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Donatismus und Circumcellionentum als Abspaltung von der katholischen Kirche in Nordafrika unter besonderer Berücksichtigung der Haltung Augustins

Autor: Martin Schröder
Fach: Geschichte - Frühgeschichte, Antike

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Details

Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2006
Seiten: 31
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 45  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 242 KB
Archivnummer: V62740
ISBN (E-Book): 978-3-638-55933-1
ISBN (Buch): 978-3-638-68059-2
Anmerkungen :
Die vorliegende Arbeit untersucht den Donatismus in Nordafrika und die Rolle des Augustinus von Hippo.

Zusammenfassung / Abstract

Das Schisma der Donatisten innerhalb der nordafrikanischen Kirche, zugleich das erste Schisma der Christenheit, ist nicht nur eines der tragischsten sondern auch eines der am meist diskutiertesten und umstrittensten Kapitel der Geschichte der Alten Kirche. Tragisch ist es, weil es trotz der Auseinandersetzungen, welche sowohl von Donatisten als auch von Katholiken mit äußerster Heftigkeit – verbal und leider auch gewaltsam – geführt wurden, am Ende keinen Sieger sondern nur Verlierer gab. Zwar konnte der Donatismus unter Zuhilfenahme der staatlichen Institutionen letztendlich unterdrückt werden, dies konnte den Niedergang der katholischen Kirche in Nordafrika, eingeleitet durch den Einfall der Vandalen, allerdings nicht verhindern. Die Ursachen des Schismas sind bis heute nicht zufriedenstellend geklärt. Ebenso unklar ist die Rolle, welche die Circumcellionen in jenem Streit einnahmen, der die Kirche über hundert Jahre belastete, und ihr Verhältnis zu den Donatisten. Eine Schlüsselfigur in jener Auseinandersetzung stellt die Person Augustins dar. Er ist sicherlich eine der imposantesten Persönlichkeiten der Kirchengeschichte und hat nicht nur den Ausgang des Donatistenstreits entscheidend beeinflusst sondern durch seine während diesem ausgebildete Glaubenslehre auch in besonderem Maße zur Formung der katholischen Ekklesiologie beigetragen. Die vorliegende Arbeit versucht Ursachen für den Ausbruch des donatistischen Streites aufzuzeigen und dessen Verlauf zu skizzieren. Ferner soll die Rolle der Circumcellionen untersucht und den Fragen nachgegangen werden, ob die Auseinandersetzung zwischen Katholiken und Donatisten schismatischer oder häretischer Natur war und ob es sich dabei gar um eine nationale Erhebung gegen Rom handelte. Besonderes Augenmerk wird dabei auf die Person Augustins gelegt, welcher uns mit seinem reichhaltigen Werk einen tiefen Einblick in die Ereignisse jener Jahre erlaubt. Seine Ansicht und Motivation ist dabei gesondert zu betrachten.

Textauszug (computergeneriert)

Universität Rostock
Heinrich Schliemann-Institut für Altertumswissenschaften
Hauptseminar „Augustinus – Ein Intellektueller in der Zeit der Völkerwanderung“
SS 2006, 6. Fachsemester

Donatismus und Circumcellionentum als Abspaltung von
der katholischen Kirche in Nordafrika unter besonderer
Berücksichtigung der Haltung Augustins

von: Martin Schröder

 


Inhaltsverzeichnis

Einleitung 2

Forschungsstand 3

1. Ursachen und Anlass des donatistischen Schismas  4

2. Die Fronten verhärten sich 8

3. Der Aufstieg des Donatismus zur bestimmenden Religion Nordafrikas  10

3.1 Turn of the Tides – Das Blatt wendet sich 10
3.2 Exkurs: Die Circumcellionen – Sozialrevolutionäre oder religiöse Fanatiker?  11
3.3 Der Konflikt spitzt sich zu  13

4. Das Eingreifen Augustins in den Donatistenstreit  17

4.1 Die Lehre Augustins  18
4.2 Augustins Kampf gegen den Donatismus 19
4.3 Die Entscheidung des Konflikts – Causa finita est?  22
4.4 Ist Augustinus am Ende gescheitert?  23

5. Fazit 25

6. Literaturverzeichnis  26

6.1 Quellen 26
6.2 Sekundärliteratur  27

Websites  30


 

 

Einleitung

Das Schisma der Donatisten innerhalb der nordafrikanischen Kirche, zugleich das erste Schisma der Christenheit, ist nicht nur eines der tragischsten sondern auch eines der am meist diskutiertesten und umstrittensten Kapitel der Geschichte der Alten Kirche. Tragisch ist es, weil es trotz der Auseinandersetzungen, welche sowohl von Donatisten als auch von Katholiken mit äußerster Heftigkeit – verbal und leider auch gewaltsam – geführt wurden, am Ende keinen Sieger sondern nur Verlierer gab. Zwar konnte der Donatismus unter Zuhilfenahme der staatlichen Institutionen letztendlich unterdrückt werden, dies konnte den Niedergang der katholischen Kirche in Nordafrika, eingeleitet durch den Einfall der Vandalen, allerdings nicht verhindern.

