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Diplomarbeit, 2006, 112 Seiten
Autor: Alexandra Sukitsch
Fach: Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter
Details
Tags: Besondere, Informatikerinnen
Jahr: 2006
Seiten: 112
Note: 1,00
Literaturverzeichnis: ~ 76 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-58097-7
Dateigröße: 593 KB
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Zusammenfassung / Abstract
Wie der Titel schon andeutet, werden Informatikerinnen teilweise als etwas Besonderes wahrgenommen: Einerseits sind sie wenige Frauen unter vielen Männern, da sie in einer traditionellen Männerdomäne tätig sind; andererseits sind sie aufgrund ihrer "frauenuntypischen" Arbeit "untypische Frauen". Es stellt sich nun die Frage, ob diese Frauen andere Erfahrungshintergründe, Interessen und Motivationen zu ihrem Studium, sowie Einstellungen zu Gender-Themen haben als "normale" Frauen, ob sie tatsächlich so anders oder besonders sind. Um diese Frage zu beantworten wurde zunächst theoretisch an sie herangegangen, auch um damit eine Grundlage für die empirische Untersuchung zu haben. Anschließend wurden Studentinnen informatischer Studien und Rechtswissenschaftlerinnen bezüglich ihres Studiums befragt und verglichen. Es zeigte sich, dass kaum ein Unterschied zwischen diesen beiden Gruppen von Studentinnen besteht: sie haben ähnliche Biografien, die gleichen ausschlaggebenden Motive bei ihrer Studienwahl, ein ähnliches Freizeitverhalten; sie schätzen ihr Studium ziemlich gleich ein, haben ähnliche Meinungen zu Gender-Themen und sind gleich zufrieden mit ihrem Studium. "Frau" muss also nicht besonders sein, um Informatikerin zu werden, vielmehr steht jeder die Wahl offen, sich für das zu entscheiden, was ihr Spaß macht, fern ab von allen möglichen Vorurteilen.
Textauszug (computergeneriert)
Fakultät für Sozialwissenschaften
der Universität Wien
”Besondere“ Informatikerinnen?
Alexandra Sukitsch
2006
Inhaltsverzeichnis
Erklärung iii
Vorwort x
Kurzfassung xi
1 Einleitung ... 1
1.1 Ziele und Fragestellungen ... 2
1.2 Aufbau der Arbeit ... 3
2 Gender und Technik ... 4
2.1 Ein Thema - verschiedene Sichtweisen ... 4
2.1.1 Ungleichheit durch Biologie ... 5
2.1.2 Gleichheit mit ungleichen Ausprägungen aufgrund Sozialisation ... 6
2.1.3 Konstruktion von Geschlecht - ”doing gender“ ... 6
2.2 Dimensionen der Genderforschung in den Naturwissenschaften ... 8
2.2.1 Women in Science - Frauen in den Naturwissenschaften ... 8
2.2.2 Science of Gender - Biologisch-medizinische Konstruktion von Geschlechterdifferenzen ... 8
2.2.3 Gender in Science - Geschlechterideologie in wissenschaftlicher Methodik und Theoriebildung ... 9
3 Vorstellung der Studien ...10
3.1 Informatische Studien ... 10
3.1.1 Geschichte ... 10
3.1.2 Allgemeines ... 11
3.1.3 Computational Intelligence ... 11
3.1.4 Computergraphik & Digitale Bildverarbeitung ... 11
3.1.5 Data Engineering & Statistics ... 12
3.1.6 Informatik / Informationsmanagement (LA) ... 12
3.1.7 Informatik - auslaufendes Diplomstudium ... 12
3.1.8 Informatikmanagement ... 13
3.1.9 Information & Knowledge Management ... 14
3.1.10 Intelligente Systeme ... 14
3.1.11 Medieninformatik ... 15
3.1.12 Medizinische Informatik ... 16
3.1.13 Software & Information Engineering ... 16
3.1.14 Software Engineering & Internet Computing ... 17
3.1.15 Technische Informatik ... 17
3.1.16 Wirtschaftsinformatik ... 18
3.1.17 Wirtschaftsingenieurwesen Informatik ... 19
