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Berufliche Sozialisation

Script, 2007, 57 Pages
Author: Kathrin Reif
Subject: Pedagogy - Pedagogic Sociology

Details

Category: Script
Year: 2007
Pages: 57
Bibliography: ~ 28  Entries
Language: German
Archive No.: V69120
ISBN (E-book): 978-3-638-61271-5

File size: 1502 KB

Abstract

„Die Erwerbstätigkeit selbst ist mit unterschiedlichen Chancen für berufliche Kontinuität, Handlungsspielraum, Gesundheit und Aufstieg, aber auch mit Risiken beruflicher Diskontinuität, Belastungen, Erkrankungen und Dequalifizierung verbunden. Die inhaltlichen und zeitlichen Aspekte der Arbeit wirken sich auch auf die Betätigungen in der Freizeit aus“ (Heinz, 1999, S. 51). Um Berufsbiographien verstehen zu können, ist es daher wichtig, sich mit dem Begriff der "beruflichen Sozialisation" auseinanderzusetzen. Denn Zusammenhänge zwischen Ausbildungs- und Berufsverläufen werden aufgrund der Veränderungen der Arbeitsverhältnisse zu individualisierten Biographien, das Berufsbild (= Anforderungen, Inhalte, Chancen, Risiken) dient als Orientierung für den Lebenslauf und Arbeitsbedingungen und Berufsverlaufsmuster stehen in Wechselbeziehung mit Arbeitserfahrungen und Berufsbiographien. So können Erwerbslosigkeit, materielle und soziale Ab- und Aufstiegsprozesse sowie Zeitpunkt und Verarbeitungsweisen des Ruhestands den ganzen Lebenslauf bestimmen. In dieser Arbeit soll in Bezug auf "berufliche Sozialiation" folgendes beleuchtet werden: - Definitionen und Grundlagen des Begriffs der "beruflichen Sozialisation" sowie Strukturen und Wirkungen im Sozialisationsprozess - Bedeutung der beruflichen Sozialisation für die Erwachsenen-/Weiterbildung - Lebenslauftheoretische Ansätze in der Sozialisationsforschung (v.a. Struktur des Lebenslaufs sowie De-Institutionalisierung und Individualisierung der Erwerbsbiographie nach Kohli, 1985) - Bedeutung von Beruf und Erwerbstätigkeit in Bezug auf Arbeitsmotivation, Arbeitszufriedenheit sowie Stress und Belastung am Arbeitsplatz - Laufbahnentwicklungstheorie nach Super (1957) - Unterscheidung zwischen Sozialisation "für" und Sozialisation "durch" Berufsarbeit - Berufliche Sozialisation und Wandel der Arbeitsverhältnisse - Organisationale Sozialisation und berufliche Entwicklung - Phasen der Berufsbiographie und Persönlichkeitsentwicklung (familiale Sozialisation, vorberufliche Sozialisation, Berufswahl, Berufsausbildung, Arbeitserfahrung, Berufsverläufe von Frauen, Arbeitslosigkeit, Ruhestand, Verhältnis von Arbeit und Freizeit)


Excerpt (computer-generated)

Berufliche Sozialisation

von: Kathrin Reif

 


Inhaltverzeichnis

1. Einführung 4

1.1 Definitionen und Grundlagen des Sozialisationsbegriffs 4
1.2 Paradigmen der Forschung zur beruflichen Sozialisation 6
1.3 Strukturen und Wirkungen im Sozialisationsprozess  7
1.4 Sozialisation und Erwachsenenbildung 9

2. Lebenslauftheoretische Ansätze in der Sozialisationsforschung (nach Kohli, 1985-1999)  11

2.1 Forschungsschwerpunkte 11
2.2 Struktur des Lebenslaufs  12
2.3 Biographie und Erfahrung  13
2.4 De-Institutionalisierung der Erwerbsbiographie 14
2.5 Individualisierung der Erwerbsbiographie 14

3. Bedeutung von Beruf und Erwerbstätigkeit  18

3.1 Arbeitsmotivation  18

3.1.1 Inhaltsorientierte Konzepte 18
3.1.2 Prozessorientierte Konzepte 20

3.2 Arbeitszufriedenheit  22
3.3 Stress und Belastung  23

3.3.1 Definitionen  23
3.3.2 Stressoren und Entlastungsfaktoren 24

4. Laufbahnentwicklungstheorie (nach Super, 1957)  26

4.1 Allgemeine Laufbahnentwicklung  26
4.2 Determinanten der Laufbahnentwicklung  27

4.2.1 Wirtschaftliche, soziale und institutionelle Bedingungen 27
4.2.2 Individuelle Bedingungen  28

5. Sozialisation für und durch Berufsarbeit 30

5.1 Moralische Sozialisation im Beruf (nach Lempert, 1995)  31
5.2 Wandel der Arbeit und betriebliche Sozialisation  32

6. Organisationale Sozialisation und berufliche Entwicklung 34

6.1 Bedeutung organisationaler Sozialisation  34
6.2 Methoden organisationaler Sozialisation 35

6.2.1 Karriereentwicklungsprogramme  35
6.2.2 Mentoring 36

6.3 Selektion und organisationale Sozialisation  37
6.4 Indikatoren erfolgreicher beruflicher Entwicklung und organisationaler Sozialisation 37

