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Die Bewegung der Globalisierungsgegner am Beispiel von ATTAC - Politische Macht oder ökonomische Alphabetisierungskampagne?

Intermediate Diploma Thesis, 2005, 24 Pages
Author: Carsten Thoben
Subject: Politics - International Politics - Topic: Globalisation, Political Economics

Details

Category: Intermediate Diploma Thesis
Year: 2005
Pages: 24
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 27  Entries
Language: German
Archive No.: V64086
ISBN (E-book): 978-3-638-56981-1
ISBN (Book): 978-3-638-66970-2
File size: 276 KB

Abstract

„Es geht um nichts weniger, als unsere Zukunft wieder selbst in die Hand zu nehmen.“ Die Bilder von den Straßenschlachten in Seattle 1999, als knapp 50.000 Menschen gegen die Tagung der Welthandelsorganisation (WTO) protestierten, gingen um die Welt. Seite an Seite drückten Gewerkschafter, Studenten, Arbeiter, Bauern oder Umweltschützer ihren Unmut über die Handelspolitik der Industrienationen aus. Seitdem zieht das „Volk von Seattle“ um die Welt, überall dort, wo sich die Vertreter von IWF, Weltbank, WTO oder die Staats- und Regierungschefs der G8 treffen, versammeln sich die Globalisierungskritiker zu Demonstrationen. Prag, Göteborg, Genua, Washington, Porto Alegre – die Liste ist lang. Im Jahre 1998 hat sich in Frankreich ein Netzwerk mit dem schlagkräftigen Namen Attac (Action pur une association des transactions financières pour l´aide aux citoyens et citoyennes) gegründet, das mittlerweile in über fünfzig Nationen vertreten ist. Spätestens seit den gewaltsamen Protesten gegen den G8-Gipfel in Genua 2001 erhielten die Themen der Globalisierungskritik einen immensen medialen Aufmerksamkeitsschub. Attac wird mittlerweile als Sprachrohr der Globalisierungskritik wahrgenommen. In Deutschland sind seit seiner Gründung mehr als 10.000 Menschen Mitglieder des Netzwerkes geworden. Nachdem sich das Buch im ersten Abschnitt mit der Geschichte der Globalisierung sowie Entstehung und Inhalten der globalisierungskritischen Bewegung auseinander setzt, wird das Hauptaugenmerk anschließend auf das Netzwerk Attac gelenkt. Es wird die Frage in den Vordergrund gestellt, welche Ziele Attac verfolgen und welche Herausforderungen die Organisation bewältigen muss, um auf Dauer erfolg- und einflussreich bleiben zu können. Können die Proteste langfristig wirken, oder ist die Bewegung ein von den Medien aufgebauschtes Phänomen, das in naher Zukunft wieder an Bedeutung verlieren wird, sei es durch Mitgliederschwund oder Desinteresse der Öffentlichkeit? Bringt Attac das Potential mit sich, zu einem wichtigen politischen Einflussfaktor zu entwickeln oder ist das Netzwerk bloß eine groß angelegte „ökonomische Alphabetisierungskampagne“? Fragen, die einer Antwort bedürfen.


Excerpt (computer-generated)

Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Diplomstudiengang Sozialwissenschaften

Die Bewegung der Globalisierungsgegner am Beispiel von ATTAC - Politische Macht oder ökonomische Alphabetisierungskampagne?

Carsten Thoben

 

Inhaltverzeichnis


1 Einleitung ... 3

2 Wie alles begann – Die Globalisierung und ihre Gegner

2.1 Was ist Globalisierung? ... 3
2.2 Entstehung und Geschichte der Anti-Globalisierungsbewegung ... 7

3 Politische Macht oder ökonomische Alphabetisierungskampagne?

3.1 Attac – Das Netzwerk der Globalisierungskritiker ... 11
3.2 Pläne, Ziele, Strategien – die Zukunft der Bewegung ... 14

4 Fazit ... 20

Literaturverzeichnis ... 22

 

 

1 Einleitung


„Es geht um nichts weniger, als unsere Zukunft wieder selbst in die Hand zu nehmen.“

Die Bilder von den Straßenschlachten in Seattle 1999, als knapp 50.000 Menschen gegen die Tagung der Welthandelsorganisation (WTO) protestierten, gingen um die Welt. Seite an Seite drückten Gewerkschafter, Studenten, Arbeiter, Bauern oder Umweltschützer ihren Unmut über die Handelspolitik der Industrienationen aus. Seitdem zieht das „Volk von Seattle“ um die Welt, überall dort, wo sich die Vertreter von IWF, Weltbank, WTO oder die Staats- und Regierungschefs der G8 treffen, versammeln sich die Globalisierungskritiker zu Demonstrationen. Prag, Göteborg, Genua, Washington, Porto Alegre – die Liste ist lang.
Im Jahre 1998 hat sich in Frankreich ein Netzwerk mit dem schlagkräftigen Namen Attac (Action pur une association des transactions financières pour l´aide aux citoyens et citoyennes) gegründet, das mittlerweile in über fünfzig Nationen vertreten ist, so auch in Deutschland. Spätestens seit den gewaltsamen Protesten gegen den G8-Gipfel in Genua 2001 erhielten die Themen der Globalisierungskritik einen immensen medialen Aufmerksamkeitsschub. Attac wird mittlerweile als Sprachrohr der Globalisierungskritik wahrgenommen. In Deutschland sind seit seiner Gründung mehr als 10.000 Menschen Mitglieder des Netzwerkes geworden.
Nachdem ich im ersten Abschnitt der Hausarbeit auf die Geschichte der Globalisierung sowie Entstehung und Inhalte der globalisierungskritischen Bewegung eingegangen bin, möchte ich mich im anschließenden Kapitel auf das Netzwerk Attac konzentrieren. Ich möchte die Frage in den Vordergrund stellen, welche Ziele Attac verfolgt und welche Herausforderungen die Organisation bewältigen muss, um auf Dauer erfolg- und einflussreich bleiben zu können. Können die Proteste langfristig wirken, oder ist die Bewegung ein von den Medien aufgebauschtes Phänomen, das in naher Zukunft wieder an Bedeutung verlieren wird, sei es durch Mitgliederschwund oder Desinteresse der Öffentlichkeit? Bringt Attac das Potential mit sich, zu einem wichtigen politischen Einflussfaktor zu werden oder ist das Netzwerk bloß eine groß angelegte „ökonomische Alphabetisierungskampagne“? Diese Fragen hoffe ich, auf den folgenden Seiten beantworten zu können.


