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Autor: Magister Dominic Lüthi
Fach: Judaistik
Details
Tags: Targum, Cant, Kommen, Messias
Jahr: 2004
Seiten: 33
Note: 1,7
Literaturverzeichnis: ~ 53 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 454 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-56563-9
ISBN (Buch): 978-3-638-66852-1
Die Arbeit untersucht die Interpretation des Targum - der Übertragung der Thora ins Aramäische - zum berühmten Hohelied. Inhalt: Text- u. Rezeptionsgeschichte des Haupt- u. Referenztextes, versweise Übersetzung der Passagen vom Althebräischen u. Aramäischen ins Deutsche, Kommentar u. Deutung der Ergebnisse im historischen u. systematischen Kontext, Bezug rabbinischer Vorstellungen v. Eschatologie, Messianologie und chiliastischer Hoffnungen realpolitischer Natur zum Targum Cant. und umgekehrt
Zusammenfassung / Abstract
Seit jeher war der Umgang mit dem Hohelied, dem Lied der Lieder, mehr ein Spiegel derjenigen, die es analysiert, gedeutet, verlesen, gepredigt, übersetzt, erforscht, gehört oder einfach still geliebt haben. Immer war es aber auch Ausdruck höchsten Wartens, Bangens und Sehnens nach dem Geliebten – vielleicht nirgends leidgeplagter und inniger als im Judentum. In keiner andern Tradition steilte sich das Bild eines kommenden Messias, der auf dem Schauplatz der Geschichte und in aller Öffentlichkeit sein Erlösungswerk vollziehe, derart auf, wie in der jüdischen. Sollte sein Werk in der Tiefe auch nicht nur ein äußerliches, sondern zutiefst inwendiges und radikales sein, so wurde doch jeder, der vom Anwärter auf den Messiastitel in die Weltgeschichte wollte, von den jüdischen Autoritäten an sehr greifbaren Merkmalen geprüft – und allermeist von der Geschichte als Pseudomessias entlassen. Und sollte es innerhalb dieser Autorität auch genügend anders gerichtete Tendenzen gegeben haben – die eine ungehemmte Entfaltung messianischer Bewegungen zu hindern oder wenigstens zu kontrollieren suchten –, so war und ist gerade der apokalyptische Messianismus im Judentum unzweifelbar eine kontinuierliche Macht von historischster Lebendigkeit. Im Hohelied die Hochzeit von Salomos und Sulamiths Minne, ist hier nun endlich die Klimax aller apokalyptischen Verheissung erreicht: hier werden nicht nur sie der Gemeinschaft Israels neu geboren, sondern im eigentlichen Sinne auch der Messias – und damit das messianische, das goldene Zeitalter.
Textauszug (computergeneriert)
Hauptseminararbeit an der
Ludwig-Maximilians-Universität München
Targum Cant. 7:13 – 8:5
und das Kommen des Messias
eingereicht von
Dominic Lüthi
Sommersemester 2004
EDITORISCHE VORBEMERKUNGEN
[...]
INHALTSVERZEICHNIS
Einleitung 1
Teil 1
Präliminarien
Kapitel 1: Das Hohelied (Canticum Canticorum) 4
1.1 Zum Text 4
1.2 Rezeptionsgeschichte 5
Kapitel 2: Das Targum Canticum Canticorum 7
2.1 Textgeschichte und -varianten 7
2.2 Inhalt und Rezeptionsgeschichte 10
Teil 2
Hauptteil
Kapitel 3: Tg. Cant. 7:13 – 8:5 und das Kommen des Messias 12
3.1 Übersetzung, Textvergleich und Deutung 12
3.1.1 Tg. Cant. 7:13 13
3.1.2 Tg. Cant. 7:14 15
3.1.3 Tg. Cant. 8:1 17
3.1.4 Tg. Cant. 8:2 18
3.1.5 Tg. Cant. 8:3 20
3.1.6 Tg. Cant. 8:4 21
3.1.7 Tg. Cant. 8:5 22
Schluß 25
Literaturverzeichnis 27
EINLEITUNG
So ist die Lieb´! und war auch so,
Wie lang´es Liebe gibt,
Und anders war Herr Salomo,
Der Weise, nicht verliebt.1
In keiner andern Tradition steilte sich das Bild eines kommenden Messias, der auf dem Schauplatz der Geschichte und in aller Öffentlichkeit sein Erlösungswerk vollziehe, derart auf, wie in der jüdischen. Sollte sein Werk in der Tiefe auch nicht nur ein äußerliches, sondern zutiefst inwendiges und radikales sein, so wurde doch jeder, der vom Anwärter auf den Messiastitel in die Weltgeschichte wollte, von den jüdischen Autoritäten an sehr greifbaren Merkmalen2 geprüft – und allermeist von der Geschichte als Pseudomessias3 entlassen. Und sollte es innerhalb dieser Autorität auch genügend anders gerichtete Tendenzen gegeben haben – die eine ungehemmte Entfaltung messianischer Bewegungen zu hindern oder wenigstens zu kontrollieren suchten –, so war und ist gerade der apokalyptische Messianismus im Judentum unzweifelbar eine kontinuierliche Macht von historischster Lebendigkeit.
Damit ist ein wesentliches Merkmal bereits angezeigt: stets war sowohl ein restaurativ wie utopisch motiviertes Hoffen, Warten und Bangen auf den Erlöser zutiefst mit der Historie verschränkt, war nicht zuletzt die akute geschichtliche Situation einer Gruppe überhaupt für das Auf und Ab messianischer Begeisterungswellen ausschlaggebend und war so auch der soziale Anteil eines eben religiös-sozialen Phänomens von jeher offenkundig.
