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Autor: Anna Kazmierczak
Fach: Sprachwiss. / Sprachforschung (fachübergreifend)
Details
Tags: Charakteristik, Abgrenzung, Haupt-Passivformen, Vorgangspassiv, Zustandspassiv
Jahr: 2006
Seiten: 28
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 17 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 240 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-56459-5
Zusammenfassung / Abstract
1. Einleitung Der Gegenstand der vorliegenden Arbeit ist die formale und strukturelle Charakteristik der zwei Hauptformen des Passivs im Deutschen, nämlich des Vorgangspassivs und des Zustandspassivs und die Zusammenhänge zwischen ihnen. Die Fragen, die sich in erster Linie ergeben, sind: Wozu brauchen wir überhaupt das Passiv? Ist das eine überflüssige Konstruktion, eine Transformation des Aktivs oder eine eigenständige Struktur mit bestimmten Funktionen? Wenn Passivdiathesen funktional und formal divergieren, in welchen Fällen ist dann die eine oder die andere Passivform anzuwenden? Was verbindet und was unterscheidet das Vorgangspassiv und das Zustandspassiv? Welche Zusammenhänge bestehen zwischen ihnen und wie können wir sie funktional und semantisch charakterisieren? Im ersten Teil wird vor allem auf Definition, Merkmale und Bildung der prototypischen Passivform, des Vorgangspassivs, eingegangen. Das werden- Passiv wird im Zusammenhang mit der Aktivform analysiert. Es wird auch von dem sein- Passiv abgegrenzt. Dieser Ausgangpunkt ermöglicht ein besseres Verständnis der Passivstruktur und Funktion im allgemein und stellt die Grundlage für die genauere Analyse der kontroverseren Passivform, des Zustandspassivs, in dem letzten Kapitel der Arbeit dar. Danach wird auf die weiteren wichtigsten Aspekte sowohl des Vorgangspassivs (Bildungsbeschränkung und Funktionen) als auch Zustandspassivs (Analysemöglichkeiten) eingegangen. Die Ellipsenanalyse ist besonders eng mit dem Vorgangspassiv verzahnt- sie wird genauer untersucht. Der abschließende Teil der Arbeit wird der umfassenden Charakteristik des Zustandspassivs als Kopulakonstruktion, bei der sich sein mit dem adjektivierten 3. Status verbindet, gewidmet.
Textauszug (computergeneriert)
Ruprecht- Karls- Universität Heidelberg
Institut für Allgemeine und Angewandte Sprachwissenschaft
Sommersemester 2006
Die formale und funktionale Charakteristik und Abgrenzung der zwei
Haupt- Passivformen: Vorgangspassiv und Zustandspassiv.
Vorgelegt
von:
Anna Kazmierczak
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
: Fragestellung, Ziele und Aufbau der Arbeit 2
2. Passivdefiniton
2.1 Bildung der prototypischen Passivform (des Vorgangspassivs) und die
Zuordnung von thematischen Rollen zu syntaktischen Funktionen im Aktiv,
im Vorgangspassiv und im Zustandspassiv 3
2.2 Zusammenhänge zwischen Aktiv, Vorgangspassiv und Zustandspassiv ... 5
3. Das Vorgangspassiv
3.1 Beschränkungen für die Bildung des Vorgangspassivs 10
3.2 Funktionen des Vorgangspassivs 13
4. Das Zustandspassiv
4.1 Verwendung des Zustandspassivs und Problembereiche 15
4.2 Argumente gegen die Ellipsenanalyse 16
4.3 Analyse des Zustandspassivs als Kopulakonstruktion und damit
verbundene Probleme 19
4.3.1 Semantischer Effekt des Zustandspassivs 19
4.3.2 Ökonomieargument 22
4.3.3 Adjektivtypische Eigenschaften 22
5. Zusammenfassung und Schlussfolgerung
23
6. Bibliographie
25
1
1. Einleitung
Der Gegenstand der vorliegenden Arbeit ist die formale und strukturelle
Charakteristik der zwei Hauptformen des Passivs im Deutschen, nämlich des
Vorgangspassivs und des Zustandspassivs und die Zusammenhänge zwischen ihnen.
Die Fragen, die sich in erster Linie ergeben, sind: Wozu brauchen wir überhaupt
das Passiv? Ist das eine überflüssige Konstruktion, eine Transformation des Aktivs oder
eine eigenständige Struktur mit bestimmten Funktionen? Wenn Passivdiathesen
funktional und formal divergieren, in welchen Fällen ist dann die eine oder die andere
Passivform anzuwenden? Was verbindet und was unterscheidet das Vorgangspassiv
und das Zustandspassiv? Welche Zusammenhänge bestehen zwischen ihnen und wie
können wir sie funktional und semantisch charakterisieren?
