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Hollywood und Vietnam - Die Bedeutung des Vietnamfilms für die Bildung von Geschichtsbildern

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2006, 25 Pages
Author: Kerstin Müller
Subject: Communications - Media History

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2006
Pages: 25
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 30  Entries
Language: German
Archive No.: V61352
ISBN (E-book): 978-3-638-54826-7

File size: 205 KB


Excerpt (computer-generated)

Universität Bayreuth, Fakultät für Sprach- und Literaturwissenschaften
HS Wege einer integrativen Mediengeschichte
Wintersemester 05/06

Hollywood und Vietnam -
Die Bedeutung des Vietnamfilms für die Bildung von Geschichtsbildern

von: Kerstin Müller

 


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung  3

2 Der Vietnamfilm – Entstehung eines neuen Genres  4

3 Der Kriegsfilm im Lichte der Semiohistorie und des New Historicism 7

4 Kollektive Erinnerungen – der Kriegsfilm als Aufarbeitung des Nicht- Erlebten?  12

4.1 Apocalypse Now  13
4.2 Jarhead  14
4.3 Rambo, Platoon und der starke Held  16

5 Nicht-Gezeigtes als Indikator für den Zustand der Gesellschaft  17

6 Fazit  21

7 Literaturverzeichnis  23



 

 

1 Einleitung

It′s silly talking about how many years we will have to spend in the jungles of Vietnam when we could pave the whole country and put parking stripes on it and still be home for Christmas. (Ronald Reagan, 1965)1

Als Ronald Reagan im Jahre 1965 diese Worte sprach, war ihm noch nicht bewusst, dass der Krieg in Vietnam zum größten Trauma der Vereinigten Staaten von Amerika und darin erst durch die Anschläge vom 11. September 2001 abgelöst werden würde. Der Krieg in Vietnam hat wie kein anderer die amerikanische Gesellschaft beeinflusst, gespalten und gleichzeitig aber auch vereint. Während die Rechtfertigung und Durchführung des Krieges selbst das ganze Land polarisierte, so ist unser heutiges Bild von Vietnam doch ein recht einheitliches. Dies ist den zahlreichen Produktionen Hollywoods zu verdanken, die sich diesem Krieg widmeten und so zu unserer kollektiven Auffassung davon beitrugen. „Daß der Vietnamkrieg wie nie zuvor ein Krieg der Bilder war“2, wird bei einer genaueren Betrachtung der einzelnen Filme deutlich. Reinecke betont, „wer indes heute vom Vietnamkrieg redet, spricht insgeheim auch stets von den Inszenierungen, die im Kino entworfen wurden und die in unseren Köpfen die dokumentarischen Bilder des Krieges überlappen.“3 Dass der Zuschauer durch den vermeintlichen Authentizitätsanspruch vieler Kriegsfilme Fiktion und Realität vermischt, steht hierbei nur im Hintergrund. Aus diesem Grund soll auch keine authentizitätskritische Analyse der Kriegsfilme erfolgen. Vielmehr soll sich die nachfolgende Arbeit der Deutung kollektiver Erinnerungen, die durch den Film geschaffen werden, widmen und dies anhand von Referenzbeispielen dargestellt werden. Denn sogar in heutigen Hollywood Produktionen wird immer wieder auf die einst produzierten und in den Köpfen der Zuschauer fest verankerten Bilder zurückgegriffen, um das Bild vom Krieg in Vietnam weiter zu prägen. Des Weiteren soll im Zuge dieser Arbeit anhand dessen die Relevanz des Vietnamfilms für unsere Geschichtsbilder, und insbesondere für die Semiohistorie und den New Historicism dargestellt werden. Unter Berücksichtigung dieser beiden Ansätze wird deutlich, dass Siegfried Kracauers Thesen, Filme befriedigen Massenbedürfnisse und reflektieren Kollektivmentalitäten, sich anhand der US-amerikanischen Hollywood Produktionen festmachen lassen. Es wurden bewusst nur sogenannte Blockbuster in diese Arbeit miteinbezogen. Eine weitere Auswahl hätte den Rahmen dieser Arbeit gesprengt, und der Kassenerfolg dieser Filme garantiert, dass sie von einer breiten Masse rezipiert werden, was Grundvoraussetzung für die Analyse in Bezug auf kollektive Mentalitäten ist.