7. Arbeitsbiographie, Berufsbiographie und Persönlichkeitsentwicklung 40

7.1 Berufliche und familiale Sozialisation 40
7.2 Vorberufliche Sozialisation  41
7.3 Berufswahl 42

7.3.1 Berufswahl als „freie Entscheidung“?  42
7.3.2 Theorien der Berufswahl 44

7.4 Berufsausbildung  46
7.5 Arbeitserfahrungen und Persönlichkeitsentwicklung 47

7.5.1 Psychosoziale Funktionen der Erwerbsarbeit (Semmer & Udris, 2004)  47
7.5.2 Arbeits- und Berufserfahrung  48
7.5.3 Arbeitsmerkmale und Persönlichkeitsaspekte  49

7.6 Berufsverläufe von Frauen  50
7.7 Erwerbslosigkeit  52
7.8 Übergang in den Ruhestand  53
7.9 Zusammenhänge zwischen Arbeit und Freizeit 54

Literatur  55


 

 

1. Einführung

„Die Erwerbstätigkeit selbst ist mit unterschiedlichen Chancen für berufliche Kontinuität, Handlungsspielraum, Gesundheit und Aufstieg, aber auch mit Risiken beruflicher Diskontinuität, Belastungen, Erkrankungen und Dequalifizierung verbunden. Die inhaltlichen und zeitlichen Aspekte der Arbeit wirken sich auch auf die Betätigungen in der Freizeit aus“ (Heinz, 1999, S. 51).

Berufsbiographien:

• Zusammenhänge zwischen Ausbildungs- und Berufsverläufen werden aufgrund der Veränderungen der Arbeitsverhältnisse zu individualisierten Biographien
• Berufsbild (= Anforderungen, Inhalte, Chancen, Risiken) als Orientierung für den Lebenslauf
• Arbeitsbedingungen und Berufsverlaufsmuster stehen in Wechselbeziehung mit Arbeitserfahrungen und Berufsbiographien

Sonstige Einflüsse auf die Arbeitsbiographie:

• Erwerbslosigkeit
• Materielle und soziale Ab- und Aufstiegsprozesse
• Zeitpunkt und Verarbeitungsweisen des Ruhestands

Zugangskriterien und Mobilitätschancen einzelner Berufe definiert durch ...

• Berufsbildung
• berufsfachliche und betriebliche Arbeitsmarktsegmente

1.1 Definitionen und Grundlagen des Sozialisationsbegriffs

Grundbegriffe:

„Beruf als Inbegriff spezialisierter Tätigkeiten, deren Ausübung die Ausbildung besonderer (sensumotorischer und intellektueller) Fähigkeiten und allgemeinerer sozialer Orientierungen (z. B. Kooperationsbereitschaft) voraussetzt und langfristig, wenn auch nicht immer lebenslang, durch Einkommen vergütet wird;
Sozialisation als Entwicklung, d.h. Veränderung oder auch Stabilisierung von Persönlichkeitsstrukturen durch die Auseinandersetzung (Interaktion / Wechselwirkung) mit sozialer sowie sozial gestalteter gegenständlicher Umwelt“ (Lempert, 1995, S. 343). „Sozialisation richtet sich nicht auf eine unveränderliche Rolle, sondern auf eine sich verändernde Gesellschaft, sie bedeutet also Beteiligung an einem historischen Prozess“ (Kohli, 1991, S. 308).
„Lernen als erfahrungsbedingte Erweiterung des Wissens, Könnens und der Handlungsfähigkeit überhaupt“ (Lempert, 1995, S. 343).

Berufliche Sozialisation:

• „wenn es sich, im Unterschied zur fachlichen Qualifizierung, um Lernen und Verlernen für und durch unmittelbar soziale Aspekte gesellschaftlich organisierter Ausbildung und Arbeit dreht, und
• wenn diese Prozesse nicht pädagogisch geplant und kontrolliert ablaufen, sondern eher Begleiterscheinungen anderer Lern- oder Arbeitsprozesse darstellen, die im Zentrum der Aufmerksamkeit der Beteiligten stehen“ (Lempert, 1995, S. 343) berufliche Sozialisation vs. berufliches Lernen Sonderfall: „Im kasuistischen Lernen [= fallweise Anwendung, Differenzierung und Reintegration systematischen Wissens und Könnens in konkreten beruflichen Aufgabenstellungen] fallen berufliche Sozialisation – als Persönlichkeitsveränderung in Auseinandersetzung mit sozialer Umwelt – und berufliches Lernen – soweit es die Steigerung beruflicher Handlungsfähigkeit einschließt – zusammen“ (Lempert, 1995, S. 348). „Berufliche Sozialisation ist [also]... kein Determinationsprozess der Persönlichkeit durch Arbeit, sondern ein Prozess der aktiven Auseinandersetzung der Individuen mit ihrer Berufsrealität“ (Heinz, 1999, S. 63; vgl. Heinz, 1988).
• Formung berufsspezifischer Vorstellungen und Einstellungen
• Transformation grundlegender kognitiver Fähigkeiten (z. B. intellektuelle Handlungsregulation), basaler sozialer Orientierungen (z. B. Kooperationsbereitschaft) und der Sicht der eigenen Person (z. B. Macht- / Ohnmachtsbewusstsein)

