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Scholary Paper (Seminar), 2005, 45 Pages
Author: Ronny Barthold
Subject: Art - Miscellaneous
Details
Institution/College: University of Leipzig (Kunstgeschichte)
Tags: Leipziger, Marktwesen, Situation, Großmarkthalle, Rossplatz, Seminar, Leipziger, Markthalle, Kunstgeschichte, Architektur, 19. Jahrhundert, Leipzig, Markt, Marktgeschichte, Handel, Handelswesen, Gesellschaft, Gesellschaftswandel
Year: 2005
Pages: 45
Grade: bestanden
Bibliography: ~ 51 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-61260-9
ISBN (Book): 978-3-638-91722-3
File size: 6175 KB
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Abstract
Mit der Stadt Leipzig verbindet man wohl zu allererst die seit dem 16. Jahrhundert abgehaltene bedeutende Warenmesse. Aber neben dem jährlich mehrmals stattfindendem Messehandel „versorgte“ sich die Bevölkerung hauptsächlich durch wöchentlich abgehaltene so genannte „offene Wochenmärkte“. Titel und Thema dieser Arbeit ist ein kurzer Überblick über das Wesen des Marktes in Leipzig vor dem Bau der Großmarkthalle auf dem Rossplatz. Weiterhin wird versucht, die Frage zu klären, warum es nötig erschien, dem Markthandel zum ausgehenden 19. Jahrhundert einen festen Baukörper zur Verfügung zu stellen. Hauptaugenmerk hierbei soll auf der historisch gewachsenen Gestalt des Leipziger Markthandels im letzten Jahrzehnt vor der Unterbringung des Marktes in einem speziellen Gebäude liegen. Vor allem Händler, Warenangebot, sowie Verkaufsflächen und der eigentliche "Markt" werden auf ihr typisches Erscheinungsbild speziell für die Leipziger Märkte - in Hinsicht auf die bevorstehende Ausstellung zum vorläufigen Thema „Die Großmarkthalle auf dem Rossplatz“ - hin betrachtet. Der Autor: Ronny Barthold (Jahrgang 1978) studierte an der Universität Leipzig Kunstgeschichte, Linguistik sowie Ur- und Frühgeschichte. Er ist als u.a. freier Journalist für den Hörfunk tätig.
Excerpt (computer-generated)
Universität Leipzig
Seminar: Die alte Leipziger Markthalle
Das Leipziger Marktwesen –
Die Situation um 1880 bis zum Bau der Großmarkthalle auf dem Rossplatz
von: Ronny Barthold
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung ...1
2. Querschnitt ...1
2.1. Abriss I: Zur Stadtentwicklung Leipzigs unter dem Blickwinkel des Handels ...1
2.2. Abriss II: Zur Stadtentwicklung Leipzigs im letzten Drittel des ausgehenden 19. Jahrhunderts ...3
2.3. Die Situation der offenen Wochenmärkte vor dem Bau der städtischen Markthalle ...4
3. Der Leipziger Wochenmarkt: Versuch einer Definition ...5
4. Ein Markttag: Verlauf und Einteilung ...7
4.1. Produkte und Waren ...9
4.2. Konkurrenten unter sich: Groß- und Kleinhändler, Ladenbesitzer und Markttreibende ...10
4.3. Marktvolk, -Vergnügen und Hausierer ...12
4.4. Budenstadt und Buden satt: Die Verkaufsflächen ...15
5. Probleme und Unzulänglichkeiten ...17
6. Der Markthallen-Gedanke ...19
6.1. Proklamation der Errichtung einer Markthalle in Leipzig ...19
7. Zusammenfassung ...21
Anhang:
8. Auswahlbibliographie, Literatur- und Quellennachweise ...23
8.1 Verwendete, zitierte und ausgewählte Literatur ...23
8.2 Ungedruckte Quellen ...26
9. Abbildungen ...27
10. Abbildungsverzeichnis ...41
1. Einleitung
Leipzig. Mit dem Namen dieser Stadt verbindet man wohl zu allererst die seit dem 16. Jahrhundert abgehaltene bedeutende Warenmesse. Aber neben dem jährlich mehrmals stattfindendem Messehandel „versorgte“ sich die Bevölkerung hauptsächlich durch wöchentlich abgehaltene so genannte „offene Wochenmärkte“. Titel und Thema dieser Arbeit soll nun ein kurzer Überblick über das Wesen des Marktes in Leipzig vor dem Bau der Großmarkthalle auf dem Rossplatz sein. Weiterhin soll versucht werden, die Frage zu klären, warum es nötig schien, dem Markthandel zum ausgehenden 19. Jahrhundert einen festen Baukörper zur Verfügung zu stellen. Hauptaugenmerk hierbei soll auf der historisch gewachsenen Gestalt des Leipziger Markthandels im letzten Jahrzehnt vor dem eigentlichen Verlagern des Marktes in ein spezielles Gebäude liegen. Vor allem Händler, Warenangebot, sowie Verkaufsflächen und der eigentliche Markt werden auf ihr Aussehen und ihr Erscheinungsbild speziell für die Leipziger Märkte in Hinsicht auf die bevorstehende Ausstellung zum vorläufigen Thema „Die Großmarkthalle auf dem Rossplatz“ hin betrachtet.
