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Alles "schwarz, rot, geil" - oder was? Eine inhaltsanalytische Betrachtung der Fußball-Weltmeisterschaft in der Bild und der Süddeutschen Zeitung

Untertitel: Analyse im Rahmen der allgemeinen Boulevardisierungsdebatte in der Sportberichterstattung
Autor: Christian Koziara
Fach: Sport - Medien und Kommunikation

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Details

Kategorie: Bachelorarbeit
Jahr: 2006
Seiten: 105
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 41  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 708 KB
Archivnummer: V67490
ISBN (E-Book): 978-3-638-58604-7
ISBN (Buch): 978-3-638-71156-2
Anmerkungen :


Zusammenfassung / Abstract

Dem Journalismus wird ein zunehmender Hang zur Boulevardisierung nachgesagt, vor allem das Ressort „Sport“ steht dabei oftmals im Fokus der Kritik. Dass sie vorhanden ist, steht außer Frage. Betroffen sind laut Expertenmeinungen alle Medien: Print-, Rundfunk- und Online-Medien, seriöse und weniger seriöse, hochwertige und minderwertige Produkte. Auch vor Qualitaetsmedien scheint der "Siegeszug der Boulevardisierung" also keinen Halt zu machen. Das Sportereignis mit der höchsten Medienaufmerksamkeit 2006 war eindeutig die Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland. Die Berichterstattung in den Medien nahm extraterrestrische Ausmaße an. Unter dem Deckmantel der Quantität muss sich jedoch nicht zwingend Qualität verstecken. Das warf die Frage auf, ob die WM eine geeignete Bühne für Boulevardisierung darstellte. In der Medienberichterstattung über die Fußball-WM, ein Großereignis, wo alle Facetten einer Sportart auftauchen, müssten unzählige Belege für eine Boulevardisierung jeglicher Art zu finden sein. Und sie waren zahlreich zu finden, wie im Rahmen dieses Buches am Beispiel einer printmedialen Inhaltsanalyse der beiden Tageszeitungen „Süddeutsche Zeitung“ und „Bild“ aufgezeigt wird. Zunächst interessieren im ersten Teil des vorliegenden Buches theoretische Vorüberlegungen und erforschte Boulevardisierungscharakteristika, im zweiten Teil wurden die beiden ausgewaehlten Printmedien unter anderem im Hinblick auf Boulevardisierungsmerkmale und Themenwahl unter die Lupe genommen.

Textauszug (computergeneriert)

Universität Augsburg
Philosophisch-Sozialwissenschaftliche Fakultät

Alles „schwarz, rot, geil“ – oder was?
Eine inhaltsanalytische Betrachtung der Fußball-Weltmeisterschaft
in der „Bild“ und der „Süddeutschen Zeitung“ im Rahmen der allgemeinen
Boulevardisierungsdebatte in der Sportberichterstattung

Bachelorarbeit
zur Erlangung des Grades Bachelor of Arts (B.A.)

vorgelegt von: Christian Koziara
vorgelegt am: 9. Oktober 2006

 

Gliederung

I Theorie: Wandel in der Sportberichterstattung und im journalistischen Rollenverständnis, WM als Bühne für Boulevardisierung

1. Einleitung...3

2. Boulevardzeitungen vs. Qualitätszeitungen...5
2.1 Definition „Boulevardzeitung“...5
2.2 Definition „Qualitätszeitung“...5
2.3 Unterschiede und Gemeinsamkeiten...7

3. Boulevardisierung in der Sportberichterstattung...9
3.1 Was ist Boulevardisierung? Ein Definitionsansatz...9
3.1.1 Erster „Auftritt“ der Boulevardisierung...10
3.2 Sportberichterstattung im Wandel...11
3.2.1 Verwendung von Emotionen...15
3.3 Selbstverständnis der Sportjournalisten im Wandel...16
3.3.1 Ethische Normen und Grundsätze von Journalisten...18
3.3.2 Theorien der Nachrichtenauswahl...19

4. Die Fußball-WM: ein mediales Spektakel...21
4.1 Aufmerksamkeit in Bevölkerung und Medien...21
4.2 Medienrealität durch Agenda-Setting...22

