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Details

Kategorie: Examensarbeit
Jahr: 2001
Seiten: 97
Note: 2
Literaturverzeichnis: ~ 78  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 329 KB
Archivnummer: V6762
ISBN (E-Book): 978-3-638-14261-8

Textauszug (computergeneriert)

 

"Picareskes bei Brecht
- anhand ausgewählter Dramen"

Examensarbeit in Germanistik

HAUSARBEIT

zur Prüfung für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen
an der Technischen Universität
Braunschweig

eingereicht von:
Alexa Chabowski

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung ... 1
   
1.1 Literaturwahl und Zielsetzung ... 1
    1.2 Methode ... 1
    1.3 Probleme ... 2

2. Der Schelmenroman ... 4
   
2.1 Geschichte des Schelmenromans ... 4
    2.2 Definitionsversuche ... 13
        2.2.1 Abgrenzung zu den Ritter- und Schäferromanen ... 13
        2.2.2 Abgrenzung zum Bildungsroman ... 14
        2.2.3 Definitionen aus Lexika ... 15
        2.2.4 Definitionskritik ... 15
    2.3 Etymologische Begriffsbestimmung ... 17
        2.3.1 Das Wort "picaro" ... 17
        2.3.2 Das Wort "Schelm" ... 18
    2.4 Merkmale und Strukturen des Pikaresken ... 19
        2.4.1 Pseudoautobiographische Erzählperspektive ... 19
        2.4.2 Episodenförmiger Aufbau ... 21
        2.4.3 Der offene Schluss der Handlung ... 21
        2.4.4 Herkunft und Familie des Schelms ... 22
        2.4.5 Die Initiation des Schelms ... 23
        2.4.6 Ambivalenz ... 24
        2.4.7 Der Schelm als Diener vieler Herren ... 24
        2.4.8 Der unmoralische Schelm ... 25
        2.4.9 Motive des Schelms ... 26
        2.4.10 Verhältnis zur Gesellschaft ... 27
        2.4.11 Das Rollenspiel des Schelms ... 28
        2.4.12 Funktion des Schelms ... 28
        2.4.13 Der schelmische Typus ... 29
        2.4.14 Satire und Entlarvungsstrategien ... 30

3. Bertolt Brechts "Herr Puntila und sein Knecht Matti" ... 31
   
3.1 Entstehungsgeschichte ... 31
    3.2 Inhaltsangabe ... 36
    3.3 Pikareske Elemente ... 37
        3.3.1 Episodenförmiger Aufbau des Dramas ... 37
        3.3.2 Der Protagonist ... 40
        3.3.3 Funktion und Intention ... 41
        3.3.4 Die Entlarvungsstrategien ... 43
            3.3.4.1 Selbstentlarvung ... 44
            3.3.4.2 Fremdentlarvung ... 51
        3.3.5 Der offene Schluss ... 57
        3.3.6 Dienertum, Außenseitertum und Reisemotiv ... 59
        3.3.7 Der rebellische Matti ... 60
        3.3.8 Typisierende Figurengestaltung ... 61

4. Bertolt Brechts "Schweyk im zweiten Weltkrieg" ... 62
   
4.1 Entstehungsgeschichte ... 62
    4.2 Inhaltsangabe ... 66
    4.3 Pikareske Elemente ... 67
        4.3.1 Episodenförmiger Aufbau des Dramas ... 67
        4.3.2 Funktion und Intention ... 69
        4.3.3 Die Entlarvungsstrategien ... 70
            4.3.3.1 Fremdentlarvung ... 70
            4.3.3.2 Selbstentlarvung ... 77
        4.3.4 Der offene Schluss ... 79
        4.3.5 Dienertum, Außenseitertum und Reisemotiv ... 80
        4.3.6 Der rebellische Schweyk ... 81
        4.3.7 Typisierende Figurengestaltung ... 82

5. Zusammenfassung ... 85

6. Anmerkungen zur Zitiertechnik ... 86

7. Literaturverzeichnis ... 87


1. Einleitung

1.1 Literaturwahl und Zielsetzung

Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, Picareskes bei Brecht anhand ausgewählter Dramen ausfindig zu machen. Dazu wurden zwei Dramen Brechts ausgewählt: "Herr Puntila und sein Knecht Matti" und "Schweyk im zweiten Weltkrieg". Diese beiden Dramen schienen für die Untersuchung besonders geeignet zu sein, weil sie nicht zu den bekanntesten Werken Brechts gehören und dementsprechend wenig Sekundärliteratur zur Verfügung steht. Dies ermöglicht eine weitestgehend eigenständige Interpretation dieser Werke. Um umfassende und einsichtige Ergebnisse zu erhalten, wurden nur diese zwei Dramen für die Untersuchung herangezogen. Die Betrachtung von mehr als zwei Dramen Brechts in dieser Arbeit würde zudem den (Zeit-) Rahmen überschreiten.

