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Wissenschaftsgeschichte der Klassischen Archäologie

Subtitle: Forschungsthemen in ihrem kulturhistorischen Zusammenhang und die aktuelle Bedeutung der Klassischen Archäologie

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2005, 14 Pages
Author: Katrin Bernhardt
Subject: Archaeology

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2005
Pages: 14
Grade: 2,00
Bibliography: ~ 18  Entries
Language: German
Archive No.: V66422
ISBN (E-book): 978-3-638-59019-8

File size: 151 KB


Excerpt (computer-generated)

Universität Wien
Seminar „Archäologie heute. Wissenschaftsgeschichte zwischen Illusion und Realität. Eine Rechtfertigung“

Wintersemester 2005/06

Wissenschaftsgeschichte der Klassischen Archäologie
Forschungsthemen in ihrem kulturhistorischen Zusammenhang
und die aktuelle Bedeutung der Klassischen Archäologie

Katrin Bernhardt

 

Inhaltsverzeichnis

1. Themenschwerpunkte und Entwicklungsgeschichte ... 3
1.1 Das Zeitalter Winkelmanns ... 3
1.2. Die Archäologie in machtpolitischen Kämpfen des 19. Jh. ... 4
1.3 Zwischenkriegszeit und Nationalsozialismus ... 6
1.4 Neuorientierung nach 1945 ... 7
1.5 Die Archäologie nach 1960 ... 8
1.6. Archäologie in den letzen 20 Jahren ... 9

2. Aktuell: Das kulturelle Erbe als Herausforderung und Last ... 10

3. Quellennachweis und Abkürzungsverzeichnis ... 13

 

 

1. Themenschwerpunkte und Entwicklungsgeschichte


1.1 Das Zeitalter Winkelmanns

Die deutschsprachige Archäologie als Wissenschaftsdisziplin im späten 18. und frühen 19. Jh. erhielt ihre Prägung vor allem durch die Person Johann Joachim Winckelmanns (1717-1768), der gemeinhin als deren Begründer genannt wird.1 Das Interesse an den Antiken war aber bereits in der Renaissance erwacht und spiegelte sich in den Antikensammlungen der römischen Villen und Paläste2, wobei diese bereits im 16. Jh. Ziel von Bildungsreisen der höheren Schichten Europas wurden. Im 18.Jh., besonders in der Zeit des Neoklassizismus erreichte dieses Interesse seinen Höhepunkt. Als prominentes Beispiel sei Goethe genannt. Auch hatten die Veröffentlichungen von Antiquaren zum gesteigerten Interesse beigetragen.3
Winckelmann traf also bereits auf reges Interesse seitens der Gesellschaft. 1755 erschien seine Erstlingsschrift „Die Gedanken über die Nachahmung der griechischen Werke in der Malerei und Bildhauerkunst“ und wie der Titel schon vorwegnimmt, forderte Winckelmann von seinen Zeitgenossen nun die direkte
Auseinandersetzung mit der klassischen Antike, um daraus ethische und ästhetische Normen für die eigenen Gesellschaft zu gewinnen, wobei die antiken Werke als Korrektiv für die Kunst der Gegenwart einzusetzen seien und zur Nachahmung inspirieren sollten.4 Dies muss vor dem kulturgeschichtlichen Hintergrund eines zu Ende gehenden Absolutismus, des Aufkommens des Liberalismus mit seinen Menschen- und Bürgerrechten, und der Aufklärung gesehen werden. Die sich allmählich konstituierenden bürgerlichen Schichten verlangten nach Einflussnahme und neuen Idealen, die sie in der klassischen Antike, im Politischen wie Künstlerischen, fanden. Winckelmann konstruierte damit, wie Bernbeck es so treffend formuliert, eine „rückwärtsgewandte Utopie“5 für das deutsche Bürgertum, in dem er die angebliche Blütezeit der griechischen Kunst, das 5. und 4. Jh. mit der Epoche der politischen Freiheit verknüpfte und so zu einer Idealisierung des Griechentums beitrug. Weiters wurde eine Verwandtschaft zwischen den Deutschen und den Altgriechen postuliert, die das mangelnde Selbstbewusstsein der sich erst entwickelnden deutschen Nationalkultur stärken sollte.6 Dementsprechend wurden
auch in der Forschung die Schattenseiten der griechischen Antike, wie zum Beispiel die Sklaverei oder die Frauenfeindlichkeit nicht thematisiert.
Auch wenn Deutschland der Archäologie aus gesellschaftlichen Gründen dringend bedurfte, waren auch andere europäische Staaten längst nicht untätig geblieben. Als Winckelmann 1755 von Dresden nach Rom kam, waren in Herculaneum seit siebzehn Jahren und in Pompeji seit sieben Jahren Ausgrabungen durchgeführt worden. Neben dem Interesse an der Freilegung der Vesuvstädte kam um die Mitte des 18.Jh. die Beschäftigung mit der „griechischen Architektur in Unteritalien und Sizilien“ hinzu, wobei hier in Großgriechenland deutsche, englische, französische und italienische Archäologen gleichzeitig ihr Betätigungsfeld fanden.7 Mitte des 18.Jh. rückt nun auch Griechenland, Syrien und Ionien mehr in den Mittelpunkt des Interesses.8 Die Engländer forschten in Palmyra und Balbek/Heliopolis. In ganz Griechenland waren deutsche, englische und französische Archäologen an der Land und Antikenvermessung beteiligt.

1.2. Die Archäologie in machtpolitischen Kämpfen des 19. Jh.

In das beginnende 19.Jh fallen die zahlreichen Institutsgründungen der verschiedenen europäischen Länder und der USA im Ausland.9 Was sich in dieser Phase deutlich abzeichnet, ist der Ehrgeiz jedes Landes, möglichst viele antike Kulturdenkmäler in die eigenen heimischen Museen zu verfrachten.

[...]


1 dazu z.B.: Bernbeck 1997 15ff., Bruer 1994, Sichtermann 1996, Isler 1997 4ff.

2 siehe dazu: Kunze 1998

3 zu den verschiedenen Veröffentlichungen und ihre Schwerpunkten siehe die Zusammenstellung von W. Schiering, Zur Geschichte der Archäologie, in: Hausmann 1969,
   11-22; zu den Interessensgebieten der französischen Antiquare siehe u.a.: A. Schnapp, French archaeology: between national identity and cultural identity,
    in: Dias-Andreu, 1996.

4 Winckelmann, Gedanken über die Nachahmung der griechischen Werke in der Malerei und Bildhauerkunst (1895 [1755]); Bernbeck 1997, 16.;
   Winckelmann selbst prägte eher die Literatur als die bildende Kunst und beeinflusste unter anderem Herder und Goethe;
   vgl. W. Schiering, Zur Geschichte der Archäologie, in: Hausmann 1969, 21.

5 Bernbeck 1997, 17.

6 Bernbeck 1997, 18.

7 vgl. W. Schiering in: Hausmann 1969, 49-55.

8 vgl. ebenda

9 vgl. W. Schiering in: Hausmann 1969, 122.


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