Im ersten Teil wird vor allem auf Definition, Merkmale und Bildung der
prototypischen Passivform, des Vorgangspassivs, eingegangen. Das
werden
- Passiv
wird im Zusammenhang mit der Aktivform analysiert. Es wird auch von dem
sein
-
Passiv abgegrenzt. Dieser Ausgangpunkt ermöglicht ein besseres Verständnis der
Passivstruktur und Funktion im allgemein und stellt die Grundlage für die genauere
Analyse der kontroverseren Passivform, des Zustandspassivs, in dem letzten Kapitel
der Arbeit dar. Danach wird auf die weiteren wichtigsten Aspekte sowohl des
Vorgangspassivs (Bildungsbeschränkung und Funktionen) als auch Zustandspassivs
(Analysemöglichkeiten) eingegangen. Die Ellipsenanalyse ist besonders eng mit dem
Vorgangspassiv verzahnt- sie wird genauer untersucht. Der abschließende Teil der
Arbeit wird der umfassenden Charakteristik des Zustandspassivs als
Kopulakonstruktion, bei der sich
sein
mit dem adjektivierten 3. Status verbindet,
gewidmet.
2. Passivdefinition
In diesem Kapitel wird der Unterschied zwischen zwei Genera des Verbs (Aktiv und
Passiv) im Deutschen besprochen. Das ermöglicht besseres Verstehen, was das Passiv
überhaupt bedeutet und welche Rolle es in der deutschen Sprache spielt. Mit dem
Ausdruck ,,Passiv" werden verschiedene Strukturen bezeichnet. In der Arbeit werden
zwei Konstruktionen behandelt:
2
1. Passiv als Bezeichnung für die Konstruktion
werden
+ Partizip II
(Vorgangspassiv)
2. Passiv als Bezeichnung für
sein
+ Partizip II Konstruktion (Zustandspassiv).
Im vorliegenden Kapitel werden diese zwei Passivstrukturen grob dargestellt und
miteinander verglichen. Diese Vorgehensweise wird als Stützpunkt für die spätere,
umfangreichere Analyse der Zusammenhänge zwischen dem Vorgangspassiv mit dem
umstrittenen
sein
- Passiv, das heißt für die Diskussion, ob man das Zustandspassiv aus
dem Vorgangspassiv elliptisch ableiten kann, dienen.
2.1. Bildung der prototypischen Passivform (des Vorgangspassivs) und die
Zuordnung von thematischen Rollen zu syntaktischen Funktionen im Aktiv, im
Vorgangspassiv und im Zustandspassiv.
Der Ausgangspunkt der Untersuchung ist das Verb- eine Kategorie, die durch
die Merkmale Numerus, Person, Tempus und Genus Verbi charakterisiert ist. Das letzte
Merkmal ist für die Analyse der Passivstruktur relevant. Genauer gesagt, werden die
zwei Genera Verbi- Aktiv und Passiv- voneinander abgegrenzt. Das Passiv ermöglicht
die Veränderung von thematischen Rollen des Agens und Patiens auf Subjekt und
Objekt im Aktivsatz.
Im prototypischen Passivsatz (beim Vorgangspassiv bei transitiven Verben)
wird das Agens aus seiner Subjektposition verdrängt und diese Stelle wird mit dem
Patiens besetzt, das im Aktivsatz als direktes Objekt fungiert- das führt dazu, dass das
Geschehen von einer anderen Blickrichtung betrachtet wird.1 Aktiv und- Passivsatz
haben im Grunde genommen dieselbe denotative Bedeutung, die aber über
unterschiedliche syntaktische Funktionen übertragen werden. Dieses Verhältnis ist in
folgender Grafik sehr anschaulich dargestellt:
1 Hentschel, Elke/Weydt, Harald: Das leidige bekommen- Passiv. In: H. Popp (ed.),
Deutsch als
Fremdsprache. And den Quellen eines Fach (Fachschrift für Gerhard Helbig)
. München: iudicum, 1995.
S.165.
