche Möglichkeiten und Strategien gibt es für die Behebung dieser Defizite bzw. nach welchen Kriterien müsste der Journalismus umgestaltet werden, um die soziale Realität in den Ländern der Dritten Welt besser zu erfassen?
Das erste Theoriekapitel widmet sich zunächst einer Definition und Diskussion des Sammelbegriffs „Dritte Welt“, der weder eindeutig, noch in seiner Verwendung unumstritten ist, was durch die häufige Beifügung der Worte „so genannte“ illustriert wird.2 In Kapitel 3 wird das theoretische Grundgerüst für die behandelte Problematik gelegt. Ausgehend von zentralen erkenntnistheoretischen Fragestellungen nach dem Verhältnis von Medien und Wirklichkeit wird gezeigt werden, inwieweit das System der Massenmedien, basierend auf ritualisierten Praktiken der journalistischen Berufstätigkeit an dem gesellschaftlichen Prozess der Wirklichkeitskonstruktion beteiligt sind und wesentlichen Einfluss nehmen auf Einstellungs- und Meinungsbildungsprozesse auf Seiten der Rezipienten. Darauf aufbauend wird in Kapitel 4 am Beispiel der verzerrten entwicklungspolitischen Berichterstattung dargestellt, durch welche Stereotype und kulturellen Leitwerte die Wirklichkeit einer marginalisierten „Dritten Welt“ in den Massenmedien konstituiert wird und inwiefern dieses Bild in den Wissensbeständen und Meinungen der Zielgruppenpublika internalisiert wird. Dabei werden die zentralen Kritikpunkte an der gegenwärtigen Berichterstattung zusammengefasst und kategorisiert, um an späterer Stelle Raum für Verbesserungsvorschläge und Lösungsansätze zu machen. Es wird argumentiert werden, dass ein direkter Zusammenhang besteht zwischen der „Dritte Welt“ – Berichterstattung der Massenmedien, staatlicher Entwicklungshilfe und politischer Einstellung der Bevölkerung zu den Themen Entwicklungszusammenarbeit und Entwicklungshilfehilfe. Im Rahmen der Diskussion um die Ursachen der attestierten defizitären journalistischen Darstellung der Länder des Südens werden in weiterer Folge strukturelle und ökonomische Hindernisse der Massenmedien, sowie Arbeitsgrundsätze der journalistischen Praxis und Verwertungsgesetze des internationalen Informationsflusses als Erklärungsansätze präsentiert. In Kapitel 6 werden schließlich Vorschläge zur Verbesserung der bestehenden Situation diskutiert, die sich vor allem auf Möglichkeiten der Veränderung der journalistischen Arbeitsbedingungen und Ansätze des kulturellen Lernens und der verstärkten entwicklungspolitischen Öffentlichkeitsarbeit beziehen. Es wurde versucht, die zum Thema zahlreich vorhandenen sozialanthropologischen Erkenntnisse in angemessenem Umfang in die Arbeit einfließen zu lassen, ohne dabei den Rahmen zu sprengen. In einem abschließenden Conclusio werden die wichtigsten Erkenntnisse der Beschäftigung mit der „Dritte Welt“- Berichterstattung der Massenmedien in komprimierter Weise aufbereitet und ausgewertet.
Die vorliegende Bakkalaureatsarbeit versteht sich dabei nicht als unreflektierter Ankläger sämtlicher journalistischer Traditionen und Werte unserer westlichen Nachrichtenkultur, sondern will lediglich den Diskurs um die Herkunft, Bedeutung und Auswirkungen des krassen qualitativen und quantitativen Missverhältnisses in der Nord-Süd-Berichterstattung (wieder) in Gang bringen, in der Hoffnung, dass dem kritisch geschärften Bewusstsein (irgendwann) entsprechende Handlungen folgen mögen.
2. Die so genannte „Dritte Welt“ – Begriffserklärung
[...]
1 Luger, Kurt: Dritte Welt-Berichterstattung: eine einzige Katastrophe? Die Konstruktion von Wirklichkeit in Theorie und Praxis, in: Luger (Hrsg.): Die Dritte Welt in den Massenmedien, Arbeitsberichte des Instituts für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Universität Salzburg, Salzburg, 1985, S. 5
2 Vgl. Schludermann, Walter: Im Süden nichts Neues. Anmerkungen zum Kontext der Dritte Welt-Berichterstattung, in: Medien Impulse, Heft 26, Dezember 1998, S. 27
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