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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2006, 27 Pages
Authors: Mirko Krotzky, Hanna J.
Subject: Sociology - Gender Studies
Details
Institution/College: University of Göttingen (Sozialwissenschaftliche Fakultät - Institut für Soziologie)
Tags: Frauen, Beruf, Familie, Geschlecht, Ungleichheit
Year: 2006
Pages: 27
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 23 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-55315-5
ISBN (Book): 978-3-638-66835-4
File size: 367 KB
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Abstract
Neben diversen Statistiken hat uns vor allem die Erfahrung gezeigt, dass die häuslichen und familiären Pflichten sowie Betreuungs- und Reproduktionsaufgaben nach wie vor überwiegend von Frauen wahrgenommen werden. Dies wirkt sich nicht nur auf ihre Arbeitsregelungen aus, sondern schränkt außerdem ihre Chancen auf einen Arbeitsplatz ein, der den durchschnittlichen Arbeitsplätzen für Männer vergleichbar ist. Die Beschäftigungsverhältnisse von Frauen sind durch Unterbrechungen gekennzeichnet. Sie arbeiten daher überdurchschnittlich oft in Teilzeitjobs und atypischen Beschäftigungsverhältnissen. Diese Faktoren wirken sich negativ auf die Laufbahn, das Entgelt und die Rente aus und können auch dazu führen, dass Frauen weniger geneigt sind, einer Beschäftigung nachzugehen. Nach wie vor besteht diese traditionelle Aufteilung von Betreuungspflichten und Berufstätigkeit zwischen Mann und Frau. Woran liegt es also, dass es bis heute Männern und Frauen nicht möglich ist, ein angemessenes Gleichgewicht zwischen ihrer Familie und ihrem Beruf zu finden? Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich insbesondere mit eben dieser Frage und infolgedessen mit der Vorstellung grundlegender und einschneidender Theorien in der feministischen Sozialforschung. Zum Zwecke der praktischen Anwendung nutzen wir in diesem Zusammenhang verschiedene empirische Daten, die vom Statistischen Bundesamt der Bundesrepublik Deutschland zur Verfügung gestellt wurden und beziehen sie jeweils auf die vorgestellten sozialwissenschaftlichen Theorien.
Excerpt (computer-generated)
Georg-August-Universität Göttingen
Sozialwissenschaftliche Fakultät – Institut für Soziologie
Hauptseminar: Geschlecht und soziale Ungleichheit
(SS 2006)
Frauen zwischen Beruf und Familie
von: Mirko Krotzky und Hanna J.
9. Fachsemester / 9. Fachsemester
Inhaltsverzeichnis
Einleitung ...3
Hauptteil ...4
Soziale Konstruktion von Geschlecht ...4
Weibliches Arbeitsvermögen ...6
Empirische Daten: Die häufigsten Berufe der Auszubildenden 2004 ...7
Auswertung der Daten ...8
Diskussion der Daten bzgl. des Konzepts des weiblichen Arbeitsvermögens ...8
Doppelte Vergesellschaftung ...8
Empirische Daten: Unbezahlt geleistete Arbeit von Männern und Frauen ...9
Empirische Daten: Zeitbudget von Männern und Frauen ...10
Auswertung der Daten ...10
Empirische Daten: Erwerbstätigenquote von Männern und Frauen mit Kindern ...11
Auswertung der Daten ...12
Diskussion der Daten bzgl. des Konzepts der doppelten Vergesellschaftung 12
Gender ...13
Doing Gender ...14
Diskussion der Daten bzgl. des Doing-Gender-Konzepts ...16
Arbeitsmarktsegregation ...16
Empirische Daten:
Frauen in den einzelnen Hierarchieebenen des vertikalen Arbeitsmarktes ...18
Empirische Daten: Frauen- bzw. Männerberufe ...18
Auswertung der Daten ...19
Empirische Daten: Einkommensdifferenz ...19
Auswertung der Daten ...20
Empirische Daten: Bildungsniveaus von Frauen und Männern ...22
Auswertung der Daten ...22
Empirische Daten: Arbeitslosenquote ...23
Auswertung der Daten ...23
Diskussion der Daten bzgl. des Konzepts der Arbeitsmarktsegregation ...23
Schluss ...25
Literaturverzeichnis ...26
Abbildungsverzeichnis ...27
Einleitung
Neben diversen Statistiken hat uns vor allem die Erfahrung gezeigt, dass die häuslichen und familiären Pflichten sowie Betreuungs- und Reproduktionsaufgaben nach wie vor überwiegend von Frauen wahrgenommen werden. Dies wirkt sich nicht nur auf ihre Arbeitsregelungen aus, sondern schränkt außerdem ihre Chancen auf einen Arbeitsplatz ein, der den durchschnittlichen Arbeitsplätzen für Männer vergleichbar ist.
