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Termpaper, 2005, 16 Pages
Author: Sonja Vogel
Subject: Cultural Studies
Details
Institution/College: Humboldt-University of Berlin
Tags: Antiamerikanismus, Merkmal, Identitätsfindung, Eine, Untersuchung, Kosovokrieg, Definitionen, Europa, Nation, Rassifizierung, Gender, Klasse, Kontext, EU-Erweiterungen
Year: 2005
Pages: 16
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 11 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-55942-3
File size: 195 KB
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Abstract
Der Bild Europas von "Amerika" verkehrte sich mit der europäischen Besiedlung über die amerikanische Unabhängigkeitserklärung unter dem Einfluss der antimodernistischen Reaktion in Europa zum Negativbild kehrte: Im zwiespältigen Sog der Moderne wird Amerika zur Projektionsfläche des gesellschaftlich Unverstandenen in einer komplexer werdenden Welt. Das Negativprojektion Amerika, welches sich qua omnipräsentem Kapitalismus auch in Europa befindet, macht eine Auseinandersetzung mit den hiesigen Verhältnissen. Das „Amerika in Europa“ wird systematisch in die USA ausgelagert. Es entwickelt sich eine europäische Weltanschauung. In der europäischen Öffentlichkeit fällt auf, dass Chiffren benutzt werden, die meist eins zu eins auf das europäische Gefühl für „Amerika“ übertragbar sind. So steht z.B. die Nato für eine US-dominierte, aggressive und unilateralistische Weltordnung und reine Interessenpolitik, geschützt durch ein Gewaltmonopol. Anhand von verschiedenen Debatten im Kontext des Jugoslawien-Bombardements 1999 (im Folgenden kurz „Kosovo-Krieg“) werde ich versuchen, auf die USA bezogenen Affekte auf ihren gemeinsamen Ursprung hin zu untersuchen. Im Gegensatz zu einer soziale wie auch politische Grenzen überschreitenden relativ einhelligen europäischen Öffentlichkeit zum US-geführten Irakkrieg 2003, gab es 1999 eine „Protestbewegung“ die sich potenziell auch gegen die Rolle der eigenen Regierung stellte, sowie eine parlamentarische Opposition im Bundestag, die PDS. Trotzdem fällt eine weitgehend einheitliche Sprache und Interpretation der Geschehnisse auf, die einen Bezugspunkt hat: die USA. Diese gemeinsame Sprache ermöglichte es der Opposition ihre Kritik, deren eigentlicher Ansprechpartner die Bundesregierung war, auf „Amerika“ zu projezieren. Kriegsbefürworter genauso wie -gegner zogen sich auf eine Idee von Europa zurück, mit der sie ihre Position zu stärken suchten. Die deutsche Sprechposition gibt vor eine europäische zu sein.
Excerpt (computer-generated)
Antiamerikanismus als Merkmal der europäischen Identitätsfindung.
Eine beispielhafte Untersuchung
europäischer Öffentlichkeit im Kosovo-Krieg 1999.