3.2 Juristisches Studium ... 19
3.2.1 Geschichte ... 19
3.2.2 Allgemeines ... 20
3.2.3 Rechtswissenschaften ... 20
4 Weibliche Partizipation ... 21
4.1 Informatikerinnen in Zahlen ... 21
4.2 Bedeutung der weiblichen Partizipation an Informatik ... 21
4.3 Frauengruppen etc ... 23
4.4 Exkurs: Kulturelle Unterschiede an der Beteiligung von Frauen am Informatikstudium ... 24
5 Erklärungsversuch des Geschlechterverhältnisses ... 26
5.1 Motivationen von Frauen bei der (Nicht-)Wahl eines technischen Studiums ... 26
5.1.1 Koedukation oder Mädchenschule? ... 26
5.1.2 Professionalisierung des Faches ... 29
5.1.3 Image von Informatik ... 29
5.1.4 Studieninhalt und Präsentation ... 31
5.1.5 Vorbilder ... 32
5.2 Charaktere ... 34
5.2.1 Biografischer Hintergrund ... 34
5.2.2 Begegnung mit der Gesellschaft ... 35
5.3 Exkurs: Der Versuch von Frauenuniversitäten bzw. -studiengängen ... 35
6 Überlegungen zu einer Lösung des Problems der Unterrepräsentanz von Frauen ... 39
6.1 Geschlecht als Thema ... 39
6.2 Wie bleiben Frauen im Informatik-Studium? ... 40
7 Empirische Untersuchung an Informatikstudentinnen ... 41
7.1 Problemstellung und Hypothese ... 41
7.2 Stichprobe - Auswahl der Untersuchungsobjekte ... 42
7.2.1 Begründung der Studienwahl ... 42
8 Präsentation der empirischen Untersuchung ... 45
8.1 Biografie ... 46
8.1.1 Familienkonstellation ... 46
8.1.2 Berufe und Ausbildungen der Eltern ... 48
8.2 Motive für die Studienwahl ... 51
8.3 Freizeitverhalten ... 54
8.4 Einschätzung des Studiums ... 56
8.4.1 Die Einflussfaktoren im Speziellen ... 56
8.4.2 Beurteilung des Studiums etc ... 63
8.5 Thema: Gender ... 66
8.5.1 Gender Studies ... 66
8.5.2 Unterstützung von Frauen ... 69
8.5.3 Kurse von und für Frauen ... 71
8.5.4 Gleich- oder gemischtgeschlechtliche Kurse? ... 73
8.5.5 Frauenunterstützung - Frauenthemen ... 74
8.6 Studium: Zufriedenheit - Zweifel? ... 76
8.6.1 Richtiges Studium? ... 76
8.6.2 Schaffbares Studium? ... 78
8.6.3 Zufriedenheit und Wohlgefühl ... 79
8.6.4 Gleiche Studienwahl? ... 81
8.6.5 Rechtfertigung - Ehrgeiz ... 82
9 Zusammenfassung und Schlussfolgerung ... 84
Literaturverzeichnis ... 87
A Fragebogen ... 95
Kurzfassung
Wie der Titel schon andeutet, werden Informatikerinnen teilweise als etwas Besonderes wahrgenommen: Einerseits sind sie wenige Frauen unter vielen Männern, da sie in einer traditionellen Männerdomäne tätig sind; andererseits sind sie aufgrund ihrer ” frauenuntypischen“ Arbeit ” untypische Frauen“. Es stellt sich nun die Frage, ob diese Frauen andere Erfahrungshintergründe, Interessen und Motivationen zu ihrem Studium, sowie Einstellungen zu Gender-Themen haben als ” normale“ Frauen, ob sie tatsächlich so anders oder besonders sind.
Um diese Frage zu beantworten wurde zunächst theoretisch an sie herangegangen, auch um damit eine Grundlage für die empirische Untersuchung zu haben. Anschließend wurden Studentinnen informatischer Studien und Rechtswissenschaftlerinnen bezüglich ihres Studiums befragt und verglichen. Es zeigte sich, dass kaum ein Unterschied zwischen diesen beiden Gruppen von Studentinnen besteht: sie haben ähnliche Biografien, die gleichen ausschlaggebenden Motive bei ihrer Studienwahl, ein ähnliches Freizeitverhalten; sie schätzen ihr Studium ziemlich gleich ein, haben ähnliche Meinungen zu Gender-Themen und sind gleich zufrieden mit ihrem Studium. ” Frau“ muss also nicht besonders sein, um Informatikerin zu werden.
