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Autor: Robert Miller
Fach: Psychologie - Medienpsychologie
Details
Institution/Hochschule: Georg-August-Universität Göttingen (Georg Elias Müller Institut für Psychologie)
Tags: Gewalt, Medien, Katharsis, Seminar, Sozialpsychologie, Werte, Einstellungen
Jahr: 2006
Seiten: 13
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 5 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 585 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-55758-0
ISBN (Buch): 978-3-638-76704-0
Zusammenfassung / Abstract
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, ob die Rezeption der tagtäglich in den modernen Massenmedien präsentierten Gewalt verhaltensrelevante Effekte haben könnte, wobei das Hauptaugenmerk auf die Katharsisthese gelegt wird. Hierzu wird zunächst der Rahmen, in dem sich Forschung auf diesem Gebiet bewegen muss, abgesteckt und ein grober Überblick über die Erklärungskonzepte zur Mediengewaltwirkung gegeben. Vertiefend hierzu wird die historische Entwicklung des Katharsisglaubens anhand der Ausführungen Aristoteles', der den Begriff prägte, gegeben und auf ein Wiedererstarken der These durch deren Verarbeitung in Sigmund Freuds Werk "Jenseits des Lustprinzips" von 1920 eingegangen. Schließlich werden die Arbeiten Feshbachs & Singers angeführt, welche die These im lerntheoretischen Kontext in die moderne Psychologie einführten, nachzuweisen versuchten und damit eine Welle von Replikationsversuchen in Gang setzen, die allesamt jedoch nicht die Katharsisthese bestätigen konnten, sondern, im Gegenteil, in der Regel eher gegenteilige Effekte als die vorhergesagten nachweisen konnten. Ein aktuelles Beispiel hier ist die Studienreihe von Bushman et. al. aus dem Jahre 2001, deren methodischer Hintergrund erläutert wird, wie auch deren Ergebnisse, und anhand ihrer Interpretation zeigt, warum heutzutage die Existenz von katharsischen Handlungen als widerlegt anzusehen ist, aber auch welche Konsequenzen das vehemente Beibehalten des Katharsisglauben in der Alltagspsychologie haben kann.
Textauszug (computergeneriert)
Grundlagenseminar Sozialpsychologie 1:
Werte und Einstellungen, SS2006
Gewalt in den Medien: Katharsis
von
Robert Miller
2. Semester Psychologie (Diplom)
12. September 2006
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 2
2 Grundlagen zur Mediengewaltwirkung 2
2.1 Arten der Gewalt 2
2.2 Theoretische Wirkungskonzepte 3
3 Katharsisthese 5
3.1 Historischer Hintergrund 5
3.1.1 Katharsis nach Aristoteles 5
3.1.2 Katharsis nach Sigmund Freud 6
3.2 Jüngere Forschungsgeschichte 7
4 Stand der Katharsisforschung 8
4.1 Affektregulation und Manipulation des Katharsisglaubens 8
4.2 Affektregulation und das Anger Expression Inventory 10
4.3 Zur Äquivalenz beider Ansätze 12
5 Zusammenfassung 13
Literatur 13
1 Einleitung
Kann die bloße Rezeption von Gewalt, die tagtäglich in der modernen Medienlandschaft präsentiert wird, Einstellungs- und Verhaltensänderungen evozieren?
Zumindest scheint dies wohl gesellschaftlicher Konsens zu sein, denn wie sonst könnte wohl erklärt werden, dass die Legislative der BRD sowohl im Strafgesetzbuch (StGB, u.a. §131 und §184) als auch entsprechend dem verfassungsrechtlich vorgesehenen Jugendschutz im Rundfunkstaatsvertrag, Jungendmedienschutzstaatsvertrag und Jugendschutzgesetz Paragraphen verankern ließ, die restriktiv auf den Konsum von potentiell gefährlichen Medieninhalten, insbesondere auf den explizit dargestellter Gewalt, wirken sollen, obwohl sich bis zum heutigen Zeitpunkt nur bedingt Aussagen über die negative Wirkung von medial rezipierter Gewalt auf vor allem heranwachsende Individuen treffen lassen, die auch empirisch fundiert sind.
Um dennoch einigermaßen objektiv über die Folgen von Gewaltdarstellung in den Medien urteilen zu können, ist es notwendig, sich auf wissenschaftlicher Grundlage mit diesem brisanten und viel diskutierten Thema auseinandersetzen, weshalb in dieser Arbeit zunächst in Abschnitt 2 auf die unterschiedlichen Arten von Gewalt und die theoretischen Wirkungskonzepte eingegangen wird, die das Fundament der medienpsychologischen Empirie bilden. Aufgrund der Komplexität des Themas kann mit Rücksicht auf den Umfang der Arbeit im weiteren Verlauf nur auf ein einziges Erklärungskonzept vertiefend eingegangen werden, welches häufig herangezogen wird, um Gewaltrezeption positive Effekte zuzuschreiben: Die Katharsisthese. Hierzu wird zunächst der Fokus in Abschnitt 3 auf die Begriffsbildung, den theoretischen Hintergrund und ein modernes psychologisches Derivat der Katharsisthese, die Theorie der kognitiven Unterstützung, gelegt und schließlich wird in Abschnitt 4 anhand der Experimente von Bushman et al. (2001) erörtert, warum es heute als nachgewiesen gilt, dass ein kathartischer Effekt bei der Rezeption von Gewalt in den Medien nicht existiert.
2 Grundlagen zur Mediengewaltwirkung
2.1 Arten der Gewalt
Um sich mit psychologischer Empirie und den auf ihr aufbauenden Theorien zur Erklärung von Erleben und Verhalten auseinandersetzen zu können, ist es zunächst notwendig, den Rahmen des Forschungsgegenstandes klar abzustecken, was zunächst recht simpel klingt, beim relativ unspezifischen Terminus Gewalt allerdings zum Problem wird, da es unterschiedlichste Arten von Gewalt gibt, die allesamt nicht dasselbe bezeichnen, denn Gewalt als Folge von Aggression kann sowohl physisch oder verbal ausgeübt werden, individuell oder kollektiv, intentional oder unbeabsichtigt etc. Bedingt durch die Grundlagenforschung, die im Bereich Medienpsychologie seit den 1960er Jahren getätigt wurde, hat sich herauskristallisiert, dass Gewaltdarstellung in den Medien (Merten, 1999, S. 22) als "personell, physisch, illegitim, instrumentell, intentional, und manifest zu charakterisieren [ist] und sowohl individuell als auch kollektiv ausgeübt [wird]" . Anhand dieser Definition kann der Kontext, in dem Mediengewalt Einstellungen und Verhalten beeinflussen könnte, präzisiert werden und ermöglicht somit eine Auseinandersetzung mit spezifischen Inhalten und deren Wirkungsdimensionen.
2.2 Theoretische Wirkungskonzepte
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