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Details

Kategorie: Anderes
Jahr: 1994
Seiten: 10
Literaturverzeichnis: ~ 11  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 72 KB
Archivnummer: V61117
ISBN (E-Book): 978-3-638-54643-0
Anmerkungen :
Vortragsmanuskript für eine Veranstaltung von A.I.P.A. (L’Association Internationale et Interdisciplinaire pour Promotion de l’Archéologie Africaine), Hamburg 1994

Textauszug (computergeneriert)

Zur Thematisierung Afrikas in der Ägyptologie

Vortragsmanuskript
für eine Veranstaltung von A.I.P.A.
(L′Association Internationale et Interdisciplinaire pour 
Promotion de l′Archéologie Africaine)

von

Sabine Neureiter

Hamburg 1994

 

 

Gliederung

Die Ägyptologie ist eine eurozentristische Wissenschaft 3

Afrikaner begründeten die altägyptische Kultur 4

Neben der Archäologie ermöglicht auch die Linguistik die Erforschung der afrikanischen Wurzeln Altägyptens 6

Die Ägyptologie sollte mehr Verantwortungsbewußtsein zeigen 7

Résumée 8

Literatur 9

 

 

Die altägyptische Kultur ist eine afrikanische Kultur. Diese Feststellung erscheint zunächst keiner besonderen Erwähnung wert, schließlich ist allen LeserInnen die Tatsache bekannt, daß es sich bei Ägypten um eine nordafrikanisches Land und insofern bei der altägyptischen um ein afrikanische Kultur handelt. Entscheidend ist jedoch die Frage, ob den LeserInnen die schwarzafrikanischen Wurzeln Altägyptens bewußt sind und von ihnen anerkannt werden.

Das Festmachen von Geschichte und Geschichtsbewußtsein am Vorhandensein von Schrift ist heute nicht mehr haltbar - ebensowenig wie die Annahme, die altägyptische Kultur sei nicht Teil der afrikanischen Geschichte. Es soll hier dafür plädiert werden, die afrikanische Komponente in der Ägyptologie verstärkt zu thematisieren.

Die Ägyptologie ist eine eurozentristische Wissenschaft

1822 entzifferte Jean François Champollion die Hieroglyphen und begründete damit die Ägyptologie. Er leitete die wissenschaftliche Erforschung der altägyptischen Kultur ein, die bis heute fast ausschließlich ohne Mitwirken schwarzafrikanischer WissenschaftlerInnen betrieben wird. Hunderten europäischer, ägyptischer und amerikanischer ÄgyptologInnen stehen nur wenige afrikanische gegenüber, deren wissenschaftliche Gewichtigkeit v.a. aus historischen, aber auch bildungspolitischen Gründen in keinem Verhältnis zu der ihrer weißen KollegInnen steht. Bis heute wird die altägyptische Geschichte eurozentristisch interpretiert und für das europäische Geschichtsbewußtsein und Selbstverständnis okkupiert. Diese Okkupation geschah und geschieht mit einer Selbstverständlichkeit, die staunen läßt: So werden etwa die sich heute in Berlin befindliche Büste Nofretetes oder die kairener Goldmaske Tutanchamuns (beide um 1350 v. Chr.) zum europäischen, sprich makellosen, Schönheitsideal hochstilisiert und neben unzähligen anderen altägypischen Kulturelementen verkaufsintensiv vermarktet.

Das Interesse Europas an der altägyptischen Kultur ist seit der Antike nicht abgerissen. Aufgrund dieses Interesses ist uns heute die altägyptische Kunst entsprechend vertrauter als etwa die des alten Amerika oder des Fernen Ostens. Das christliche Europa mußte sich niemals gegen die altägyptische Kultur abgrenzen, wie dies etwa gegen die arabische Kultur der Fall war, entsprechend ungestört ist auch unser modernes Kunstempfinden Altägypten gegenüber. Altägyptische Plastiken erscheinen uns verwandt, so daß uns dabei ihr afrikanisches Aussehen völlig entgeht. Unsere stereotype Vorstellung davon, wie AfrikanerInnen auszusehen haben, trägt ihren Teil zu dieser Ignoranz bei. Dabei sei auf das Problem der unterschiedlichen Hautfarben der in den altägyptischen Tempeln und Gräbern dargestellten Fremdvölker aufmerksam gemacht. Sich selbst stellten die Ägypter dunkel- und hellbraun dar, die Leute aus dem Süden wurden dunkelbraun und schwarz abgebildet. Aufgrund dieser Darstellungen werden die dunkleren Menschen als Afrikaner und die helleren als Ägypter, und implizit als Nicht-Afrikaner, bezeichnet. Die Farbe der Haut ist von verschiedenen Faktoren abhängig, vom Klima ebenso wie von genetischen Einflüssen. Aus diesem Grund gibt es heute auf dem afrikanischen Kontinent, ebenso wie zu Zeiten der altägyptischen Kultur, AfrikanerInnen unterschiedlicher Hautfarbe. Die stereotype Vorstellung, dunkle Hautfarbe stehe für den Süden, für Afrika oder für einen afrikanischen Einfluß, die helle Hautfarbe dagegen für den Norden, für Europa, für einen nordischen oder europäischen Einfluß, versperrt den Blick für die schwarzafrikanischen Merkmale der altägyptischen Kultur, sie werden übersehen oder ignoriert.

Afrikaner begründeten die altägyptische Kultur

B. Jewsiewicki und V. Y. Mudimbe schreiben im "Unesco-Kurier" 3, 1990, 39: "Ägypten war nicht nur eine afrikanische Zivilisation, sondern eine schwarze 5 Kultur, so früh wie es auch Menschen gegeben hat". Wer könnte das bestreiten? Der Ursprung des Menschen (homo sapiens sapiens) liegt in Afrika; von da aus besiedelten Gruppen seines Vorfahren (homo erectus) die ganze Welt. Ihre Ausbreitung vollzog sich vor etwa einer Million Jahren von Südostafrika nach Asien und Europa.

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Kommentare

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