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Die Namen des Oktavian/Augustus

Scholary Paper (Seminar), 2006, 13 Pages
Author: Benjamin Schröder
Subject: History - Early and Ancient History

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2006
Pages: 13
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 19  Entries
Language: German
Archive No.: V60759
ISBN (E-book): 978-3-638-54347-7

File size: 94 KB

Abstract

Der spätere Imperator Caesar Augustus begann seine steile politische Karriere einst unter dem Namen Gaius Octavius. Zwischen diesem und jenem Namen liegt eine große Ent­wicklung, nichts erinnert in der Nomenklatur des Prinzeps mehr an seine Herkunft aus Velitrae. Was verleitete den jungen Oktavian dazu, sei­nen Namen vollständig auszutauschen? Die Arbeit untersucht den Prozess der Veränderung der Namen - vom jungen Gaius Octavius bis zum Imperator Caesar Augustus - vor dem Hintergrund der Entstehung des Prinzipats und versucht nachzuweisen, dass die jeweiligen Namenswechsel nicht etwa aus ästhetischen Gründen erfolgten, sondern konkrete politische Ziele widerspiegeln.


Excerpt (computer-generated)

Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Institut für Alte Geschichte
Proseminar: Augustus, WS 2005/06, 3. Semester

Die Namen des Oktavian/Augustus

von: Benjamin Schröder

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 1

2. Gaius Iulius Caesar 1

3. Imperator Caesar 3

4. Divi filius 7

5. Augustus 8

6. Schlussbemerkungen 10

Literaturverzeichnis 11

 

 

1. Einleitung

Der spätere Imperator Caesar Augustus, in seiner Wirkung als Gründer des Prinzipats wohl eine der meist diskutierten Persönlichkeiten der Geschichte, begann seine steile politische Karriere einst als Sohn eines verstorbenen Munizipalaristokraten unter dem Namen Gaius Octavius.1 Zwischen diesem und jenem Namen liegt eine große Entwicklung, nichts erinnert in der Nomenklatur des Prinzeps mehr an seine Herkunft aus Velitrae. Wieso jedoch spricht man heute von einem „Kaiser Augustus“ und nicht etwa von einem „Kaiser Octavius“, was überhaupt verleitete den jungen Oktavian dazu, seinen Namen vollständig auszutauschen?

Wie der Prinzipat selber, so ist auch der Name des Oktavian/Augustus das Resultat eines Prozesses und keinesfalls Ergebnis einer einzigen Handlung. Zu untersuchen ist die Frage nach den Namen daher, indem man den Prozess der Namensentwicklung – vom jungen Gaius Octavius bis zum Imperator Caesar Augustus – nachvollzieht und in die politischen Entscheidungen des Oktavian/Augustus sowie die Ereignisgeschichte des werdenden Prinzipats einbettet.

2. Gaius Iulius Caesar

Geboren wurde der junge Octavius am 23. September 63 v. Chr. in Velitrae. Zwar wird ihm nachträglich eine hohe Abstammung bis hin zum Halbgott konstruiert,2 insgesamt wird man jedoch festhalten müssen, dass die Octavii in der römischen Politik anfangs eine untergeordnete Rolle spielten. Erst der Vater des späteren Augustus trat den cursus honorum an, verstarb jedoch, bevor er sich um den Konsulat bewerben konnte.3 So hatte Octavius zwar einen definitiven senatorischen Vorfahr, und die Octavii mögen auch in Velitrae die vornehmste (praecipua) gens gewesen sein, weder gehörte er jedoch zum ausgewählten Kreis der Nobilität, noch besaß seine Familie außerordentliches Ansehen innerhalb von Rom.4

Als Octavius nach der Ermordung Caesars 44 erfuhr, dass dessen Testament seine Adrogation5 in die gens Iulia bestimmte, entschloss er sich das Erbe anzutreten und in das Machtvakuum, welches der Tod seines Großonkels hinterlassen hatte, vorzudringen. Um dies auch nach außen deutlich zu machen, nahm er sofort den Namen des Diktators an und nannte sich ab sofort Gaius Iulius Caesar.6 43 v. Chr. wurde die Adrogation durch eine lex curiata vollkommen rechtskräftig und aus Gaius Octavius war ganz offiziell ein Caesar geworden.7 Es ist leicht vorstellbar, dass die Annahme des Erbes wie auch die damit verbundene Namensänderung keinesfalls eine alleinige Entscheidung des Octavius, sondern vielmehr ein Produkt intensiver Beratungen mit den Truppen und der Klientel Caesars war. Schließlich hatten diese ein großes Interesse daran, dass Octavius das Erbe annahm, hing ja nicht nur die Auszahlung der im Testament bestimmten Legate, sondern auch die längerfristig wichtige Veteranenversorgung davon ab, ob Caesars Testament einen willigen Erben fand.8