5. Zusammenfassung theoretischer Elemente...24

II Inhaltsanalyse: Boulevardisierung und Agenda-Setting in der „Bild“ und der „Süddeutschen Zeitung“ während der Fußball-Weltmeisterschaft 2006

6. „Bild“ und „Süddeutsche“ im Fokus...25
6.1 Forschungsgegenstand „Bild-Zeitung“...25
6.2 Forschungsgegenstand „Süddeutsche Zeitung“...28

7. Operationalisierung, Design, Datengrundlage...30

8. Vorüberlegungen und Annahmen...32

9. Ergebnisse...35
9.1 Boulevardisierung mit sprachlichen Mitteln...35
9.2 Boulevardisierung durch inhaltliche Merkmale...36
9.3 Boulevardisierung mithilfe optischer Aufbereitung...38
9.4 Drei Ebenen unter einem Hut...39
9.5 Redaktionsinternes Agenda-Setting...41
9.5.1 Fokus auf WM im Allgemeinen...41
9.5.2 Fokus auf WM-Themen...41
9.6 Exkurs: Nationaler Bezug...45

10. Zusammenfassung der Inhaltsanalyse...46
10.1 Interpretation der Ergebnisse...46
10.2 Rückbezug auf Forschungsfragen...46

11. Fazit...49

III Anhang mit Literaturverzeichnis
 

I. Theorie: Wandel in der Sportberichterstattung und im journalistischen Rollenverständnis, WM als Bühne für Boulevardisierung

1. Einleitung

„Die Boulevardisierung der Sportberichterstattung wird weiter zunehmen.“1 Eine von zehn Prognosen, die Josef Hackforth2 für den Sportjournalismus im dritten Jahrtausend vor sechs Jahren aufstellte. Eine Boulevardisierung3 sieht er mit dieser Aussage bereits als gegeben an. Und die These scheint sich zu bewahrheiten, wie aus der allgemeinen Boulevardisierungsdebatte im Sportjournalismus hervorgeht.4 Betroffen sind laut Expertenmeinungen alle Medien, Print-, Rundfunk- und Online-Medien, seriöse und weniger seriöse, hochwertige und minderwertige Produkte.
Vor einigen Monaten ging das sportliche Ereignis des Jahres zu Ende. Die Fußball- Weltmeisterschaft (WM) in Deutschland zog Menschenmassen auf der ganzen Welt in ihren Bann, die Berichterstattung in den Medien nahm extraterrestrische Ausmaße an. Unter dem Deckmantel der Quantität muss sich jedoch nicht zwingend Qualität verstecken. Das wirft die Frage auf, ob der Rahmen „WM“ eine geeignete Bühne für Boulevardisierung darstellte.
In der Medienberichterstattung über die Fußball-WM, ein mediales, kulturelles, wirtschaftliches und nicht zuletzt logistisches sowie organisatorisches Großereignis, wo alle Facetten einer Sportart auftauchen, müssten eigentlich unzählige Belege für eine Boulevardisierung jeglicher Art in der Sportberichterstattung zu finden sein. Es muss jedoch gleich festgehalten werden, dass die Weltmeisterschaft in Deutschland einen besonderen Status in der Berichterstattung einnahm und so keine Übertragung auf jeden beliebigen Zeitpunkt möglich ist, da hier extrem viel über eine Sportart berichtet wurde, während andere außen vor gelassen wurden.5

Im Rahmen einer Bachelorarbeit war es nicht möglich, eine umfassende Medienanalyse durchzuführen, daher beschränkt sich das vorliegende Werk ausschließlich auf die Printmedienberichterstattung. Selbst im Printmedienbereich war es weder möglich, den kompletten Zeitraum, also eine Vollerhebung aller Exemplare, noch eine repräsentative Anzahl an verschiedenen Zeitungstypen zu untersuchen. Hier wurde eine Auswahl an einer Qualitätszeitung und einer Boulevardzeitung erfasst. Außerdem konnten keine Vergleichszeiträume erhoben werden.

