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"Auch das Schöne muss sterben!" - Schillers Schönheitsbegriff untersucht am Beispiel der Elegie "Nänie"

Hauptseminararbeit, 2006, 26 Seiten
Autor: Hannah Suppa
Fach: Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Details

Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2006
Seiten: 26
Note: 2,0
Literaturverzeichnis: ~ 30  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V67344
ISBN (E-Book): 978-3-638-60333-1

Dateigröße: 182 KB


Textauszug (computergeneriert)

Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Germanistisches Institut
Wintersemester 2005/2006, 6. Fachsemester
Abteilung: Neuere deutsche Literatur
Hauptseminar: Was ist Klassik?

"Auch das Schöne muss sterben!" -
Schillers Schönheitsbegriff untersucht am Beispiel der Elegie "Nänie"

von: Hannah Suppa

 


Inhalt

1 Einführung 3

2 Schönheitsbegriff  5

2.1 Philosophische und literaturgeschichtliche Einordnung  5
2.2 Schillers Schönheitsbegriff in seinen theoretischen Schriften  7

3 „Nänie“  12

3.1 Einordnung 12
3.2 Interpretation 13
3.3 Verwendung des Schönheitsbegriffs  21

4 Fazit  24

5 Quellenverzeichnis 25

6 Literaturverzeichnis 25



 


„Auch das Schöne muss sterben!“1

1 Einführung

Mit diesem plakativen und viel zitierten Ausspruch leitet Schiller die Elegie „Nänie“ ein und setzt somit ein Fazit unter seine bisherigen Arbeiten über den Schönheitsbegriff. Die Frage, was als schön gelte und wie der Schönheitsbegriff definiert werden kann, hat Schiller über eine breite Schaffensphase beschäftigt. Bereits 1793, also knapp sechs Jahre vor Entstehung der „Nänie“, hat er sich in den so genannten Kallias-Briefen mit der Frage nach einem „objektiven Prinzip für den Geschmack“ 2 auseinandergesetzt. Schillers Definition des Schönheitsbegriffs verlief nicht stringent. In „Über die ästhetische Erziehung des Menschen“ findet eine Negierung seiner in den Kallias-Briefwechseln formulierten Darstellungen statt.3 In „Nänie“, seinem oftmals als schönstes Gedicht tituliertem Werk, gipfeln seine bisherigen Ergebnisse im ersten Vers: „Auch das Schöne muss sterben!“. Was für eine provokative Aussage! Wie kommt Schiller zu seinem sich wandelnden Schönheitsbegriff? Kann die „Nänie“ als Abschluss seiner Betrachtungen zur Schönheit verstanden werden? Über den Entstehungszeitpunkt der „Nänie“ herrscht in der Forschung Uneinigkeit, da keine sicheren Daten zur Entstehungsgeschichte überliefert sind. 4 Ungefähr kann die Entstehung der „Nänie“ auf das Jahr 1799 datiert werden5. Die gesamte Schaffensphase ab 1790, in der Schiller Kant-Lektüre studiert hat und sich vorwiegend mit Fragen nach der Ästhetik und Schönheit beschäftigt hat, war durch mehrfache Krankheitsschübe6 geprägt, die sich wohl auch auf seine Arbeiten ausgewirkt haben. So schloss seine gesundheitliche Verfassung seit 1791 „eine aktive Teilnahme am öffentlichen Leben nahezu“7 aus.

Im Zuge seiner Krankheitsgeschichte wurde so für Schiller das Thema Tod und Sterben immer präsenter. Und so ist auch der Tod in Verbindung mit dem Schönheitsbegriff ein zentrales Thema der „Nänie“. Schillers Schönheitsbegriffs soll in dieser Arbeit anhand dieser Elegie untersucht und interpretiert werden. Zunächst gehe ich auf die philosophischen und theoretischen Schriften Schillers, insbesondere im Hinblick auf Kants „Kritik der Urteilskraft“ ein. Die ausführliche Interpretation des Gedichtes soll dabei vor allem Schillers Schönheitsbegriff einbeziehen.

