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Autor: Benjamin Möckel
Fach: Geschichte - Deutsches Kaiserreich, Imperialismus
Details
Tags: Völkermord, Krieg, Deutsch-Südwest-Afrika, Vorbote, Vernichtungspolitik
Jahr: 2005
Seiten: 20
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 17 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 162 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-60402-4
ISBN (Buch): 978-3-638-84438-3
Die Arbeit behandelt den deutschen Kolonialkrieg in Südwest-Afrika, der mit der versuchten Vernichtung des gesamten Hereostammes nach der Schlacht am Waterberg in der Forschung oft als ein erstes Ausbrechen einer Vernichtungspraxis gesehen wird, die in der Judenvernichtung im Dritten Reich seinen Höhepunkt fand. Hannah Arendts These des Imperialismus als zweite Quelle des Nationalsozialismus soll hierbei sowohl historisch unterfüttert als auch hinterfragt werden.
Zusammenfassung / Abstract
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Krieg der deutschen Kolonialmacht in Deutsch-Südwest-Afrika zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Dieser Krieg scheint in seiner Grausamkeit und der bedingungslosen Härte, mit der er geführt wurde, eine exzeptionelle Stellung in der Geschichte des Deutschen Kaiserreiches darzustellen. Vor allem deswegen ist er in der Forschung immer wieder als Vorbote deutscher Vernichtungspolitik dargestellt worden. Bezug genommen werden kann hier vor allem auf die These Hannah Arendts, die in ihrem Werke "Elemtente und Ursprünge totalitärer Herrschaft" nicht nur den Antisemitismus, sondern vor allem auch den Imperialismus als Hauptquelle der totalitären Regime des 20. Jahrhundert ansieht. Diese Arbeit lässt sich insofern als eine Fallstudie zur Überprüfung dieser These Hannah Arendts ansehen. Insbesondere die These einer Kontinuität der deutschen Geschichte, in der die Vernichtungspolitik des Dritten Reiches in der Außenpolitk des Kaiserreiches schon angelegt sein solle, wird dabei kritisch hinterfragt werden müssen.
Textauszug (computergeneriert)
Der erste deutsche Völkermord? Der Krieg in Deutsch-
Südwest-Afrika als möglicher Vorbote deutscher Vernichtungspolitik
von: Benjamin Möckel
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
1.1. Allgemeines zum Aufstand, Forschungsstand 3
1.2. Die Fragestellung: Völkermord und Kontinuitätstheorie 4
2. Darstellung des Aufstands 6
2.1. Der Beginn des Aufstand und die deutsche Reaktion 6
2.2. Die Eskalation. Einsetzung Lothar von Trothas 9
3. Unterwerfung oder Vernichtung? 11
4. Bewertung und Fazit 14
4.1 Definition des Begriffs Völkermord 14
4.2. Anwendung des Völkermordbegriffs 15
Kontinuitätsthese und Schlussfazit 16
Bibliographie: 20
1. Einleitung
1.1. Allgemeines zum Aufstand, Forschungsstand
Der Hererokrieg in der damaligen deutschen Kolonie Deutsch-Südwestafrika gehört zu den dunkelsten Kapiteln der deutschen Geschichte. Er war möglicherweise der härteste Krieg, den das Deutsche Reich in seiner kurzen Kolonialgeschichte führte. Seine Sonderstellung erhält er aber vor allen Dingen durch die bisher nicht da gewesene Grausamkeit, mit der das Deutsche Reich als Kolonialmacht den Aufstand erstickte und bestrafte. Es scheint, dass die Wahl der militärischen Mittel, insbesondere nach der Kommandoübernahme von General Lothar von Trotha, nicht mehr allein das Ziel der Niederschlagung des Aufstandes besaß, sondern darüber hinausgehend die Vernichtung der Herero als solche intendierte.
Inwieweit dies der Fall ist, und auf welche Weise man in den Ereignissen von 1904/05 mehr als einen bloßen Kolonialkrieg sehen muss, soll Thema dieser Arbeit sein. Der Forschungsstand über den Hereokrieg ist mittlerweile recht gut. Es hat jedoch eine lange Zeit gedauert, bis sich die deutsche Geschichtswissenschaft dem Thema annahm. Nach Verlust der Kolonien nach dem Ersten Weltkrieg wurde der deutsche Kolonialismus zunächst Objekt einer nationalistischen Romantisierung, in die eine Beschäftigung mit den Aufständen kaum passte. Aber auch nach dem Zweiten Weltkrieg gab es in der Bundesrepublik zunächst keine echte Aufarbeitung des Themenbereichs.
Die historische Forschung beginnt somit eigentlich erst in den 60er Jahren. An erster Stelle ist hierbei Horst Drechsler zu nennen, der in seiner Habilitationsschrift aus dem Jahre 19661 das Thema des Hereroaufstandes zum ersten Mal auf die Tagesordnung der Historiker hob. Mindestens ebenso wichtig war die umfangreiche Darstellung Helmut Bleys2, die noch heute zur unverzichtbaren Standardliteratur des Themenbereichs gehört.