1.2 Methode

Der vorliegende Beitrag beginnt mit einem Überblick über die Geschichte des Schelmenromans und mehreren Definitionsversuchen desselben. Es folgt eine etymologische Begriffsbestimmung der Wörter "Schelm" und "Pikaro". Die Wörter "Schelm" und "Pikaro", auch "Picaro" geschrieben, werden im Übrigen im Verlauf der vorliegenden Arbeit analog verwendet. Die dem eigentlichen Thema vorgeordnete Beschäftigung mit dem Schelmenroman ist folgendermaßen begründet: Im Schelmenroman liegen die Anfänge der europäischen pikaresken Literatur. Dort lassen sich diejenigen pikaresken Elemente finden, welche benötigt werden, um einen ersten Überblick über das Pikareske zu erhalten. Die wichtigsten pikaresken Elemente der europäischen Schelmenliteratur werden in einem nächsten Schritt aufgelistet und erklärt.
Um nun auf das Pikareske in Brechts Dramen überzugehen, werden die dem Schelmenroman entnommenen Elemente auf Brechts Dramen übertragen.
Es wird vergleichend untersucht, inwieweit sich diese Elemente in Brechts Dramen wiederfinden lassen. Dabei werden jedoch nur diejenigen schelmischen Elemente näher untersucht, die tatsächlich eine entsprechende Analogie in den Dramen Brechts aufweisen.
Jene pikaresken Elemente sind bei ihrer Untersuchung in Brechts Dramen so angeordnet, dass ein Verstehen der Zusammenhänge erleichtert werden soll. Sie sind keinesfalls nach ihrer Wichtigkeit geordnet, denn die pikaresken Elemente sind alle gleichwertig.

1.3 Probleme

Bei der Übertragung der Elemente des Schelmenromans auf die Dramen Brechts ergab sich durch die unterschiedlichen Gattungen ein Problem: Brechts Stücke stellen Dramen dar, während der Schelmenroman der Gattung Epik zuzuordnen ist. Zum Teil wurde dieses Problem gelöst, indem dies bei der Übertragung bewusst berücksichtigt wurde. Andererseits konnten einige Elemente nur schwer oder gar nicht übertragen werden. Dadurch ergeben sich Kürzungen und Weglassungen.
Ein weiteres Problem stellte das Thema an sich dar: Es existiert nur wenig Literatur zum Pikaresken im Drama. Was diesem Thema nahezu entspricht, sind die Wiener Haupt- und Staatsaktionen und die Commedia dell`arte. Beides wird im Zusammenhang mit der Untersuchung von "Herr Puntila und sein Knecht Matti" kurz angesprochen. Es wird jedoch nicht näher darauf eingegangen. Denn die pikaresken Elemente, welche sich bei den Wiener Haupt- und Staatsaktionen oder in der Commedia dell`arte finden lassen, sind in ausführlicherer Form in der Sekundärliteratur zum Schelmenroman zu finden. Die Elemente der Untersuchung werden hier also der Sekundärliteratur zum Schelmenroman entnommen, da diese, wie oben beschrieben, ausführlicher in ihren Beschreibungen und zahlreicher in ihren Publikationen ist.

2. Der Schelmenroman

2.1 Geschichte des Schelmenromans

Mit der Veröffentlichung des von einem anonymen Autor verfassten "Lazarillo de Tormes" 1554 in Spanien begann die Entwicklung des europäischen Schelmenromans. Zu diesem Zeitpunkt existierten jedoch bereits ältere epische Texte mit ähnlichen Merkmalen wie der Schelmenroman in der chinesischen, arabischen und römischen Literatur.
Als einer der Vorläufer der pikaresken Literatur gilt das im Jahr 55 nach Christi verfasste " Satryricon" von Petronius, welches "eine episodische Reihung der Abenteuer des Nichtstuers Enkolpion" darstellt. Diese episodische Struktur wird später vom europäischen Schelmenroman übernommen. Als ein weiterer Vorläufer kann das im Jahr 170 nach Christi entstandene Werk "Metamorphosen oder Der goldene Esel" von Lucius Apuleius aufgefasst werden. Der Ich-Erzähler dieses Werkes wird auf Grund eines missglückten Zaubers in einen Esel verwandelt. Aus dieser verfremdeten Perspektive berichtet er als Esel von seinem Dienst unter wechselnden Herren, wobei "seine fragmentarische Autobiographie zu einer satirischen Gesellschaftsrevue" wird. Dabei dient [d]ie Koinzidenz von pseudoautobiographischem und paraenzyklopädischem Erzählstrang [...] bei Apuleius wie im Schelmenroman einer satirischen Intention: der Erzeugung der verkehrten Welt durch die perspektivische Umkehr der bestehenden Verhältnisse seitens eines aus der Bahn des gewöhnlichen Lebens geworfenen Beobachters.
Lucius Apuleius Werk umfasst somit eine Reihe pikaresker Elemente, wie man sie später im europäischen Schelmenroman wiederfindet: eine pseudoautobiographische Erzählperspektive, der Dienst des Protagonisten unter wechselnden Herren und der verfremdete Blickwinkel auf das Geschehen.
Nachdem sich der Ich-Erzähler dieses Werkes wieder in einen Menschen verwandelt, erscheint er erläutert und lässt sich zum Priester weihen: Dieses entspricht wiederum dem Erweckungserlebnis des Protagonisten im Schelmenroman.

[...]

Kommentare

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