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Details

Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2006
Seiten: 34
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 19  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 721 KB
Archivnummer: V63387
ISBN (E-Book): 978-3-638-56451-9

Textauszug (computergeneriert)

Freie Universität Berlin
John F. Kennedy Institut
Abteilung Soziologie

Die Großstadt als Kommunikationsmedium

von: Janine Thomas

2006

 


1. Einleitung ...3

2. Kommunikationstheoretischer Ansatz - – Marshall McLuhan: „The Global Village“...5
2.1 Zentrale Begriffe und theoretische Konstrukte... 6
2.1.1 Figur und Grund ... 6
2.1.2 Die Tetrade... 7
2.1.3 Visueller und akustischer Raum... 9

2.2 Globale Sinnesausweitung ... 10
2.2.1 Die Fahrt zum Mond... 10
2.2.2 Großstadt, „Barrio“ und Wohnzimmer... 11
2.2.3 Die Ausdehnung der Sinnesfähigkeit... 14

3. “The City” – Robert Ezra Park ... 15
3.1 Stadtsoziologie am Beispiel Chicago... 16
3.1.1 Segregation der Stadtareale... 16
3.1.2 Mosaik oder „Melting Pot“?... 18
3.1.3 “The Marginal Man” ... 20

3.2 Kommunikationstheoretischer Ansatz... 22
3.2.1 Massenkommunikationsmedien der Großstadt ... 22
3.2.2. Die „human interest story“... 24
3.2.3 Der virtuelle Charakter der Großstadt... 25

4. Vergleich vom Ansatz Parks zum Ansatz McLuhans... 26

5. Ausblick ...30

6. Literatur ...33
 


 

1. Einleitung

Was für Marshall McLuhan in den 1980ern das „globale Dorf“ war, ist für Robert Ezra Park möglicherweise die Großstadt gewesen. Bei McLuhans „The Global Village“ handelt es sich um eine komplexe, zukunftsdeutende Medientheorie, die die Globalisierung, einhergehend mit der Entwicklung immer schnellerer Medientechnologien, mitsamt ihrer vielfältigen Auswirkungen auf die Lebenswelt des Menschen thematisiert. Park dagegen, einer der bedeutendsten Theoretiker der „Chicago School“, zeigt in den Dreißiger bis Fünfziger Jahren vielmehr die Auswirkungen der Entwicklung vom Leben in der Dorfgemeinde hin zum Leben in der Großstadt. Dabei arbeitet er theoretisch, jedoch nicht ohne empirischem Hintergrund, der aus seinem großen Erfahrungsschatz als journalistischer Reporter herrührt. Seine Forschungs-Devise „to see life“1 und somit seine gesamte
wissenschaftliche Arbeit war maßgeblich davon geprägt. Ganz anders McLuhan: er arbeitet absolut theoretisch, um nicht zu sagen philosophisch, im Mittelpunkt seiner Theorie stehen die Auswirkungen von neusten Kommunikationstechnologien wie dem Satellit und dem Internet sowie der damit einhergehenden Bedeutungsverlust von Raum, Zeit und Körper. Als eine dieser vielseitigen Auswirkungen sind in McLuhans Theorie jedoch auch soziale Phänomene wie Migration thematisiert, ebenso wie auch in Parks Werk „The City“. Hierin zeigt Park bereits Phänomene einer beginnenden Globalisierung auf - bloß dass, im Gegensatz zu McLuhan, die Technologien seiner Zeit entsprechend noch nicht zu einer quasi „entkörperlichten“ Kommunikation führten.

Die Großstadt, die man bei Park in ihren umfangreichen Auswirkungen möglicherweise als eine Art Kommunikationsmedium interpretieren kann, ist jedoch nicht nur „virtuell“, sondern durchaus auch gegenständlich zu erfassen. Sie bietet ihren Einwohnern Möglichkeiten, die sie in den Dreißiger Jahren auf dem Land keineswegs gehabt hätten. Nicht ohne Grund ist sie Anziehungspunkt für Migranten, die in ihr ihre eigenen Wohnviertel bilden, wie beispielsweise China Town und Little Italy. Somit wiederum wird quasi jedem Stadtbewohner die Möglichkeit geboten, jederzeit in eine andere, ihm eigentlich fremde Lebenswelt „einzutauchen“. Transportmittel wie Bus und Straßenbahn bieten die technische Möglichkeit dafür und können somit als Kommunikationsmedien interpretiert werden, mit deren Hilfe man von einer Lebenswelt in die nächste wechseln kann.

Eine weitere wichtige Rolle bei Parks Großstadtforschung spielt das klassische Printmedium Zeitung. Hier bringt er seinen weiten Erfahrungshintergrund der journalistischen Recherche mit in die Theorie ein. Über das Medium Zeitung wird dem städtischen Rezipienten ebenfalls ermöglicht, in ihm eigentlich fremde Lebenswelten vorzudringen und an ihnen teilzuhaben. Eine besondere Rolle spielt hierbei die sogenannte „human interest story“, die einerseits dem traditionellen Dorfklatsch gleich kommt und diesen möglicherweise ersetzt, andererseits aber auch die Möglichkeit bietet, zu anderen Werte- und Moralsystemen auf emotionalem Wege Zugang zu bekommen und diese besser verstehen zu können.