3
subj
dirobj prerg
NOM AKK (VODAT)
versprochen hat Agens Patiens
(Aktiv)
versprochen wurde Patiens Agens
(Vorgangspassiv)
versprochen war Patiens *Agens
(Zustandspassiv)
Abb.1: Zuordnung von thematischen Rollen zu syntaktischen Funktionen.2
Es ist eindeutig, dass dieselben semantischen Rollen (Agens, Patiens) durch die
unterschiedliche Komplement- und Argumentstruktur kodiert werden:
- Im Aktiv hat das Agens die syntaktische Funktion des Subjekts und das Patiens
hat die syntaktische Funktion des Akkusativobjekts, zum Beispiel: Sie (Agens-
Subjekt) hat ihm die Wohnung (Patiens- Akkusativobjekt) versprochen.3
- Im Vorgangspassiv übernimmt das Agens die syntaktische Funktion der
fakultativen
von
- Phrase und die thematische Rolle des Patiens wird der
syntaktischen Rolle des Subjekts zugeordnet, zum Beispiel: Die Wohnung
(Patiens- Subjekt) wurde ihm von ihr (Agens-
von
- Phrase) versprochen.4
- Wie in der Grafik verdeutlicht wurde, kann die thematische Rolle des Agens im
Zustandspassiv meistens gar nicht realisiert sein (das Problem der Agentivität
im Zustandspassiv wird im nächsten Unterkapitel behandelt), wie im Satz: Die
Wohnung (Patiens- Subjekt) war ihm versprochen. Das Patiens hat, so wie im
Vorgangspassiv, die syntaktische Funktion des Subjekts.5
Das Vorgangspassiv wird- wie aus der Grafik ersichtlich - in zwei Schritten gebildet:
im ersten Schritt wird das Subjekt degradiert (Subjektkonversion) und es wird zum
fakultativen präpositionalen Objekt; im zweiten Schritt erfolgt die Promotion des
direkten Objekts (das nur bei transitiven Verben vorhanden ist) zum Subjekt
2 vgl. Eisenberg, P.:
Grundriss der deutschen Grammatik
. Bd. 2: Der Satz. Stuttgart: Metzler, 1999.
S.124
3 Pittner Karin/ Berman Judith: Deutsche Syntax. Ein Arbeitsbuch. Tübingen: Narr, 2004. S. 76.
4 Ebd., S. 76.
5 Ebd., S. 76.
4
(Objektkonversion).6 Heutzutage wird das Verhältnis zwischen Aktiv und
Passivdiathese über strukturelle Bedingungen und nicht über Transformation erfasst.
Auf diesen Punkt wird es noch später in dem nächsten Unterkapitel eingegangen.
2.2. Zusammenhänge zwischen Aktiv, Vorgangspassiv und Zustandspassiv.
In diesem Unterkapitel werden zwei Genera des Verbs (Aktiv und Passiv)
miteinander verglichen. Es wird allerdings getrennt auf das Vorgangspassiv und auf das
Zustandspassiv eingegangen, da die beiden Formen stehen dem Aktiv nicht
gleichwertig gegenüber.
Im Gegensatz zum Aktivsatz bei dem die Verbformen analytisch
(zusammengesetzt) oder synthetisch (einteilig) sein können, sind alle Verbformen im
Passiv analytisch, das heißt sie sind immer mehrteilige Konstituenten (Ich schließe das
Fenster vs. Das Fenster wird geschlossen/ Das Fenster ist geschlossen).
Das Aktiv wurde traditionell als Tätigkeitsform und das Passiv als Leideform
bezeichnet. Die beiden traditionellen Termini sind aber nicht genau, was man bei
Betrachtung der Funktionen von Aktiv und- Passivsätzen feststellen kann. Das Aktiv ist
nämlich keineswegs immer eine Tätigkeitsform. Mit ihm werden vielmehr folgende
Inhalte ausgedrückt: 7
a. Handlung
: Sie Fährt das Auto in die Garage.
b.
Vorgang, Zustand
: Das Wasser fließt. Der Mond scheint.
c. Unpersönlicher Sachverhalt
: Was gibt es? Es regnet.
d. Reflexive Struktur
: Er weigert sich zu kommen.
Die Passivstruktur drückt auch keineswegs nur ,,Leiden" aus:
a. positives Erlebnis
: Ich werde gelobt.
b. eine Tätigkeit
: Es wurde getanzt.8
Die traditionelle Abgrenzung des Passivs und Aktivs hält also der näheren Prüfung
nicht stand. Die beiden Genera des Verbs haben andere Funktionen und Merkmale. Sie
geben dem Sprecher vor allem die Möglichkeit Sachverhalte unterschiedlich
6 Eisenberg, P.:
Grundriss der deutschen Grammatik
. Bd. 2: Der Satz. Stuttgart: Metzler, 1999. S. 129.
7 vgl. Götze, Lutz - Hess-Lüttich:
Knaurs Grammatik der deutschen Sprachsystem und Sprachgebrauch:
Grammatik der deutschen Sprache
.
München : Droemer Knaur, 1988. S. 90-91.
8 Brinker, Klaus: Das Passiv im heutigen Deutsch. Form und Funktion. In:
HEUTIGES DEUTSCH
Linguistische und didaktische Beiträge für den deutschen Sprachunterricht. Hrsg. Vom Institut für
deutsche Sprache und vom Goethe Institut.
München: Max Hueber Verlag, 1970. S. 12.
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