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Möglichkeiten der Prävention von Lese-Rechtschreibschwierigkeiten durch die frühe Förderung der phonologischen Bewusstheit

Termpaper, 2006, 22 Pages
Author: Sabrina Weber
Subject: Pedagogy - Orthopaedagogy and Special Education

Details

Category: Termpaper
Year: 2006
Pages: 22
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 15  Entries
Language: German
Archive No.: V61843
ISBN (E-book): 978-3-638-55204-2
ISBN (Book): 978-3-638-68822-2
File size: 202 KB

Abstract

Die Bedeutung der phonologischen Bewusstheit für den Schriftspracherwerb rückt seit Jahren immer mehr in das Interesse der Forschung und konnte bereits durch umfangreiche Studien belegt werden. Die vorliegende Arbeit setzt sich zunächst mit dem Begriff der phonologischen Bewusstheit auseinander, um dann ihre Relevanz für den Schriftspracherwerb und für die Ausbildung von Lese-Rechtschreibschwierigkeiten im Speziellen zu erörtern. Die Effizienz der Förderung der phonologischen Bewusstheit wird anhand verschiedener Trainingsstudien belegt. Nach der Darlegung von Möglichkeiten der frühen Identifikation von Risikokindern schließt die Arbeit mit der Vorstellung des Würzburger Trainingsprogrammes zur Förderung sprachlicher Bewusstheit bei Kindergartenkindern.


Excerpt (computer-generated)

Humboldt-Universität zu Berlin
Institut für Rehabilitationswissenschaften
Berlin, den 07. August 2006

Möglichkeiten der Prävention von
Lese-Rechtschreibschwierigkeiten durch die
frühe Förderung der phonologischen Bewusstheit

von: Sabrina Weber

 


Inhalt

Einleitung  3

1. Die phonologische Bewusstheit und ihre Entwicklung 4

2. Phonologische Bewusstheit und Schriftspracherwerb  5

2.1 Spezifische Vorläuferfertigkeiten des Lesen und Schreiben Lernens 5
2.2 Der Zusammenhang von phonologischer Bewusstheit und Schriftspracherwerb 6

3. Phonologische Bewusstheit und Lese-Rechtschreibschwierigkeiten 7

4. Die frühe Förderung der phonologischen Bewusstheit als Prävention von Lese-Rechtschreibschwierigkeiten 8

4.1 Trainingsstudien zur Prävention von Lese-Rechtschreibschwierigkeiten  8
4.2 Möglichkeiten der frühen Identifikation von Risikokindern 14
4.3 Das Würzburger Trainingsprogramm zur Förderung sprachlicher Bewusstheit bei Kindergartenkindern 16

5. Zusammenfassung 19

Literatur  21


 

 

Einleitung

Die traditionelle Legasthenieforschung sah sich ab Mitte der 1970er Jahre harter Kritik ausgesetzt. „Weder fehlende Hemisphärendominanz, noch mangelhafte Rechts-Linksunterscheidung, noch MCD konnten als Ursachen für LRS verifiziert werden“ (BLÄSSER 1994, 26). Genetisch orientierte Ansätze bargen zudem die Gefahr pädagogischer Resignation (vgl. ebd.). In den 1980er Jahren kam es deshalb zu neuen theoretischen Orientierungen, bei welchen dem normalen Verlauf des Schriftspracherwerbs immer mehr Beachtung zukam. Besonders wichtig war die Erkenntnis, dass der Schuleintritt nicht als „Stunde Null“ für das Erlernen des Lesen und Schreibens angesehen werden kann, sondern schon vorher verschiedene Kompetenzen als Vorläuferfertigkeiten existieren. Die Forschung konzentrierte sich also zunehmend auf die Identifikation dieser wichtigen Fertigkeiten und richtete ihr Augenmerk verstärkt auf den Prozess sprachlicher Informationsverarbeitung. Durch zahlreiche Studien konnte somit die Bedeutung der phonologischen Bewusstheit für den Schriftspracherwerb belegt werden (vgl. z.B. BLÄSSER 1994, 26 sowie ROTH 1999, 35ff.). Die Kinder stehen mit dem Erlernen der Schriftsprache vor der Aufgabe „die Entsprechung Schrift – mündliche Sprache sowohl auf der Graphem-Phonem-Ebene als auch auf der Ebene der Phonemfolge, der Silben- und Wortebene, zu erfassen“ (KLICPERA/GASTEIGER-KLICPERA 1999, 131). Lese- Rechtschreibschwierigkeiten entstehen demnach, wenn durch fehlende Lernvoraussetzungen die Erfassung der Zuordnung von Sprache und Schrift auf der Phonemebene und die Bildung eines differenzierten orthografischen Gedächtnissystems gestört ist (vgl. KLICPERA/GASTEIGER- KLICPERA 1999, 132). Eine wichtige dieser Lernvoraussetzungen stellt die hier diskutierte phonologische Bewusstheit dar. Im Folgenden werden deshalb zunächst der Begriff der phonologischen Bewusstheit und deren Entwicklung erläutert. Daraufhin erfolgt die Verknüpfung dieser Fähigkeit mit dem Schriftspracherwerb, um anschließend speziell auf die Bedeutung der phonologischen Bewusstheit für die Ausbildung von Lese-Rechtschreibschwierigkeiten einzugehen. Die Effizienz früher Förderung der phonologischen Bewusstheit wird durch die Darstellung verschiedener klassischer Trainingsstudien belegt. Mit Blick auf die Prävention späterer Probleme im Schriftspracherwerb wird danach die Identifikation von Risikokindern beschrieben und abschließend das Würzburger Trainingsprogramm als eine Möglichkeit der frühen Förderung vorgestellt. Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung bezüglich der Prävention von Lese-Rechtschreibschwierigkeiten durch die Förderung der phonologischen Bewusstheit.

