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Gold, Edelstein und Heiliges Gebein - Armreliquiare des 13. und 14. Jahrhunderts

Autor: Sandy Alami
Fach: Kunst - Kunsthandwerk

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Details

Veranstaltung: Der Umgang mit dem Heiligen - Reliquien und Reliquiare
Institution/Hochschule: Friedrich-Schiller-Universität Jena (Kunsthistorisches Seminar)
Tags: Gold, Edelstein, Heiliges, Gebein, Armreliquiare, Jahrhunderts, Umgang, Heiligen, Reliquien, Reliquiare
Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2006
Seiten: 23
Note: 2,0
Literaturverzeichnis: ~ 14  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 1190 KB
Archivnummer: V64995
ISBN (E-Book): 978-3-638-57663-5
ISBN (Buch): 978-3-638-71064-0

Zusammenfassung / Abstract

Die faszinierendsten liturgischen Kunstwerke zur Verehrung heiliger Märtyrer des Mittelalters sind wohl die Reliquiare, die die Formen menschlicher Körperteile nachahmen. In der folgenden Arbeit soll ein Zweig dieser „redenden“ Reliquiare, wie sie Joseph Braun bezeichnet bzw. „anthropomorphe“ Reliquiare, wie sie die deutsche Forschungsliteratur und „body-shaped“ die englische Literatur benennt, untersucht werden. Einerseits soll es um den Einsatz von Armreliquiaren innerhalb des sakralen Kontextes, andererseits um die stilistische Entwicklung der Armreliquiare vor allem im 13. und 14. Jahrhundert gehen. Solche kostbaren Behältnisse in Form von Körperteilen gehörten zum Schatzinventar jeder ansehnlichen Kirche. Die ältesten noch vorhandenen Beispiele stammen aus dem 11. Jahrhundert aus dem norddeutschen Raum. Die Phase des 11. und 12. Jahrhunderts kann man als Anlaufphase betrachten. In den nächsten Jahrhunderten nimmt die Verbreitung bis ins 15. Jahrhundert stark zu. Stilistische Neuerungen zogen sich bis in das 18. Jahrhundert, jedoch gingen die Armreliquiare in ihrer Häufigkeit stark zurück.

Textauszug (computergeneriert)

Friedrich-Schiller-Universität Jena, Philosophische Fakultät - Kunsthistorisches Seminar
Hauptseminar: Der Umgang mit dem Heiligen - Reliquien und Reliquiare
Sommersemester 2006, 8. Fachsemester

Gold, Edelstein und Heiliges Gebein –
Armreliquiare des 13. und 14. Jahrhunderts

von: Sandy Alami

 


Inhalt

1. Einleitung 1

2. Definition des Armreliquiars 1

3. Verwendung und Funktion der Armreliquiare 2

4. Armreliquiare im 13. und 14. Jahrhundert 4

4.1. Allgemeine Merkmale 4
4.2 Stilistische Merkmale 5

5. Ausgewählte Beispiele des 13.Jahrhunderts 6

5.1 Armreliquiar des Hl. Sixtus, Agapius, Felicissimus (u.a.) aus St. Gereon in Köln (Abb.1) 7
5.2 Armreliquiar Hl. Nikolaus, Dom zu Halberstadt (Abb.2) 8

5.2.1 Fingerreliquiare 10

5.2.1.1 Jakobus-Fingerreliquiar (Abb.3) 10

5.3 Armreliquiar Heilige Elisabeth, Bendorf-Sayn (Abb.4) 11
5.4 Heiliger Walpertus, Dom zu Basel (Abb.5) 12

6. Armreliquiare aus dem 14. Jahrhundert 14

6.1 Heiliger Valentin, Basler Münsterschatz (Abb.6) 14

7. Armreliquiare späterer Zeit 16

8. Schlussbemerkung 18

Literaturverzeichnis 19

Abbildungsverzeichnis 20

 


 