Frühere Fußball-Weltmeisterschaften wurden schon empirisch untersucht. Abgesehen von wenigen Studien bezogen auf Printmedien, existieren hauptsächlich Inhaltsanalysen, die auf dem Medium Fernsehen basieren. Über die Berichterstattung zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 liegen bislang keine inhaltsanalytischen Erkenntnisse vor, allein deswegen bot sich besagter Untersuchungszeitraum vom 9. Juni bis 9. Juli an. Mit dieser Arbeit soll die WM-Berichterstattung in jeweils einer ausgewählten Qualitäts- („Süddeutsche Zeitung“) und einer Boulevardzeitung („Bild“) mittels Inhaltsanalyse erfasst werden, und zwar im Hinblick auf folgende allgemeine Forschungsfrage:

Wie berichten die Qualitätszeitung „Süddeutsche Zeitung“ und die Boulevardzeitung „Bild“ über die Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland?

Fußballberichterstattung folgt denselben Grundregeln journalistischer Darstellungsformen wie Sportberichterstattung generell, es herrschen keine gravierenden Unterschiede zu anderen Sportarten, dass heißt, was für theoretische Ansätze über Fußballberichterstattung, von denen es allerdings nur wenige gibt – meist ist in der Literatur von einer Boulevardisierung der Sport-, nicht speziell der Fußballberichterstattung die Rede – insbesondere gilt, gilt in der Regel auch für andere Sportarten. Ebenso können allgemeine Erkenntnisse über das Vorgehen von Sportreportern speziell auf den Fußball angewandt werden. Aus diesen Gründen werden im Theorieteil in erster Linie allgemeine Überlegungen hinsichtlich der Sportberichterstattung, nicht speziell der Berichterstattung über den Fußball, aufgegriffen, obwohl der inhaltsanalytische Untersuchungsgegenstand ein rein fußballerisches Ereignis war.

Das primäre Forschungsinteresse galt der formalen, thematischen und inhaltlichen Präsentation der Weltmeisterschaft. Die Arbeit zielt darauf ab, die angenommene hohe Boulevardisierung in einer Boulevardzeitung zu bestätigen und Anzeichen hierfür auch in einer Qualitätszeitung nachzuweisen. Außerdem soll aufgezeigt werden, welche Aspekte inhaltlicher, optischer und sprachlicher Natur von einer Boulevardisierung betroffen sind. Darüber hinaus sollen Merkmale und Auffälligkeiten bezüglich des Agenda-Settings in beiden Zeitungen erläutert werden.
Angewandte Methode war eine quantitative Datenerhebung, aus der Rückschlüsse über die Art und Weise der Berichterstattung gezogen und Unterschiede der beiden untersuchten Zeitungstypen herausgearbeitet werden sollen, folglich lautet die konkretisierte Version der allgemein formulierten Leitfrage:

Welche Boulevardisierungsaspekte treten auf beziehungsweise welche Themen werden fokussiert und finden Berücksichtigung in der Berichterstattung des jeweiligen Mediums?

Zunächst allerdings interessieren im ersten Teil der Arbeit theoretische Vorüberlegungen und erforschte Boulevardisierungscharakteristika, die Forschungsfragen werden im zweiten Teil beantwortet und damit auch die Frage, ob Ausdrücke wie „schwarz, rot, geil“6 ausschließlich der „Bild“ vorbehalten waren.

Im theoretischen Teil werden erst Qualitäts- und Boulevardzeitungen definiert sowie Unterschiede aufgezeigt, anschließend wird vom Wandel der Sportberichterstattung und dem Rollenverständnis der Sportjournalisten die Rede sein. Danach wird kurz auf das mediale Agenda-Setting eingegangen und die Fußball-WM als mediales Großereignis unter die Lupe genommen, ehe dem inhaltsanalytischen Part ausführlich Beachtung geschenkt wird.
 

