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Autor: Philipp Maurer
Fach: Geschichte - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Details
Institution/Hochschule: Technische Universität Dresden (Institut für Mittelalterliche Geschichte)
Tags: Wirken, Meißner, Franziskanermönche, Spannungsverhältnis, Weltgeistlichkeit, Eine, Episode, Jahrhundert, Klosterlandschaft, Elbe, Saale
Jahr: 2004
Seiten: 18
Note: sehr gut
Literaturverzeichnis: ~ 16 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 131 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-55556-2
Textauszug (computergeneriert)
Technische Universität Dresden
Philosophische Fakultät
Institut für Mittelalterliche Geschichte
Wintersemester 2003
Proseminar Mittelalterliche Geschichte: Klosterlandschaft zwischen Elbe und Saale
Thema der Hausarbeit:
»In querulose et lacrimose nobis exponens …«
- Das seelsorgerische Wirken der Meißner
Franziskanermönche im Spannungsverhältnis zur
Weltgeistlichkeit. Eine Episode aus dem späten 14. Jahrhundert
von
Philipp Maurer
M. A. Germ., Alte Geschichte, evang. Theologie
3. Semester
Inhaltsverzeichnis:
Einleitende Bemerkungen Seite 3
A. Zur Geschichte des Franziskanerklosters Meißen Seite 4
B. Klostergemeinschaft und Weltgeistlichkeit im mittelalterlichen Meißen Seite 8
C. Weltklerus und Ordensbewegungen im Mittelalter Seite 11
1. Erwerbspolitik und Wirtschaftsweise mittelalterlicher Franziskanerorden Seite 11
2. Die seelsorgerische Tätigkeit der Franziskaner vor dem Hintergrund päpstlicher Privilegien und Ablassverleihungen Seite 13
3. Bewertung und Zusammenfassung Seite 15
D. Quellen- und Literaturverzeichnis Seite 17
1. Einleitende Bemerkungen
Um den Hl. Franziskus von Assisi, der seine Lebensführung in zunehmendem Maße an den evangelischen Idealen orientierte, bildete sich zwischen 1206 bis 1208 eine Gruppe von zunächst Laienbrüdern, die dem strengen Gebot der Armut, der Demut und dem Willen zur unbedingten Nächstenliebe folgten. Aus dieser anfänglich kleinen Gruppe entwickelte sich über die Jahre eine große Ordensbewegung - der Orden der Franziskaner oder Minderbrüder fratres minores.
Die Niederlassungen der ersten Brüder folgten noch keinem festen Plan, sondern waren vielmehr zufälliger Natur. Ihr Zusammenschluss gründete stärker auf dem gemeinsamen Ideal der Evangeliennachahmung, als auf dem Zusammenwohnen und dem strengen Rhythmus des Lebens in der Gemeinschaft der Brüder. In späterer Zeit (ab 1217) gewann die Bewegung an innerer Struktur - 1221 entstand die erste erhaltene Fassung der Ordensregel, die Regula non bullata. Ausgehend von Italien über Frankreich, Spanien und Flandern kam die franziskanische Missionsbewegung auch nach Deutschland und um 1260 nach Meißen.
Geleitet von einem gewissen Lokalpatriotismus und den Erfahrungen, die ich in einem zweiwöchigen Praktikum im, nun als Stadtmuseum, genutzten Klostergebäude gemacht habe, möchte ich mich in dieser Arbeit diesem imposanten, die Stadtansicht prägenden, Kirchengebäude widmen. Der Schwerpunkt der Untersuchung liegt hierbei auf dem Verhältnis von Minderbrüdern und der Weltgeistlichkeit im 14. Jahrhundert. Dieses nicht ganz unproblematische Mit- und Gegeneinander werde ich anhand verschiedener Quellen aus dem ausgehenden 14. Jahrhundert nachzuweisen suchen. Besondere Aufmerksamkeit widme ich dabei einer Episode aus dem Jahr 1372, wo die Streitigkeiten zwischen den Stadtpfarrern und der Kustodie soweit eskalierten, dass einzig der apostolische Legat Johannes, der Patriarch von Alexandrien, der seinen Amtssitz in Breslau innehatte, die Spannungen per Dekret fürs Erste entschärfen konnte.
