'Kronzeuge und Herausforderung' - Der Geschichtsschreiber Widukind von Corvey

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Details

Titel: 'Kronzeuge und Herausforderung' - Der Geschichtsschreiber Widukind von Corvey
Autor: B.A. Simon Groth
Fach: Geschichte - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Veranstaltung: Proseminar: Königswahlen im Mittelalter
Institution/Hochschule: Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2006
Seiten: 16
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 25  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 91 KB
Archivnummer: V60463
ISBN (E-Book): 978-3-638-54136-7

Textauszug (computergeneriert)

Heinrich-Heine Universität Düsseldorf 22.03.2006
Historisches Seminar, WS 2005/06
Proseminar: Königswahlen im Mittelalter

′Kronzeuge und Herausforderung′ –
Der Geschichtsschreiber Widukind von Corvey

von: Simon Groth

 


Inhaltsverzeichnis

A. Einleitung

B. Der Geschichtsschreiber Widukind von Corvey

C. Stand der Forschung

1. Einleitung
2. Die Position von Gerd Althoff
3. Die Position von Johannes Fried

D. Die Herausforderung Widukind von Corvey

1. Einleitung
2. Einflussfaktoren auf Widukinds Sachsengeschichte
3. In wie weit ist Widukind glaubwürdig

E. Anhang

1. Abkürzungsverzeichnis
2. Verzeichnis der benutzten Quelle
3. Verzeichnis der benutzten Literatur



 

 

A. Einleitung

Nachdem man sich mehrere Wochen auf das Intensivste mit einem Menschen aus dem Mittelalter beschäftigt hat, lernt man diesen Menschen zwangsläufig kennen. Dass sich aus einem solchem Kontakt widersprüchliche Gefühle entwickeln, leuchtet auch ein. Man lernt diesen Jemand schätzen als treuen Begleiter beim Studium von teilweise recht trockenen wissenschaftlichen Texten und durchläuft mit ihm gemeinsam Höhen, in denen das Ende der Arbeit zum Greifen nahe erscheint und Tiefen, in denen man sich fragt, ob diese Arbeit je endet. Nun, nachdem also die letzten Zeilen geschrieben sind, heißt es Abschied nehmen von Widukind von Corvey, meinem Kronzeugen, meiner Herausforderung und meinem Begleiter durch den Dschungel der Wissenschaft.

Widukind von Corvey war jedoch nicht für mich allein treuer Begleiter, sondern ihm kommt eine selten anzutreffende Leistung zu. Als Verfasser der Sachsengeschichte1 schrieb er „die mit Abstand wichtigste Quelle der Ottonenzeit“ 2, so dass Widukind einer der häufigeren Gäste auf Schreibtischen von Historikern war. Aus dieser Beschäftigung mit ihm gewann die Forschung jedoch (bis heute) kein einheitliches Bild. Es ist vielmehr so, dass durch immer neue Forschungskontroversen auch nachfolgende Generationen von Historikern sich mit Sicherheit mit ihm beschäftigen werden. Die aktuell strittigste Frage ist die Frage nach der Glaubwürdigkeit des Kronzeugen. In dieser Frage wurden von Gerd Althoff3 und Johannes Fried4 gegensätzliche Positionen bezogen und noch hat man dazu in der Forschung keinen Konsens gefunden.

Ich werde in meiner Arbeit beide Positionen vorstellen (C. Stand der Forschung), so dass eine Erörterung in der Einleitung obsolet ist. Zuvor werde ich in möglichst knapper Form faktisches Wissen zu der Person Widukind, sowie zu seinem Werk, darlegen (B. Der Geschichtsschreiber Widukind von Corvey) und abschließend die Faktoren vorstellen, die einen Einfluss auf sein Werk hatten, um dadurch zu einem persönlichen Standpunkt bezüglich der Glaubwürdigkeitsdebatte zu kommen (D. Die Herausforderung Widukind von Corvey).