2 Der Vietnamfilm – Entstehung eines neuen Genres

Durch den Einzug der amerikanischen Truppen in Vietnam im Jahre 1965 entstand nicht einfach nur ein neues Sujet für die amerikanische Filmindustrie; es entwickelte sich ein völlig neues Filmgenre – der Vietnam-Film. Nicht nur medien- und filmgeschichtlich betrachtet ist der Vietnamfilm von Bedeutung, sondern auch psychologisch. Vietnam wird häufig als das Trauma der amerikanischen Nation bezeichnet, und der Vietnamfilm an sich spielte eine zentrale Rolle in der retrospektiven Funktion der Verarbeitung dieses Traumas, ebenso wie in der Rekonstruktion ihrer kollektiven Identität. Durch die Filme war man in der Lage „Definitionsmacht über den Krieg zurück [zu gewinnen], den [man] militärisch verloren hatte.“4

Mit dem Einzug des Fernsehers in die amerikanischen Haushalte änderte sich die Art der Kriegsberichterstattung grundlegend, der Niedergang des non-fiktionalen Kriegsfilms begann. Die bisher dominante Wochenschau konnte mit den schnelleren und scheinbar authentischeren Bildern des Fernsehens nicht mithalten. Der Kriegsfilm verschwand fast gänzlich aus dem Sektor der Dokumentation und existierte hauptsächlich nur noch im fiktionalen Bereich. „Bei den mehr als 400 Filmen, die sich dem Vietnam-Krieg widmeten, handelt es sich somit primär um fiktionale Post-War-Produktionen.“5 Der Krieg in Vietnam war zudem der erste vom Fernsehen übertragene Krieg und vermittelte so ein bisher nicht bekanntes Maß an Authentizität und Unmittelbarkeit. Er wurde „zu Recht auch als erster living room war bezeichnet.“6 Das Genre Vietnamfilm lässt sich grob in drei Phasen einteilen: die Phase der Tabuisierung bis etwa 1975, dann die Filme der Carter-Ära bis 1979/80, in deren Zentrum problematische, zerrissene Helden standen, in denen das USEngagement ambivalent gezeigt wurde, und dann die Wiederkehr des Patriotismus und des siegreichen Heros etwa seit 1982.7

Während des Krieges selbst hielt sich Hollywood noch weitestgehend zurück, so dass nur wenige zeitgenössische Spielfilme produziert wurden. Einer der ersten war John Waynes The Green Berets aus dem Jahr 1968, der sogar vom Department of Defense finanziell unterstützt wurde und so „der einzige nennenswerte Versuch Hollywoods [blieb], de[n] kämpfenden Truppen an der Heimatfront Rückendeckung zu verschaffen.“8 Ebenso rar waren regierungsamtliche Produktionen, da die amerikanischen Fernsehanstalten bis zur öffentlichkeitswirksam inszenierten Tet-Offensive 1968 zum Großteil regierungskonforme Produktionen ablieferten. Gemeinsamkeiten waren das Anpreisen der modernen Waffentechnik, die Überlegenheit, sowie „die Abwesenheit des Feindes und die Projektion amerikanischer Wunschbilder.“9

Bis etwa 1977 dominierten Filme, die sich auf die Auswirkungen des Krieges auf die amerikanische Gesellschaft wie die Reintegration der Veteranen und das Post-Vietnam- Syndrom konzentrierten. Dies ist hauptsächlich auf die Kriegswende sowie das Bekanntwerden und die Verbreitung der schockierenden Bilder des My Lai Massakers zurückzuführen. Der Krieg selbst wurde in diesen Filmen jedoch weitestgehend ausgeblendet. 10 Krause/Schwelling gehen sogar soweit zu sagen, „Hollywood hatte eine direkte Darstellung des Vietnam-Kriegs im Spielfilm bis zu diesem Zeitpunkt [Ende der siebziger Jahre K.M.] nahezu vollständig vermieden.“11

[...]


1 http://www.vietnam-war.info/quotes/

2 Reinecke, Stefan: Hollywood goes Vietnam. S. 7.

3 Ebd., S. 7.

4 Paul, Gerhard: Historische Skizze und methodologische Überlegungen, S. 55.

5 Ebd., S.48.

6 Ebd., S. 48.

7 Reinecke, Stefan: Hollywood goes Vietnam, S. 9.

8 Ebd., S. 49.

9 Paul, Gerhard: Historische Skizze und methodologische Überlegungen, S. 49.

10 Ebd., S. 49.

11 Krause, Peter/Schwelling, Birgit: Filme als Orte kollektiver Erinnerung, S. 96.


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