[...]
A. Zur Geschichte des Franziskanerordens in Meißen
Der heute übliche Name für das Franziskanerkloster ist erst in neuerer Zeit aufgekommen. Solange es ein aktives Ordensleben gab, ist das Kloster nie in dieser Weise bezeichnet worden. In lateinischen Urkunden erscheint es als domus fratrum minorum, bzw. Barfüsserkloster (Barfottenkloster) oder ‚graues Kloster’ in volkssprachlichen Dokumenten.
Problematisch aufgrund der prekären Quellenlage ist es, einen genauen Zeitpunkt für die Stiftung des Klosters zu bestimmen. Einen frühen Hinweis erhalten wir aus einer alten Stadtchronik von Lorenz Faust1. Hier heißt es: „Anno 1158. Zur zeit Ottonis Marggraffen vnnd Gerungi Bischoffs zu Meissen / ist das Kloster der Franciskaner oder Bahrfüsser / sampt der Kirche gestifftet und gebawet worden / ...“2. Die Datierung ist aber ganz offensichtlich falsch, da der heilige Franziskus seinen Orden erst im Jahr 1209 begründet hat. Die früheste urkundliche Erwähnung des Klosters findet sich in einer Urkunde aus dem Jahre 1269 3. Paul Markus4 rekonstruiert den Zeitpunkt eines Vorhandenseins der Klostergemeinschaft jedoch noch früher, mit dem Verweis auf eine Urkunde aus dem Jahre 1263 5: In einer Streitsache zwischen dem Meissner Bischof und dem Dompropst treten zwei Personen als Zeugen auf, die zwar in dieser Urkunde nicht ausdrücklich als Minderbrüder bezeichnet werden, deren Namen jedoch in einer späteren Urkunde6 (1272) wiederholt auftreten und dort ausgesprochen als fratres minores bezeichnet werden. Dass es sich hier um Identitäten handelt, ist freilich Spekulation, aber, aufgrund der Seltenheit der Namen sehr wahrscheinlich. Es finden sich jedoch noch weitere Hinweise, die eine Stiftung in den frühen sechziger Jahren plausibel erscheinen lassen. Im Jahre 1260 wurde die sächsische Ordensprovinz in zwölf Kreise zerlegt7, unter ihnen die Kustodie Meißen. Da nun die Kustodien üblicherweise nach der Stadt benannt wurden, in der sich das Hauptkloster befand, geht Paul Markus davon aus, dass es in Meißen 1260 ein Franziskanerkloster gab.
[....]
1 Lorenz Faust, Geschicht- und Zeitbüchlein der berühmten churfürstlichen Stadt Meissen, Dresden 1588.
2 Siehe Faust S. 25.
3 Cod. Dipl. Sax. Reg. II, 207.
4 Paul Markus, Das Franziskanerkloster in Meissen in: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Meissen, 2 1889; S. 313.
5 Cod. Dipl. Sax. Reg. II, 1, 194.
6 Cod. Dipl. Sax. Reg. II, 1,214; Es handelt sich um die Brüder Fridericus (Guardian) und Heinricus de Rothowe als Zeugen bei der Stiftung eines bischöflichen Vermächtnisses
7 Die Zergliederung der Ordensprovinz Sachsen ist jedoch für mich nicht nachweisbar. P. Markus bezieht sich auf eine Darstellung von einem Herrn Woker, Norddeutsche Franziskanermissionen, o. J.; im Chronologischen Abriss der Geschichte der sächsischen Franziskanerprovinzen – ‚Spuren Franziskanischer Geschichte’, Dieter Berg [Hrsg.] findet sich in diesem Zeitraum kein Verweis auf eine Neugliederung des betrachteten Territoriums.
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