Die Nationale Raketenabwehr - garantierte Sicherheit zu einem hohen politischen Preis?

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Details
Autor: Daniel Schulz
Fach: Politik - Int. Politik - Thema: Frieden und Konflikte, Sicherheit
Veranstaltung: Der Paradigmenwechsel der US-Nuklearstrategie
Institution/Hochschule: Westfälische Wilhelms-Universität Münster (Institut für Politikwissenschaft)
Jahr: 2004
Seiten: 17
Note: 2,3
Literaturverzeichnis: ~ 14 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 114 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-60091-0
ISBN (Buch): 978-3-638-78291-3
Die Arbeit wurde im Rahmen der o.g. Veranstaltung verfasst. Hauptbestandteile sind die Beschreibung der Funktionsweise eines geplanten Raketenabehrschildes, seine Wirksamkeit sowie eine Analyse der aktuellen Gefahrensituation und der möglichen politischen Kosten.
Zusammenfassung / Abstract
Die USA plant derzeit den Aufbau eines Raketenabwehrschildes um ihr Territorium vor feindlichen Angriffen durch von Interkontinentalraketen transportierten Massenvernichtungswaffen zu schützen. In dieser Arbeit soll untersucht werden, inwiefern US-amerikanische Raketenabwehrsysteme, insbesondere die sich in Planung befindliche Nationale Raketenabwehr, tatsächlich dazu in der Lage sind, dem US-Territorium Schutz zu gewährleisten, und die hiermit verbundenen politischen Kosten rechtfertigen. An den Anfang meiner Untersuchung stelle ich eine kurze Beschreibung der ICBM-Technologie, um die Bedrohung durch Nuklearsprengköpfe und andere Massenvernichtungsmittel mit entsprechender Einsatzreichweite zu verdeutlichen. Im Anschluss folgt eine Erläuterung der Funktionsweise von ABM-Systemen sowie deren Schwächen. Nach einem kurzen Überblick der Entwicklungsgeschichte von ABM-Systemen werde ich die geplante NMD darstellen. Daraufhin sollen die möglichen und bereits eingetretenen internationalen Reaktionen auf das Projekt sowie die politischen Kosten für die USA untersucht werden. Nach einer Analyse der aktuellen und zukünftigen Bedrohungen wird die tatsächliche Notwendigkeit der NMD unter Berücksichtigung der politischen Einflüsse gesehen
Textauszug (computergeneriert)
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Institut für Politikwissenschaft
Hauptseminar: Der Paradigmenwechsel der US-Nuklearstrategie
Die Nationale Raketenabwehr – garantierte Sicherheit zu einem hohen politischen Preis?
Daniel Schulz
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung S. 3
2. Funktionsweise von ballistischen Interkontinentalraketen S. 3
3. Funktionsweise von ABM-Systemen S. 4
4. Schwachpunkte des ABM-Systems und Gegenmaßnahmen S. 5
5. Entwicklungsgeschichtlicher Überblick S. 6
6. Die Nationale Raketenabwehr S. 8
7. Politische Kosten und Reaktionen auf die NMD S. 9
8. Die Bedrohungslage S. 12
9. Fazit S. 15
10. Literaturverzeichnis S. 16
1. Einleitung
Die USA plant derzeit den Aufbau eines Raketenabwehrschildes um ihr Territorium vor feindlichen Angriffen durch von Interkontinentalraketen1 transportierten Massenvernichtungswaffen zu schützen.
In dieser Arbeit soll untersucht werden, inwiefern US-amerikanische Raketenabwehrsysteme2, insbesondere die sich in Planung befindliche Nationale Raketenabwehr3, tatsächlich dazu in der Lage sind, dem US-Territorium Schutz zu gewährleisten, und die hiermit verbundenen politischen Kosten rechtfertigen.