Es zeigt sich in diesem Vorgang die Entschlossenheit Oktavians besonders darin, dass er das übliche zusätzliche cognomen, gebildet aus dem Stamm des eigenen nomen gentile und dem Suffix -anus (in Oktavians Fall also Octavianus), bewusst nicht verwendete. 9 So war es ihm möglich das Verwandtschaftsverhältnis zu seinem Adoptivvater Caesar und auch seine pietas gegenüber dem Diktator – welche später eine wichtige Rolle in seiner Politik spielen sollte – hervorzuheben. Außerdem verschleierte Oktavian so seine eigentliche Herkunft, die ihm im bevorstehenden Machtkampf angesichts der geringen Bedeutung der gens Octavia nicht nur keinerlei Nutzen gebracht hätte, sondern sogar schädlich war.10 Insgesamt zeigt sich also ein ambitionierter junger und dazu Gelzer 22ff., bes. 25. Mann, der seinen Namen bewusst für seine Absichten instrumentalisierte und wahrscheinlich recht schnell erkannte, dass der „Cäsarname [...] sich als die schlagkräftigste Waffe im Kampf des Erben herausstellen [sollte].“11

[...]


1 Ein eventuelles cognomen (Sueton und Dio überliefern die cognomina ‚Thurinus‘ und ‚Caepias‘; Suet. Aug. 7, 1; Cass. Dio 45, 1, 1) ist für diese Untersuchung nur insofern von Bedeutung, als es für den Politiker Oktavian keinen Nutzen hatte und daher zusammen mit dem Rest seines ursprünglichen Namens bald verschwanden. Vgl. zu Dio Schumacher, Testament 66f.

2 Vgl. z.B. Suet. Aug. 2, 1f. für patrizische Vorfahren in der Königszeit und eine zweite Linie der Octavii, derer omnes functi sunt honoribus sommis. Suet. Aug. 94, 4 und Cass. Dio 45, 1, 2f haben wohl dieselbe Vorlage für die direkte Abstammung des Octavius von Apollo selbst.

3 Suet. Aug. 4, 1.

4 Da Sueton in seiner Augustusvita (Suet. Aug. 1, 1) auf das Ansehen in Velitrae hinweist, liegt es nahe davon auszugehen, dass die Octavii in Rom selbst eher gewöhnlichen Einfluss besaßen, sonst wäre der Biograph darauf näher eingegangen. Zu Oktavian und seiner ignobilitas siehe Cic. Phil. 3, 6, 15

5 Ich folge hier Schumacher, Testament 53-57.

6 App. b.c. 3, 2, 11; Cic. Att. 14, 12, 2; Cass. Dio 45, 3, 2; vgl. Cass. Dio 45, 5, 1 und 46, 47, 5.

7 Cass. Dio 46, 47, 4; Suet. Aug. 7, 2. Vgl. zur lex curiata App. b. c. 3, 94, 389f.

8 Vgl. Schmitthenner, Testament 66; 72; Malitz 400f.

9 Dies wird deutlich aus der Korrespondenz und den Reden Ciceros. Nennt er Oktavian in Cic. fam. 16, 24, 2; Att. 15, 12, 2 noch Octavius oder Octavianus, so ist in der dritten Philippischen Rede vom Dezember 44 v. Chr., in der das Bündnis zwischen Senat und Oktavian vorgestellt wird (vgl. Kienast 30), nur noch von Caesar die Rede, und auch im Frühjar 43 schreibt Cicero über Caesar meus (fam. 11, 8, 2) oder egregius puer Caesar (fam. 10, 28, 3). Vgl. Schmitthenner, Testament 73 und dort Anm. 2. Auch Plancus bezeichnet den Oktavian in einem Brief an Cicero 43 nur mit Caesar (Cic. fam. 10, 23, 6). Schließlich existiert mit CIL IX 2142 eine Inschrift mit vollständig erhaltener Nomenklatur, die kein Octavianus enthält. Dio irrt also in Cass. Dio 46, 47, 5-6, weil er die „herkömmliche Weise“ (Cass. Dio 46, 47, 4, vgl. Schmitthenner, Testament 68f.), nach der eine Adoption abläuft, auf den Spezialfall Oktavians überträgt, denn diesen kennt er auf Grund seines großen zeitlichen Abstandes nicht. Vgl. Syme, Revolution 112f.; Schmitthenner, Testament 70f.

10 Vgl. die geänderte Filiation, auf die Appian b.c. 3, 2, 11 hinweist, sowie die Anschuldigungen gegen Oktavians natürlichen Vater in Suet. Aug. 3, 1.

11 Schmitthenner, Testament 10.


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