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Untertitel: Eine Untersuchung der Bundesrepublik Deutschland, Großbritanniens und Frankreichs
Autor: Benjamin von dem Berge
Fach: Politik - Pol. Systeme - Allgemeines und Vergleiche
Details
Institution/Hochschule: Universität Mannheim (Lehrstuhl für Politische Wissenschaft und International vergleichende Sozialforschung)
Tags: Wahlsystem, Postmaterialismus, Einflussfaktoren, Partizipation, Beteiligungsformen, Hauptseminar, Politik, Gesellschaft, Westeuropa
Jahr: 2006
Seiten: 38
Note: 1,7
Literaturverzeichnis: ~ 10 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 309 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-57181-4
ISBN (Buch): 978-3-638-66992-4
Zusammenfassung / Abstract
Die Möglichkeiten der politischen Partizipation in den westeuropäischen Demokratien beschränken sich heute bei Weitem nicht mehr ausschließlich auf die institutionalisierte Beteiligungsform der Wahl. Zu den politischen Partizipationsmöglichkeiten gehören in den modernen Demokratien Westeuropas so vielfältige Formen wie Mitarbeit in einem Wahlkampf, Engagement für bestimmte Themen in Bürgerinitiativen oder auch die Unterzeichnung von Petitionen, die Teilnahme an Demonstrationen und Boykotten. Gegenstand dieser Arbeit ist die Untersuchung der Einflüsse des Wahlsystems, als politisch-institutioneller Faktor, und des Postmaterialismus, als gesellschaftlicher Faktor, auf das Partizipationsverhalten der Bürger in unkonventionellen politischen Beteiligungsformen in den untersuchten Staaten. Bezüglich des Wahlsystems wird folgende These aufgestellt: Während in der Bundesrepublik Deutschland aufgrund der für die Bundestagswahl wichtigeren Zweitstimme das Verhältniswahlsystem dominiert, wird sowohl in Großbritannien als auch in Frankreich nach der Mehrheitswahl entschieden. Weil in einem Mehrheitswahlsystem viele Stimmen «verloren» gehen, könnte man annehmen, dass sich die davon betroffenen Wähler andere Möglichkeiten suchen um am politischen Prozess teilzunehmen und die Politik zu beeinflussen. Folglich sollten sich mehr Briten und Franzosen in unkonventionellen Beteiligungsformen engagieren als Deutsche. Allerdings kann diese These empirisch widerlegt werden. Daraus leitet sich die Fragestellung dieser Arbeit ab: Warum ist die Beteiligung der Bürger in unkonventionellen politischen Partizipationsformen in Großbritannien und Frankreich nicht signifikant stärker ausgeprägt als in der Bundesrepublik Deutschland, wie man es aufgrund der verschiedenen Wahlsysteme erwarten würde? Zur Erläuterung der These werden zunächst die Wahlsysteme der hier untersuchten Staaten vorgestellt (Kap. I.1.). Anschließend werden die politischen Partizipationsmöglichkeiten der Bürger der betreffenden Gesellschaften aufgeführt, während gleichzeitig eine Operationalisierung zur Überprüfung der These vorgenommen wird (Kap. I.2.). Es folgt die empirische Untersuchung anhand ausgewählter Indikatoren (Kap. I.3.). Aufgrund der Falsifizierung der These wird ein alternativer Untersuchungsansatz vorgestellt (Kap. I.4.), in dem der Einfluss des Postmaterialismus auf die Partizipation in unkonventionellen politischen Beteiligungsformen untersucht wird (Kap. II).
Textauszug (computergeneriert)
Universität Mannheim
Hauptseminar: Politik und Gesellschaft in Westeuropa (PS/VR)
Herbstsemester 2006, 8. Fachsemester
Wahlsystem und Postmaterialismus als Einflussfaktoren auf die Partizipation in
unkonventionellen politischen Beteiligungsformen. Eine Untersuchung der
Bundesrepublik Deutschland, Großbritanniens und Frankreichs
von: Benjamin von dem Berge
Inhalt
Einleitung 3
I. Der Einfluss des Wahlsystems auf die Partizipation in unkonventionellen politischen Beteiligungsformen 5
1. Wahlsysteme in den untersuchten Staaten 5
1.1 Bundesrepublik Deutschland 5
1.2 Großbritannien 5
1.3 Frankreich 6
2. Politische Partizipationsformen in den untersuchten Staaten 7
2.1 Konventionelle politische Partizipationsformen 7
2.2 Unkonventionelle politische Partizipationsformen 8
2.3 Operationalisierung 9
3. Empirische Untersuchung der These 10
3.1 Voruntersuchung: Wahlbeteiligung 10
3.2 Campaign activity 11
3.3 Communal activity 11
3.4 Signing a petition 12
3.5 Lawful demonstration 13
3.6 Ergebnis der empirischen Untersuchung 13
4. Alternativer Untersuchungsansatz 14
II. Der Einfluss des Postmaterialismus auf die Partizipation in unkonventionellen politischen Beteiligungsformen 16
1. Theoretische Ansätze 16
1.1 Grundlage: Postmodern Politics 16
1.2 Cognitive mobilization 16
1.3 Wertewandel 17
1.4 Postmaterialismus 18
2. Empirische Überprüfung der theoretischen Ansätze 19
2.1 Entwicklung der postindustriellen Gesellschaften – cognitive mobilization 19
2.2 Empirische Realität zur postmaterialistischen Theorie in den untersuchten Staaten 21
2.2.1 Demographische und geographische Verbreitung des Postmaterialismus 22
2.2.2 Bundesrepublik Deutschland 24
2.2.3 Großbritannien 26
2.2.4 Frankreich 28
3. Wer partizipiert in protest politics? 29
3.1 Individuen: Operationalisierung und empirische Untersuchung 29
3.2 Gruppen: New social movements 30
Schlussbetrachtung 34
Literaturverzeichnis 37
Onlinequellen 37
Einleitung
Die Möglichkeiten der politischen Partizipation in den westeuropäischen Demokratien beschränken sich heute bei Weitem nicht mehr ausschließlich auf die institutionalisierte Beteiligungsform der Wahl. Zu den politischen Partizipationsmöglichkeiten gehören in den modernen Demokratien Westeuropas so vielfältige Formen wie Mitarbeit in einem Wahlkampf, Engagement für bestimmte Themen in Bürgerinitiativen oder auch die Unterzeichnung von Petitionen, die Teilnahme an Demonstrationen und Boykotten. Gegenstand dieser Arbeit ist die Untersuchung der Einflüsse des Wahlsystems, als politischinstitutioneller Faktor, und des Postmaterialismus, als gesellschaftlicher Faktor, auf das Partizipationsverhalten der Bürger in unkonventionellen politischen Beteiligungsformen in den untersuchten Staaten.