1. Einleitung

Die faszinierendsten liturgischen Kunstwerke zur Verehrung heiliger Märtyrer des Mittelalters sind wohl die Reliquiare, die die Formen menschlicher Körperteile nachahmen. In der folgenden Arbeit soll ein Zweig dieser „redenden“ Reliquiare, wie sie Joseph Braun bezeichnet bzw. „anthropomorphe“ Reliquiare, wie sie die deutsche Forschungsliteratur und „body-shaped“ die englischsprachige Literatur benennt, untersucht werden. Einerseits soll es um den Einsatz von Armreliquiaren innerhalb des sakralen Kontextes, andererseits um die stilistische Entwicklung der Armreliquiare vor allem im 13. und 14. Jahrhundert gehen. Solche kostbaren Behältnisse in Form von Körperteilen gehörten zum Schatzinventar jeder ansehnlichen Kirche. Die ältesten noch vorhandenen Beispiele stammen aus dem 11. Jahrhundert aus dem norddeutschen Raum. Die Phase des 11. und 12. Jahrhunderts kann man als Anlaufphase betrachten. In den nächsten Jahrhunderten nimmt die Verbreitung bis ins 15. Jahrhundert stark zu. Stilistische Neuerungen zogen sich bis in das 18. Jahrhundert, jedoch gingen die Armreliquiare in ihrer Häufigkeit stark zurück. Die Reliquiare waren oft sehr reich verziert. Die Versinnbildlichung der Kostbarkeit der Reliquie selbst wurde unter der Verwendung von Edelsteinen und anderen wertvollen Materialien demonstriert, da sie wertvoller als Edelsteine und kostbarer als Gold sind. „Die Verzierung bringt mehr als nur Kostbarkeit der Reliquie zum Ausdruck, sie kann auch auf den darstellenden Heiligen hinweisen, [...] aber auch etwas über die Funktion des Reliquiars aussagen.“1

2. Definition des Armreliquiars

Es ist ein Reliquiar in der Form eines zumeist hochgestreckten Armes2, bestehend aus einem Unterarm und einer Hand. Das aus dem Namen folgernde Fazit lässt vermuten, dass ein Armreliquiar eine Fragment eines Armes (Knochen der Hand, Elle, Speiche, Oberarmknochen usw.) birgt. Erhaltene Beispiele zeigen, dass sich in einigen Fällen überhaupt kein Knochen, sondern Sekundärreliquien darin befinden. Im Folgenden wird sich zeigen, warum im Fall der Armreliquiare die Form des Behältnisses für den Gebrauch an erster Stelle steht und der Inhalt zweitrangig ist.

3. Verwendung und Funktion der Armreliquiare

Die meisten Armreliquiare zeigen einen rechten Arm. Der Bedeutungsgehalt von „links“ und „rechts“ ist schon seit der Antike festgelegt. Die Verknüpfung rechts mit guten und links mit negativen Eigenschaften spiegelt sich auch in der christlichen Ikonografie wieder, wie z.B. dem Weltgericht oder das Segnen mit der rechten Hand. Neben der Scheidung „Gut & Böse“ folgt des Weiteren die Darstellung von geistlichen und profanen Würdeträgern auf einem Bild dieser Rangfolge als eine Art Bewertungsskala.

Reliquiare im Allgemeinen wurden in den liturgischen Rahmen des Kirchenjahres eingebunden und bei Prozessionen mitgeführt. „Die wichtigsten Reliquiare wurden nach festgelegten Ordnungen aufgestellt. Sie standen auf dem Hochaltar auf einem Podest, und zwar selbst dann, wenn in den Kapellen, die diesen Heiligen geweiht waren, individuelle Altäre existierten.“3 Armreliquiare wahrten die Reliquie in sich, die auch gezeigt und berührt werden konnte, jedoch eigneten sich die Reliquiare besonders zum Segnen. „So ist beispielsweise bei Segnungen auffällig oft von der Verwendung armförmiger Reliquiare die Rede, bei denen sie gleichsam als Verlängerung des priesterlichen Armes dienten und so der Gebärde des Segensspenders zusätzliche Autorität verliehen. Dass dies auch ganz bildhaft so beabsichtigt war, zeigt sich darin, dass Armreliquiare fast immer eine Bekleidung zeigen und die Hände meist einen Pontifikalhandschuh tragen. Bei jedem Stück ist aber einzeln zu prüfen, ob die Segenshandlung wirklich praktisch durchführbar war: einige Armreliquiare sind schlichtweg zu groß bzw. zu schwer oder zu instabil dafür, bei vielen finden sich keinerlei Gebrauchsspuren.“4

