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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2005, 30 Pages
Author: Christina Schmitt
Subject: Pedagogy - Reform Pedagogics
Details
Institution/College: Technical University of Darmstadt (Institut für allgemeine Pädagogik und Berufspädagogik)
Tags: Hartmut, Hentig, Schule, Schulreform, Eine, Auseinandersetzung, Hartmut, Hentig
Year: 2005
Pages: 30
Bibliography: ~ 1 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-54434-4
ISBN (Book): 978-3-638-92217-3
File size: 159 KB
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Abstract
Der Pädagoge Hartmut von Hentig schrieb 1993, also wenige Jahre nach der Wiedervereinigung Deutschlands sein Buch „Die Schule neu denken – Eine Übung in pädagogischer Vernunft“ das bis heute nichts von seiner Aktualität uns Aussagekraft verloren hat und in welchem er zu einem Umdenken der heutigen Schule auffordert, da sie ihre Schüler von sich entfremdet hat, ihren Auftrag nach Hartmut von Hentig nicht erfüllen kann. Dieses Buch soll Gegenstand meiner Hausarbeit sein. Um Hartmut von Hentigs Theorien aus diesem Buch möglichst klar und ausführlich darszustellen, werde ich in meinem ersten Kapitel „Die Schule neu denken“ zusammenfassen. Anschließend wende ich mich in einem fiktiven Brief an den Autor des Buches selbst, um in diesem Rahmen einige Fragestellungen und Fakten des Buches zu diskutieren. (Damit der Brief nicht fiktiv bleibt, habe ich ihn bereits an Hartmut von Hentig verschickt.). Im nächsten Kapitel meiner Hausarbeit versuche ich einen Text zu verfassen, eine Art „Buchempfehlung“ oder „Buchvorstellung“, der das Buch in seinen Grundzügen darstellt und vorstellt. Zum Abschluss der Hausarbeit möchte ich in einer „rückblickenden Besinnung“ noch einmal darstellen, welche Theorien mich von Hartmut von Hentig am meisten erstaunt und interessiert haben, wie ich darüber denke und was sich in meinem Denken durch die Beschäftigung mit diesen Theorien vielleicht verändert hat.
Excerpt (computer-generated)
TU Darmstadt, Institut für Allgemeine Pädagogik und Berufspädagogik
Seminar: „Schulreform – Eine Auseinandersetzung mit Hartmut von Hentig“
Wintersemester 2004/05
Hartmut von Hentig: Die Schule neu denken
von: Christina Schmitt
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung ... 4
2. Die Schule neu denken ... 5
2.1 Zusammenfassung ... 5
2.1.1 Kapitel 1: Schlechte Nachrichten ... 5
2.1.2 Kapitel 2: Schwierige Veränderungen ... 6
2.1.3 Kapitel 3: Untaugliche Deutungen ... 9
2.1.4 Kapitel 4: Verfehlte Antworten ... 11
2.1.5: Kapitel 5: Notwendige Denkübungen ... 12
2.1.6 Kapitel 6: Stützende Gründe ... 13
2.1.7 Kapitel 7: Minima Paedagogica ... 15
2.1.8 Kapitel 8: Notwendige Übergänge ... 16
2.1.9 Kapitel 9: Mögliche Einwände ... 18
2.1.10 Kapitel 10: Epilog: Civilitas ... 19
2.2 Resümee ... 20
3. Ein fiktiver Brief an Hartmut von Hentig ... 23
4. Eine fiktive Buchempfehlung: Hartmut von Hentigs „Die Schule neu denken“ ... 26
5. Eine rückblickende Besinnung ... 28
6. Quellenangaben ... 30
1. Einleitung
Der Pädagoge Hartmut von Hentig schrieb 1993, also wenige Jahre nach der Wiedervereinigung Deutschlands sein Buch „Die Schule neu denken – Eine Übung in pädagogischer Vernunft“ das bis heute nichts von seiner Aktualität uns Aussagekraft verloren hat und in welchem er zu einem Umdenken der heutigen Schule auffordert, da sie ihre Schüler von sich entfremdet hat, ihren Auftrag nach Hartmut von Hentig nicht erfüllen kann. Dieses Buch soll Gegenstand meiner Hausarbeit sein.