PS „Definitionen von Europa: Nation, Rassifizierung, Gender
und Klasse im Kontext der EU-Erweiterung(en)“
WS 2004/05
von
Sonja Vogel
O. INHALTSANGABE (1)
I.1 EINLEITUNG (2)
I.2. THESE (2)
II. HAUPTTEIL
II.1 Kriegsschauplätze – notorisch unterstellte „Großmachtinteressen“
II.1.a) die rein wirtschaftlichen und geopolitischen US- Interessen (3)
II.1.b) das Machtmonopol der USA – Kritik an der „unipolaren Welt“ (4)
II.2. Kriegsschauplätze – Kritik an der US-Politik und deren Nähe zu Verschwörungstheorien
II.2.a) Angst vor der „Neuen Weltordnung“ der USA (5)
II.2.b) der Mythos von der Schwächung Europas als primärem US-Ziel (7)
II.2.c) die USA und ihr europäischer „Vasall“ (8)
II.3. Kriegsschauplätze – Stärke des Rechts versus Recht des Stärkeren (9)
II.4 In Europa – der Mythos von Europa gegen den von Amerika
II.4.a) historisches Europa als Gegenstück am Beispiel des russischen Sonderfalls (10)
II.4.b) Europa im Balkan – der Balkan als „Miniatur-Europa“ (11)
II.5. In Europa – Fremdkörper USA in Europa (12)
III. FAZIT (13)
IV. LITERATURLISTE (14)
I.1. EINLEITUNG
Werden heute die Gemeinsamkeiten Europas, die Zukunft des Weltsystems oder schlicht das europäisch-amerikanische Verhältnis erläutert, sind politische Metaphern üblich. Grundlegend für ihre Allgemeinverständlichkeit ist das projektive Verhältnis Europas zu „Amerika“. Das Positiv-Negativ- Bild, welches „Amerika“ lediglich im Verhältnis zu Europa denkt1, lässt sich vor allem im traditionellen europäischen Blick auf „Amerika“ verorten, der sich nach der europäischen Besiedlung über die amerikanische Unabhängigkeitserklärung innerhalb der antimodernistischen Reaktionsbildung in Europa zum Negativbild kehrte: Im zwiespältigen Sog der Moderne wird Amerika zur Projektionsfläche des gesellschaftlich Unverstandenen in einer immer komplexer werdenden Welt. In diesem Sinne schützt das Negativbild Amerika, welches sich qua omnipräsentem Kapitalismus (in heutigen Debatte häufig der aggressiver konnotierte „Imperialismus“) auch in Europa befindet, vor Selbstkritik. Das „Amerika in Europa“ wird systematisch in die USA ausgelagert. Es entwickelt sich eine europäische Weltanschauung.
In bezug auf aktuelle Konflikte ist in der europäischen Öffentlichkeit auffällig, dass selbst in auf konkrete Vorkommnisse bezogenen Debatten Chiffren benutzt werden, die meist eins zu eins auf das europäische Gefühl für „Amerika“ bzw. das gefühlte Verhältnis Europa – Amerika übertragbar sind. So steht z.B. die Nato für eine US-dominierte, aggressive und unilateralistische Weltordnung und reine Interessenpolitik, deren Durchsetzung durch ihr Gewaltmonopol geschützt würde. Die durch „Nato“ ausgelöste Assoziationskette ist (im Krisenfall) weitgehend entleert von der realpolitischen Bedeutung der Allianz, er ist einer der antiamerikanischen und weiter -modernistischen Stereotypen2.
I.2. THESE
Anhand von verschiedenen Debatten im Kontext des Jugoslawien-Bombardements 1999 (im Folgenden trotz der falschen Implikationen kurz „Kosovo-Krieg“) werde ich versuchen, eventuelle, auf die USA bezogenen Affekte auf ihren gemeinsamen Ursprung hin zu untersuchen. Im Gegensatz zur - soziale wie auch politische Grenzen überschreitenden - relativ einhelligen europäischen Öffentlichkeit zum USgeführten Irakkrieg 2003, gab es 1999 eine „Protestbewegung“ die sich potenziell auch gegen die Rolle der eigenen Regierung stellte, sowie eine parlamentarische Opposition im Bundestag, die PDS.
Trotzdessen fällt eine weitgehend einheitliche Sprache und Deutung der Geschehnisse auf, die immer, wenn sie auftaucht, einen gleichen Bezugspunkt hat: die USA. Offensichtlich machte dieses gemeinsame Verständnis es der Opposition möglich Kritik, statt sie an den eignen Regierungen zu üben, weitgehend auf „Amerika“ zu verlagern - Kriegsbefürworter als auch -gegner zogen sich auf Europa oder eine Idee von Europa zurück, mit der sie ihre Position stärkten. In dieser Arbeit unterstelle ich die deutsche Friedens-Öffentlichkeit zum Kosovo-Krieg exemplarisch für die europäische nehmen zu können, bzw. übernehme die deutsche Sprechposition die selbst vorgibt eine europäische zu sein.