Die Beschäftigungsverhältnisse von Frauen sind durch Unterbrechungen gekennzeichnet. Sie arbeiten daher überdurchschnittlich oft in Teilzeitjobs und atypischen Beschäftigungsverhältnissen. Diese Faktoren wirken sich negativ auf die Laufbahn, das Entgelt und die Rente aus und können auch dazu führen, dass Frauen weniger geneigt sind, einer Beschäftigung nachzugehen. Nach wie vor besteht diese traditionelle Aufteilung von Betreuungspflichten und Berufstätigkeit zwischen Mann und Frau. Woran liegt es also, dass es bis heute Männern und Frauen nicht möglich ist, ein angemessenes Gleichgewicht zwischen ihrer Familie und ihrem Beruf zu finden?
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich insbesondere mit eben dieser Frage und infolgedessen mit der Vorstellung grundlegender und einschneidender Theorien in der feministischen Sozialforschung. Zum Zwecke der praktischen Anwendung nutzen wir in diesem Zusammenhang verschiedene empirische Daten, die vom Statistischen Bundesamt der Bundesrepublik Deutschland zur Verfügung gestellt wurden und beziehen sie jeweils auf die vorgestellten sozialwissenschaftlichen Theorien.
Hauptteil
Soziale Konstruktion von Geschlecht
Neben John Moneys Forschungsergebnissen geht die begriffliche Unterscheidung von Geschlecht als biologisches Merkmal (Sex) sowie als Produkt sozialer und kultureller Prozesse (Gender) auf Robert Stoller zurück, der 1968 seine Arbeiten zur Transsexualität veröffentlichte. 1 Aufgegriffen und verfeinert wurde sie durch den feministischen Diskurs, der sie in einem antibiologistischen Sinne begriff: Soziale Ungleichheiten wurden nun nicht mehr länger auf biologisch-körperliche Unterschiede zurückgeführt, wie die Theorien und Alltagsannahmen über die Natur, die Geschlechtscharaktere oder das Wesen von Frauen und Männern forderten. 2 Vielmehr wurde die Ursache nun in erweiterter Sichtweise beim kulturellen Geschlecht des Individuums und der Organisation der Gesellschaft gesucht, in der es sich bewegte. Regine Gildemeister und Angelika Wetterer argumentieren mit der sozialen Konstruktion von Geschlecht gegen die in Teilen der deutschen Frauenforschung bestehende Präferenz für die Theoretisierung und Positivierung der Zweigeschlechtlichkeit:
„Während in der Gender-Forschung inzwischen subtile Einzelheiten der sozialen Konstruktion der Differenz diskutiert werden, argumentiert die Frauenforschung hierzulande noch häufig so, als könne man weiter unbesehen von der Zweigeschlechtlichkeit als einer Naturtatsache ausgehen und als wären auch politische Entwürfe nur im Rahmen des vorgegebenen Rasters ‚männlich-weiblich’ möglich.“3
Auch im deutschen Raum wurde die Unterscheidung zwischen „Sex“ und „Gender“ aus dem angloamerikanischen Raum übernommen und damit die Unterschiede zwischen den Geschlechtern als Ergebnis historischer Entwicklungen und nicht mehr als Ergebnis natürlicher Unterschiede interpretiert.