Die Ursachen des Schismas sind bis heute nicht zufriedenstellend geklärt. Ebenso unklar ist die Rolle, welche die Circumcellionen in jenem Streit einnahmen, der die Kirche über hundert Jahre belastete, und ihr Verhältnis zu den Donatisten. Eine Schlüsselfigur in jener Auseinandersetzung stellt die Person Augustins dar. Er ist sicherlich eine der imposantesten Persönlichkeiten der Kirchengeschichte und hat nicht nur den Ausgang des Donatistenstreits entscheidend beeinflusst sondern durch seine während diesem ausgebildete Glaubenslehre auch in besonderem Maße zur Formung der katholischen Ekklesiologie beigetragen.

Die vorliegende Arbeit versucht Ursachen für den Ausbruch des donatistischen Streites aufzuzeigen und dessen Verlauf zu skizzieren. Ferner soll die Rolle der Circumcellionen untersucht und den Fragen nachgegangen werden, ob die Auseinandersetzung zwischen Katholiken und Donatisten schismatischer oder häretischer Natur war und ob es sich dabei gar um eine nationale Erhebung gegen Rom handelte. Besonderes Augenmerk wird dabei auf die Person Augustins gelegt, welcher uns mit seinem reichhaltigen Werk einen tiefen Einblick in die Ereignisse jener Jahre erlaubt. Seine Ansicht und Motivation ist dabei gesondert zu betrachten.

Forschungsstand

Während der Donatistenstreit ursprünglich aus rein kirchenpolitischer Sicht betrachtet und teilweise lediglich durch persönliche Differenzen führender Kleriker begründet wurde, ist mit den Arbeiten THÜMMELS1 und MARTROYES2 ein Versuch unternommen worden, die Ereignisse unter sozial-revolutionären Gesichtspunkten zu untersuchen. Besonders in den Fünfziger bis Siebziger Jahren ist zum Thema Donatismus und Circumcellionentum verstärkt geforscht worden. Dabei ist zu beobachten, dass trotz intensiver Forschungstätigkeit und der vielen Veröffentlichungen kein einheitliches Bild vom Donatismus gezeichnet werden kann. Mit der Anzahl der Autoren scheint auch die Anzahl der unterschiedlichen Meinungen zu wachsen, was die Bearbeitung dieses Themas nicht gerade erleichtert.3 Besonders zu nennen ist in diesem Zusammenhang der Kirchenhistoriker William H.C. FREND, dessen Werk „The Donatist Church“ wohl als Standardwerk anzusehen ist.4 Frend sieht dabei die Ursprünge des Donatismus in der afrikanischen Tradition und betrachtet diesen als Ausdruck nationalen und sozialen Protests. Seine Thesen sind allerdings nicht unumstritten geblieben. So weist TENGSTRÖM in seiner 1964 erschienenen Dissertation zu Recht auf die äußeren Umstände hin. Ihm zufolge sei die Radikalisierung des Donatismus eine Gegenreaktion auf den Druck der katholischen Kirche und die staatlichen Zwangsmaßnahmen zur Wiederherstellung der unitas insbesondere auf den großen Landgütern Numidiens. Soziale und nationale Aspekte spielten eher eine untergeordnete Rolle.5 Auch die Frage nach dem Wesen der Circumcellionen ist bis heute nicht befriedigend geklärt. Dabei werden diese überwiegend auf zwei unterschiedliche Weisen gedeutet. Die eine betont die soziale Stellung der Circumcellionen und beschreibt deren Aktivitäten in ihrer marxistischen Auslegung als spätantiken Klassenkampf6, die andere sieht sie als religiöse Bewegung gekennzeichnet durch fanatische Märtyrerverehrung7. Einige sehen in ihnen gar eine Art von Mönchen.8 Zu Augustinus selbst ist die Literaturlandschaft kaum mehr zu überblicken. Jedes Jahr erscheinen etwa hundert neue Titel. Hervorzuheben sind an dieser Stelle sicher die Arbeiten Peter Browns9, welcher mit seinem Werk „Augustinus von Hippo – eine Biographie“ einen Standard gesetzt hat.

