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Der Tempel der Iuturna im Zeichen der römischen Memorialpraxis

Termpaper, 2005, 17 Pages
Author: Kyrill Scheel
Subject: History - Early and Ancient History

Details

Event: Proseminar
Institution/College: University of Bremen
Tags: Tempel, Iuturna, Zeichen, Memorialpraxis, Proseminar
Category: Termpaper
Year: 2005
Pages: 17
Grade: 2
Bibliography: ~ 25  Entries
Language: German
Archive No.: V69135
ISBN (E-book): 978-3-638-61279-1
ISBN (Book): 978-3-638-77404-8
File size: 130 KB

Abstract

1. Einleitung Das wohl bekannteste Denkmal, welches in Deutschland in der letzten Zeit errichtet wurde, ist das Holocaust Mahnmal in Berlin. Sinn und Zweck solcher Gedenkstätten ist es, an etwas zu erinnern, was viele Menschen, auch über nationale Grenzen hinaus, betrifft und auf keinen Fall in Vergessenheit geraten soll. Durch die Architektur der Gedenkstätte kann der Betrachter die hilflose und kalte Atmosphäre nachempfinden, in der sich die Opfer damals befunden haben. Der Betrachter wird also durch ein Bauwerk an ein Stück Geschichte erinnert, das nicht aus dem Bewusstsein der Menschen verschwinden soll. Durch den nahen zeitgeschichtlichen Zusammenhang der Ereignisse mit der Gegenwart, kann sich dieses Denkmal einer so großen Aufmerksamkeit erfreuen. Auch in der römischen Kultur gab es monumentale Denkmäler, die an wichtige geschichtliche Ereignisse anknüpften, jedoch darüber hinaus zu repräsentativen Zwecken der römischen Nobilität eingesetzt wurden. Gerade in der Zeit der Punischen Kriege ließen sich erfolgreiche Feldherren Siegesdenkmäler errichten, deren Zweck über den rein kommemorativen Charakter eines Denkmals hinausging. Im Folgenden soll zunächst dargestellt werden, welche Rolle der Tempel in der römischen Memorialpraxis spielte, um dann genauer auf den Tempel der Iuturna einzugehen, der in der Mitte des 3. Jahrhunderts v. Chr. am Ende des ersten Punischen Krieges erbaut wurde. Es soll untersucht werden, ob die Kriterien, die in dem allgemeinen Teil erläutert werden, auf den der Göttin Iuturna geweihten Tempel zutreffen. Die Quellenlage in Bezug auf diesen Tempel ist sehr spärlich. Es liegen keine zeitgenössischen Quellen vor. Insgesamt gibt es nur zwei Quellen, welche die Existenz eines Tempels für Iuturna belegen. Eine einzige Quelle sagt lediglich aus, wer den Tempel erbauen ließ.


Excerpt (computer-generated)

Universität Bremen, Wintersemester 04/05
Proseminar: Einführung in die Alte Geschichte

Der Tempel der Iuturna im Zeichen der römischen Memorialpraxis

von: Kyrill Scheel

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung  3

2. Die Funktion des Tempels im Kontext der römischen Memorialpraxis  3

2.1 Über den Tempel als Denkmal in der römischen Geschichtskultur 3
2.2 Tempel und Triumph 6

3. Der Tempel der Iuturna 241 v Chr. im Kontext der römischen Memorialpraxis  8

3.1 Der 1. Punische Krieg  8
3.2 Der Triumph 9
3.3 Der Tempel der Iuturna  9
3.4 Iuturna und ihre Bedeutung für die Römer  12

4. Schluss  13

Literaturliste  16



 

1. Einleitung

Das wohl bekannteste Denkmal, welches in Deutschland in der letzten Zeit errichtet wurde, ist das Holocaust Mahnmal in Berlin. Sinn und Zweck solcher Gedenkstätten ist es, an etwas zu erinnern, was viele Menschen, auch über nationale Grenzen hinaus, betrifft und auf keinen Fall in Vergessenheit geraten soll. Durch die Architektur der Gedenkstätte kann der Betrachter die hilflose und kalte Atmosphäre nachempfinden, in der sich die Opfer damals befunden haben. Der Betrachter wird also durch ein Bauwerk an ein Stück Geschichte erinnert, das nicht aus dem Bewusstsein der Menschen verschwinden soll. Durch den nahen zeitgeschichtlichen Zusammenhang der Ereignisse mit der Gegenwart, kann sich dieses Denkmal einer so großen Aufmerksamkeit erfreuen.
Auch in der römischen Kultur gab es monumentale Denkmäler, die an wichtige geschichtliche Ereignisse anknüpften, jedoch darüber hinaus zu repräsentativen Zwecken der römischen Nobilität eingesetzt wurden. Gerade in der Zeit der Punischen Kriege ließen sich erfolgreiche Feldherren Siegesdenkmäler errichten, deren Zweck über den rein kommemorativen Charakter eines Denkmals hinausging.
Im Folgenden soll zunächst dargestellt werden, welche Rolle der Tempel in der römischen Memorialpraxis spielte, um dann genauer auf den Tempel der Iuturna einzugehen, der in der Mitte des 3. Jahrhunderts v. Chr. am Ende des ersten Punischen Krieges erbaut wurde. Es soll untersucht werden, ob die Kriterien, die in dem allgemeinen Teil erläutert werden, auf den der Göttin Iuturna geweihten Tempel zutreffen. Die Quellenlage in Bezug auf diesen Tempel ist sehr spärlich. Es liegen keine zeitgenössischen Quellen vor. Insgesamt gibt es nur zwei Quellen, welche die Existenz eines Tempels für Iuturna belegen. Eine einzige Quelle sagt lediglich aus, wer den Tempel erbauen ließ.