2. Querschnitt
2.1. Abriss I: Zur Stadtentwicklung unter dem Gesichtspunkt des Handels
Mit den Worten von Hartmut Zwahr beginnend, sind hauptsächlich „2 Jahrmärkte aus der Tiefe der Leipziger Frühgeschichte emporgewachsen“.* 1 Der erste Leipziger Markt entstand am heutigen Richard-Wagner-Platz in der Nähe der Schnittpunkte der antiken Routen Via Regia und der Via Imperii unterhalb der Alten Burg am Suburbium2 und ist eng mit der um 1161 erstmals erwähnten Marktsiedlung verknüpft.3 Der in späteren Zeiten dort abgehaltene Eselsmarkt stellte also die Fortsetzung des ältesten Stadtmarktes dar. Als zweiter Markt wird der Alte Neumarkt, welcher ab ca. 1270 südlich der Nikolaistraße abgehalten worden ist, angenommen. Den chronologisch dritten Platz nimmt die „Handelsfläche“ auf dem Areal vor dem heutigen Alten Rathaus ein.4 Dieser, ehemals als Lehmgrube und Ziegelbrennerei benutzte Platz unter der bildhaften Bezeichnung „das Loch“ 5, ist seit 1420 als Haupt- und Wochenmarkt, Hinrichtungsstätte und Hauptort der drei Leipziger Messen bis zur Wandlung von der Waren- zur Mustermesse überliefert.6 Neben diesen drei ältesten Marktstätten haben sich jedoch weitere Märkte auf dem Gebiet der mittelalterlichen Stadt (Abb. 01a und Abb.01b, Abb.02a – 02e) entwickelt. Diese Märkte waren im Laufe der Zeit unter anderem auf dem Naschmarkt hinter dem Alten Rathaus, dem Töpfermarkt unterhalb der Matthäi-Kirche, dem Obstmarkt südlich der Pleißenburg und dem Rossmarkt gegenüber der Moritzbastei entstanden.7 An späterer Stelle soll neben anderen auch auf diese Marktstätten noch einmal kurz eingegangen werden.
Besonderes Charakteristika des Leipziger Marktes war, dass dieser nicht allein auf den genannten Plätzen stattfand8, sondern vor allem in den Straßen (Abb.03) um und an den eigentlichen Marktflächen: Zum Beispiel befanden sich die so genannten Brot- und Fleischbänke (Abb.04) – vom ausgehenden Mittelalter bis zum Bau der Großmarkthalle wichtigster Bestandteil der Lebensmittelversorgung – nicht auf oder an einem großflächigen Platz, sondern in einem Gebäude zwischen Naschmarkt und Reichsstrasse; weitere Märkte (Abb.05) in Hain-, Katharinen-, Brühl- und Nikolaistrasse.9 Ebenfalls belegt ist, dass fahrende Händler und Hausierer mit ihren Wagen (Abb.06) und grob gezimmerten Bauchläden oder Kisten durch die Gassen zogen und ihre Waren der „laufenden Kundschaft“10 anboten. Leipzig besaß bezüglich ihrer Beschaffenheit also zwei Märkte: einen (auf (Strassen und) Plätzen) „feststehenden“ und einen „beweglichen“.11
2.2. Abriss II: Zur Stadtentwicklung im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts
Zwischen 1161 und 1170 erhielt Leipzig als Marktsiedlung das Stadtrecht und entwickelt sich durch kaiserliche, sowie päpstliche Privilegien und die damit verbundene Förderung für seine Jahrmärkte zu einem bedeutenden Handelszentrum des Mittelalters und in dessen Folge auch der Neuzeit.12 Mit dem Funktionsverlust der Fortifikationen und Bastionen durch, die im Zuge des hauptsächlich militärischen Eindringens Napoleons entstandenen Schäden, folgte auch in Leipzig – etwa gleichzeitig mit anderen mitteleuropäischen Städten – das Auflassen der Befestigungen und bot sich die Möglichkeit, die Stadt vom historischen Kern ausgehend auf umliegende Vorstädte und –Orte auszuweiten. Im Zuge der deutschen Industriellen Revolution und der folgenden Hochindustrialisierung der 1870er Jahre nahm die Stadt Leipzig ab 1871 mit etwa 105.000 Einwohnern13 Großstadtstatus ein.14 Neben der Funktion als historisch gewachsene Handelsmetropole stieg nun (vor allem im Maschinenbau) auch die Bedeutung als Industriestandort.15 Neue Produktionsstätten siedelten sich wegen der mittelalterlich geprägten Stadtstruktur aber hauptsächlich außerhalb des, auf dem ehemaligen Glacis16 angelegten Promenadenringes an und beeinflussten somit die überlieferten Marktstätten nicht.17
Die nächste große Eingemeindungswelle zwischen 1889 und 1892 hatte einen Bevölkerungsanstieg von ca. 105.000 auf 371.000 Einwohner zur Folge. Spätestens jetzt wurden eine neue Daseinsvorsorge und immer größere Verwaltungsaufgaben erforderlich.18 Dies führte neben anderem anschließend zur Zentralisierung der Märkte in der späteren Großmarkthalle und bereits 1848/49 zur Entlastung der traditionellen Marktstätten während des Messeverkehrs zum Bau der Centralhalle am Dittrichring (Abb.07).19
2.3. Die Situation der offenen Wochenmärkte vor dem Bau der städtischen Markthalle
[...]