Eine Betrachtung schriftlicher Konkretionen dieses Phänomens durch die Augen der Religionswissenschaft sieht hier nun ein kulturell geprägtes Zeichensystem, das – selbst innerhalb eines übergeordneten Systems – durch ausgewählten Bezug auf den zu Gebote stehenden Zeichensatz seine eigene Semiotik erst gewinnt und damit auch in eine Kommunikation mit den übrigen Teilnehmern am „Sprachspiel“ gelangen kann. Gerade durch den Rekurs auf traditionell legitimierte Partien des Zeichensatzes mag in neuer Deutung zwar die Neuerung behauptet, aber der grundsätzliche formale Charakter von Traditionszugehörigkeit gewahrt bleiben.
Solche Vorgänge kennzeichneten auch von Anbeginn die Entwicklung des Messias- Begriffes4: Bezeichnete ...., der „Gesalbte“, ursprünglich den israelitischen König schlechthin5, aber auch den Hohepriester6, nennt Deutero-Jesaja den KYROS den „Gesalbten Gottes“ (45:1), lässt Psalm 105:15 Gottes Gesalbte in Parallele zu seinen unverletzlich unter dem besonderen Schutz Gottes stehenden Propheten7 treten (bleibt also .... immer noch Gattungsname) und wird er bei den Weissagungen der Propheten zwar teilweise zu einer ganz bestimmten Gestalt, .... .. .... (die Erscheinung eines idealen Königs aus Davids Stamm nämlich), so liegt demgegenüber in den Worten der Apokalyptiker8 schon eine Verschiebung der Anschauung vom Inhalt der Prophetie vor – die Worte der alten Künder liefern hier einen Rahmen auf den sie sich beziehen können und den sie auf je ihre Weise ausgestalten und erfüllen.
In besonderem Masse gilt dies für das ...... ..., das HOHELIED (Hld); denn wurde der Inhalt profan genommen, kam bald die Frage auf, warum sich solches Liebeslied überhaupt im Kanon der heiligen Schriften befände9, wurde er dann hingegen offiziell allegorisch gedeutet, öffnete man damit wildesten Deutungen Tür und Tor.10
.... = Sonderschrift in Downloaddatei enthalten
[....]
1 Eduard Mörike: Gedichte [1828], Ausgabe v. 1867, 72, in: Sämtliche Werke in zwei Bänden, hg. v. Helga Unger, Bd. 1, München 1967, 700
2 Als späteres Beispiel diene uns hier Maimonides, wenn auch manch früherer hätte angeführt werden können: „Der Messias wird einst auftreten und das Königtum Davids in seiner vormaligen Macht wiederherstellen. Er wird das Heiligtum aufbauen und die Versprengten Israels sammeln. Alle Rechtssatzungen werden in seinen Tagen die frühere Geltung wiedererlangen, man wird Opfer darbringen und die Brach- und Jobeljahre beobachten, ganz nach der in der Tora enthaltenen Vorschrift“, in: Moritz Zobel: Der Messias und die messianische Zeit in Talmud und Midrasch, Berlin 1938, entnommen: SCHOLEM, Grundbegriffe, 156
3 Wenigstens genannt seien: Theudas, der Zelot Menachem, Judas der Galiläer, Bar Kochba, Abu-Isa Isfahani, etc. und natürlich Sabbetaj Zewi; vgl. hierzu JL, 132-133; BOWKER, Oxford, 659
4 Vgl. z.B. FOHRER, Geschichte, 356-363
5 I Sam 2:10,35; 12:3,5; 26:9,11,16,23; II Chr 6:42; Ps 18:51 etc.
6 Lev 4:3; Ex 28:41 etc.
7 I Reg 19:16; Jes 61:1 etc.
8 So zum Beispiel dem biblischen Buch Daniel, der Esra- und Baruch-Apokalypse.
9 Die älteste Nachricht, die wir über das Lied der Lieder haben, verdanken wir dem Talmud. In dem Mischna- Traktat Jadajim III,5 wird berichtet, daß der Synode von Jamnia, die um 90 n.Chr. stattgefunden haben muß, die Frage zur Entscheidung vorlag, ob das Hohelied und der Kohelet die Hände verunreinigten und daher zu verbergen seien, das heißt, ob sie als nichtinspirierte Bücher sekret zu halten seien, oder ob sie in den Kanon der heiligen Schrift gehörten. Der Anspruch der Kanonizität, der danach schon gegolten haben muß, aber in Zweifel gezogen worden war, wurde im Sinne Hillels entgegen der Schammaïtischen Schule anerkannt, und wir erleben es hier mit, wie die Kanonizität eines biblischen Buches nicht als Resultat eines synodalen Beschlusses rabbinischer Autoritäten, sondern als Ergebnis eines historischen Prozesses im Volksbewusstsein erscheint, der nur in einem solchen Beschlusse sanktioniert wird. (Denn nicht nur die Historizität dieser Zusammenkunft, vor allem aber so weitreichende Kompetenzen des Lehrhauses von Jamnia, sind inzwischen mit gewichtigen Argumenten in Frage gestellt worden, vgl. TRE 6,6f.)
10 Rabbi Akiba wandte sich scharf an jene, die das Lied der Lieder zu profanieren drohten: „.... wer aus dem Lied der Lieder in den Häusern trällert und es zu einem Liede macht, der hat keinen Anteil an der kommenden Welt“ (Tosefta Sanhedrin XII). 2
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