Helmut Bley ist auch insofern von großer Bedeutung, da er als erster explizit die Verbindung zwischen der deutschen Kolonialgeschichte und dem Nationalsozialismus zieht, und somit die Thesen Hannah Arendts aus den 50er Jahren aufnimmt. Diese hatte in ihrem schon im Krieg begonnenen Werk ‚Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft’3 den Imperialismus neben dem Antisemitismus als die zweite große Wurzel des Nationalsozialismus ausgemacht. Sie versuchte hierbei zu zeigen, dass in der imperialen Erfahrung schon Gedanken entwickelt und Methoden erfunden wurden, die später zentrale Elemente totalitärer Herrschaften, insbesondere des Nationalsozialismus, ausmachten. Diese These hatte großen Einfluss auf spätere Historiker. Zum einen ist Hannah Arendts Buch eines der zentralen Werke der sogenannten Totalitarismusforschung4, andererseits wird von ihr hier die These aufgestellt, auf die sich spätere Historiker immer wieder bezogen, und die auch eine wichtige Frage dieser Darstellung sein soll: Die Frage nämlich, ob, und wenn ja in welcher Weise, Kontinuitäten aus der deutschen Kolonialerfahrung in den Nationalsozialismus hineinreichen.
1.2. Die Fragestellung: Völkermord und Kontinuitätstheorie
Grob skizziert ist meine Fragestellung also die Folgende:
Stehen die Ereignisse des Nationalsozialismus – insbesondere die Vernichtung der Juden – in einer Kontinuität zu der kolonialen Politik des Deutschen Reiches in ihren Kolonien? oder andersherum gefragt: Führt von der kolonialen Erfahrung – z.B. der Niederschlagung des Hereroaufstandes durch Lothar von Trotha – ein direkter Weg zum Nationalsozialismus? Eine solche These vertritt, um nur ein Beispiel zu nennen, Henning Melber in einem Aufsatz für das Jahrbuch für Antisemitismusforschung5:
„Der koloniale Rassismus und die darauf aufbauende Vernichtungsphilosophie nahmen in ihrer kollektiven Blindheit und damit einhergehenden Anonymisierung von menschlicher Existenz bereits vorweg, was in den industriell betriebenen Vernichtungslagern perfektioniert wurde.“6
Die Gegner einer solchen These machen dagegen deutlich, dass es unüberbrückbare Differenzen zwischen den Ereignissen in den Kolonien und denen in Nazideutschland gäbe, und dass die Theorie eines direkten Weges, der von den Kolonien hin zum Nationalsozialismus führe, eher ein Konstrukt sei, als dass sie die Realität adäquat wiedergeben könne. Ohne diese Frage hier schon beantworten zu wollen, lässt sich meiner Meinung nach zunächst feststellen, dass zwischen beiden Kriegen im Mindesten insofern eine Verbindung besteht, als wir in unserem historischen Urteil sowohl im Hererokrieg als auch im Zweiten Weltkrieg mehr als bloße Kriege sehen und unsere moralische Verurteilung beider Ereignisse von einem Mehr ausgeht, das auf irgendeine Weise definiert werden muss. Im Folgenden werde ich versuchen plausibel zu machen, dass es sich bei diesem Mehr um etwas anderes handelt als um eine bloße Steigerung der Brutalität der Kriegsführung. Es erscheint mir vielmehr so, dass das charakteristische darin liegt, dass die immensen Grausamkeiten nicht mehr durch militärische Notwendigkeiten gerechtfertigt werden, sondern als Selbstzweck erscheinen, die nicht mehr allein auf den militärischen Sieg, sondern auf die physische Vernichtung des Feindes abzielen.
Hierin, und nicht in der Anzahl der getöteten Menschen, liegt das, was den Krieg vom Völkermord trennt, und hierin liegt auch – so möchte ich versuchen zu zeigen – das, was den Hererokrieg mit dem Nationalsozialismus verbindet.
Um die Haltbarkeit dieser These zu überprüfen, werde ich zunächst in sehr gekürzter Form die Ereignisse des Krieges selbst betrachten. Anschließend werde ich versuchen eine möglichst adäquate Definition des Begriffs Völkermord zu geben und den Krieg in Südwestafrika unter diesem Gesichtspunkt betrachten. Zuletzt werde ich mich mit den eben angedeuteten Kontinuitäten beschäftigen, die möglicherweise zwischen Imperialismus und Nationalsozialismus bestehen.
2. Darstellung des Aufstands
2.1. Der Beginn des Aufstand und die deutsche Reaktion
[...]
1 Horst Drechsler, Südwestafrika unter deutscher Kolonialherrschaft, Berlin (Ost) 1966. Man sollte beachten, dass das erste wichtige Werk über den Hererokrieg in der DDR erschien.
2 Helmut Bley, Kolonialherrschaft und Sozialstruktur in Deutsch-Südwestafrika 1894-1914, Stuttgart 1968.
3 Hannah Arendt, Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft, Frankfurt 1955.
4 Hannah Arendt ist nur ein Beispiel für Historiker und Philosophen, die schon seit den 30er Jahren versuchten, mit ähnlichen Theorien das Entstehen des Faschismus zu erklären. Einen guten Überblick hierüber bietet: Eckhard Jesse, Die Totalitarismusforschung und ihre Repräsentanten, in: Aus Politik und Zeitgeschichte 48 (1998), S. 3-32.
5 Henning Melber, Kontinuitäten totaler Herrschaft: Völkermord und Apartheit in „Deutsch-Südwestafrika“, in: Jahrbuch für Antisemitismusforschung 1992 (1), S.91-116.
6 Ebd., S. XXXXXXXXXXX
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