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Scholary Paper (Seminar), 2005, 15 Pages
Author: Nikolas Kruse
Subject: History - Postwar Period, Cold War
Details
Tags: Nachkriegsbevölkerung
Year: 2005
Pages: 15
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 10 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-55436-7
File size: 170 KB
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Excerpt (computer-generated)
Universität Hamburg, Institut für die Geschichte der deutschen Juden
Wintersemester 2004/05, 8. Semester
Die jüdische Nachkriegsbevölkerung
von: Nikolas Kruse
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Displaced Persons 3
3. Die „deutsch-jüdischen“ Überlebenden 6
3.1 Versteckte 6
3.2 Sternträger 7
3.3 „Nicht-Sternträger“ 8
4. Remigranten 9
5. Die neuen jüdischen Gemeinden 11
6. Schlusswort 13
7. Literaturverzeichnis 14
1. Einleitung
Robert Weltsch sprach 1946 aus, was viele dachten: "Wir können nicht annehmen, dass es Juden gibt, die sich nach Deutschland hingezogen fühlen. Hier riecht es nach Leichen, nach Gaskammern und nach Folterzellen." Und doch ließen sich nach dem Ende der NS-Herrschaft Juden in Deutschland nieder. Wie war das möglich? Vor der Schoa lebten in Deutschland in den frühen 1930’er Jahren zwischen 500.000 und 600.000 Juden. Als 1945 die überlebenden Juden aus den Konzentrationslagern befreit und Verstecken frei kamen hatten nur wenige die brutale Vertreibung und Ermordung durch Nazideutschland überlebt. Doch wie kam es dazu, dass sich so schnell nach Kriegsende schon wieder Gemeinden neu- bzw. wiedergründeten? Wie sah der Neubeginn jüdischen Lebens und die Struktur der Gemeinden nach 1945 in Deutschland aus?
Im Rahmen der vorliegenden Arbeit soll die historische Periode der Geschichte der Juden im Nachkriegsdeutschland nachgezeichnet sowie die Struktur der jüdischen Nachkriegsbevölkerung in Deutschland aufgezeigt werden. Zudem sollen die Entwicklungen und die Probleme der wieder entstehenden Existenz jüdischen Lebens in Deutschland nach Ende des 2.Weltkrieges und der brutalen Vertreibung und Ermordung vieler 100.000’er Juden dargestellt werden. Die dargestellte Phase beschränkt sich auf die drei „westlichen“ Besatzungszonen der Amerikaner, Engländer sowie Franzosen und reicht bis zur Gründung der Bundesrepublik Deutschland bzw. bis zur Konsolidierung der jungen jüdischen Gemeinden Anfang der 1950’er Jahre. Die Arbeit ist nicht Gesamtdeutsch angelegt. Die Entwicklungen und die Struktur der jüdischen Bevölkerung in der sowjetischen Besatzungszone werden nicht betrachtet. Einerseits ist diese Bevölkerungsgruppe nicht all zu groß und andererseits gibt es auch kaum aussagekräftige Literatur über die Neugründungen und das Gemeindeleben in dieser Besatzungszone.
Im einzelnen soll der Personenkreis näher betrachtet werden, der nach 1945 die neu-, bzw. wiedergegründeten Gemeinden bildete. Diesen neuen jüdischen Gemeinden, die sich nach 1945 ohne vorrauschende Planung und internationale Lobby wieder bildeten, gehörten Gründungsmitglieder verschiedenster Prägung an.
2. Displaced Persons
Als die Siegermächte Deutschland nach dem Ende des 2. Weltkrieges im Mai 1945 besetzten, fanden sie im Gebiet der späteren drei westlichen Besatzungszonen knapp sieben Millionen sogenannter Displaced Persons1 vor. Unter diese Definition fielen also befreite, nicht deutsche, Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter sowie ehemalige Häftlinge aus den Konzentrations- und Vernichtungslagern. Da es den meisten Menschen nicht möglich war, mit eigenen Mitteln in ihr Heimatland zurück zu kehren und ihre Versorgung in den Besatzungszonen erhebliche Probleme bereitete, wurden bis September 1945 in ausgedehnten Repatriierungsaktionen 4,6 Millionen DPs aus den Westzonen in ihre jeweilige Heimat gebracht.
Eine vergleichsweise kleine Gruppe unter den DPs stellten die jüdischen Überlebenden dar, diese stellten die Besatzungsbehörden aber vor große Probleme. Eine Repatriierung nach Osteuropa, woher die meisten Juden kamen, musste aufgrund des dort neu aufkeimenden Antisemitismus und der Zerstörung der jüdischen Gemeinden weitgehend ausgeschlossen werden. Eine Rückführung kam nur in westliche Herkunftsländer in Frage. Erschwerend kam hinzu, das für die große Mehrheit der jüdischen DPs ein Verbleiben nicht in Frage kam. Für die meisten überlebenden Juden gab es nur ein Ziel: die Flucht aus Europa und die Ausreise in den neu zu gründenden Staat Israel. Die DPs lebten meist in Lagern oder geschlossenen Siedlungen. Die Überlebenden waren zwar befreit, aber frei waren sie noch lange nicht: das Lagerleben setzte sich erst einmal fort, wobei sich diese Unterkünfte nicht mit den vorherigen vergleichen lassen, jedoch all die negativen Assoziationen wach hielten, z.B. Verbot das Lager ohne schriftliche Erlaubnis zu verlassen. Erst allmählich verbesserten sich die Lebensbedingungen. Nach den vielen Jahren der Verfolgung hatten die überlebenden Juden gehofft, die Welt würde sie mit offenen Armen aufnehmen und sich bemühen, das begangene Unrecht wieder gut zu machen. Völlig entkräftet hatten sie die Torturen in den Vernichtungs- und Konzentrationslagern überstanden und sie hatten bis auf ihr Leben alles verloren. Im Gegensatz zu den nichtjüdischen DPs, hatten sie weder Heimat noch eine Familie. „Sche’erit Haplejta“, der Rest der Geretteten nannten sich die Überlebenden jüdischer Herkunft.
[...]
1 Laut Definition der Alliierten waren die Displaced Persons (kurz DPs) Personen, die infolge des 2. Weltkrieges aus ihrer Heimat durch direkte und indirekte Folgen des Krieges vertrieben, verschleppt oder geflohen waren und nach Kriegsende in den vier Besatzungszonen festsaßen.
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