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Details

Veranstaltung: Reich und Territorium - Die Anfänge der Mark Brandenburg
Institution/Hochschule: Friedrich-Schiller-Universität Jena (Historisches Institut)
Tags: Magdeburger, Erzbistum, Anfänge, Mark, Brandenburg, Reich, Territorium, Anfänge, Mark, Brandenburg
Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2005
Seiten: 22
Note: 1,7
Literaturverzeichnis: ~ 28  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 390 KB
Archivnummer: V62832
ISBN (E-Book): 978-3-638-56008-5
ISBN (Buch): 978-3-638-66892-7

Zusammenfassung / Abstract

Bereits im zehnten Jahrhundert begann auf deutschem Boden unter ottonischen Herrschern eine erste Expansionswelle in östliche Grenzgebiete. Die Bestrebungen der deutschen Reichsoberhäupte waren, die slawischen Territorien ostwärts der Elbe in ihren Herrschaftsraum zu integrieren. Erworbene Ländereien wurden dem Reich unterstellt; zur Sicherung der neuen Grenzen wurden Marken errichtete. Einen Teil der Gebiete übereignete der König der Kirche zur Errichtung neuer Missionsbistümer. Eines dieser Missionsbistümer war das Bistum Brandenburg, das 948 gegründet und 968 dem neu errichtetem Erzbistum Magdeburg unterstellt worden war. Nach dem Slawenaufstand 983, der durch den „Lutizenbund“ geführt worden war, gingen dem deutschen Reich ein Großteil der ostelbischen Marken, und mit ihm die Bistümer Brandenburg und Havelberg, verloren, sodass in den darauffolgenden zwei Jahrhunderten die Elbe erneut die Reichsgrenze bildete. In jener Zeit hatten lokale Gewalten – wie z.B. Sachsenfürsten - immer wieder Angriffe slawischer Stämme abzuwehren. Erst im zwölften Jahrhundert kam es zu einer entscheidenden Wende zwischen Slawen und Deutschen. Anders als vor knapp 150 Jahren war dieses Mal, dass eine neue Ostkolonisation nicht nur durch den deutschen König, sondern auch auf Drängen der Territorialfürsten wieder auflebte. Besonders hervorgehoben werden soll der Wendenkreuzzug von 1147. Ursprünglich als ein Aufruf von Bernhard von Clairvaux zum zweiten Palästinakreuzzug, nutzen die deutschen Territorialfürsten diese Situation, um ihren Macht- und Einflussbereich durch die Eroberung slawischer Nachbarländer zu erweitern. Einige teilnehmende Adelsgeschlechter konnten durch Okkupationen eigene kleinere Herrschaftsräume begründen. Die Kirche versprach sich durch den Kreuzzug gegen die Slawen zum einen eine Ausbreitung des christlichen Glaubens durch Missionierung, zum anderen auch eine Machtsteigerung durch neue Missionsbistümer, Festigung der bisher bestehenden Bistümer und Neusiedlungen. Jedoch spiegeln sich aus diesen Prozessen vornehmlich kontrahierende Machtansprüche lokaler, kirchlicher und königlicher Gewalten wider. In dieser Arbeit liegt der Fokus der territorialen Machtforderungen auf dem Gebiet der Mark Brandenburg und auf dem Erzbistum Magdeburg zwischen 1152 bis 1166. Besonders hervorgehoben werden dabei Machtkämpfe der in diesem Gebiet herausragenden Potentaten aus dem Haus der Askanier und dem Erzbistum Magdeburg unter der Führung des Erzbischofs Wichmann.

Textauszug (computergeneriert)

Reich und Territorium - Die Anfänge der Mark Brandenburg
WS 2004/05

„Das Magdeburger Erzbistum und die Anfänge der Mark Brandenburg“

3. Semester
Geschichte /Deutsch
LA Gymnasium

von

Jessica Aniol

 

 

 

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 3

2. Analyse der Quellen zu den Anfängen der Mark Brandenburg und zu den Interessen des Erzbistums Magdeburg 5

3. Quellenauswertung und Interessenkonflikte im Gebiet der Mark Brandenburg 11

4. Zusammenfassung 19

5. Literaturverzeichnis 20

 

 