1. Die phonologische Bewusstheit und ihre Entwicklung

Mit dem 5. bis 6. Lebensjahr entwickeln Kinder die Fähigkeit, sprachliche Vorgänge bewusst zu reflektieren. Zu dieser metalinguistischen Bewusstheit zählt neben der Wortbewusstheit, der Form- bzw. syntaktischen und der pragmatischen Bewusstheit auch die phonologische Bewusstheit, welche die Reflexion über die lautlichen Einheiten der Sprache umfasst (vgl. JAHN 2001, 28; KLICPERA/GASTEIGER-KLICPERA 1995, 37). Dabei bezieht sich die phonologische Bewusstheit im weiteren Sinne auf die phonetisch wahrnehmbaren Eigenschaften von Sprache. Hierzu zählen die Analyse von Silben sowie das Erkennen von Reimen und Alliterationen (vgl. ROTH 1999, 62). Phonologische Bewusstheit im engeren Sinne dagegen beinhaltet die Auseinandersetzung mit einzelnen Lauten ohne semantische oder sprachrhythmische Bezüge. Sie umfasst z.B. die Lautanalyse und die Lautsynthese (vgl. JAHN 2001, 29) und wird oft auch als phonemische Bewusstheit bezeichnet (vgl. BLÄSSER 1994, 41). Die Entwicklung der phonologischen Bewusstheit vollzieht sich von der weiteren zu engeren Bewusstheit hin. So schreiben KLICPERA/GASTEIGER-KLICPERA (1995, 37), dass etwa 50% aller Kinder vor dem Schuleintritt und 90 % der Kinder am Ende des ersten Schuljahres in der Lage sind, Wörter in Silben zu unterteilen, wohingegen nur etwa ein Sechstel aller Kinder vor Schuleintritt und ungefähr ein Drittel am Ende der 1. Klasse die Segmentierung in Phoneme beherrschen. KLICPERA/GASTEIGER-KLICPERA (1995, 40) weisen in diesem Zusammenhang auf das dreistufige Entwicklungsmodell der phonologischen Bewusstheit von MORAIS et al. hin. Demzufolge entwickelt sich im Rahmen der ersten Stufe zunächst die Fähigkeit, die Bedeutung von Wörtern außer Acht zu lassen und sich speziell auf die Lautfolge zu konzentrieren, was sich typischerweise in der Sensibilität für Reime und Alliterationen ausdrückt. Die Ausbildung der phonetischen Bewusstheit bildet die zweite Stufe, in welcher die Ähnlichkeit der Lautfolge verschiedener Wörter beachtet wird, wobei die perzeptuelle Unterscheidung noch im Vordergrund steht. Die phonematische Bewusstheit bildet die dritte Stufe und beinhaltet die Unterscheidung der Phonemfolgen hinsichtlich der unterschiedlichen Bedeutung verschiedener Wörter. Die Kinder sind nun in der Lage, Phoneme im Sinne der Linguistik als kleinste bedeutungsdifferenzierende Einheit der Sprache zu erkennen. JAHN (2001, 32) weist in ihrer Beschreibung der Entwicklung der Phonembewusstheit auf den Zusammenhang der Größe der zu analysierenden sprachlichen Einheit und des jeweils erforderlichen analytischen Aufwandes hin. Die Ausbildung der phonologischen Bewusstheit vollzieht sich demnach über die Silbensegmentierung, die Reimerkennung und –produktion, die Lautanalyse und –synthese, die Lautmanipulation bis hin zur Segmentierung von Mehrfachkonsonanz. Im Folgenden ist nun von Interesse, in welchem Zusammenhang die einzelnen phonologischen Fähigkeiten mit dem Schriftspracherwerb stehen und inwieweit von kausalen Beziehungen ausgegangen werden kann.

2. Phonologische Bewusstheit und Schriftspracherwerb

[...]


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