Kapitel 1
Einleitung
Frauen verdienen, trotz langjähriger Chancengleichheitsbestrebungen und einer gesetzlichen Gleichberechtigung noch immer weniger als Männer. [43] Sie werden nach wie vor in der Arbeitswelt diskriminiert. Einerseits bekommen sie, auch für die gleiche Arbeit, weniger Geld, andererseits werden ihnen weniger Aufstiegschancen geboten, was ebenfalls eine schlechtere Entlohnung zur Folge hat. Diese strukturelle Diskriminierung ist bis hin zur Ausbildung zu verfolgen, auch an Universitäten. So sind nicht von ungefähr an einer Technischen Universität, die als ” der“ Männerbereich unter den Universitäten bezeichnet werden kann, relativ wenig Frauen inskribiert. Laut Hochschulstatistik [59] scheinen sie derartige Universitäten mitsamt den angebotenen Studien von vorn herein auszuschließen, was ihre Wahlmöglichkeiten für ein Studium enorm einschränkt.
Abgesehen von diesem eigenen, persönlichen Nachteil, hat ein Ausschluss von bestimmten Studien auch Nachteile für Studentinnen dieses Fachs. Ihr Minderheiten-Status wird gefestigt und sie haben es dementsprechend schwerer sich in einer ” Männerwelt“ durchzusetzen, anerkannt zu werden und sich Respekt zu verschaffen. Schlimmstenfalls brechen sie ihr Studium sogar ab und liefern für weitere potentielle Studentinnen ein Negativbeispiel, ein Beispiel dafür, dass - überspitzt formuliert - nur Männer ein technisches Studium erfolgreich abschließen (können). Dadurch schließt sich der Kreis - wenig Technikstudentinnen locken nur wenig neue Studentinnen an, wodurch sie weiterhin eine Minderheit in einer ” Männerwelt“ bleiben.
Das Problem ist also, dass sich - und das trotz formaler Chancengleichheit - Frauen noch immer für typische Frauenberufe und -studien entscheiden. Zwar soll hier nicht bestritten werden, dass sie sich für diesen Bereich interessieren, trotzdem gibt es wahrscheinlich die Eine oder Andere unter ihnen, die besser in ein technisches Studium passen würde und sich aufgrund von Angst, Vorurteilen oder herkömmlichen Verhaltensnormen dagegen entscheidet.
Tatsache ist jedenfalls, dass die Zahl der Technikstudentinnen verschwindend niedrig ist. [59] Es wird angenommen, dass umfassende Strukturveränderungen der Studien bzw. der Universitäten notwendig sind, um ihre Zahl zu erhöhen. Nur so kann sichergestellt werden, dass Frauen sich tatsächlich aufgrund ihrer Interessen und Fähigkeiten für einen Beruf entscheiden und aus einem vollen Pool an Möglichkeiten schöpfen. Frau-Sein in einem Technikstudium wäre nichts Besonderes mehr und Technik käme für jede Frau (zumindest) in Frage, sie müssten sich nicht mehr aufgrund eines Minderheiten- Daseins oder aus Angst trotz Interesse dagegen entscheiden. Außerdem können Frauen als (große) Gruppe leichter an Inhalt und Aufbau eines Studiums mitgestalten als einzelne, wodurch das jeweilige Studium ” menschenfreundlicher“ verändert werden könnte. ” Denn mit der Ausgrenzung von Frauen werden auch bestimmte soziale Erfahrungen völlig ausgeblendet und es wird auf viele Qualifikationen verzichtet, die sozialisationsbedingt vorwiegend bei Frauen anzutreffen sind.“ [42, 69]
1.1 Ziele und Fragestellungen
Ziel dieser Arbeit ist es, einen Weg aus diesem Dilemma zu finden. Frauen sollen prinzipiell überall, so auch auf den Universitäten, alle Möglichkeiten offen stehen und sie sollen sich entfalten können. Das bedeutet für die Universitäten und ihre Studien, dass sie vom Geschlecht her ausgeglichen sein sollen, sodass es keine Rolle mehr spielt, ob man (frau) nun Mann oder Frau ist. Die Wissenschaft täte gut daran, ihr volles Potential auszuschöpfen.