1. Einleitung

Bereits im zehnten Jahrhundert begann auf deutschem Boden unter ottonischen Herrschern eine erste Expansionswelle in östliche Grenzgebiete. Die Bestrebungen der deutschen Reichsoberhäupte waren, die slawischen Territorien ostwärts der Elbe in ihren Herrschaftsraum zu integrieren. Erworbene Ländereien wurden dem Reich unterstellt; zur Sicherung der neuen Grenzen wurden Marken1 errichtete. Einen Teil der Gebiete übereignete der König der Kirche zur Errichtung neuer Missionsbistümer.2 Ziele der Eigentumsübertragungen waren, die neu erworbenen Güter durch Einführung des Christentums zu missionieren und eine stabile Kirchenorganisation aufzubauen. Eines dieser Missionsbistümer war das Bistum Brandenburg, das 948 gegründet und 968 dem neu errichtetem Erzbistum Magdeburg unterstellt worden war. Nach dem Slawenaufstand 983, der durch den „Lutizenbund“3 geführt worden war, gingen ein Großteil der ostelbischen Marken, und mit ihm die Bistümer Brandenburg und auch Havelberg, dem deutschen Reich verloren, sodass in den darauffolgenden zwei Jahrhunderten die Elbe erneut die Reichsgrenze bildete. 4 In jener Zeit hatten lokale Gewalten – wie z.B. Sachsenfürsten - immer wieder Angriffe slawischer Stämme abzuwehren.

Erst im zwölften Jahrhundert kam es zu einer entscheidenden Wende zwischen Slawen und Deutschen. Anders als vor knapp 150 Jahren war dieses Mal, dass eine neue Ostkolonisation nicht nur durch den deutschen König, sondern auch auf Drängen der Territorialfürsten wieder auflebte.5 Besonders hervorgehoben werden soll der Wendenkreuzzug von 1147. Ursprünglich als ein Aufruf von Bernhard von Clairvaux zum zweiten Palästinakreuzzug, nutzen die deutschen Territorialfürsten diese Situation, um ihren Macht- und Einflussbereich durch die Eroberung slawischer Nachbarländer zu erweitern. Einige teilnehmende Adelsgeschlechter konnten durch Okkupationen eigene kleinere Herrschaftsräume begründen. Die Kirche versprach sich durch den Kreuzzug gegen die Slawen zum einen eine Ausbreitung des christlichen Glaubens durch Missionierung, zum anderen auch eine Machtsteigerung durch neue Missionsbistümer, Festigung der bisher bestehenden Bistümer und Neusiedlungen.6

Jedoch widerspiegeln sich aus diesen Prozessen vornehmlich kontrahierende Machtansprüche lokaler, kirchlicher und königlicher Gewalten.7

In dieser Arbeit richtet sich der Fokus der territorialen Machtforderungen auf das Gebiet der Mark Brandenburg und auf das Erzbistum Magdeburg zwischen 1152 bis 1166, also dem Entstehungszeitraum der Mark Brandenburg. Besonders hervorgehoben werden dabei Machtkämpfe der in diesem Gebiet herausragenden Potentaten aus dem Haus der Askanier8 – Albrecht dem Bären – und dem Erzbistum Magdeburg unter der Führung des Erzbischofs Wichmann9. Vorrangig werden die Spannungen anhand von Annalen, Chroniken und Urkunden des zwölften Jahrhunderts chronologisch analysiert und durch Fachliteratur untermauert. Zu Beginn wird aufgrund weltlicher und geistlicher Quellen eine Analyse zu unterschiedlichen Interessensphären um das Gebiet der Mark Brandenburg in den fünfziger und sechziger Jahren des zwölften Jahrhunderts vorgenommen. Anschließend wird der Konflikt des Erzbistums Magdeburg und der Herrscher der Mark Brandenburg mit Fachliteratur erörtert.

Dabei werden folgende Fragen aus der magdeburgisch-erzbischöflichen Perspektive untersucht: Zwischen wem treten Spannungen auf? In welchen Bereichen überschneiden sich die Machtinteressen? Wie versuchen die „Kontrahenten“ ihre Macht zu stärken, bzw. die des Gegners zu schmälern? Zur Geschichte der Mark Brandenburg im Mittelalter wurde v.a. im 20. Jahrhundert viel erforscht, obwohl die Quellenvielfalt und –anzahl relativ eingeschränkt sind. Die Forschungsschwerpunkte richteten sich meines Erachtens hauptsächlich auf weltliche Herrscher – beispielsweise auf Pribislaw – Heinrich10 oder Albrecht den Bären - , die geistliche Perspektive rückte zumeist in den Hintergrund oder wurde als Nebenforschung dem Hauptforschungsbereich zum Verständnis diverser Ereignisse beigefügt. Gezielte Forschungen zu Erzbischof Wichmann und dem Erzbistum Magdeburg fanden bei Joachim Ehlers11, Stefan Pätzold12 und Dietrich Claude13 statt.