Über die Funktion als Zeige- und Aufbewahrungsgefäße hinaus geht die symbolische Deutung der Armreliquiare als die Hand Gottes. Der Heilige hat zu seinen Lebzeiten mit seinem Arm rituelle Handlungen vollzogen und Wunder vollbracht. Nach seinem Tod wird im liturgischen Gebrauch die heilbringende Geste mit Hilfe des Armreliquiars fortgeführt. Die Kette von Handlungen setzt sich folglich von Gott über den Heiligen, dessen Reliquien im Armreliquiar enthalten sind, bis zum segnenden Priester fort, der mit jenem Arm den Segen ausführt. Eine Inschrift auf dem Ärmelsaum des Armreliquiars des Heiligen Basilius aus dem 11.Jahrhundert (heute im Essener Münsterschatz) zeigt die enge Verbindung mit der segenspendenden Hand Gottes: „SERVE DEI VIVI BENEDIC NOS SANCTE BASILI (Heiliger Basilius, Diener des lebendigen Gottes, segne uns). Der silberne Arm repräsentiert demnach den Heiligen als Vermittler zwischen Gott und Mensch, der in der liturgischen Geste als anwesend und kraft seiner virtus wirkend begriffen wird.“5 Die Reliquie im Inneren ist durchaus von Bedeutung, aber nicht in dem Sinne, dass sie „nur“ von den Gläubigen berührt oder geküsst wird, sondern sie kann aktiv in die Segenshandlung einbezogen werden.

Im Mittelalter, wie auch in der Folgezeit, war der Brauch üblich diese Reliquiare mit Ringen zu schmücken. Am Beispiel des Blasiusreliquiars aus dem 11.Jahrhundert (heute im Herzog Anton Ulrich Museum in Braunschweig) soll die Funktion als Träger von Votivgaben kurz erläutert werden. Auffällig sind hier die sechzehn auf die Finger gesteckten Ringe, „die zum Teil mit Bitt- oder Dankinschriften versehen waren“6. Sie sind aus Gold, vergoldetem Silber, aber auch aus vergoldetem Holz, mit Edelsteinen und Perlen verziert. „Symbolischen Charakter hatten sie, wenn angebracht an der Hand von Armreliquiaren, in denen Reliquien eines heiligen Bischofs eingeschlossen waren. Sie stellten dann Pontifikalringe dar und waren ein Hinweis auf den Charakter des Heiligen, dessen Reliquien das Reliquiar barg.“7 Joseph Braun vermutet, dass der Brauch die Armreliquiare mit Ringen auszustatten erst aus dem 14. oder 15. Jahrhundert stammt, denn „[i]n den Inventaren wird der Brauch erst seit der Mitte des 14.Jahrhunderts bezeugt.“8

4. Armreliquiare im 13. und 14. Jahrhundert

4.1. Allgemeine Merkmale

[...]


1 Boehm, Barbara „Anthropomorphe Reliquiare“ in Basler Münsterschatz, S.271

2 http://www.beyars.com/kunstlexikon/lexikon_641.html (11.09.2006)

3 Boehm, Barbara: Anthropomorphe Reliquiare in Basler Münsterschatz, S. 271

4 Miriam Gepp: Tagungsbesprechung zu: „Buchmalerei, Schatzkunst und Skulptur in ottonischer und frühsalischer Zeit“, Internationales Stuttgarter Arbeitstreffen, Institut für Kunstgeschichte der Universität Stuttgart,12.Juli 2003.In:ArtHist,07.01.2004 : http://www.arthist.net/download/conf/2004 /040107Gepp.pdf (07.09.2006)

5 http://www1.uni-hamburg.de/rel//LE4/0412.htm (12.09.2006)

6 Miriam Gepp: Tagungsbesprechung zu: „Buchmalerei, Schatzkunst und Skulptur in ottonischer und frühsalischer Zeit“, Internationales Stuttgarter Arbeitstreffen, Institut für Kunstgeschichte der Universität Stuttgart,12.Juli 2003.In:ArtHist,07.01.2004 : http://www.arthist.net/download/conf/2004 /040107Gepp.pdf (07.09.2006)

7 Braun, Joseph: Die Reliquiare des christlichen Kultes und ihre Entwicklung, 1940, S.401

8 Ebenda, S.401

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