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Die Jesus Freaks - Zwischen Provokation und Tradition?

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2007, 29 Pages
Author: Sarah Kröger
Subject: Ethnology / Cultural Anthropology

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2007
Pages: 29
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 30  Entries
Language: German
Archive No.: V69443
ISBN (E-book): 978-3-638-61914-1

File size: 623 KB


Excerpt (computer-generated)

Die Jesus Freaks – Zwischen Provokation und Tradition?

von: Sarah Kröger

 


Inhal

1. Fragestellung, Methodik, Begriffsdefinition  3

2. Vorstellung der Jesus Freaks  4

2.1. Die Geschichte  4
2.2. Die sechs Punkte  5

2.2.1. Schrill und laut sein  6
2.2.2. Neue Dinge ausprobieren  6
2.2.3. Kopf sein und nicht Schwanz  6
2.2.4. Raus aus dem Ghetto  7
2.2.5. Brücke sein  8
2.2.6. Wir sind eine Gang  8

3. Einordnung 8

3.1. Die Jesus Freaks und die christliche Szene 8
3.2. Die Jesus Freaks und die jugendkulturelle Szene  10

4. Provokativ und revolutionär?  11

4.1. Schrill und laut  11
4.2. Aufruhr in den eigenen Reihen  12
4.3. Revolution 14

5. Traditionelle Werte und kirchliche Rituale  16

5.1. Werte 16

5.1.1. Konservativ 16
5.1.2. Bibelverständnis  16

5.2. Kirchliche Rituale  17

6. Gegensätze ziehen sich an?  19

6.1. Rückgang des landeskirchlichen Einflusses 19
6.2. Inkulturation am Beispiel der Jesus Freaks oder „Brücke sein“  20
6.3. „Ganze Sache machen“  21

7. Was macht die Jesus Freaks für Jugendliche attraktiv?  21

Literaturverzeichnis 23

Bücher:  23
Internetseiten 24
Interview 1 25
Interview 2 28

 

 


1. Fragestellung, Methodik, Begriffsdefinition

„Wir glauben, dass Jesus kein Typ war, der ein paar nette Sachen für Hippies
und Großeltern gesagt hat, sondern dass seine Worte Explosionskraft haben
und dass er heute noch lebt und heute noch die gleiche Kraft hat,
Menschen zu verändern“ (…) 1

Die Jesus Freaks sprengen vorherrschende Klischees über Religiösität und Jugend. Auf der einen Seite ist eine starke Abgrenzung von Konventionen und Normen bei ihnen festzustellen. Provokatives Äußeres, antiautoritäre Strukturen und Betonung der individuellen Freiheit sind für den Beobachter offensichtlich. Auf der anderen Seite wenden sie sich bewusst traditionellen religiösen Werten wie Ehe etc. zu. Wie erklärt sich dieses Spannungsfeld und was zieht heutige Jugendliche zu den Jesus Freaks? Bei meiner Herangehensweise an diese Hausarbeit entschied ich mich, schwerpunktmäßig das Medium Internet zu nutzen. Das Internet als Vernetzungs- und Kommunikationsmöglichkeit spielt eine große Rolle innerhalb heutiger Jugendkulturen. Auch die Jesus Freaks nutzen das Internet regelmäßig: Es dient der Präsentation der einzelnen regionalen Gruppen, und ein hoher Teil der Kommunikation spielt sich dort über Foren und E-Mails ab. Auch die vielen privaten (Video-) Blogs2, Bandinternetseiten, die Jesus Freaks - Zeitung „Der Kranke Bote“ und weitere Ableger der Jesus Freaks (wie der Internetshop, die Aktiengesellschaft…) habe ich untersucht, um zu einem möglichst vielfältigen Bild der Selbstrepräsentationsstrategien der Jesus Freaks zu kommen. Des Weiteren habe ich mir Predigten und Musik herunter geladen, viele Fotos angeschaut, ein Interview mit einem der Leiter der Jesus Freaks - Bewegung Deutschland geführt und zwei Jesus Freaks via E-Mail interviewt. Zu guter Letzt habe ich natürlich auch zum Medium Buch gegriffen, zwei Bücher von und über die Jesus Freaks gelesen und diverse Sekundärliteratur (Klaus Farins Buch: „Freaks für Jesus“ sei da besonders erwähnt) gelesen. Zwei der in dieser Arbeit häufig gebrauchten Begriffe, möchte ich im Folgenden kurz definieren.

