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Forschungsbericht zur Befragung: Einflussfaktoren auf die Höhe des Third-person Effekts

Autor: Nina Anna Ruppert
Fach: Medien / Kommunikation - Forschung und Studien

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Details

Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2006
Seiten: 15
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 18  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 100 KB
Archivnummer: V65334
ISBN (E-Book): 978-3-638-57931-5
Anmerkungen :
Im Wintersemester 2005/06 wurde im Rahmen eines Hauptseminars zum Thema „Wahrnehmungs-phänomene in der Wirkungsforschung“ am IfKW eine Befragung zu verschiedenen Phänomenen der Wahrnehmung von öffentlicher Meinung und von Medienwirkungen durchgeführt. In diesem Forschungsbericht wird der Teil der Studie vorgestellt, der sich auf Einflussfaktoren auf den Third-person Effekt bezog.

Textauszug (computergeneriert)

LMU München
Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung
Wintersemester 2005/06

Hauptseminar:
Wahrnehmungsphänomene in der Wirkungsforschung

Forschungsbericht zur Befragung:
Einflussfaktoren auf die Höhe des Third-person Effekts

Verfasserin: Nina Ruppert

 

Inhaltsverzeichnis:

 

I) Einführung: Der Third-person Effekt 3

II) Ergebnisse der Forschung zum Third-person Effekt und Implikationen für weitere Studien 4

III) Hypothesen 9

IV) Methode 10

V) Ergebnisse 11

VI) Fazit: Zusammenfassung und Ausblick 14

Literaturverzeichnis 16

 

Im Wintersemester 2005/06 wurde im Rahmen eines Hauptseminars zum Thema „Wahrnehmungsphänomene in der Wirkungsforschung“ am IfKW eine Befragung zu verschiedenen Phänomenen der Wahrnehmung von öffentlicher Meinung und von Medienwirkungen durchgeführt. In diesem Forschungsbericht wird der Teil der Studie vorgestellt, der sich auf Einflussfaktoren auf den Third-person Effekt bezog. Dazu wird zunächst eine Übersicht über die bisherige Forschung zum Third-person Effekt gegeben, an die sich die Erläuterung des Forschungsinteresses und die Darstellung sowie Diskussion der Befunde anschließen.

I) Einführung: Der Third-person Effekt

Mit einer Anekdote aus dem zweiten Weltkrieg begründete Davison in seinem Aufsatz „The Third-Person Effect in Communication“ 1983 die Erforschung des Phänomens, dass Menschen dazu neigen, die Wirkung von persuasiven Medieninhalten auf Andere für stärker zu halten als die Wirkung auf sich selbst.

Eine amerikanische Militäreinheit, bestehend aus schwarzen Soldaten und weißen Befehlshabern, war auf einer Insel im Pazifik stationiert. Als die Japaner Flugblätter über der Insel abwarfen, in denen sie den Krieg als Sache der Weißen darstellten und die schwarzen Soldaten zum Aufgeben aufforderten, zogen die Offiziere die Einheit umgehend ab und ersetzten sie durch weiße Soldaten. Und das, obwohl es keinerlei Anhaltspunkte dafür gab, dass die japanische Propaganda tatsächlich Wirkung gezeigt hatte. Offenbar gingen die Offiziere davon aus, dass die Soldaten durch die Propaganda beeinflussbar waren, obwohl sie sich selbst für nicht beeinflussbar hielten.