2 Schönheitsbegriff

2.1 Philosophische und literaturgeschichtliche Einordnung

Schon vor Schillers Beschäftigung mit dem Schönen, fand diese Thematik reges Interesse. Das Konzept von Schönheit reicht bis in die Antike zurück und war „ein wesentliches Element der Trias der obersten Werte“8. Unterschieden wurde in der Frage nach dem Schönen in der Antike zwischen „Naturschönen“ und „Kunstschönen“9. So könnten auch Naturgegenstände und Phänomene als schön bezeichnet werden, wie beispielsweise ein schneebedeckter Berggipfel.10 Dem gegenüber stehe das Kunstschöne (oder Kulturschöne), ein von Menschen geschaffener „zentraler Wert gelungener Werke der verschiedenen Kunstgattungen“.11 Jedoch zielen beide Auslegungen auf eine äußerliche Betrachtungsweise ab. Im 18. Jahrhundert entwickelt vor allem Immanuel Kant den Schönheitsbegriff weiter und löst ihn von dieser äußerlichen Definition. In „Kritik der Urteilskraft“ (1790) definiert Kant Schönheit nicht mehr als Eigenschaft von Gegenständen, sondern als Urteil des Verstandes. Weiterhin führt er als Kategorie das Geschmacksurteil ein, was niemals objektiv sein könne:

Unter einem Prinzip des Geschmacks würde man einen Grundsatz verstehen, unter dessen Bedingung man den Begriff eines Gegenstandes subsumieren und alsdann durch einen Schluß herausbringen könnte, daß er schön sei. Das ist aber schlechterdings unmöglich.12

Besonders auf Kant konzentriert sich Schiller bei seiner Auseinandersetzung mit der Ästhetik und versucht dessen Theorien zu widerlegen, wie im nächsten Kapitel dargelegt wird. Der Großteil von Schillers Arbeiten zur Ästhetik und zum Schönheitsbegriff sind der literaturgeschichtlichen Epoche der Klassik zuzuordnen. Eine Beziehung, die sinnvoll erscheint, da der Begriff „klassisch“ etwas Normbildendes, mustergültiges und absolut vollkommenes beschreibt13. Der Epochenbegriff „Klassik“, sowie das Adjektiv „klassisch“ müssen aber voneinander losgelöst betrachtet werden, da letzteres nicht zeitgebunden ist.14

[...]


1 Schiller: Nänie. Zitiert nach: Oellers, Norbert (Hrsg.), Schillers Werke. Nationalausgabe. Zweiter Band, Teil 1, Gedichte, Weimar 1983, S. 326. Im Folgenden werden Zitate aus dem Gedicht durch die Angabe des Verses in Klammern im Fließtext kenntlich gemacht.

2 Vgl. Schiller: An Körner 21. Dezember 1792. In: Schillers Werke. Briefe 1790-1794. Nationalausgabe. 26.Band. Hrsg. von Norbert Oellers und Siegfried Seidel. Weimar 1992. S.170

3 Vgl. Seiler, Bernd: Fehlgebende Theorie und gelingende Praxis. Über den Wandel in Schillers Kunstanschauungen. In: Heinz Rölleke (Hrsg.): Wirkendes Wort. Trier. 51/2001. S.332.

4 Vgl. Osterkamp, Ernst: Das Schöne in Mnemosynes Schoß. In: Oellers, Norbert: Gedichte von Friedrich Schiller. Interpretationen. Stuttgart. S.283.

5 Vgl. Ebd.

6 Vgl. Alt, Peter- Andre: Schiller. Leben- Werk- Zeit. Zweiter Band. München: Beck Verlag, 2000. S.100.

7 Hofmann, Michael: Schiller. Epoche-Werke-Wirkung. München 2003. S.33.

8 Peter Prachtl und Franz-Peter Burkard (Hrsg.): Metzler Philosophie Lexikon. Begriffe und Definitionen. Stuttgart 1999. S.525.

9 Vgl. Ebd.

10 Vgl. Ebd.

11 Ebd. S.525.

12 Kant, Immanuel: Kritik der Urteilskraft. Philosophische Bibliothek. Band 507. Hamburg 2001. S.163

13 Vgl. Schweikle, Günther und Irmgard (Hrsg.): Metzler Literatur Lexikon. Begriffe und Definitionen. Stuttgart 1990. S. 239-240.

14 Vgl. Wirsich-Irwin, Gabriele (Hrsg.): Die deutsche Literatur in Text und Darstellung. Band 7. Klassik. Stuttgart 1998. S.9.


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