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Termpaper, 2007, 22 Pages
Author: Julian Hamann
Subject: Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal
Details
Tags: Religion, Kontrolle, Philosophie, Thomas, Hobbes
Year: 2007
Pages: 22
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 18 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-61268-5
File size: 157 KB
Wie ist das Verhältnis von Politik und Religion im "Leviathan"? Welche Möglichkeiten der politischen Kontrolle von Religion gibt es bei Hobbes?
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Excerpt (computer-generated)
Religion und ihre politische Kontrolle in der politischen
Philosophie von Thomas Hobbes
von: Julian Hamann
Einleitung 3
1. Hobbes’ politische Philosophie 6
1.1 Allgemeine Einführung 6
1.1.1 Anthropologische Annahmen 6
1.1.2 Der Vertrag 7
1.2 Das Gesetzessystem 9
1.2.1 Die natürlichen Gesetze 9
1.2.2 Das bürgerliche/positive Gesetz 10
2. Die Rolle der Religion 12
2.1 Das Verhältnis zwischen Souverän und Gott 13
2.2 Das Verhältnis zwischen Souverän und Untertanen 15
3. Schlussfolgerungen 18
Literaturverzeichnis 21
Einleitung
Die Neubegründung der politischen Philosophie in der Neuzeit ist ohne Thomas Hobbes schwer vorstellbar. Mit seinem wissenschaftlich-philosophischen System hat er die traditionellen philosophischen Grundlagen des politischen Denkens revolutioniert. Ausgehend von den Veränderungen der zeitgenössischen Metaphysik und Wissenschaft und den tief greifenden Umwälzungen der Sozialwelt und des politischen Raums entwickelte Hobbes einen szientistischen Denkstil, dessen erkenntnistheoretische Grundlagen von den Genauigkeitsidealen und den methodischen Verfahrensweisen der modernen mathematischen Naturwissenschaften bestimmt waren. Zum ersten Mal wurden für die Erklärung der seelischgeistigen Vorgänge im Menschen die Gesetze der mathematischen Physik angewendet. Hobbes war überzeugt, den Frieden unter Menschen mit der gleichen Exaktheit konstruieren zu können, mit der der Mathematiker geometrische Figuren konstruiert (vgl. Braun 1963, 49, 178). Diese Orientierung am naturwissenschaftlichen Vorbild macht Hobbes zum ersten Philosophen, der „mit unüberbietbarer Radikalität das für die Neuzeit charakteristische Programm des Reduktionismus im Theoretischen wie im Praktischen in seine Theoriekonzeption aufgenommen hat.“ (Kersting 2002, 10)
Die von Hobbes entwickelte politische Philosophie besitzt nach wie vor Aktualität. Abgesehen davon, dass sie den theoretischen Grundstein für zahlreiche andere Theorien nach ihr gesetzt hat, gibt das theoretische Konstrukt des „Leviathan“1 Antworten auf viele aktuelle politische Debatten. Der Grund für die anhaltende Fruchtbarkeit dieses Werkes liegt, so Wolfgang Kersting, in der denkerischen Radikalität, mit der Hobbes die sozialen, politischen und ökonomischen Neuerungen der Moderne „gleich zu Anfang klar erfaßt“ und „die ordnungspolitischen und legitimationstheoretischen Implikationen der modernitätsspezifischen Desillusionierung nüchtern entfaltet“ habe (Kersting 2002, 10). Konkret findet sich der Bezug auf von Hobbes entwickeltes Gedankengut in vielen politischen Debatten wieder. Beispielsweise warf Jürgen Habermas seinen Gegnern in der Diskussion um zivilen Ungehorsam bei dem Widerstand gegen die Stationierung amerikanischer Pershing II-Raketen in den 80er-Jahren einen aus demokratiepolitischen Gründen abzulehnenden „deutschen Hobbismus“ vor2 (Habermas 1985, 107-109). Auch bei der Diskussion um politische Themen wie Neokonservativismus3 oder Umweltpolitik4 bezieht man sich regelmäßig auf die politische Philosophie von Thomas Hobbes. Weiterhin wird man auch bei einem Vergleich aktueller liberaler Positionen mit dem Hobbesschen Denken viele Parallelen finden: die für die Aktivität der Privaten vorgesehenen Freiheitsräume im Inneren des Staates werden von diesem vor den Übergriffen anderer Untertanen oder äußerer Mächte geschützt. Dieser Schutz gewährleistet wirtschaftliche Prosperität. Natürlich unterscheidet aber vor allem das (in dieser Arbeit noch zu behandelnde) Interpretations- und Machtmonopol des Souveräns die im „Leviathan“ entwickelte Position vom liberalen Denken (vgl. Euchner 1982, 188-190).
