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'Examenshölle' Japan? - Auswirkungen des japanischen Schulsystems auf die Alltagsstruktur und die Entwicklung von Jugendlichen

Seminararbeit, 2005, 21 Seiten
Autor: Sarah Scharrer
Fach: Pädagogik - Päd. Soziologie

Details

Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2005
Seiten: 21
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 13  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V69489
ISBN (E-Book): 978-3-638-60135-1

Dateigröße: 124 KB


Textauszug (computergeneriert)

BERUFSAKADEMIE STUTTGART
STAATLICHE STUDIENAKADEMIE
STUDIENBEREICH SOZIALWESEN

SEMINARARBEIT
Fach: Soziologie der Lebensalter

Thema: 

„Examenshölle“ Japan? – Auswirkungen des japanischen
Schulsystems auf die Alltagsstruktur und die Entwicklung von Jugendlichen

von

Sarah Scharrer

Studienjahrgang: 2004 Kurs: E

 

 

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung  3

2. Bildungssystem  4
2.1. Formelle Struktur  4
2.2. Übergänge  5
2.2.1. Von der Grundschule zur Mittelschule  5
2.2.2. Von der Mittelschule zur Oberschule  6

3. Alltagsstruktur  7
3.1. Unterrichtszeit  7
3.2. Zeit in der Schule  8
3.2.1. Außerunterrichtliche Pflichtzeit in der Schule  8
3.2.2. Freiwillig in der Schule verbrachte Zeit  9
3.3. Schulbezogene Zeit  9
3.4. Außerschulische Zeit  10

4. Werte und Ziele  11
4.1. Familiäre Stützleistung für die Schule  11
4.2. Selbstbild der Schule  12
4.3. Gruppenorientierung versus Individualität  13

5. Probleme  14
5.1. Gewalt, Schikane, Schulverweigerung und Suizid  14
5.1.1. Gewalt  14
5.1.2. Schikane  14
5.1.3. Schulverweigerung  15
5.1.4. Suizid  15
5.2. Ursachen im Bildungswesen?  15
5.2.1. Leistungsdruck  15
5.2.2. Sozialer Druck  16
5.2.3. Uniformitätsdruck  16

6. Fazit  18

 

 

1. Einleitung

„Kaito geht in die fünfte Klasse der "Shotoku Gakuen", einer der berühmtesten privaten Grundschulen Japans. Dort gibt es 233 Jungen und 120 Mädchen im Alter von sechs bis zwölf - und so viele Lehrer, dass die Klassenstärke unter zehn Schülern liegt.

Das Unterrichtsziel heißt Hochbegabtenförderung. Und Kaito ist das Aushängeschild: Er gilt als eines der intelligentesten Kinder Japans. Vorgeburtliches Lerntraining, Flashcards und eine spezielle Paukschule für die IQ-Förderung bei Kleinkindern gehören zu seinem bisherigen Ausbildungsweg.

Als Kaito im zarten Alter von sechs in der Aufnahmeprüfung gefragt wurde, "welche Formel die Zahl Neun ergibt", antwortete er ohne Zögern: "Zum Beispiel 1 + 8". Bei der "Mathe-Olympiade für Kinder" stand er bereits auf dem Siegertreppchen. Doch selbst damit war der Weg in diese Eliteschule noch lange nicht frei: Auch Kaitos Eltern wurden getestet: Sie mussten sich einem Intelligenztest unterziehen, über ihren Ausbildungsweg Rechenschaft ablegen, eine Empfehlung ihrer Arbeitgeber präsentieren und in Anwesenheit der Prüfer mit dem eigenen Kind über "japanische Werte" diskutieren.“1

Dieser und ähnliche Berichte haben in der Vergangenheit dazu geführt, dass ein sehr negatives Bild des japanischen Bildungssystems entstanden ist. Schlagworte wie „Examenshölle“, „Konkurrenzdruck“ und „Paukerei“ tauchen immer wieder auf. Andererseits haben japanische Schüler nicht erst seit der Pisa-Studie den Ruf besonders in Mathematik und den Naturwissenschaften hervorragende Leistungen zu bringen. In diesem Zusammenhang wird Japan dann wieder positiv erwähnt. Aber wie sieht das Bildungssystem denn nun wirklich aus und welchen Einfluss hat es auf die Alltagsstruktur und die Entwicklung von Schülern? Um ein vollständiges Bild zu erhalten, werde ich das Schulsystem ab der Grundschule darstellen, die Auswirkungen beschränke ich jedoch hauptsächlich auf die Mittelschule und den Wechsel zur Oberschule, d.h. auf „Jugendliche im engeren Sinn, in der pubertären Phase“.2

2. Bildungssystem

2.1. Formelle Struktur

Aufgrund der Bildungsexpansion nach dem zweiten Weltkrieg veränderte sich das japanische Schulsystem und das Streben nach besseren Schulen und Hochschulen wurde verstärkt. Der Aufbau folgt formal dem amerikanischen Beispiel – 6-3-3-4. Der Besuch der Elementarschule (Shogakko) dauert sechs Jahre, worauf dann die dreijährige Mittelschule (Chugakko) folgt. Diese beiden sind verpflichtend. Jedoch besuchen 94% im Anschluss daran entweder die dreijährige Oberschule (Kotogakko) oder die fachspezifische Oberschule (Senmon Kotogakko). Letztere dauert drei bis fünf Jahre und vermittelt, wie der Name schon sagt, mehr fachspezifisches Wissen, während die Kotogakko ein breiteres Wissensspektrum vermittelt. Mit solch einem Abschluss kann dann eine Hochschule besucht werden. Neben den vierjährigen Daigakus, können auch „Halbhochschulen“ (Tanki Daigakus) besucht werden. Sie dauern nur zwei bis drei Jahre und ermöglichen einen schnelleren Berufseintritt. Jedoch sind die Karrierechancen gemindert.3

2.2. Übergänge 

2.2.1. Von der Grundschule zur Mittelschule 

Das formelle System hat insofern Auswirkungen auf die Alltagsstruktur der Jugendlichen, als dass es bis zum Ende der Mittelschule keine „Auslese“ gibt und alle die gleiche Schullaufbahn durchlaufen. Einerseits müssen sich damit Kinder nicht schon nach der Grundschule der grundlegenden Entscheidung über die weitere Laufbahn stellen und es wird kein Druck auf sie ausgeübt besondere Leistungen bringen zu müssen, um eine höhere Schulform besuchen zu können wie das in Deutschland häufig der Fall ist, wenn Eltern ihre Kinder beispielsweise unter allen Umständen ins Gymnasium schicken möchten. (Die berüchtigten Schulen, in denen Kinder schon für Kindergarten, Grund- oder Mittelschulen eine äußerst schwierige Aufnahmeprüfung ablegen müssen sind absolute Ausnahmen.) Andererseits gibt es auch nicht die Möglichkeit den eigenen Interessen und Fähigkeiten entsprechend zu wählen.

[....]


1 Euting, 20.09.2005

2 Schäfers, 2001, S.19

3 Vgl. Stimac, 20.09.2005


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