2 Wie alles begann – Die Globalisierung und ihre Gegner


2.1 Was ist Globalisierung?

Kaum ein Begriff hat in der jüngsten Vergangenheit so oft Verwendung gefunden wie jener der „Globalisierung“, der zu einem der am meisten gebrauchten Ausdrücke unserer Zeit avanciert ist. Ob im Wirtschaftsteil der Tageszeitungen, im Internet (die Eingabe bei google.de ergibt mehr als zwei Millionen Einträge) oder einer zunehmend unüberschaubaren Zahl an Büchern, die sich (kritisch) mit dem Phänomen beschäftigen - der Begriff ist plötzlich allgegenwärtig. Obwohl mit dem Begriff viele Aspekte verbunden sind, wird er in seiner Definition zumeist auf das wirtschaftliche Geschehen beschränkt. „Globalisierung bedeutet, dass die Länder in der Welt wirtschaftlich zusammenwachsen, die Verflechtung der Märkte enger wird und die Mobilität der Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital über nationale Grenzen hinweg zunimmt.“1 Ihren Anfang nahm die Globalisierung bereits im 19. Jahrhundert. In den beiden vorherigen Jahrhunderten war die Wirtschaftspolitik der Nationen von der Lehre des Merkantilismus dominiert, d.h. der Staat unternahm wirtschaftliche Lenkungsmaßnahmen und die Nationen schotteten sich weitestgehend gegeneinander ab, u.a. durch die Erhebung von Schutzzöllen. Erst die Theorie des Wirtschaftsliberalismus und die Doktrin des Freihandels, als deren Hauptvertreter Adam Smith (1723-1790) und David Ricardo (1772-1823) gelten, sorgten für eine Ablösung der vorherrschenden Form des Merkantilismus. Die beiden Ökonomen sprachen sich für die Beseitigung von staatlichen Eingriffen in wirtschaftliche Angelegenheiten aus: keine Produktionsbeschränkungen, keine Handelsbarrieren, keine Zollgebühren – der freie Handel galt als der beste Weg zur Entfaltung der Wirtschaft einer Nation. Die theoretische Einsicht, „dass Staaten, die sich wirtschaftlich nicht abschließen, sondern in einen offenen Austausch mit anderen Volkswirtschaften treten, davon profitieren und Wohlstandsgewinne für ihre Bürgerinnen und Bürger erzielen“2 führte zu einem Zeitalter der Globalisierung. Die Nationen öffneten ihre Wirtschaft, wesentliche Handelshemmnisse wurden beseitigt und neue Technologien führten zu einer umfangreicheren, aber auch preiswerteren Produktion. Transporte auch über große Distanz wurden schneller und billiger, so dass der weltweite Handel bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges vorangetrieben wurde – die Jahre von 1895 bis 1914 werden heute gar als das „Goldene Zeitalter“ des Freihandels bezeichnet.
Durch den Ersten Weltkrieg, die Weltwirtschaftskrise und den Börsencrash von New York im Jahre 1929 sowie dem darauf folgenden Zweiten Weltkrieg wurde der durch den Freihandel bedingte Aufschwung jäh beendet. Die Weltwirtschaft lag am Boden, als sich 1944 in Bretton Woods, New Hampshire, Vertreter aus 44 Ländern trafen, „um die wirtschaftliche Nachkriegsordnung festzulegen und entsprechende Institutionen ins Leben zu rufen.“3 Die Konferenz stand im Zeichen der sozialen Erschütterungen der Weltwirtschaftskrise (Massenarbeitslosigkeit, Verarmung breiter Schichten des Mittelstandes) und dem Zusammenbruch der Wirtschaft in Europa und den USA.

 

[...]


1 Donges, Juergen B.; Eekhoff, Johann; Paulus, Philipp: Globalisierungskritik auf dem Prüfstand – ein Almanach aus ökonomischer Sicht. Stuttgart. Lucius & Lucius, 2003. S. 2.
2 Bundeszentrale für politische Bildung: Globalisierung. Informationen zur politischen Bildung. Heft 280, 3. Quartal 2003. Bonn. BpB, 2003. S.3.
3 Kairos Europa e.V; WEED e.V.: Kapital braucht Kontrolle. Die internationalen Finanzmärkte: Funktionsweise – Hintergründe – Alternativen. Bonn. 2000. S. 9.


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