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Autor: Diplom-Pädagoge Christian Peitz
Fach: Pädagogik - Medienpädagogik
Details
Tags: Bildungsziel, Sprachkompetenz, Möglichkeiten, Perspektiven, Sprachförderung
Jahr: 2005
Seiten: 105
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 103 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 465 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-55282-0
Textauszug (computergeneriert)
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Fachbereich 6 - Erziehungswissenschaft und Sozialwissenschaften
Bildungsziel Sprachkompetenz: Möglichkeiten und Perspektiven einer interdisziplinären Sprachförderung
Christian Peitz
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung ... 1
1.1 Thema ... 2
1.2 Vorgehensweise ... 5
2 Theoretische Grundlagen ... 7
2.1 Bildungstheoretische Grundhaltung ... 8
2.2 Sprache als Gegenstand der Förderung ... 14
2.2.1 Sprachwissenschaften ... 15
2.2.1.1 Phonetik und Phonologie ... 15
2.2.1.2 Semiotik und Semantik ... 16
2.2.1.3 Grammatik ... 16
2.2.1.4 Zwischenfazit ... 17
2.2.2 Bedeutung und Funktion von Sprache ... 17
2.2.2.1 Psycholinguistik ... 18
2.2.2.2 Soziolinguistik ... 19
2.2.2.3 Pragmatik ... 20
2.2.2.4 Weitere Sprachwissenschaften ... 21
2.2.3 Weiterführung und Fazit ... 21
2.3 Spracherwerb ... 23
2.3.1 Behaviorismus ... 24
2.3.2 Nativismus ... 24
2.3.3 Kognitivismus ... 26
2.3.4 Interaktionismus ... 27
2.3.5 Ergänzungen und Schlussfolgerungen ... 28
2.4 Sprachentwicklung ... 29
2.4.1 Ungewöhnliche Entwicklung ... 30
2.4.2 Gewöhnliche Entwicklung ... 32
2.4.3 Bereiche kindlicher Entwicklung ... 38
2.4.4 Schriftspracherwerb ... 39
2.4.5 Sprachbewusstsein und Sprachbewusstheit ... 41
2.4.6 Sprachkompetenz ... 42
2.5 Das Heute der Jugend ... 44
2.5.1 Lebenswelten als Rahmen von Kindheit heute ... 45
2.5.2 Konsum ... 48
2.5.3 Medien ... 49
2.5.4 Gesprächs- und Lesekultur ... 53
2.6 Zusammenfassung ... 56
3 Sprachförderung ... 58
3.1 Die Bildungsziele „Lesekompetenz“ und „Sprachkompetenz“ ... 59
3.1.1 Lesekompetenz ... 59
3.1.2 Sprachkompetenz ... 64
3.1.3 Zusammenfassung ... 69
3.2 Konzeptionelle Grundlagen ... 69
3.2.1 Förderdiagnostik ... 70
3.2.2 Präventive Sprachförderung ... 72
3.2.3 Sprachförderung als Grundhaltung ... 74
3.2.4 Zusammenfassung ... 76
3.3 Sprachförderung als erzieherische Aufgabe ... 77
3.3.1 Vorraussetzungen und Grundlagen ... 78
3.3.2 Sprachanregungen ... 83
3.4 Möglichkeiten interdisziplinärer Sprachförderung ... 86
3.5 Zwischenfazit ... 88
4 Fazit und Ausblick ... 90
4.1 Zusammenfassung der Ergebnisse ... 90
4.2 Ausblick ... 92
5 Literatur- und Quellenverzeichnis ... 96
„De plantis libri tres, verdammt nochmal, das ist es auch nicht!“ knurrte William und warf sein Buch auf den Tisch. „Thesaurus herbarum“, sagte ich, und William: „Vergiss es, wir suchen ein griechisches Buch!“
„Vielleicht dieses?“ fragte ich und zeigte ihm einen Band, dessen Seiten mit krausen Lettern bedeckt waren. „Nein, du Dummkopf!“ fauchte William mich an. „Das ist Arabisch! Roger Bacon hatte vollkommen Recht: Die erste Pflicht des Studenten ist das Studium der Sprachen!“
„Aber Arabisch könnt Ihr doch auch nicht!“ maulte ich gekränkt, worauf William versetzte: „Aber ich sehe wenigstens, dass es Arabisch ist!“
Eco, Umberto 1982: S.464.
1. Einleitung
In dem vorangestellten Auszug aus dem Roman „Der Name der Rose“ gelingt es dem Novizen Adson nicht, arabische Schrift von griechischer zu unterscheiden. Hierbei geht es nicht um die Kenntnis der Sprachen bzw. Schriftsprachen, sondern lediglich um die Zuordnung einer Schrift zur jeweiligen Sprache. William von Baskerville betont, dass es die erste Pflicht des Studenten sei, Sprachen zu studieren. Allerdings muss beachtet werden, dass der Roman im 14. Jahrhundert spielt, also noch vor der Erfindung und Verbreitung des Buchdrucks. Eine Bewertung von Wissen und Kompetenzen kann jedoch nur auf Grundlage der jeweiligen Zeit erfolgen. William von Baskerville würde wohl in seiner Zeit die Kenntnis von Fremdsprachen und den dazugehörigen Schriftzeichen als wichtige Bestandteile von Sprachkompetenz bezeichnen.1
Der Begriff Sprachkompetenz enthält jedoch sehr viele weitere mögliche Aspekte wie z.B. Artikulation und Kenntnis der Muttersprache. Die folgende Darstellung, Bewertung und Diskussion wird sich mit Sprache auf Grundlage der heutigen Zeit befassen, also nicht nur den Buchdruck berücksichtigen, sondern auch Fernsehen, Internet, Handy und vieles mehr. Dennoch sind ohne Sprache Wissen und Bildung kaum möglich. Dem würde wohl auch William von Baskerville zustimmen. Wie dieser allerdings die Sprachkompetenz deutscher Kinder und Jugendlicher der heutigen Zeit bewerten würde, kann leider nicht geklärt werden.