* Anm.: Die Quellen unter den jeweiligen Fußnoten sind nicht chronologisch geordnet angegeben, sondern hierarchisch nach ihrer „Wertigkeit“ für den jeweiligen Referenzpunkt abgestuft.
1 Zwar, Helmut: Die Messe in ihrem Gestaltwandel, In: Bentele, Günter (Hg.): Leipzigs Messen 1497-1997, Teilband 1, Köln – Weimar – Wien 1999: S.22
2 Anm.: Die Burg Leipzig (urps Lipsk) fand erstmalige Erwähnung um 1015 in der Chronik des Merseburger Bischofs Thietmar. Vgl. Hoquél, Wolfgang: Leipzig – Architektur von der Romanik bis zur Gegenwart; Passage-Verlag: S. 294
3 Hoquél, Wolfgang: Leipzig – Architektur von der Romanik bis zur Gegenwart; Passage-Verlag: S.9 vgl. S.12
4 Anm.: Hartmut Zwahr spricht von dem so genanntem „Neumarkt“ ab 1458 als chronologisch dritten Markt in Leipzig. Vgl. Zwar, Helmut: S.22
5 Rodekamp, Volker (Hg.): Das Alte Rathaus; Leipzig 2004: S.12 f.; Anm. Ähnliche „Löcher“ gab es auch in anderen Städten, wie zum Beispiel Dresden.
6 Stephan, Michael: S.13
7 Stephan, Michael: S.13
8 Anm.: Also nicht unbedingt ein vorrangiger Platz-Markt gewesen ist.
9 Stephan, Michael: S.13 f.
10 Anm.: Eine ähnliche Verkaufsstrategie findet man heute bei bestimmten Tiefkühlkost-Anbietern, welche ihre Waren direkt vor der Haustür der stamm- und Neukundschaft anbieten und verkaufen.
11 Vgl. StadtAL StVAkt M Nr. 1 Band 3: Nr.189
12 Brockhaus Universallexikon in drei Bänden, Band GP-PHNOM; F.A. Brockhaus GmbH, Sonderausgabe, Mannheim – Augsburg 2000: S.298
13 Vgl. Stephan, Michael: Die städtische Markthalle zu Leipzig – eine Quellenübersicht; Dipl.-Arbeit an der HTWK zu Leipzig, Leipzig 2001: S.7
14 Stephan, Michael: S.10 f. vgl. Wehler, Hans-Ulrich: Deutsche Gesellschaftsgeschichte Band 3, Verlag C.H. Beck, München 1995: S.702, Anm.: Die Industrialisierung setzt in etwa mit dem Bau eines sächs.-deutsch. Eisenbahnzentrums mit Leipzig als Zentrum ein. Vgl.: Brockhaus: S.298
15 Stephan, Michael: S.11
16 Anm.: Als „Glacis“ wird die, vor den Fortifikationen einer Stadt liegende, meist freie und unbebaute Fläche bezeichnet. Im Falle eines militärischen Angriffes auf die betreffende Stadt konnte der anrückende Feind bereits von weitem gesehen und entsprechende Maßnahmen getroffen werden. Aus diesem Grunde bestand meist ein uneingeschränktes Bebauungsverbot für das Glacis. Im Falle einer Bauerlaubnis war diese üblicherweise eingeschränkt, so das errichtete Bauten und Wohnhäuser im Angriffsfalle meist entschädigungslos abgerissen werden mussten. Außerhalb von Gefahrenzeiten wurde das Glacis für gewöhnlich als Grün-, Park- und Erholungsfläche genutzt. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden in Europa die meisten Glacisflächen durch neue, weiterreichende Artilleriegeschütze überflüssig, während der ersten großen „Entfestigungswelle“ aufgelassen und bebaut. (Bsp.: Paris, Wien, Leipzig, u.v.a.) Vgl. Mollik, Reinig, Wurzer: Planung und Verwirklichung der Wiener Ringstrassenzone, Franz-Steiner-Verlag, Wiesbaden 1980, S.1 ff. vgl. Baltzarek, Hoffmann, Stekl: Wirtschaft und Gesellschaft der Wiener Stadterweiterung, In: Die Wiener Ringstrasse, Franz Steiner Verlag, Wiesbaden 1975, S. 16 ff.
17 Stephan, Michael: S.11
18 Stephan, Michael: S.11
19 Topfstedt, Th.: Orte der Messe in Leipzig, In: Bentele, Günter (Hg.): Leipzigs Messen 1497-1997, Teilband 1, Köln – Weimar – Wien 1999: S.30
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