Bezüglich des Wahlsystems wird folgende These aufgestellt: Während in der Bundesrepublik Deutschland aufgrund der für die Bundestagswahl wichtigeren Zweitstimme das Verhältniswahlsystem dominiert, wird sowohl in Großbritannien als auch in Frankreich nach der Mehrheitswahl entschieden. Weil in einem Mehrheitswahlsystem viele Stimmen «verloren» gehen, könnte man annehmen, dass sich die davon betroffenen Wähler andere Möglichkeiten suchen um am politischen Prozess teilzunehmen und die Politik zu beeinflussen. Folglich sollten sich mehr Briten und Franzosen in unkonventionellen Beteiligungsformen engagieren als Deutsche. Allerdings kann diese These empirisch widerlegt werden. Aus dieser Feststellung leitet sich die Fragestellung dieser Arbeit ab: Warum ist die Beteiligung der Bürger in unkonventionellen politischen Partizipationsformen in Großbritannien und Frankreich nicht signifikant stärker ausgeprägt als in der Bundesrepublik Deutschland, wie man es aufgrund der verschiedenen Wahlsysteme erwarten würde?
Zur Erläuterung der These werden zunächst die Wahlsysteme der hier untersuchten Staaten vorgestellt (Kap. I.1.). Anschließend werden die politischen Partizipationsmöglichkeiten der Bürger der betreffenden Gesellschaften aufgeführt, während gleichzeitig eine Operationalisierung zur Überprüfung der These vorgenommen wird (Kap. I.2.). Es folgt die empirische Untersuchung anhand ausgewählter Indikatoren (Kap. I.3.). Aufgrund der Falsifizierung der These wird ein alternativer Untersuchungsansatz vorgestellt (Kap. I.4.), in dem der Einfluss des Postmaterialismus auf die Partizipation in unkonventionellen politischen Beteiligungsformen untersucht wird (Kap. II).
Die Auswahl der Fälle lässt sich zunächst dadurch begründen, dass sie aufgrund der verschiedenen Wahlsysteme den Anforderungen der These entsprechen. Des Weiteren sind sich die ausgesuchten Staaten in ihrem gesellschaftlichen Entwicklungsgrad, in ihrer geographischen Größe, in den Bevölkerungszahlen, in wirtschaftlicher und militärischer Stärke und nicht zuletzt in ihrem Einfluss auf die internationale Politik sehr ähnlich. Abschließend soll hier noch angemerkt werden, dass die Begriffe politische Partizipationsformen, Partizipationsmöglichkeiten, Beteiligungsformen und Beteiligungsmöglichkeiten synonym verwendet werden.
I. Der Einfluss des Wahlsystems auf die Partizipation in unkonventionellen politischen Beteiligungsformen
1. Wahlsysteme in den untersuchten Staaten
1.1 Bundesrepublik Deutschland
Der einzige der hier untersuchten Staaten mit dominierendem Verhältniswahlsystem ist die Bundesrepublik Deutschland. Zunächst werden zwar über die Erststimme mit einfacher Mehrheit in single-member districts1 Direktkandidaten gewählt. Gleichzeitig erfolgt die Wahl aber über „starre Landeslisten der Parteien mit der entscheidenden Zweitstimme – der so genannten Kanzlerstimme -, die allein zur proportionalen Berechnung der Mandatsanteile […] herangezogen wird“ (Ismayr 2003: 462).2 Aus den bundesweit abgegebenen Zweitstimmen ergibt sich dann die Stärke der Parteien im Bundestag. Eine Einschränkung erhält das Verhältnisprinzip zum einen durch die Überhangmandate und zum anderen durch die 5-Prozent-Hürde.
1.2 Großbritannien
[...]
1 In jedem Bezirk wird ein Kandidat gewählt. Gewinner ist der Kandidat mit den meisten Stimmen. Nach dem single-member-System kann pro Bezirk nur ein Kandidat bzw. eine Partei gewinnen.
2 «Personalisierte Verhältniswahl»
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