1.1 Thema
Die Ergebnisse der internationalen Vergleichsstudie PISA haben einen großen Einfluss die bildungspolitische Diskussion in Deutschland.2 Das Akronym PISA steht für Programme for International Student Assessment. Die Studie wird von der OECD3 in regelmäßigen Abständen durchgeführt und verfolgt u.a. das Ziel, durch die teilnehmenden Länder überprüfen zu lassen, „wie gut es ihren Schulen gelingt, Schülerinnen und Schüler auf die Herausforderungen der Zukunft vorzubereiten.“ 4 Die erste noch sehr kleine Studie über Bildung und Betreuung wurde 1997 vorbereitet, damals noch ohne deutsche Beteiligung.
Grundlegend für die Diskussion war die PISA-Studie aus dem Jahr 2000, die den deutschen Schülern5 eine unterdurchschnittliche Lesekompetenz bescheinigte. „Im Bereich Lesen liegen die durchschnittlichen Leistungen der Jugendlichen in Deutschland unter dem Mittelwert der OECD-Mitgliedsstaaten. Nur in zwei weiteren mitteleuropäischen Ländern – Liechtenstein und Luxemburg – wurden ebenfalls unterdurchschnittliche Ergebnisse erzielt. Die Spitzenposition nimmt Finnland ein, gefolgt von Kanada, Neuseeland und Australien.“6 Lesekompetenz wird hier als Basiskompetenz und Schlüssel zur Bildung verstanden, die für das Individuum eine wichtige Rolle spielt. „PISA versteht Lesekompetenz als ein wichtiges Hilfsmittel für das Erreichen persönlicher Ziele, als Bedingung für die Weiterentwicklung des eigenen Wissens und der eigenen Fähigkeiten und als Voraussetzung für die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.“7 Die schlechten Leistungen im Lesen zeigten sich fächerübergreifend, so wurden beispielsweise Mathematikaufgaben von einigen Schülern nicht bewältigt, allein weil sie die Aufgabenstellung nicht verstanden haben.
Die Frage, ob sich dies auch durch eine mangelnde Kompetenz im Formulieren von Aufgabentexten seitens einiger Lehrer erklären ließe, darf hierbei allerdings nicht außer Acht gelassen werden, denn eine gründliche Ursachensuche verlangt eine Betrachtung des Problems von verschiedenen Seiten. Auch in anderen Punkten sollte die PISA-Studie durchaus kritisch betrachtet werden: zum Einen kann grundsätzlich an der Aussagekraft von Testsituationen gezweifelt werden, da hier nicht nur fachliche Kriterien, sondern auch Tagesform, Prüfungsangst usw. eine Rolle spielen können. Die Messbarkeit von Bildung ist allerdings ein ungelöstes Problem, auf das in der vorliegenden Arbeit nicht näher eingegangen werden kann. Zum Anderen muss festgehalten werden, dass durch den bloßen Ländervergleich noch nichts gewonnen ist. Den ermittelten Bildungswert der vermeintlich führenden Länder zu einer Bildungsnorm zu erheben, ist eine verkürzte bildungspolitische Schlussfolgerung. Dennoch hat die Studie einen positiven Effekt, denn die aktuelle Diskussion um Bildung und die damit verbundene kritische Reflexion des deutschen Bildungswesens stellen auch die Möglichkeit dar, neue Konzepte zu entwickeln und somit eine Verbesserung zu erreichen.
[...]
1 Für die verschiedenen sprachlichen Kompetenzen soll im weiteren Verlauf dieser Arbeit der übergeordnete Begriff Sprachkompetenz verwendet werden.Ei ne Definition von Sprachkompetenz findet sich in Kapitel 2.4.5.
2 vgl. SCHIEFELE, Ulrich et al. (Hrsg.) 2004. / VERBAND BILDUNG UND ERZIEHUNG e.V. (Hrsg.) 2002. / FRANZ, Kurt und PAYRHUBER (Hrsg.) 2002.
3 OECD = Organisation for Economic Co-operation and Development.
4 STANAT, Petra et al. 2002: S.1.
5 Wenn im Folgenden von Schülern, Lehrern, Pädagogen, o.ä. die Rede ist, werden diese der Einfachheit halber und um den Lesefluss zu erleichtern in der männlichen Form genannt. Gemeint sind aber immer auch die Schülerinnen, Lehrerinnen, Pädagoginnen, usw.
6 STANAT, Petra et al. 2002: S.8.
7 STANAT, Petra et al. 2002: S.7.
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