2. Die Funktion des Tempels im Kontext der römischen Memorialpraxis

2.1 Über den Tempel als Denkmal in der römischen Geschichtskultur

Für die Beschreibung eines solchen Denkmals gibt Uwe Walter eine Definition, die sich an die Aussage von Alois Riegel aus dem Jahr 1903 anlehnt: Ein Denkmal ist: „ im ältesten und ursprünglichsten Sinne (...) ein Werk von Menschenhand, errichtet zu dem bestimmten Zweck, um einzelne menschliche Taten oder Geschicke (oder Komplexe mehrerer solcher) im Bewusstsein der nachlebenden Generation stets gegenwärtig und lebendig zu erhalten“. (Walter, Memoria, S. 131).
So wird ein Denkmal zu einem Ort der beabsichtigten Erinnerung an bestimmte Personen, Taten und Geschehnisse, mit der Funktion, jene Menschen und Begebenheiten nicht in Vergessenheit geraten zu lassen und um der Nachwelt die Vergangenheit lebendig zu erhalten, sie ihr regelrecht vor Augen zu führen. Alois Riegel bezeichnet dies als den beabsichtigten Erinnerungswert.1 Für die römische Bevölkerung war der Erinnerungswert das Kriterium, an dem das Bewusstsein von dem memorialen Gehalt eines Denkmals in der Bevölkerung gemessen wurde.
In Bezug auf die römische Gesellschaft besteht der Erinnerungswert zum einen aus einer inhaltlichen Komponente, nämlich das was erinnert werden soll, und zum anderen drückt er den Stellenwert, den Grad an Aufmerksamkeit, den die Römer einem Denkmal schenkten aus. Uwe Walter unterscheidet jedoch auch zwischen zwei Typen von Erinnerungsorten. Der eben dargestellte Erinnerungsort, das Denkmal, ist schon von seinem Erbauer als ein solcher bestimmt und steht somit für etwas, das mit der Zeit des Erbauers eng verbunden ist. Der andere Typ des Erinnerungsortes ist einer, der durch den Ablauf der Zeit zu einem Ort der Erinnerung wird, da er etwas widerspiegelt, was vergangen ist und so sein Wesen selbst ihn als Ort der Erinnerung qualifiziert und er nicht als solcher auserkoren wurde.2 Etwa ab der Mitte des 4. Jahrhunderts stieg die Zahl der Denkmäler erheblich an, was im Zusammenhang mit der Gesellschaftsstruktur der römischen Oberschicht stand. Es herrschte ein reges kompetitives Verhältnis in der römischen Nobilität und so wurden die Denkmäler Ausdruck dieses Ringens um Anerkennung. So kommt Tonio Hölscher zu dem Schluss, dass Monumente zu diesem Zeitpunkt „aggressiv und expansiv gegenüber den äußeren Gegnern“ wirkten. Gegenüber den innenpolitischen Konkurrenten wirkten sie jedoch gleichsam kompetitiv und gegenüber dem eigenen Volk auch adhortativ (Höllscher, Die Alten vor Augen S. 188).
Im Laufe der Zeit verblasste jedoch die jeweilige intendierte Erinnerung eines Denkmals oder wurde sogar durch einen neuen Inhalt ersetzt. Der Erinnerungswert nahm ab weil die Aktualität, aus deren Anlass ein Denkmal errichtet wurde, und sein politisch kompetitiver Bezug irgendwann der Vergangenheit angehörten. Das Denkmal verlor seine Wichtigkeit in Bezug auf seinen Entstehungszusammenhang und repräsentierte somit nur noch eine bestimmte Familie der römischen Nobilität.3 Diese Veränderung oder Verlagerung des Gewichts des ursprünglichen Erinnerungsinhalts führte nun dazu, dass ein Denkmal zu einem bloßen Überrest der Vergangenheit werden konnte. Genauso konnte ein altes Denkmal aber auch wieder in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit rücken, wenn dies z.B. für eine taktische politische Handlung zu einem späteren Zeitpunkt von Nutzen war.

[...]


1 Walter, Memoria, S. 131.

2 Ebd., S. 155.

3 Ebd., S. 132.


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