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Autoren: Astrid Zimmermann, Andreas Gruschke
Fach: Orientalistik / Sinologie - Allgemeines u. Übergreifendes
Details
Jahr: 2004
Seiten: 20
Literaturverzeichnis: ~ 11 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 215 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-54933-2
ISBN (Buch): 978-3-638-77366-9
Erstveröffentlichung in: Utopie und Realität. Das alte Beijing wurde als ideale Hauptstadt geplant von Andreas GRUSCHKE und Astrid ZIMMERMANN, in: feng shui journal, Ausgabe 7 (2004), S. 14-21
Zusammenfassung / Abstract
Für viele Besucher ist Beijing bis heute das Tor zu China und erste Station einer Reise durch das Reich der Mitte. Die dynamische Millionenstadt prägt den ersten Eindruck und vermittelt das Bild eines Landes, das den unaufhaltsamen Weg in eine rasante Moderne eingeschlagen hat. Mehrspurige Straßen, verstopft mit Fahrzeugen und gesäumt von hoch aufstrebenden Hochhäusern, glitzernden Hotels und Einkaufszentren fallen jedem Besucher ins Auge, der vom Flughafen hinein in die Innenstadt fährt. Auf den ersten Blick wirkt die Stadt mit ihrem Menschengewimmel wie ein moderner Moloch, der wild wuchert und seinen Bewohnern im wahrsten Sinne des Wortes langsam über den Kopf wächst. Einstmals aber wurde Beijing nach den traditionellen Prinzipien einer idealen Hauptstadt angelegt. Durch sie wurden die althergebrachten Vorstellungen der kaiserlichen Machtausübung mit den uralten Regeln des Feng Shui verknüpft und formten einen faszinierenden Mikrokosmos. Durch die rasante Entwicklung der letzten beiden Jahrzehnte sichtet der Reisende die Zeugnisse einer großen und langen Vergangenheit oft erst auf den zweiten Blick. Denn Beijing ist mehr als nur die Kapitale eines Riesenreiches. Die chinesische Metropole ist das Bindeglied zwischen einer Vergangenheit, die ihre Bewohner bis heute nie ganz losgelassen hat, und einer Zukunft, die mehr und mehr Gestalt annimmt. Dass die einst sorgfältig geplante Stadt tatsächlich nach den altüberlieferten Regeln des Feng Shui und den jahrhundertealten Bau- und Anlageprinzipien des Idealmodells einer Hauptstadt angelegt wurde, erschließt sich leichter nach der hier gegebenen Darstellung. Denn wer genau hinschaut erkennt noch immer die Grundzüge dieses alten „Stadtkosmos“ und kann einen Eindruck davon gewinnen, wie dieser einst funktionierte.
Textauszug (computergeneriert)
Hauptstädtische Kosmologie zwischen Utopie und Realität:
Beijing als die geplante „ideale Hauptstadt"
von: Astrid Zimmermann und Andreas Gruschke
Einleitung
Beijing wird Hauptstadt
Kontinuität und Traditionsbewusstsein
Lage der Stadt
Planung einer Stadtanlage
Kaiserpalast als städtisches und kosmisches Zentrum
Gegensatz zwischen dem „Innen“ und dem „Außen“
Spiegelbild eines geordneten Universums
Durchdachte Stadtanlage gemäß wichtigen Prinzipien der chinesischen Architektur
Symbolik für eine neue Werteordnung nach 1911
Fazit
Literatur
Einst wurde Beijing nach den traditionellen Prinzipien einer idealen Hauptstadt angelegt. Durch sie wurden die althergebrachten Vorstellungen der kaiserlichen Machtausübung mit den uralten Regeln des Feng Shui verknüpft und formten einen faszinierenden Mikrokosmos
Einleitung
Bis heute ist Beijing für viele Besucher das Tor zu China und erste Station einer Reise durch das Reich der Mitte. Die dynamische Millionenstadt prägt den ersten Eindruck und vermittelt das Bild eines Landes, das den unaufhaltsamen Weg in eine rasante Moderne eingeschlagen hat. Mehrspurige Straßen, verstopft mit Fahrzeugen und gesäumt von hoch aufstrebenden Hochhäusern, glitzernden Hotels und Einkaufszentren fallen jedem Besucher ins Auge, der vom Flughafen hinein in die Innenstadt fährt. Auf den ersten Blick wirkt die Stadt mit ihrem Menschengewimmel wie ein moderner Moloch, der wild wuchert und seinen Bewohnern im wahrsten Sinne des Wortes langsam über den Kopf wächst.
Erst auf den zweiten Blick sichtet der Reisende die Zeugnisse einer großen und langen Vergangenheit, die zu den Zeichen der Moderne in einem faszinierenden Kontrast stehen. Tatsächlich wurde die einst sorgfältig geplante Stadt nach den altüberlieferten Regeln des Feng Shui und den jahrhundertealten Bau- und Anlageprinzipien des Idealmodells einer Hauptstadt angelegt. Wer genau hinschaut erkennt noch immer die Grundzüge dieses alten „Stadtkosmos“ und kann einen Eindruck davon gewinnen, wie dieser einst funktionierte. Beijing ist mehr als nur die Kapitale eine Riesenreiches. Die chinesische Metropole ist das Bindeglied zwischen einer Vergangenheit, die ihre Bewohner bis heute nie ganz losgelassen hat, und einer Zukunft, die mehr und mehr Gestalt annimmt.
Beijing wird Hauptstadt
Auch wenn das Gebiet von Beijing schon seit Jahrtausenden besiedelt ist und bereits im 2. Jahrhundert v. Chr. erstmals Hauptstadt eines kleinen Reiches wurde, begann die Blütezeit der Stadt doch erst im 15. Jahrhundert. Damals beschloss der in Nanjing, der „Südlichen Hauptstadt“, residierende dritte Kaiser der Ming-Dynastie (1368-1644), die Hauptstadt aus strategischen Gründen in den Norden des Riesenreiches zu verlegen und eine „Nördliche Hauptstadt“ zu gründen: Beijing. Im Jahre 1368 war es den Chinesen endlich gelungen, die verhasste Fremdherrschaft der Mongolen zu beenden und wieder selbst die Geschicke des Kaiserreiches in die Hand zu nehmen. Eine Restauration der chinesischen Kultur begann, in der die traditionellen Künste und die alten Philosophien zu einer neuen Blüte gelangten.
Mit dem Yongle-Kaiser gelangte ein machtbewusster und visionärer Herrscher auf den Drachenthron, der sich in der Tradition einer langen chinesischen Geschichte sah und im Jahre 1403 selbstbewusst die Verlegung der Hauptstadt beschloss und damit einen gewaltigen Bauboom auslöste. Mit der Errichtung einer glorreichen Stadt sollte die Stärke der noch jungen Ming-Dynastie dokumentiert werden. Er setzte alles daran, eine Hauptstadt mit imperialen Qualitäten zu erschaffen und ließ dazu Handwerker und Künstler aus dem ganzen Land kommen. Beste Baumaterialien aus allen Regionen wurden verwendet. Dabei sah er sich nicht nur als Städtegründer, sondern auch als Erbe einer uralten Tradition, die durch ihn weiterleben und zu einem neuen Höhepunkt geführt werden sollte. Diese Traditionen äußern sich vor allem in einer besonderen Herrschaftsauffassung, die sich direkt darin niederschlug, eine als ideale Hauptstadt vorgestellte Metropole anzulegen.
Kontinuität und Traditionsbewusstsein
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