Die Frage ist nun, was machen bestimmte Studien anders oder ” falsch“, sodass ihr Frauenanteil vergleichsweise niedrig ist. Sind dafür Inhalt, Image des Studiums oder der Universität, die Lehrenden oder sogar die Studierenden selbst, ihre Erziehung - um nur einige Möglichkeiten aufzuzählen - verantwortlich? An dieser Stelle sei auf den Titel der vorliegenden Arbeit - ” Besondere“ Informatikerinnen? - erinnert. Er wirft bereits die Frage auf, ob Informatikerinnen oder Technikerinnen im Allgemeinen etwas Besonderes sind. Die Frage kann sogar doppelt gelesen werden1: Sind sie etwas Besonderes, weil sie eine Minderheit in einer Domäne von Männern darstellen, oder sind sie etwas Besonderes, weil sie nicht einen typisch ” weiblichen Weg“ gewählt haben.
Obwohl in erster Linie meist von der ersten Lesart, dem Auffallen der Frauen in technischen Bereichen, die Rede ist, soll in dieser Arbeit eher die zweite Lesart aufgegriffen werden. Es geht um das Besondere, das Spezielle der Frauen in der Technik im Vergleich zum Rest der Frauen. Untersuchungsgegenstand sind Technikstudentinnen, Studentinnen, welche gesellschaftliche, konservative Normen und Regeln übertreten haben - ihre ” Besonderheit“ soll herausgefunden werden.
Von Interesse sind ihre Lebens- und Familienbiografien, ihre Motivationen zu diesem Studium, ihr Freizeitverhalten, sowie ihre Einstellungen zu universitärer Frauenpolitik. Grundlage dieses Interesses ist es die mehr oder weniger gravierenden Unterschiede der Technikstudentinnen zu Studentinnen anderer Studienrichtungen sichtbar zu machen.2 Von Bedeutung ist außerdem, wie zufrieden sie mit dem Studium sind und wie sie zu ihrem eigenen Studienerfolg stehen. Es sollen Strukturen der Universitäten und mögliche persönlichkeitsprägende Einflüsse auf die Studentinnen erkannt werden. Letztendlich geht es nämlich um eine ” menschenfreundliche“, also auch ” frauenfreundliche“ Universität. Dazu muss zuerst herausgefunden werden, wie der derzeitige Stand der Dinge ist.
1.2 Aufbau der Arbeit
Zunächst wird an das Thema theoretisch heran gegangen. Im Zentrum des Kapitels 2 steht einerseits die Frage, inwiefern Frauen und Männer gleich, verschieden oder konstruiert sind - es geht ihr um das Verhältnis von Frauen und Männern und ihre Stellung in der Gesellschaft. Andererseits behandelt es das Verhältnis von Frauen und Technik und betrachtet es aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Das nächste Kapitel - 3 - stellt die einzelnen Studien mit ihren Abschlüssen, ihrer Dauer und ihren wesentlichen Inhalten und Schwerpunkten vor. Dabei stehen die vielen, in der Untersuchung zu einem Studium zusammengefassten, (meist) interdisziplinären, informatischen Studien dem Studium der Rechtswissenschaften gegenüber. Das nächste Kapitel 4 konzentriert sich wieder allein auf die Informatik und beschäftigt sich mit seiner weiblichen Partizipation und deren Bedeutung. Die weibliche Unterrepräsentanz versucht anschließend Kapitel 5 zu erklären, indem es verschiedene potenzielle Ausschlussmechanismen aufzeigt. Lösungsansätze dazu liefert das Kapitel 6.
[...]
1 Mögliche weitere Lesarten werden jedoch nicht ausgeschlossen.
2 Aufgrund der Unterschiede in der Bedeutung, die Studien - und hier ganz besonders Technikstudien - mittransportieren, wird davon ausgegangen, dass Unterschiede zwischen Frauen bestehen müssen, wenn sie für sich unterschiedliche Lebenspläne schmieden.
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