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Das Londonbild im zeitgenössischen Roman ethnischer Autoren

Examination Thesis, 2005, 87 Pages
Author: Hendrik Marius Rohe
Subject: English Language and Literature Studies - Literature

Details

Institution/College: University of Paderborn
Tags: Londonbild, Roman, Autoren
Category: Examination Thesis
Year: 2005
Pages: 87
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 15  Entries
Language: German
Archive No.: V68687
ISBN (E-book): 978-3-638-60041-5

File size: 534 KB
Notes :
Bei der Examensarbeit wird insbesondere auf die muslimische Community in London eingegangen und hat damit einen Aktualitätsbezug. Als Grundlage dienen die Bücher "White Teeth" und "Brick Lane". Die Arbeit wurde aufgrund einiger formaler und rechtschreiblicher Mängel (Zeitdruck bei Abgabe) "nur" mit gut (2,0) bewertet. Diese wurden aber inzwischen weitgehend behoben. Inhaltlich fand die Arbeit indes bei beiden Gutachtern großen Anklang.



Excerpt (computer-generated)

Universität Paderborn

Das Londonbild im zeitgenössischen Roman ethnischer Autoren

Schriftliche Arbeit im Rahmen der Ersten Staatsprüfung
für das Lehramt Sekundarstufe I/II im Fach Anglistische Literaturwissenschaft

vorgelegt von: Hendrik Marius Rohe
vorgelegt im: Mai 2005

 

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung ... 2

2. Das ‚neue’ Interesse am ethnischen Roman ... 8

3. Minoritäten in London – demographische und historische Aspekte ... 12

4. Zadie Smith’s White Teeth und Monica Ali’s Brick Lane ... 20
4.1 White Teeth ... 20
4.2 Brick Lane ... 21
4.3 Thematische Gemeinsamkeiten und Unterschiede ... 22

5. Das interne Zusammenleben der Immigranten in White Teeth und Brick Lane ... 25
5.1 Immigranten der ersten Generation ... 26
5.2 Die Frau zwischen Tradition und Moderne ... 39
5.3 Immigranten der zweiten Generation und Generationskonflikte ... 49

6. Das Bild der Londoner in White Teeth und Brick Lane ... 64
6.1 Die Londoner ... 64
6.2 Von der Stereotypisierung zum Rassismus ... 73

7. Schlussbetrachtung ... 76

Literaturverzeichnis ... 79

Anhang ... 82

1. Einleitung

The whole world lives in London.

Dieses unter Londonern existierende geflügelte Wort deutet bereits hin auf die multikulturelle Breite, die London zu bieten hat. Einem jeden Besucher, der zum ersten Mal auf einem der großen Flughäfen Londons, wie beispielsweise Heathrow, landet, offenbart sich bereits bei einer Fahrt in die Innenstadt mit der Piccadilly Line die ethnische Vielfalt der britischen Hauptstadt. Man findet Frauen in Saris, die konzentriert an einem Kindersocken stricken oder sich angeregt unterhalten, schwarze Männer mit Turbanen in türkisfarbenen Gewändern, die auf ihrem Handy aufgrund des mangelnden Funkkontakts bereits eine neue Textmitteilung vorformulieren, Chinesen in Anzügen, womöglich auf dem Weg zu einem geschäftlichen meeting und natürlich den ‚weißen’ Engländer im obligatorischen Trikot seines präferierten Fußballklubs. Jedes Stereotyp, das man auf die eine oder andere Weise in seinem gedanklichen Habitus fest implantiert hat, scheint hier seine Berechtigung zu finden. Und an jeder Haltestelle steigt eine Nation aus und eine andere nimmt seinen Platz im Abteil ein.
Diesen ersten Eindruck von London sieht man auch in der Innenstadt selbst bestätigt. Ob man am Piccadilly Circus oder Leicester Square aussteigt, um eines der unzähligen Restaurants aufzusuchen oder sonstige Angebote wahrzunehmen, oder die geschäftige Oxford Street entlangläuft, man wird neben Weißen auch vielen Indern, Kolumbianern, Chinesen, Bengalen, Pakistanern, Afrikanern, um nur einige zu nennen, begegnen und dem eingangs erwähnten Ausspruch zustimmen können. Hier sei darauf hingewiesen, dass es sich bei diesen Menschen gewiss auch um Touristen aus aller Welt handeln kann. Jedoch lassen sich diese Personengruppen auch in einem großen Maße in den Tausenden von Gastronomiebetrieben der Stadt, den mittelständischen Geschäften des Zentrums und der Peripherie, und handwerklichen Betrieben wieder finden, was darauf schließen lässt, dass London für viele dieser Menschen ihre ‚Heimat’ darstellt.

