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Der Umriss einer Begegnung: Paul Celans Übersetzung von Osip Mandel'štam am Beispiel des Gedichts Silentium

Hauptseminararbeit, 2004, 47 Seiten
Autor: MA Lena Butrova
Fach: Russistik / Slavistik

Details

Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2004
Seiten: 47
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 47  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V64074
ISBN (E-Book): 978-3-638-56971-2

Dateigröße: 331 KB


Textauszug (computergeneriert)

Ruprecht-Karls Universität Heidelberg
Institut für Deutsch als Fremdsprachenphilologie
Hausarbeit zum Hauptseminar
„Deutsche Lyrik der Nachkriegszeit“

Der Umriss einer Begegnung:
Paul Celans Übersetzung von Osip Mandel’stam
am Beispiel des Gedichts Silentium

Studentin: 

Lena Butrova

9. Fachsemester
Heidelberg 2004

 

 

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis ... 2

I. Einführung ... 3

II. Hauptteil ... 5

1. Chronik der Begegnung ... 5
2. Die Besonderheiten von Celans Übersetzung ... 7
3. Die Übersetzung des Gedichts Silentium ... 19
4. Mandel’stams Einfluss auf Celans Lyrik ... 29

III. Schlusswort ... 40

IV. Literaturverzeichnis ... 45

 

 

I. Einführung

Wie Osip Mandel’(?)tam1 (1891-1938) oft als einer der besten Poeten des russischen Silbernen Zeitalters genannt wird, zählt Paul Celan2 (1920-1970) zu den besten deutschsprachigen Poeten der Nachkriegszeit. Die Begegnung der beiden Poeten, die hauptsächlich Ende der 50er Jahre statt findet, ist für sie beide produktiv: einerseits macht C. durch seine Übersetzungen den deutschen Leser mit M. bekannt, auf der anderen Seite übernimmt er in seiner eigenen Lyrik zahlreiche Motive und Formulierungen M.s. Dieser Dialog geschieht ganz im Sinne von M., der selbst die Auseinandersetzung mit der literarischen Tradition als ein wichtiges Element seiner Poesie deklariert, wie in seinem programmatischen Gedicht Ja ne slychal rasskazov Ossiana (Ich habe die Geschichten von Ossian nicht gehört).3 

In dieser Arbeit wird versucht, einen Umriss dieser Begegnung der zwei Poeten zu gestalten. Im ersten Kapitel wird die Chronologie von C.s Beschäftigung mit M. wiedergegeben: C. lernt M.s Werk erst später kennen, dafür ist seine Auseinandersetzung damit über Jahre intensiv. Im zweiten Kapitel werden die individuellen Besonderheiten der Übersetzung C.s kurz erläutert: jeder Übersetzer dichtet in seiner Übersetzung Gedichte neu, weil zwei Sprachen „in ihren, den jeweiligen Wirklichkeitserfahrungen entsprechenden Worten eben so wenig deckungsgleich sind wie die Kulturen, in denen sie lebendig sind.“4 Eine Übersetzung verlagert das Zentrum der Aufmerksamkeit auf sich, wird damit zu einem eigenständigen Gedicht, was allerdings auch die Aussage des Originals oft verändert. C. versucht in seinen Übersetzungen „bei größter Textnähe das Dichterische am Gedicht zu übersetzen, die Gestalt wiederzugeben, das Timbre des Sprechenden.“5

Im dritten Kapitel wird auf M.s Gedicht Silentium eingegangen: erst wird das Gedicht interpretiert, dann wird im Lichte dieser Interpretation C.s Übersetzung betrachtet – wie wird von C. die formelle Seite umgestaltet, in wieweit sind die stilistischen Mittel verändert oder getilgt, welche Aussagen tragen das Gedicht und die Übersetzung.

Dass C.s Version von M.s Gedicht dunkler und hermetischer erscheint, liegt daran, dass er die „Dunkelheit [...] viel mehr bereits in den Originalen vor(fand): so ‚las’ er die Dunkelheit, die keineswegs ein Phänomen nur der modernen Lyrik ist, heraus.“6 Im letzten Kapitel wird die Auswirkung des Werkes M.s auf C.s Werk präsentiert. Der Gedichtband Die Niemandsrose steht dabei im Zentrum der Auseinandersetzung, da er in der Zeit der intensivsten Beschäftigung C.s mit M. entsteht und die meisten Spuren des Dialogs trägt. Es wird auf M.s direkte Anwesenheit in C.s Gedichten eingegangen, die gemeinsamen Themenkomplexe erläutert und die gemeinsame Bildlichkeit dargestellt. Hier ist interessant anzumerken, dass M.s Einfluss auf C. selektiv verläuft: obwohl C. Gedichte aus allen Schaffensphasen von M. übersetzt, ist seine Auswahl der Gedichte äußerst subjektiv. Er übersetzt nur die Gedichte die ihn persönlich interessieren und lässt ganze Segmente aus, wie zum Beispiel die architektonischen Verse M.s, oder seine Gedichte, die sich mit dem klassisch-antiken Erbe wie mit den Repräsentanten französischer Literatur beschäftigen.

II. Hauptteil

1. Chronik der Begegnung

Die ersten Übersetzungen fertigt C. schon während seiner Schulzeit an, vermutlich gleichzeitig mit seinen ersten eigenen Gedichten. Seitdem nimmt seine Übersetzungstätigkeit einen festen und wichtigen Platz in seinem Werk ein. Er übersetzt insgesamt 42 Dichter aus 8 Sprachen. Dieses Interesse an der Lyrik der anderen Poeten gibt „das Verlangen Celans wider, sich durch Übersetzen dialog- und erkenntnissuchend in den Geheimnissen des (nicht eigenen) dichterischen Prozesses zu bewegen“ und damit „die Grenzen des eigenen Sprechens zu erweitern.“7 Die Grundlage für solches Bestreben kann schon in der Kindheit C.s in seiner Heimatstadt Czernowitz gelegt worden sein. Dort lebten Deutsche, Ukrainer, Juden, Rumänen, Polen und Ungarn, dementsprechend wurde eine Vielfalt von Sprachen gesprochen. C.s Muttersprache ist „Schriftdeutsch“, von seiner Mutter streng bewahrt (worin eine der biographischen Gemeinsamkeiten mit M. gesehen werden kann). Er spricht auch Rumänisch, die obligatorische Staatssprache in den zwanziger Jahren, Ukrainisch, versteht und liest Jiddisch. Während der Schulzeit eignet er sich Hebräisch, Latein, Griechisch an. Er studiert in Czernowitz Anglistik und Romanistik.8

[....]


1 Im folgenden Text M.

2 Im folgenden Text C.

3 Mandel’(?)tam 1964, Bd. 1, S. 56

4 Olschner 1985, S. 12

5 Brief an Gleb Struve. In: Terras, Victor: Mandel’(?)tam and Celan. A Postscript. Germano-Slavica 2. Zitiert nach Olschner 1985, S. 226

6 Olschner 1985, S. 66

7 Olschner 1985, S. 36

8 Vgl. Rychlo 2000, Ss.122-124


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