2. Boulevardzeitungen vs. Qualitätszeitungen

2.1 Definition „Boulevardzeitung“

Wann kann eine Zeitung als Boulevardzeitung bezeichnet werden? Es gibt mehrere Ansätze, der bayerische Rundfunk definiert den Begriff auf seiner Homepage folgendermaßen: „Ursprünglich sagt Boulevard lediglich etwas über den Vertriebsweg von Zeitungen aus. Im Unterschied zu den meisten Tageszeitungen werden Boulevardzeitungen ausschließlich auf der Straße, am Kiosk verkauft, weshalb sie auch anders als die Abonnementzeitschriften aufgemacht sind: mit Großbuchstaben, vielen Bildern und Überschriften, die nach Aufmerksamkeit heischen. […] Im übertragenen Sinn bezeichnet man als Boulevardblätter oder - sendungen die Medien, deren Stil und Inhalte auf der Straße, beim ‚gemeinen Volk′ ankommen: sensationelle Nachrichten, Sex, Crimes und VIP-Klatsch.“7
Boulevardjournalismus hat sich im deutschen Sprachgebrauch als eigenes Genre etabliert. Das Ziel von Boulevardjournalisten ist nicht in erster Linie das Vermitteln von hintergründigen, tief gehenden Informationen. Themen werden meist oberflächlich behandelt und oftmals nicht ausreichend recherchiert, unseriöse Quellen werden herangezogen. Wenn sachliche Informationen vermittelt werden, dann sind diese häufig einfach aufbereitet; es wird ein so genanntes Infotainment8 betrieben, näheres dazu im dritten Kapitel.
Da Boulevardzeitungen für das „gemeine Volk“, für die „breite Masse“ gemacht werden, sind auch der Schreibstil und die Ausdrucksweise darauf ausgerichtet: Kurze, einfache, für jeden verständliche Texte überwiegen, was auch später am Beispiel der WM-Berichterstattung zu sehen sein wird.
Die bekannteste deutsche Boulevardzeitung und gleichzeitig die größte europäische Tageszeitung ist die „Bild-Zeitung“ aus dem Axel-Springer-Verlag, die in dieser Arbeit analysiert wurde. Allerdings kann hier nicht der Anspruch erhoben werden, dass die „Bild“ als repräsentativ für alle Boulevardzeitungen angesehen wird, unter anderem wegen ihrer redaktionellen Orientierung9.

[...]


1 Homepage des European Gym Forum, URL: http://www.gymmedia.com/FORUM/openforum/hackforth.htm; In „Die Welt“ (3. Januar 2000): Zehn Thesen zur Sportberichterstattung im dritten Jahrtausend. Autor: Josef Hackforth

2 Josef Hackforth ist Leiter des Lehrstuhls Sport, Medien und Kommunikation an der Technischen Universität München, Direktor des Audi Instituts für Sportkommunikation, Leiter International Acadamy of Sports and Communication, Leiter der Deutschen Sportjournalistenschule sowie Vorstand der DSB-Medienkommission, einer der führenden Köpfe im Forschungsgebiet „Sportjournalismus“

3 Was es mit „Boulevardisierung“ auf sich hat, wird im weiteren Verlauf dieser Arbeit ausführlich erläutert (vgl. zum Beispiel 3.1, dort wird der Begriff definiert)

4 Siehe hierzu ausgewählte Artikel zur Boulevardisierung im Anhang

5 was an sich betrachtet schon einen konkreten Aspekt der Boulevardisierung darstellt. Weitere Merkmale der Boulevardisierung und Themenauswahl folgen im Verlauf der Arbeit

6 Die „Bild“ machte am 12.6.2006 erstmals mit der Schlagzeile „Deutschland im WM-Rausch: SCHWARZ, ROT, GEIL!“ auf, im Anschluss zog sich das Wortspiel mit den Nationalfarben wie ein roter Faden durch die „Bild“-Berichterstattung

7 Homepage des bayerischen Rundfunks, URL: http://www.br-online.de/wissen-bildung/telekolleg/faecher/deutsch/glossar/#b

8 Infotainment ist eine Wortschöpfung aus den englischen Begriffen „information“ und „entertainment“. Darunter versteht man die unterhaltsame beziehungsweise einfache Vermittlung von teilweise komplexen informativen und bildungstechnischen Inhalten. Auch Soft News (vgl. Fn 29) fallen unter Infotainment

9 Näheres zur „Bild-Zeitung“ in Kapitel 6

Kommentare

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