Es liegt nahe, dass die negativen Affekte auf denen jene stereotypen Chiffren (durchaus mit einer realpolitischen Grundlage) gegenüber den kriegführenden USA basieren, gleiche Wurzeln haben. Meine These ist die des traditionellen Antiamerikanismus3 in einer, sich auf realpolitischer Ebene forcierenden, europäischen Institutionalisierung und Identitätsbildung, der eine besondere Intensität in der weltpolitischen Konfrontation (wie dem Kosovo-Krieg) erreicht.
II. HAUPTTEIL
II.1. Kriegsschauplätze - notorisch unterstellte „Großmachtinteressen“
II.1.a) die rein wirtschaftlichen und geopolitischen US-Interessen
Gregor Gysi sagte in einer seiner Reden gegen die deutsche Beteiligung am Nato-Bombardement vor dem Bundestag:
„Ich glaube, daß das [ökonomische, pragmatische, S.V.] eher die Motive der US-Führung waren als der Schutz der Menschenrechte der Kosovo-Albaner. Denn die Politik der USA sowohl bei der Vertreibung der Serben aus Kroatien als auch bei den Napalmbomben auf Vietnam macht mich und viele andere misstrauisch gegenüber den erklärten Zielen der USA hinsichtlich dieses Krieges.“4
Misstrauisch steht der Oppositionspolitiker den USA gegenüber, wenn ihre Ziele vorgeblich moralische sind, zumindest welche, die keine wirtschaftliche Komponente haben. Im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten wird es der europäischen Seite durchaus abgenommen, aus selbstlosen, „humanitären“5 Gründen militärisch zu intervenieren. Thematisiert bzw. kritisiert wird an der europäischen Außenpolitik nicht die Möglichkeit eines dahinterstehenden ökonomischen oder geopolitischen Interesses, sondern die Naivität, mit der Europa sich an einem (anders motivierten) US-Krieg beteiligt.
„Die amerikanischen Interessen sind ganz offensichtlich.“6,
stellt der Publizist Günter Matschke zu den Motivationen. den Kosovo-Krieg zu führen, fest. Die Funktionsmechanismen des US-amerikanischen Systems erscheinen von Europa grundsätzlich durchschaut.
[....]
1 „Wir wünschen uns, dass sich die USA auch künftig an diesen [ihren „ursprünglichen“, S.V.] Grundsätzen messen lassen, also ihre Macht auch im Sinne der europäischen Interessen einsetzen. Wir wollen ja, dass Amerika eine europäische Macht bleibt.“ sagt der deutsche Botschafter in Washington, Wolfgang Ischinger, in einem Interview: „Wir müssen die USA an ihre Maßstäbe erinnern". In: Berliner Zeitung, 29.06.01
2 als verschärftes Beispiel lässt sich hier die für die Zeit des Irakkriegs populäre Kette Krieg-Imperialismus-USAWeltmacht-Geld-Israel-Faschismus nennen, in der aus einem durchaus antikapitalistischen, also im Ansatz kritischen, Affekt heraus sich ein umfassender Blick auf die Welt offenbart, der eine Gesellschaftsanalyse qua Verkürzung unmöglich macht und klar verschwörungstheoretisch ist.
3 Der Begriff des „Antiamerikanismus“ ist in u.U. ein irreführender. In dieser Arbeit soll er auf „Amerika“ bezogene Affekte bezeichnen, die symptomatisch für die europäische Identitätsbildung im 21.Jhd sind.
4 Gregor Gysi, Rede vor dem Bundestag, 5.5.1999. Zitiert nach: „Krieg und Kritik II: Die PDS. Patriotische Argumente gegen den Krieg.“ (http://www.landplage.de/imperialismus/kosovopds.html)
5 Vgl. hierzu den offiziellen deutschen Terminus für die Beteiligung am NATO-Bombardement gegen Jugoslawien, „humanitäre Intervention“.
6 Günter Matschke, Interview. In: Junge Freiheit, 2.4.99
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