1. Ursachen und Anlass des donatistischen Schismas

Der Begriff Donatismus bezeichnet eine radikale christliche Bewegung in Nordafrika zwischen dem 4. und 7. Jh. n. Chr. Diese entstand durch Abspaltung von der katholischen Kirche, welche den Donatismus zuerst als schismatisch, später als häretisch verurteilte. Benannt ist die donatistische Kirche nach ihrem langjährigen Führer Bischof Donatus von Casae Nigrae, welcher die Bewegung entscheidend beeinflusste.10

Die Ursachen des donatistischen Streites sind vielfältig, vor allem sind sie aber religiöser und politischer Natur. Den Kernpunkt bilden dabei die unterschiedlichen religiösen Ansichten von Donatisten und Katholiken bezüglich der Gültigkeit der Sakramente. Die Donatisten vertraten die Auffassung, dass die Wirksamkeit der Sakramente von der Reinheit des Spenders abhänge und die Taufe durch Häretiker im Übrigen unzulässig sei. Dabei stützten sie sich vor allem auf die Lehren Tertullians (um 160 - nach 220) und Cyprians (um 200 – 258), welche die Kirche als eine Gemeinschaft der Sündenlosen betrachteten.11 So sagt Tertullian: „O seliges Wasser, welches ein für allemal abwäscht, welches den Sündern nicht zum Gespötte dient, welches, nicht mehr durch beständige Verunreinigung beschmutzt, diejenigen, welche es abgewaschen hat, nicht wieder besudelt!“12 Cyprian greift diese Ansicht auf, indem er schreibt: „Damit aber das Wasser durch seine Taufe die Sünden des Täuflings abwaschen kann, muss es zuvor von dem Priester gereinigt und geheiligt werden; [...] Wie aber kann jemand das Wasser reinigen und heiligen, der selbst unrein ist und den Heiligen Geist nicht hat?“13 Die aus dieser Auffassung heraus von Cyprian verteidigte Wiedertaufe wurde von der Kirche in Rom scharf verurteilt. Über diesen sogenannten Ketzertaufstreit kam es bereits Mitte des 3. Jh. n.Chr. beinahe zum Bruch innerhalb der katholischen Kirche.

Frend sieht darüber hinaus weitere Gründe in der vorchristlichen Religion der Berbervölker Nordafrikas. Ihm zufolge gab es eine gemäßigte und eine rigorose Strömung. Letztere sei aus der Begegnung des Christentums mit dem Saturnkult entstanden. Saturn (nicht zu verwechseln mit dem römischen Saturngott), der Gott des Lebens und des Todes, sei ein zorniger und grausamer Gott gewesen. Der Kult um ihn erhob das Martyrium zu einem anzustrebenden Ideal.14 Da auch die Donatisten und insbesondere die Circumcellionen den Märtyrertod als krönenden Abschluss des christlichen Lebens ansahen, scheint es in diesem Punkt eine Berührung des Saturnkultes mit dem Christentum zu geben.15

[...]


1 THÜMMEL, Friedrich Wilhelm: Zur Beurtheilung des Donatismus. Halle 1893.

2 MARTROYE, François: Une tentative de révolution sociale en Afrique. Donatistes et Circoncellions. In : RQH 76 (1904). S. 353-416.

3 Für einen Überblick über den Stand der Forschung siehe GOTTLIEB und TENGSTRÖM.

4 FREND, W.H.C.: The Donatist Church. A Movement of Protest in Roman North Africa. Oxford 1985.

5 TENGSTRÖM, Emin: Donatisten und Katholiken: soziale, wirtschaftliche und politische Aspekte einer nordafrikanischen Kirchenspaltung. Stockholm 1964. S. 24 ff.

6 TENGSTRÖM, v.a. die Arbeiten des Altertumswissenschaftlers Hans-Joachim DIESNERS. Zur These des Klassenkampfes: BÜTTNER, Theodora; WERNER, Ernst: Circumcellionen und Adamiten - zwei Formen mittelalterlicher Häresie. Berlin 1959.

7 FREND u.a.

8 CALDERONE, Sergio. Circumcelliones. La Parola del Passato 22 (1967). S. 94-109.

9 BROWN, Peter: Religion and Society in the age of Saint Augustine. London 1972. u.a.

10 BRENNECKE, Hanns: Donatus. In: Der Neue Pauly. Bd. 3. Stuttgart 1997.

11 TERT., apol. 44;45.

12 TERT., de bapt. 15.

13 CYPR., ep. 70,1.

14 FREND, W.H.C.: The Donatist Church. (wie Anm. 4). S. 78-80.

15 Ebenda, S. 100.

Kommentare

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