An den Anfang meiner Untersuchung stelle ich eine kurze Beschreibung der ICBM-Technologie, um die Bedrohung durch Nuklearsprengköpfe und andere Massenvernichtungsmittel mit entsprechender Einsatzreichweite zu verdeutlichen. Im Anschluss folgt eine Erläuterung der Funktionsweise von ABM-Systemen sowie deren Schwächen. Nach einem kurzen Überblick der Entwicklungsgeschichte von ABM-Systemen werde ich die geplante NMD darstellen. Daraufhin sollen die möglichen und bereits eingetretenen internationalen Reaktionen auf das Projekt sowie die politischen Kosten für die USA untersucht werden. Nach einer Analyse der aktuellen und zukünftigen Bedrohungen wird die tatsächliche Notwendigkeit der NMD unter Berücksichtigung der politischen Einflüsse gesehen
2. Funktionsweise von ballistischen Interkontinentalraketen
Nach ihrem raketenbetriebenen Start verlässt die mehrstufige ICBM die Erdatmosphäre (Boost Phase) und legt den größten Teil ihres Weges zum Ziel meist antriebslos im Weltraum zurück (Ballistic Phase).Ihre Flugbahn folgt hier den physikalischen Gesetzen der ballistischen Kurve, die sich anhand mathematischer Formeln auch zu Verteidigungszwecken berechnen lässt4. Für den Wiedereintritt in die Atmosphäre und den darauf folgenden Weiterflug zu ihrem Angriffsziel (Reentry Phase) ist das den Sprengkopf enthaltende Projektil durch ein Wiedereintrittsfahrzeug (Reentry Vehicle: RV) vor dem Verglühen geschützt. Durch den ballistischen Flug bei ca. 20facher Schallgeschwindigkeit wird der ICBM eine Reichweite von bis zu 15.000 km ermöglicht. Modernere ICBMs enthalten heute auch Raketenmotoren, um durch Kurskorrekturen bis zum Erreichen ihres Zieles eine größtmögliche Präzision zu gewährleisten. Des Weiteren wird hierdurch ein Abweichen von dem durch die Gesetze der Ballistik vorgeschriebenen Kurs ermöglicht, was die effektive Abwehr des Geschosses erschwert. Eine Verteidigungsmöglichkeit gegen die hier beschriebenen ICBM soll durch ABM-Systeme geboten werden.
3. Funktionsweise von ABM-Systemen
Unter einem ABM-System wird im Allgemeinen ein Verteidigungssystem zur Abwehr feindlicher Interkontinentalraketen verstanden, das zum Schutz bestimmter Punktziele oder größerer Bezirke dient5.
Aufgrund der extrem hohen Geschwindigkeit der ICBM ist ein Abfangen des Projektils trotz genauer Berechnung seiner ballistischen Flugbahn durch ein treffendes Gegengeschoss nahezu unmöglich. Ein Abfangen und Vernichten des offensiven Flugkörpers erfolgt nun ebenfalls durch die Nutzung eines nuklearen Sprengkopfes, der die ICBM nicht direkt treffen, sondern vor ihrem Eindringen in die Atmosphäre in ihrer Nähe explodiert. Bei dieser Nuklear-Explosion wirken Kernstrahlung, thermische Strahlung und die physische Wirkung des expandierenden Feuerballs auf die ICBM ein. So können die Neutronen- und Gammaimpulse der freigesetzten Kernstrahlung bei einem Wirkungsradius von 3 bis 16 km zu Fehlfunktionen und Funktionsveränderungen in den Bauelementen und Schaltkreisen führen. Die thermische Strahlung und der Feuerball können bei einem Wirkungsradius von bis zu 11 km zu einer Aufheizung der Offensivwaffe führen und im Idealfall den Sprengsatz zerstören6. Die Zerstörung der ICBM ist allerdings durch diese Abwehrmaßnahmen nicht garantiert. So kann der Wirkungsradius der ABM durch Modifikationen an der Offensivwaffe herabgesetzt werden. Derartige Maßnahmen wären beispielsweise die Zusammenfassung der Elektronik in abgeschirmte Bereiche, die Nutzung gehärteter Bauteile oder ein Oberflächenschild.
Der gezielte Einsatz von Abwehrraketen (Ground Based Interceptor: GBI) ist jedoch ohne das Zusammenspiel der ABM-Untersysteme, bestehend aus Radargeräten (Ground Based Radar: GBR) und Rechenzentren unmöglich7, müssen die Zielkoordinaten für die Abwehr-Raketen doch, nachdem das Radarsystem die angreifende ICBM geortet hat, von den Computern errechnet werden. Hinzu kommt noch eine Vielzahl von Nachrichtenverbindungen und Überwachungseinrichtungen (Battle Management/ Command, Control and Communications: BM/C3).
Genau diese Untersysteme stellen aber auch einen Schwachpunkt des ABM-Systems dar.
4. Schwachpunkte des ABM-Systems und Gegenmaßnahmen
[...]
1 Im Folgenden auch ICBM (Intercontinental Ballistic Missile) genannt
2 Im Folgenden auch ABM (Anti-Ballistic Missile Defence) genannt
3 Im Folgenden auch NMD (National Missile Defence) genannt
4 Vgl. http://www.globalsecurity.org/wmd/intro/bm-icbm.htm (14.07.04)
5 Vgl Chayes, A. / Wiesner J. (Hrsg.): Raketenkrieg – Expertenmeinungen zum ballistischen Raketen-Abwehrsystem. Frankfurt/M 1970 S. 293
6 Bundesministerium der Verteidigung: Forschungsbericht aus der Wehrtechnik – ABM-Systeme – Kernphysikalische Aspekte. Bonn 1970 S. 3ff
7 Vgl. Chayes (1970) S. 30
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