Um Hartmut von Hentigs Theorien aus diesem Buch möglichst klar und ausführlich darszustellen, werde ich in meinem ersten Kapitel „Die Schule neu denken“ zusammenfassen. Anschließend wende ich mich in einem fiktiven Brief an den Autor des Buches selbst, um in diesem Rahmen einige Fragestellungen und Fakten des Buches zu diskutieren. (Damit der Brief nicht fiktiv bleibt, habe ich ihn bereits an Hartmut von Hentig verschickt.). Im nächsten Kapitel meiner Hausarbeit versuche ich einen Text zu verfassen, eine Art „Buchempfehlung“ oder „Buchvorstellung“, der das Buch in seinen Grundzügen darstellt und vorstellt. Zum Abschluss der Hausarbeit möchte ich in einer „rückblickenden Besinnung“ noch einmal darstellen, welche Theorien mich von Hartmut von Hentig am meisten erstaunt und interessiert haben, wie ich darüber denke und was sich in meinem Denken durch die Beschäftigung mit diesen Theorien vielleicht verändert hat.
2. Die Schule neu denken
2. 1 Zusammenfassung
2.1.1 Kapitel 1: Schlechte Nachrichten
Hartmut von Hentig weist im ersten Kapitel „Schlechte Nachrichten“ seines Buches „Die Schule neu denken“ darauf hin, dass Gewalt unter Kindern und Jugendlichen, Kindermord durch Kinder, Erpressungen, Folterungen, Vergewaltigungen, Raub und dergleichen mehr, in den letzten Jahrzehnten angestiegen und zum Alltag geworden sind. Auch die Schule bleibt davor nicht verschont: Störungen, Unverschämtheiten, Bedrohungen und Chaos stehen hier oftmals auf der Tagesordnung, selbst die sogenannten „Nobelinstitute“ bilden oft keine Ausnahme. Alarmierend sind auch die häufigen Ausschreitungen gegen Minderheiten wie zum Beispiel Ausländer, Behinderte, Obdachlose oder Homosexuelle, ebenso wie gegen deutsche Juden. Die Täter sind oftmals zwischen 12 und 18 Jahren alt, ein Sachverhalt, der die Öffentlichkeit nachhaltig verstört: Einmal, weil solche Taten nicht zu jener Vorstellung passen, die man sich von der Jugend macht: Sorglos, großzügig, neugierig, tatbereit und dem Fremden gegenüber aufgeschlossen sollte sie sein. Aber auch, weil man keine Antworten, keine Lösungen dafür findet und weil man ahnt, dass man dieses Unglück mitverschuldet hat – durch die eigene gewollte und zu verantwortende Lebensweise.
Hartmut von Hentig erwähnt ebenfalls, dass die eigentliche Gefahr nicht von jugendlichen Tätern ausgeht, sondern von jenen Mitbürgern, welche zuschauen, selbst nichts tun, aber öffentlich oder geheim applaudieren. Diese Gruppe ist nicht nur zahlreicher und stellt daher die größere Gefahr dar, sie verschafft außerdem den Tätern ein gutes Gewissen. Von Hentig bemerkt, dass in einer Demokratie die Gesinnung durch das Verhalten und die Wachsamkeit der Mehrheit gesichert wird. Wenn diese jedoch nicht weiß, wie sie das machen, soll, so ist nach von Hentig die Demokratie bereits verloren. Er stellt fest, dass sich immer mehr Menschen von den Mitteln und Möglichkeiten unserer „polis“ abwenden, die „Politikverdrossenheit“ , welche als Gefahr für unsere Demokratie ausgemacht wurde, da die großen Parteien durch die Nichtwähler um die handlungsfähige Mehrheit gebracht werden, hat Einzug erhalten. Hartmut von Hentig sieht den Grund für diese Abkehr der Bürger von der Politik zum großen Teil darin, dass sich viele Menschen von der Demokratie und von der ihnen zugedachten Rolle überfordert fühlen und diesen Sachverhalt nicht zum Gegenstand demokratischer Politik machen.