Natürlich war die Sex-Gender-Unterscheidung der feministischen Argumentation äußerst dienlich und beeinflusste nachhaltig die öffentliche Diskussion über Geschlechtsunterschiede, allerdings wird sie nicht durch empirische Belege gestützt und ist somit erkenntnistheoretisch nicht haltbar. Die Unterscheidung zwischen Sex und Gender beinhaltet, dass es gewissermaßen ein biologisches Substrat als Ursprung der Geschlechterdifferenz geben müsste, das als solches auf kulturelle Unterscheidungen stets vorab Einfluss nehmen würde. Dieser „latente Biologismus“4 ist lediglich die Verlagerung einer Naturalisierung der Geschlechterdifferenz.5 Anstelle des latenten Biologismus wird die Arbeitsteilung der Geschlechter, die zu ungleichen Chancen am Arbeitsmarkt und in weiterer Folge zu ungleichen Lebenschancen führt, bei Gildemeister und Wetterer durch die soziale Konstruktion von Geschlecht erzeugt. Dieses Regelsystem der Geschlechterdifferenz ist gerade deshalb, weil es so selbstverständlich zu sein scheint, so schwer als soziale Konstruktion zu durchschauen.6 Dies lässt einen Sachverhalt besonders deutlich ins Licht treten: dass nämlich ein kulturfreier und wertneutraler Blick auf biologische Fakten der Geschlechterdifferenz nicht möglich ist. Die Natur wird stets durch die „Brille“ der Kultur gesehen, in der der jeweilige Betrachter verortet ist. Das haben insbesondere wissenschaftshistorische Arbeiten von Schiebinger7 und Laqueur8 nachgewiesen. In ähnlicher Weise zeigten bereits um 1978 die beiden Forscherinnen Suzanne Kessler und Wendy McKenna in ihrer Studie „Gender. An ethnomethodological approach“, wie Geschlechtlichkeit in alltäglicher Interaktion hergestellt sowie symbolisiert wird und wie das Finden von Geschlechtsunterschieden in den Diskursen der Ethnologie, Biologie und Medizin sowie Psychologie eine Praxis der Geschlechterunterscheidung ist, die demzufolge nicht zwangsläufig über eine signifikante Differenz zwischen Frauen und Männern Auskunft gibt.9
Weibliches Arbeitsvermögen
[...]
1 Vgl. Robert Stoller: Sex and gender: The development of masculinity and femininity. New York: Aronson 1968.
2 Vgl. Andrea D. Bührmann: Zwischen Skylla und Charybdis? Anmerkungen zur Diskussion über die soziale Konstruktion von Zwei-Geschlechtlichkeit In: Kneer, G. / Kraemer, K. / Nassehi, A. [Hrsg.]: Soziologie: Zugänge zur Gesellschaft, Bd. 2, Hamburg 1995. S. 31-48.
3 Regine Gildemeister; Angelika Wetterer: Wie Geschlechter gemacht werden. Die soziale Konstruktion der Zwei-Geschlechtlichkeit und ihre Reifizierung in der Frauenforschung. In: Knapp, G-A [Hrsg.]: Traditionen Brüche: Entwicklungen feministischer Theorie. Forum Frauenforschung, Freiburg / Breisgau: Kore Verlag 1992. S. 203.
4 Vgl. ebd., S. 207.
5 Vgl. Regine Gildemeister: Soziale Konstruktion von Geschlecht: Fallen, Mißverständnisse und Erträge einer Debatte. In: Rademacher, C.; Wiechens, P. [Hrsg.]: Geschlecht, Ethnizität, Klasse. Zur sozialen Konstruktion von Hierarchie und Differenz, Opladen 2000. S. 66.
6 Vgl. Regine Gildemeister; Angelika Wetterer: Wie Geschlechter gemacht werden. Die soziale Konstruktion der Zwei-Geschlechtlichkeit und ihre Reifizierung in der Frauenforschung. S. 240.
7 Vgl. Londa Schiebinger: Am Busen der Natur. Erkenntnis und Geschlecht in den Anfängen der Wissenschaft, Klett-Cotta: Stuttgart 1995.
8 Vgl. Thomas Laqueur: Making Sex. Body and Gender from the Greeks to Freud, Cambridge: Harvard University Press 1990.
9 Vgl. Suzanne J. Kessler; Wendy McKenna: Gender. An ethnomethodological approach, New York: Wiley 1978.
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