Freilich ist es aber nicht nur die ethnische Mannigfaltigkeit, die London im internationalen Kontext erwähnenswert macht, sondern es sind auch die touristischen Attraktionen und der Reichtum an kulturellen Angeboten. Viele assoziieren mit London aber primär den globalen Wirtschaftsstandort, der im Laufe der Jahrzehnte unzähligen Banken und Firmen den Nährboden für eine erfolgreiche Unternehmens- und Wirtschaftsstruktur in Europa und der ganzen Welt geboten hat und noch bietet und der Menschen aus aller Welt anzieht. Der Tourist verlässt die Stadt in der Regel nach einigen Tagen im ‚Schlaraffenland der Reize’ und kehrt in seine ‚Heimat’ zurück. Der Arbeitnehmer aber, von wo auch immer er gekommen ist, bleibt. Dieser Aufenthalt ist für viele sicherlich nur temporär geplant, ein großer Anteil siedelt sich aber für einen längeren Zeitraum oder gar permanent in London an. Um diese Menschen, die ihre Heimat dauerhaft verlassen haben, um ein neues Leben in London zu beginnen, soll es in dieser Arbeit gehen: die immigrants.

London gilt seit jeher als eine Stadt der Immigration. Die Beweggründe für Immigranten waren dabei verschiedenster Natur, sei es die politische- oder religiöse Verfolgung oder die Suche nach besseren ökonomischen Bedingungen. So kamen seit dem Einfall der Normannen und der Inthronisierung William I im Jahre 1066 über die Jahrhunderte Hunderttausende von Menschen aus aller Welt nach London: etwa die Huguenots im 17. Jahrhundert, die Iren zum Ende des 19. Jahrhunderts, um der hohen Arbeitslosigkeit und den teilweise erbärmlichen Lebensumständen im eigenen Land zu entgehen, oder zahlreiche Juden, die während der Zeit des dritten Reiches aus Angst um ihr Leben Deutschland den Rücken kehren mussten. Das Ende des zweiten Weltkrieges brachte weitere Immigrantenströme insbesondere aus dem von Bomben zerstörten Europa nach London1. Trotz der im Laufe der Jahre implementierten gesetzlichen Beschränkungen zur Regelung von Einwanderung steht London bis heute als Beispiel für Immigration.
In dieser Arbeit soll allerdings nicht das Leben von Immigranten in London im Allgemeinen umrissen werden, sondern in erster Linie das von Immigranten aus den ehemaligen Commonwealth Ländern, wie Indien, Pakistan oder Bangladesch, deren Bewohner in den 50er, 60er und 70er Jahren zu Zehntausenden aus meist ländlichen Gegenden in die englische Hauptstadt, das Zentrum des früheren Empires strömten, um ein besseres Leben zu suchen. Das Hauptaugenmerk soll dabei insbesondere auf bengalische Einwanderer muslimischen Glaubens gelegt werden. Durch die lange, zum Teil suppressive Kolonialherrschaft der Briten in den genannten Ländern hatten sich diese Einwanderer bereits vor ihrer Übersiedlung nach London ein Bild von den Engländern machen können. Dass die Übersiedlung in eine Weltmetropole wie London für viele der größtenteils ländlich geprägten Männer und Frauen eine große Umstellung und Anpassungsgabe erforderte, erscheint logisch.