In dieser Arbeit soll das Verhältnis von Politik und Religion im „Leviathan“ herausgearbeitet werden. „Obwohl die politische Philosophie von Hobbes in den letzten Jahrhunderten sehr gründlich untersucht wurde, blieb vor allem die Theologie bei Hobbes und damit zusammenhängend auch das Verhältnis von Politik und Religion bei diesem Denker viel zu wenig beachtet.“ (Palaver 1991, 16). Grund für diesen wissenschaftlichen Rückstand könnte unter anderem die Annahme sein, dass Hobbes oft als Atheist (miss)verstanden wurde und wird und seiner politischen Theologie in der Folge lediglich eine Alibifunktion zum persönlichen Schutze Hobbes’ zugesprochen wurde. Auf die Frage nach der religiösen Überzeugung der Person Hobbes wird in dieser Arbeit allerdings nur kurz unter Punkt zwei eingegangen. Zunächst wird unter Punkt eins eine allgemeine Einführung in Hobbes’ politische Philosophie und in das im „Leviathan“ entwickelte Gesetzessystem stattfinden. Diese Ausführungen werden so knapp wie möglich gehalten, weil es erstens schon viele ausführliche allgemeine Behandlungen dieses Themenbereichs gibt und weil zweitens die Fragestellung der vorliegenden Arbeit durch eine ausufernde Einführung nicht in den Hintergrund geraten soll. Der zweite Ordnungspunkt wendet sich dann dem Stellenwert der Religion im Werk von Thomas Hobbes zu. Unter diesem Blickwinkel soll sowohl das Verhältnis zwischen Souverän und Gott (2.1) als auch zwischen dem Souverän und seinen Untertanen (2.2) untersucht werden. Das Ende der Arbeit bilden die abschließenden Betrachtungen unter Punkt drei. Hier wird besonders der Aspekt der politischen Kontrolle von Religion in der politischen Philosophie von Hobbes untersucht.
1. Hobbes’ politische Philosophie
1.1 Allgemeine Einführung
[...]
1 Zur Begriffsgeschichte und mythischen Bedeutung des Leviathan sei exemplarisch auf Kersting (2002, 41-42) und auf Brandt (1982, 201-231) verwiesen.
2 „Auch wenn wir uns vom deutschen Trauma lösen, bleibt hierzulande jener eigentümliche Hobbismus wirksam, den Carl Schmitt in der deutschen Staatsrechtslehre vertreten hat und der inzwischen mit konservativen Denkgewohnheiten anderer Herkunft eine Verbindung eingegangen ist. […] Hobbes hatte gegen das klassische Widerstandsrecht eingewendet, das höchste staatlich garantierbare Gut, nämlich der innere Friede und die Sicherheit der Bürger, würde aufs Spiel gesetzt, wenn letztlich jeder Staatsbürger selbst entscheiden müßte, wann eine Situation gerechtfertigten Widerstandes eintritt. Statt dessen soll jede Form der Herrschaft, die hinreichend effektiv ist, um jenes gut herzustellen, also den inneren Frieden zu erzwingen, auch schon als legitim gelten.“ (Habermas 1985, 107-108)
3 Hier wird ein starker, ordnender Staat und die Ablösung des Sozialstaats gefordert. Der Leviathan bildet für dieses Vorhaben die analytische Folie (vgl. Saage 1981, 269).
4 „Der »neue Hobbismus« rekurriert bei seinen Überlegungen auf ökonomische Analysen und spieltheoretische Modelle, die die Übereinstimmung der gegenwärtigen Situation mit Hobbes’ Konzept vom Naturzustand erweisen sollen.“ (Nonnenmacher 1989, 270). Als Lösung des Problems wird ein „neuer ökologischer Leviathan“ gefordert, von dem sich seine Befürworter die Durchsetzung eines kollektiven Verzichts auf Selbstinteressen versprechen (vgl. kritisch dazu: Nonnenmacher 1989, 269-275).
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