Weitere persönliche Beobachtungen und kleinere, strengen wissenschaftlichen Kriterien nicht genügende Experimente veranlassten Davison, die „Third-person Effekt“- Hypothese zu formulieren:
„A person exposed to a persuasive communication in the mass media sees this as having a greater effect on others than on himself or herself. Each individual reasons: ‚I will not be influenced, but they (the third persons) may well be persuaded.“ (Davison, 1983, 1)

Third-person Effekt also deswegen, weil der Empfänger einer Medienbotschaft annimmt, dass diese Botschaft den höchsten Einfluss „nicht auf mich (die erste Person, Anm.d.V.), nicht auf dich (die zweite Person, Anm.d.V.), sondern auf die Anderen – die dritten Personen“ hat.1 (Davison, 1983, 3)

Die Annahme, dass die anderen durch die Medien stärker beeinflusst werden als man selbst, führt zu einem Paradox. Denn wenn die meisten Menschen das von sich sagen, bleiben keine „anderen“ übrig, auf die die Medien angeblich einen größeren Einfluss haben. Wirklich der Fall sein könnte das eventuell bei Studien mit relativ homogenen medienresistenten Befragten, wie zum Beispiel Wissenschaftler oder Studenten, die sich mit Fragen der Medienwirkung beschäftigen. Andernfalls kann die Annahme, dass die anderen systematisch stärker beeinflusst werden, nicht stimmen. (Vgl. Tiedge et al., 1991, 142) Das ist für den TPE aber auch zweitrangig – er beruht nicht auf tatsächlicher, sondern auf wahrgenommener Medienwirkung. Dennoch ist das ein Argument dafür, bei Befragungen auf eine breite Streuung der Befragten zu achten, um Verzerrungen des Ergebnisses zu verhindern.

Der Third-person Effekt kommt also dadurch zu Stande, dass Menschen den Einfluss von persuasiven Medienbotschaften auf die Einstellungen und das Verhalten anderer überschätzen und/oder den Einfluss auf sich selbst unterschätzen. Laut Davison ist dieser Effekt deswegen relevant, weil die Betroffenen auf Grund dieser Einschätzung bestimmtes Handeln oder Verhalten an den Tag legen – wie am Beispiel des Truppenabzugs deutlich wird. Auch für ein mögliches Handeln als Konsequenz aus dem TPE ist es unerheblich, ob die Einschätzung der Medienwirkung stimmt: „Wenn wir eine Situation für real halten, dann sind auch deren Konsequenzen für uns real. Die (falsche oder richtige) Vorstellung von der stärkeren Beeinflussung anderer hat für das eigene Verhalten reale Konsequenzen“ (Brosius & Engel, 1997, 325).

II) Ergebnisse der Forschung zum Third-person Effekt und Implikationen für weitere Studien

Der TPE ist bereits vor Davisons Aufsatz beschrieben, aber nicht weiter kommentiert oder untersucht worden (Davison, 1983, 8). In den Jahren seit „The Third-Person Effect in Communication“, insbe-sondere seit Ende der 80er Jahre, machte der TPE jedoch eine steile wissenschaftliche Karriere. Perloff (1999, 354) stellt fest, dass er ein „venerable member of the family of concepts that mass communication scholars regularly address“ sei. 45 veröffentlichte (englischsprachige) Artikel und dutzende Tagungspapiere über den TPE zählt er bis 1999 (ebd.) – seitdem sind mindestens 50 weitere dazu gekommen2.

[...]


1 Dritte Personen sind in den Third-person Effekt auch aus der Perspektive des Kommunikators mit persuasiven Absichten involviert: Für diesen sind dritte Personen nämlich jene, die in irgendeiner Weise von dem Verhalten oder den Einstellungen der augenscheinlichen Botschaftsempfänger betroffen sind. Diese Perspektive ist geradefür das Verhalten der Betroffenen interessant: Möglicherweise könnte ein Kommunikator versuchen, Einfluss auf das Verhalten dieser dritten Personen zu nehmen, indem er scheinbar jemand anderen beeinflusst. Es ist denkbar, dass die Japaner aus Davisons Beispiel genau das im Sinn hatten, also nicht die Soldaten zum desertieren, sondern die Befehlshaber zum Truppenabzug bewegen wollten. (Vgl. Davison, 1983, 3)

2 50 Studien seit dem Aufsatz von Perloff 1999 ergibt allein die Recherche in der amerikanischen Zeitschriftendatenbank Academic Search Premier

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