B. Der Geschichtsschreiber Widukind von Corvey

„Über Leben und Persönlichkeit Widukinds von Korvey liegen nur wenige Nachrichten vor“5. Diese schon im Jahr 1930 getroffene Feststellung lässt sich auch durch neuere Forschungsergebnisse nicht revidieren. Exakte Daten über Geburt und Tod können nicht nachgewiesen werden, jedoch starb Widukind von Corvey nach 973, womöglich an einem 3. Februar6. Er trat als junger Mann in das Kloster Corvey ein und sein Name wurde an der vorletzten Stelle einer Liste geführt, die die Zugänge unter einem bestimmten Abt verzeichnen. Durch den Umstand, dass er die vorletzte Position in dem Verzeichnis unter Abt Folkmar einnahm, der diesen Posten bis 942 bekleidete, lässt sich ein Eintritt ins Kloster um das Jahr 940 vermuten. Eine gesicherte Erkenntnis über das Alter beim Eintritt lässt sich hingegen nicht feststellen7. Durch die Herstellung einer Beziehung zwischen dem ungefähren Todesdatum (nach 973) und dem Eintritt ins Kloster (um 940) könnte man auf ein Geburtsjahr um 920 schließen.

Der Eintritt in das Kloster Corvey als Bildungsstätte des sächsischen Adels während der Ottonenzeit8 lässt vermuten, dass auch Widukind von Corvey dem Hochadel entstammt, wobei eine Verbindung zum gleichnamigen Sachsenführer Widukind zwar möglich, aber keinesfalls verifizierbar ist9.

Im Kloster verfasste er zunächst zwei hagiografische Werke über Thekla von Ikonium und Paulus von Theben, die nicht überliefert sind, auf die aber in anderen Quellen verwiesen wird10. Nach Vollendung dieser Werke schreibt er die Geschichte der Sachsen in drei Büchern nieder11. Er begründet diesen Schritt in seiner Sachsengeschichte und stellt ihr seine Motivation voran12: „Post operum nostrorum primordia, quibus summi imperatoris militum triumphos declaravi, nemo me miretur principum nostrorum res gestae litteris velle commendare; quia in illo opere professioni meae, ut potui, quod debui exolvi, modo generis gentisque meae devotioni, ut queo, elaborare non effugio.“13. Helmut Beumann hat bezüglich dieser Begründung aufgezeigt, dass Widukind sich nicht einer zeitgenössischen Begründung14 zum Schreiben von weltlicher Geschichte bedient, sondern sein Rechtfertigungsgrund in zwei verschiedenen „Pflichtkreisen“ zu suchen sei. Während er sich als Geistlicher dazu verpflichtet gefühlt habe ein hagiografisches Werk zu verfassen, fühle er sich als Teil der weltlichen Gesellschaft dazu verpflichtet ein Werk der Profangeschichte zu schreiben15. Inhaltlich befassen sich die drei Bücher der Sachsengeschichte mit der ältesten Geschichte der Sachsen und ihren Stammessagen bis zur Regierung von Heinrich I. (Buch 1), dem Beginn der Regierungszeit Ottos des Großen bis zum Tod von Edgitha (946) (Buch 2) und in der Fassung letzter Hand bis zu dem Tod von Otto dem Großen (973) (Buch 3)16. Das Werk liegt in drei verschiedenen Fassungen vor, deren Entstehung im Allgemeinen wie folgt datiert wird17: Auf der Grundlage der Handschriften können drei verschiedene Redaktionen unterschieden werden, wovon zwei (=B/C) thematisch bis zum Jahr 973 (III 76) reichen, während die dritte (=A) lediglich bis zum Tod Wichmanns im Jahr 967 reicht. Die mit B bezeichnete Klosterfassung beinhaltete noch keine Widmungsvorreden an die Äbtissin Mathilde von Quedlinburg und wurde 967 zunächst vollendet und reichte bis III 69. Kurz darauf kam der Widmungsplan auf, so dass Widukind sein Werk überarbeitete, mit kurzen Vorreden versah und als Fassung A widmete. Die Klosterfassung wurde nach 973, also dem Tod Ottos des Großen, noch einmal erweitert, so dass B nun bis III 76 reicht. Die Fassung letzter Hand ist C, geschrieben nach 973 und bis III 76 reichend. A und C sind jeweils die Reinschriften der Klosterfassung B.

C. Stand der Forschung

1. Einleitung

[...]