Er befürchtet, dass der Glaube an die Politik eben nicht in den eigentlich entscheidenden ersten zwei Lebensjahrzehnten eines Menschen angelegt wird und werden kann, da er diese nicht in der polis verbringt, sondern, laut von Hentig, in der Schule, in einem Ghetto, in dem andere Verhältnisse und Ordnungen herrschen als im Leben „draußen“, an einem Ort, an dem man die Antworten anderer auf Probleme, die einem selbst noch fremd sind, erfährt und lernen muss. Was diese Schule jedoch nicht ist, was sie jedoch nach Hartmut von Hentig sein sollte, ist die polis – das kleine Abbild der eigentlichen großen. Hartmut von Hentig fordert die Zuständigen, welche sich so erschrocken über die Ergebnisse einer zehn- bis dreizehnjährigen Schulbildung ohne Lebenserziehung zeigen, auf, die Gelegenheit zu nutzen und umzudenken. Er weist darauf hin, dass sich diese Gelegenheit bereits für Ostdeutschland nach der Wende geboten hat, da dort das gesamte politische System zusammengebrochen war und man ohnehin neu über das Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen in der Gesellschaft nachdenken musste. Damals wurde die Chance zum Umdenken nicht genutzt, die Verantwortlichen waren in erster Linie besorgt darum, wie man vorgehen müsse, um den Anschluss an den Westen nicht zu verpassen. Manche Pädagogen fühlen sich von den Anforderungen ihres Berufs überfordert: Sie schlagen vor, die Schule solle sich nur noch auf die Vermittlung von Basiswissen und Kulturtechniken beschränken und der Erziehungsauftrag solle von anderen geeigneten Einrichtungen übernommen werden. Hartmut von Hentig betont jedoch, dass es der Auftrag der Schule in der Demokratie sei, Kinder und Jugenliche zu politikfähigen, politikbereiten und verantwortungsbewussten Bürgern zu machen; sie muss der nächsten Generation dabei helfen, in der Welt, in der sie lebt, erwachsen zu werden.
2.1.2 Kapitel 2: Schwierige Veränderungen
Zu Beginn des nächsten Kapitels weist Hartmut von Hentig auf die unterschätzte Gefahr des übermäßigen Fernsehkonsums hin: Die freie Zeit wird häufig nicht dazu genutzt, sich mit anderen zu unterhalten, nachzudenken oder sich anderen zuzuwenden, sondern es wird stattdessen ferngesehen. Außerdem erwähnt Hartmut von Hentig, dass das Fernsehen erstens das Verhältnis von Bürger und Öffentlichkeit verändert, zweitens das Verhältnis von primärer zu sekundärer Erfahrung, von eigener Wahrnehmung und „Wirklichkeit aus zweiter Hand“1 und drittens das Verhältnis von Vorstellung und Handeln.
Aus diesem Grund ändert sich laut Hartmut von Hentig auch die Rolle der Schule, da das Fernsehen als eine Art Rivale und Gegenpart zur Schule auftritt: Der „heimliche Unterricht des Fernsehens“2 vermittelt dem jungen Zuschauer, alles durch das Fernsehen selbst gesehen zu haben und daher alles darüber zu wissen. Er vermittelt, dass all das, was im Fernsehen gezeigt wird, enorm aufregend, wichtig, fürchterlich oder glanzvoll ist und das eigene Leben eher unbedeutend und langweilig. Außerdem wird vermittelt, dass alles, wenn es im Fernsehen erscheint, bereits ohne den Zuschauer geschehen ist, dass es weiterläuft, dass es zu immer mehr Problemen ohne Lösungen kommt, auch wenn das Gerät abgeschaltet ist. Der „offene Unterrichtsauftrag der Schule“3 lautet nach Hartmut von Hentig nun recht gegensätzlich:
„Auswahl und Schärfung der Wahrnehmung; Verstehen durch Vergleich, Unterscheidung, gegenseitige Mitteilung; Erkenntnis durch Ordnung der Vorstellungen; deren Prüfung, Begründung, Bewertung; Handeln lernen – allein und mit anderen; Verantwortung übernehmen; die allmähliche Zunahme von Öffentlichkeit; das Fortsetzen der Bemühungen, das Wiederaufstehen nach dem straucheln; die Erfahrung: ich kann.“4 Es ist nun nach Hartmut von Hentig Sache und Problem der Schule, mit diesem starken Konkurrenten zurechtzukommen: Für Kinder und Jugendliche ist das Fernsehen ein normaler Bestandteil ihres Lebens, womit sie groß geworden sind und nichts, wovor man sich in Acht nehmen sollte.
[...]
1 Hentig, Hartmut von: Die Schule neu denken. Eine Übung in pädagogischer Vernunft. München 1993, S. 28.
2 Hentig, Hartmut von: Die Schule neu denken. Eine Übung in pädagogischer Vernunft. München 1993, S. 30.
3 Hentig, Hartmut von: Die Schule neu denken. Eine Übung in pädagogischer Vernunft. München 1993, S. 30.
4 Hentig, Hartmut von: Die Schule neu denken. Eine Übung in pädagogischer Vernunft. München 1993, S. 30.
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