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1 Marken sind Grenzräume, die von Markgrafen im Auftrag des Königs geschützt und verwaltet werden. Hier zu nennen wäre die Nordmark, die als einen Teil das spätere Gebiet der Mark Brandenburg in sich trägt. Zum Gebiet der Mark Brandenburg siehe Enders, Lieselott, Hochmittelalterliche Herrschaftsbildung im Norden der Mark Brandenburg, in: Jahrbuch für Geschichte des Feudalismus 9, 1985, S.19-52.

2 Vgl. dazu Schultze, Johannes, Die Mark und das Reich. Der Markgraf von Brandenburg, sein Titel und sein Kurrecht, in: Jahrbuch für Geschichte Mittel- und Ostdeutschlands 3, 1954, S.1-32.

3 Den Lutizenbund bilden slawische Stämme [Zirzipanen, Kessiner, Tollenser, Redarier, Ukranen, Retschanen] beiderseits des Flusses Peene, die dem Reich noch nicht direkt unterworfen waren. Vgl. dazu auch Schich, Winfried und Strzelczyk, Jerzy, Slawen und Deutsche an Havel und Spree. Zu den Anfängen der Mark Brandenburg (Studien zur internationalen Schulbuchforschung 82/IV: Deutsche und Polen – Geschichte einer Nachbarschaft. Handbuch für Geschichtslehrer) Hannover 1997, S.10.

4 Vgl. dazu Kahl, Hans-Dietrich, Die Entwicklung des Bistums Brandenburg bis 1165. Ein wenig bekanntes Kapitel mittelalterlicher Kirchengeschichte im ostmitteldeutschen Raum, in: HJb 84, 1986, S.55 -79.

5 1100 gelang es Udo III., Markgraf der sächsischen Nordmark, die Brandenburg zu erobern, womit der Grundstein einer erneuten Ostkolonisation gelegt wurde. Vgl. Kahl, Entwicklung, S.65.

6 Vgl. Claude, Dietrich, Geschichte des Erzbistums Magdeburg bis in das 12. Jahrhundert, Teil II, Köln/Wien 1975. Claude ist der Meinung, dass sich die Ostpolitik auf 3 Ebenen erstreckte: Unterstützung kaiserlicher Ostpolitik, Ausdehnung erzstiftischer Besitzungen im ostelbischen Gebiet und Erschließung neuer und alter Gebiete durch Siedlungen. Dies galt für weltliche und geistliche Herrscher. Als Beispiel für die Machtentfaltung der Kirche ist das Bistum Havelberg zu nennen, das nach dem Wendenkreuzzug wieder in seine alte Funktion eintreten konnte.

7 Der politische Expansionswille ging im zwölften Jahrhundert vermehrt von den deutschen, v.a. sächsischen Territorialgewalten aus, die die Schwächung des Königtums aus dem Investiturstreit zu nutzen versuchten um eigene politische Interessen durchzusetzen. Zudem verfolgte die aus dem Investiturstreit gestärkte Kirche einen autonomen Missionsanspruch in den östlichen Gebieten. Vgl. auch Schich/ Strzelczyk, Slawen, S. 11.

8 Die Askanier sind ein Geschlecht, die um Ballenstedt, Bernburg, Köthen und Aschersleben ihren Herrschaftsraum errichteten. Gebürtig kamen sie aus dem östliche Harzgebiet und erweiterten ihren Einflussbereich durch Billunger Erbschaften bis in Umgebungen bei Bremen. Zusätzlich erhielten sie im 12.Jh. den Bezirk Salzwedel und die Mark Brandenburg. Vgl. Schultze, Johannnes, Die Mark Brandenburg, Bd.1:Entstehung und Entwicklung unter den askanischen Markgrafen (bis 1319), Berlin ²1989.

9 Wichmann (vor 1116 – 1192)wurde 1152 von Friedrich I. als Erzbischof von Magdeburg ernannt und 1154 vom Papst rechtmäßig anerkannt. Er war maßgebend für die Besiedelung des Slawenlandes und oftmals wird seine Regierung auch als die „Blütezeit des Erzstiftes“ bezeichnet. Vgl. Pätzold, Stefan, Norbert, Wichmann, Albrecht II. Drei Magdeburger Erzbischöfe des hohen Mittelalters, in: Beiträge zur Regional- und Landeskultur Sachsen-Anhalts 20, 2001, S.33-62.

10 Pribislaw – Heinrich war der letzte Wendenfürst der Brandenburg, der sich zum Christentum bekehren ließ und als seinen Erben Albrecht den Bären wählte.

11 Ehlers, Joachim, Erzbischof Wichmann von Magdeburg und das Reich, in: Erzbischof Wichmann (1152-1192) und Magdeburg im hohen Mittelalter, Stadt – Erzbistum – Reich, Magdeburg 1992, S.20-31.

12 Pätzold, Norbert, S.33-62.

13 Claude, Geschichte des Erzbistums Magdeburg.

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