1 Die Sachsengeschichte des Widukind von Korvei (Widukindi monachi Corbeiensis Rerum gestarum Saxonicarum libri III). Edd. Hirsch, Paul/Lohmann, Hans-Eberhard (MGH SS rer. Germ.[60], 1935). In: Bauer, Albert/Rau, Reinhold: Quellen zur Geschichte der sächsischen Kaiserzeit Widukinds Sachsengeschichte Adalberts Fortsetzung der Chronik Reginos Liudprands Werke (Ausgewählte Werke zur Deutschen Geschichte des Mittelalters 8), Darmstadt 1971.

2 Laudage, Johannes: Widukind von Corvey und die deutsche Geschichtswissenschaft. In: Laudage, Johannes (Hrsg.): Von Fakten und Fiktionen mittelalterliche Geschichtsdarstellungen und ihre kritische Aufarbeitung. Köln [u.a.] 2003, S. 215-223.

3 Vgl.: Althoff, Gerd: Widukind von Corvey Kronzeuge und Herausforderung. In: FMSt 27 (1993), S.253-272.

4 Vgl.: Fried, Johannes: Die Königserhebung Heinrichs I. Erinnerung, Mündlichkeit und Traditionsbildung im 10. Jahrhundert. In: Borgolte, Michael: Die Mittelalterforschung nach der Wende 1989 (HZ, Beihefte N.F. 20, 1995), S. 267-316.

5 Krüger, Gerda: Widukind von Korvey. In: Westfälische Lebensbilder Band 1. 1930, S. 149.

6 Begründet durch den Eintrag Widikind presbyter monachus im Nekrolog des Klosters St. Michael, wenn dieser auf Widukind hindeutet. Vgl.: Nass, Klaus: Art. `Widukind von Corvey OSB´. In: Wachinger, Burghart [u.a.] (Hgg.): Die deutsche Literatur des Mittelalters Verfasserlexikon. Berlin/New York 1999, Sp. 1001.

7 Vgl.: Krüger, Gerda (wie Anm. 5), S. 149.

8 Vgl.: Smalley, Beryl: Historians in the Middle Ages. London 1974, S. 80.

9 Vgl.: Nass, Klaus (wie Anm. 6), Sp. 1001.

10 Vgl.: Nass, Klaus (wie Anm. 6), Sp.1001.

11 Widukind (wie Anm. 1).

12 Widukind (wie Anm. 1), (I,1) S. 20.

13 „Nach den Erstlingen meiner Werke, in denen ich die Siege der Streiter des höchsten Gebieters dargestellt habe, möge sich niemand wundern, wenn ich die Taten unserer Großen niederschreiben will; da ich in jener Arbeit nach Kräften erfüllt habe, was ich meinem Mönchsgelübde schuldig war, so entziehe ich mich nun nicht der Pflicht, meine Kräfte der ergebenen Treue gegenüber meinem Haus und meinem Volk, soweit ich vermag, zu weihen.“ Übers. nach: Bauer, Albert/Rau, Reinhold (Hgg.): Quellen zur Geschichte der sächsischen Kaiserzeit Widukinds Sachsengeschichte Adalberts Fortsetzung der Chronik Reginos Liudprands Werke (Ausgewählte Werke zur Deutschen Geschichte des Mittelalters 8). Darmstadt 1971, S. 21.

14 Rechtfertigung der Geschichtsschreibung durch einen „doppelten moralischen Nutzen der Historie“. Beumann, Helmut: Widukind von Korvei als Geschichtsschreiber und seine politische Gedankenwelt. In „Westfalen“-Hefte für Geschichte, Kunst und Volkskunde 27 (1948), S. 165.

15 Beumann, Helmut (wie Anm. 14), S. 166.

16 Vgl.: Wattenbach, Wilhelm/Holtzmann, Robert/Schmale, Franz-Josef: Deutschlandgeschichtsquellen im Mittelalter Teil 1: Das Zeitalter des Ottonischen Staates (900-1050). Darmstadt 1967, S. 26/27.

17 Vgl. zum Folg.: Beumann, Helmut: Historiographische Konzeption und politische Ziele Widukinds von Corvey. In: Beumann, Helmut: Wissenschaft vom Mittelalter Ausgewählte Aufsätze. Köln [u.a.] 1972, S. 73-75.

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