Auch wenn Park im Gegensatz zu McLuhans visionärem „Global Village“ sehr viel unmittelbarer und gegenständlicher an dem Phänomen Großstadt arbeitet, ist in seiner
Theorie meiner Meinung nach jedoch ebenfalls zukunftsdeutendes Potential zu erkennen.
Die Großstadt, mitsamt all ihren Vorteilen, Chancen, aber auch sozialen Problemen hat in den letzten hundert Jahren an extrem starkem Zuwachs gewonnen und wird auch in Zukunft immer stärker anwachsen. Während um das Jahr 1800 nur gerade zwei Prozent der Weltbevölkerung in Städten oder Großsiedlungen wohnten, waren es um 1900 immerhin schon zehn Prozent, heute sind es etwa fünfzig Prozent und 2050 werden es, nach Annahme der UN, fünfundsiebzig Prozent der Weltbevölkerung sein.2 Der Trend geht also offensichtlich hin zur „Megacity“. Einer der Gründe dafür sind sicherlich die weitaus besseren Kommunikationsmöglichkeiten der Großstädte in jeglicher Hinsicht – ob Wirtschaft, Politik, Arbeit, Freizeit, Unterhaltung - die Großstadt scheint alles zu kumulieren, zu vernetzen und für die Bewohner in erreichbarer Nähe bereit zu halten. Das bedeutet für die Kommunikation im weitesten Sinne einen immensen Vorteil. Und das, obwohl man heutzutage theoretisch fast an jedem Ort der Welt via Internet und Satellitentelefon mit allen vernetzt sein kann – ganz wie in McLuhans globalem Dorf. Trotzdem lässt der „Run“ auf die Großstädte nicht nach, was teilweise jedoch auch ein schichtenspezifisches Phänomen zu sein scheint, wenn man an Megastädte wie etwa Sao Paolo denkt, die einen sehr großen Armutsanteil enthalten. Hier strömen die Menschen in der Hoffnung auf Arbeit und Einkommen in die Stadt, da sie auf dem Land kaum noch eine Lebensgrundlage finden.

Um nun zu überprüfen, inwiefern die Großstadt als so etwas wie ein Kommunikationsmedium gelten, bzw. als ein solches interpretiert werden kann, werde ich zunächst McLuhans Kommunikationstheorie zur Hilfe ziehen, wobei ich mich hauptsächlich auf sein letztes großes Lebenswerk „The Global Village – Der Weg der
Mediengesellschaft in das 21. Jahrhundert“ beziehen werde. Im zweiten Teil der Arbeit werde ich dann an Parks Werk „Human Communities - The City“ zunächst seinen stadtsoziologischen und dann seinen kommunikationstheoretischen Ansatz erörtern. Im dritten Teil werde ich anhand beider Theorien, der von Park und von McLuhan, vergleichend Nachweise aufzeigen, mit denen sich die Großstadt als ein Kommunikationsmedium interpretieren lassen könnte.

2. Kommunikationstheoretischer Ansatz – Marshall McLuhan: „The Global Village“

Der Kanadier Marshall McLuhan gilt als wild denkender und wild assoziierender3 Medienphilosoph, dessen Theorien im englischsprachigen Raum (USA, Kanada, England) besonders Ende der 1960er und in den 1970 Jahren für großes öffentliches Aufsehen gesorgt haben. Seine Theorie des gesellschaftlichen Wandels bezieht sich unmittelbar auf Medien. Sein Argumentationsstil ist nicht linear und strukturiert, sondern, wie bereits erwähnt, äußerst assoziativ, was unmittelbar mit der Kernaussage seiner Medientheorie zu
begründen ist, die ich später erörtern werde. McLuhan sieht Medien als eine allgemeine „Erweiterung der menschlichen Sinne“4 an, nicht etwa als Instrument der Manipulation der Massen, wie viele andere kritische Medientheoretiker.

In seinem populärsten Buch „Understanding Media“ prägt er den provozierenden Satz „The medium is the message“ - das Medium selbst also ist die Botschaft.5 Das englische Wort „message“ kann man aber auch als „massage“, also Massage verstehen, worin die Doppeldeutigkeit dieses Wortspiels liegt. Das Medium kann also auch wie eine Massage auf den Rezipienten wirken, ihn also in einen entspannenden, halb wachen Zustand versetzen. Des weiteren kann man diesen Satz auch so interpretieren, dass die Struktur eines Mediums auch die Inhalte, die durch es übermittelt werden, beeinflusst und formt. Nicht also nur die Inhalte bestimmen die Medien, sondern die auch die Form strukturiert die Inhalte.

[...]


1 Lindner, Rolf: Die Entdeckung der Stadtkultur – Soziologie aus der Erfahrung der Reportage, Frankfurt am Main, 1990, S. 230

2 Matzig, Gerhard: Hier wird nichts weniger als die Zukunft der Welt verhandelt, In: Süddeutsche Zeitung, Nr.208, Samstag/Sonntag, 9./10. September 2006, S.17

3 Baacke, Dieter: Medientheorie als Geschichtstheorie, In: McLuhan, Marshall: „The Global Village – Der Weg der Mediengesellschaft in das 21. Jahrhunderts“, Paderborn, 1995, S.10

4 Ebd.

5 McLuhan, Marshall: Understandig Media, London, 1964, S.7

 

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