Weitere Definitionen:

• „’Organisationale Sozialisation’ steht für die Vermittlung von Wissen, Fertigkeiten und Kenntnissen, Regeln, Normen, Rollenerwartungen und Werten von Organisationen an Individuen (Organisationsmitglieder). ...
’Berufliche Entwicklung’ fokussiert die Sichtweise des Individuums ... Organisationale Sozialisation kann zwar auf die berufliche Entwicklung nachhaltigen Einfluss ausüben, berufliche Entwicklung beschreibt aber einen in mehrfacher Hinsicht umfassenderen Prozess“ (Moser, 2004, S. 533).
= Insgesamt berufsbezogener Entwicklungsschritte im menschlichen Lebenslauf
Karriere, Laufbahn, berufliche Entwicklung: „Der Begriff ‚Karriere’ wird ... verstanden ... als sich über die Zeit entwickelnde Abfolge von Erfahrungen eines Individuums in der Arbeitswelt“ (Moser, 2004, S. 534).

organisationale Sozialiation und berufliche Entwicklung als Resultat situativer Einflüsse

„Selbstverständlich kann sich die Persönlichkeit über Lohnarbeit nur im begrenzten Rahmen selbst verwirklichen, sie stellt jedoch Erlebniskategorien zur Verfügung, die dazu beitragen können, das Leben zeitlich, sozial und inhaltlich zu strukturieren“ (Heinz, 1999, S. 51). Erfahrungskategorien (vgl. Jahoda, 1983): feste Zeitstruktur, soziale Einbindung, produktive Tätigkeit, Beteiligung an kollektiven Zielen, sozialer Status

1.2 Paradigmen der Forschung zur beruflichen Sozialisation

1) Determination der Person durch Arbeit:

o Sozialisation als passive Übernahme gesellschaftlich vorgegebener Rollen, Werte, Normen und Deutungsmuster durch das Individuum
o Bloße Beeinflussung vs. aktive bewusste Einflussnahme auf Arbeitsalltag und Berufsverlauf (v.a. rollentheoretische Ansätze der Soziologie)
o „objektive Arbeitsbedingungen“ im Vordergrund (Betrieb, Branche, Arbeitsmarkt, technischer Wandel etc.)

2) Determination der Arbeit durch Person-Merkmale:

o Äußere Bedingungen als „Auslöser“ Bedeutung der Eigendynamik konstitutiv für innere (Entwicklungs-)Prozesse (v.a. Entwicklungspsychologie)
o „Persönlichkeitseigenschaften galten als bereits ausgebildet, als stabil und als kaum beeinflussbar. Das Arbeitsverhalten sowie der gesamte Berufsverlauf erschienen als Resultat mehr oder minder stark ausgeprägter bzw. mangelnder persönlicher Anlagen, Begabungen, Eigenschaften, Motivationen, Einstellungen usw.“ (Hoff, 1994, S. 526).

„Die Arbeitspsychologen gingen davon aus, dass die Beziehungen zwischen Arbeit und Persönlichkeit von selektiver Personalauswahl, selektivem Verbleib an Arbeitsplätzen und individueller Ausgestaltung des Arbeitsplatz herrühre; das heißt: die Persönlichkeit beeinflusst die Arbeit. Die Arbeitssoziologen nahmen dagegen an, dass die Beziehung zwischen Arbeit und Persönlichkeit allein von der Arbeit und ihrem Einfluss auf die Persönlichkeit herrühre“ (Kohn, 1985, S. 43; vgl. Hoff, 1994).

3) Integration beider Perspektiven: „In Psychologie und Soziologie hatte sich Ende der 70er Jahre die Auffassung allgemein durchgesetzt, dass Sozialisation ein lebenslanger Prozess der Anpassung und Auseinandersetzung eines Individuums mit der sozio-kulturellen Umwelt darstellt“ (Griese, 1999, S. 84).

4) Interaktionistisches Paradigma: Arbeit(sumwelt) und Persönlichkeit beeinflussen sich wechselseitig im Arbeitshandeln, Berufsverlauf und ihrer Entwicklung. „Das Arbeitshandeln ist hier der Ort der Interaktion, und es beinhaltet immer zugleich reaktive wie aktive Komponenten“ (Hoff, 1994, S. 527; Person als „produktiv realitätsverarbeitendes Subjekt“).

o Mitgestaltung des beruflichen Handelns und der Arbeitsbiographie durch das Individuum
o „objektive Restriktionen“ der Arbeitsumwelt (reaktive Anpassung vs. Spielräume für die eigene Ausgestaltung) Beeinflussung persönlicher Erfahrungen und der inneren Entwicklung von Personen
o Fremd- und Selbstsozialisation (vgl. Heinz, 1988)

1.3 Strukturen und Wirkungen im Sozialisationsprozess

[...]


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