Vor diesem Hintergrund ist es notwendig, einen Blick auf die familiären Strukturen jener Einwanderer und ihrer über die Jahre in London geborenen Nachkommen zu werfen, um die Lebensumstände in ihren communities näher zu beleuchten. Diese Thematik soll den Schwerpunkt der Arbeit ausmachen.
Einen literarischen Einblick in diese Lebensumstände ermöglichten uns in den letzten 50 Jahren die Romane einiger Autoren außereuropäisch ethnischer Herkunft, wie Sam Selvon’s The Lonely Londoners (1956) oder Hanif Kureishi’s The Buddha of Suburbia (1990), um nur zwei zu nennen. In den Romanen wird die familiäre Gefühlswelt der Immigranten beschrieben und ihre Anpassungsschwierigkeiten an die moderne Gesellschaft Londons.2 Der Beitrag ethnischer Autorinnen zu dieser Thematik Londons erfolgte erst viele Jahre später. Hier können unter anderen die Romane Lara (1997) und The Emperor’s Babe (2001) von Bernadine Evaristo genannt werden.3
Insbesondere jedoch haben die Romane zweier Autorinnen in den letzten fünf Jahren die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit erhalten. Zum einen ist Zadie Smith zu nennen, die mit ihrem Debütroman White Teeth aus dem Jahr 2000 wochenlang in den Bestsellerlisten des Landes stand und mit renommierten Preisen, wie dem Guardian First Book Award und dem Commonwealth Writers Prize ausgezeichnet wurde.4 Die zweite Autorin, deren erster Roman Brick Lane (2003) den kommerziellen Erfolg von White Teeth noch übertraf, ist Monica Ali. Auch Brick Lane erhielt einige Preise und wurde sogar für den Booker Prize in Betracht gezogen. Beide Autorinnen verbindet ihre ethnische Herkunft. Smith wurde 1975 als Tochter eines Engländers und einer Jamaikanerin im Norden Londons geboren und wuchs auch dort auf. 1997 graduierte sie an der University of Cambridge. Heute lebt sie in London. Monica Ali wurde 1968 in Dhaka, Bangladesch, geboren, immigrierte im Alter von drei Jahren nach England und wuchs zunächst in Bolton auf. Später studierte sie an der Oxford University.5 Auch sie ist heute in London wohnhaft. Obwohl die Lebensläufe und persönlichen Lebenserfahrungen beider Autorinnen Gemeinsamkeiten mit in den Büchern vorkommenden Charakteren aufweisen, legen beide Autorinnen nachdrücklich Wert darauf, dass ihre Werke nicht als Autobiographien zu verstehen sind. Die Protagonisten in den beiden Romanen sind also fiktional und müssen den Gedanken und Einfällen ihrer Autorinnen folgen.6 In beiden Büchern geht es im Wesentlichen um Immigrantenfamilien der ersten und zweiten Generation, die tagtäglich ein Aufeinanderprallen von Tradition und Moderne kompensieren müssen und nur sehr langsam in den Prozess der Assimilierung eintauchen. Besonders spannend erscheint dabei der Konflikt zwischen den Generationen.

[...]


1 Central Office of Information, UK 2005: The Yearbook of the United Kingdom of Great Britain and Northern Ireland (London: TSO, 2004), S. 115ff.

2 Pilar Cuder-Dominguez, “Ethnic Cartographies of London in Bernadine Evaristo and Zadie Smith,” European Journal of English Studies, 8 (2004), 174.

3 Ebd. S. 175.

4 Vgl. <http://www.contemporarywriters.com/authors/?p=auth257> (22.02.2005)

5 Vgl. <http://www.contemporarywriters.com/authors/?p=auth03B5N513312634963> (22.02.2005)

6 Vgl. <http://www.u-lit.de/rezension/zadie-smith.html> S.3. (03.03.2005)


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