Der vom Pädagogen Gustav Wyneken geprägte Begriff Jugendkultur, beschrieb ursprünglich eine Art offene und flexible geistige Haltung. Davon grenzt Dieter Baacke den Begriff deutlich ab:„ ‚Kultur in den heutigen Jugendkulturen meint (…) die Schaffung von Stilen über Medien, deren ‚bildender Gehalt’ unter Pädagogen eher strittig sein dürfte: Konsum, Pop und Rock, Mode sowie Schaffung neuer sozialer Treffpunkte.“ 3 Mit der Bezeichnung Jugendkulturen, die ich ausdrücklich in der Pluralform verwende, beschreibe ich die unterschiedlichsten freizeitbezogenen Ausdrucksformen von Jugendlichen. Damit nehme ich bewusst Abstand vom Verständnis einer Gegen- oder Subkultur.

Der Terminus Szene ist offener angelegt. Ich möchte dazu die Definiton des Soziologen Hitzler übernehmen, der Szenen als „thematisch fokussierte kulturelle Netzwerke von Personen, die bestimmte materielle und/oder mentale Formen der kollektiven Selbststilisierung teilen und Gemeinsamkeiten an typischen Orten und zu typischen Zeiten interaktiv stabilisieren und weiterentwickeln“4 beschreibt.

2. Vorstellung der Jesus Freaks

2.1. Die Geschichte

1991 trafen sich ein paar junge Leute in einem Hamburger Wohnzimmer zum Beten. Sie waren frustriert von traditionellen Gottesdiensterfahrungen und fühlten sich als Jugendliche, Punks und Drogenabhängige in den Kirchen weder verstanden noch akzeptiert. Inspiriert von der Jesus People Bewegung und niederländischen Missionaren, die Rock’n’roll Bible Studies in Amsterdam abhielten, hatten sie für sich erkannt: Es gibt nicht nur eine mögliche Form, den christlichen Glauben zu leben - Christsein und Punksein müssen sich nicht ausschließen. Aus den kleinen Freitagabendtreffen wurden mit der Zeit die „Jesus-Abhäng-Abende“, der Gottesdienst der Jesus Freaks. Bald entstanden überall in Deutschland ähnliche Gruppen, und 1994 wurde dann der offizielle Verein - Jesus Freaks International e. V. - gegründet.

Heute sind schon beim Willow Freak, dem Leitertreffen der Jesusfreaks, über 400 Jesus Freaks versammelt. Momentan gibt es über 80 Jesus Freaks - Gruppen in Deutschland mit zwischen 10 und 200 Mitgliedern.5 Darüber hinaus existieren Gruppen in Portugal, Tschechien, Dänemark, in den Niederlanden, in der Schweiz, in den USA, und es gibt Pläne für eine weitere Gründung in Japan.

Generell kann man die Jesus Freaks als eine freikirchliche Bewegung mit jugendkultureller Ausprägung beschreiben. Farin zufolge unterscheiden sie sich nicht in ihrer Grundüberzeugung von den Landeskirchen: „ihre quasi einzige ‚Arbeitsgrundlage’ ist wie bei anderen Christen auch die Bibel“.6 Der einzige (aber sehr markante) Unterschied bestehe in der Zielgruppe: „Das Ziel der neuen jungen Gemeinden waren nicht abweichende Glaubensinhalte (…), sondern die Erweiterung des christlichen Kundenspektrums.“ 7

Zurzeit befinden sich die Jesus Freaks inmitten von Umstrukturierungs- und Neuorientierungsprozessen. Die Frage, ob sie ihren Fokus auf gesellschaftliche „Mainstreamkulturen“ oder Minoritäten setzen wollen, wird diskutiert. Eine Umfrage zeigte, dass 94% der Gruppenleiter aus einem christlichen Umfeld kommen.8 Zielgruppe der Jesus Freaks waren ursprünglich aber nicht die christlich sozialisierten Teenager aus benachbarten Kirchen und Gemeinden, sondern die “Kaputten, Fertigen, Kranken, Abhängigen, Verarschten, Verstoßenen, Armen“9. Im Laufe der Zeit sind die Jesus Freaks zudem wesentlich organisierter und institutionalisierter geworden sind. Das ist auf der einen Seite für eine immer größer werdende Bewegung auch nötig, auf der anderen Seite wird so das Spontane, Unstrukturierte und Rebellische der Gründerjahre in den Hintergrund gedrängt.

2.2. Die sechs Punkte

[...]


1 JFI 2001, S. 7.

2 Blog: Abgeleitet aus Web-Log, Bezeichnung für ein Internet-Tagebuch.

3 Baacke 2004, S. 143.

4 Hitzler 2001, S. 20.

5 Aktueller Stand der Homepage www. jesusfreaks.de.

6 Farin 2005, S.7.

7 Ebd.

8 Vgl. Der Kranke Bote Juni/Juli 2006, S.14.

9 www.jesusfreaks.de 1996, Zitiert nach Farin, 2005, S. 7.


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