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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2006, 26 Pages
Author: Janna Falkenstein
Subject: English Language and Literature Studies - Literature
Details
Tags: Fieldings, Jonathan, Wild
Year: 2006
Pages: 26
Grade: 2,3
Bibliography: ~ 11 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-62286-8
File size: 174 KB
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Excerpt (computer-generated)
FU Berlin, FB Philosophie und Geisteswissenschaften
HS Englische Alltagsgeschichte der frühen Neuzeit
SS 2005, 02.01.06
Fieldings Jonathan Wild
von: Janna Falkenstein
Inhalt
Fieldings Jonathan Wild – Eine Abrechnung 3
Jonathan Wild – historische Hintergründe 4
Henry Fielding – Autor und Jurist 10
Jonathan Wild – the Great 13
Schauplatz Newgate 18
Jedem, was er verdient 23
Literaturverzeichnis 26
Fieldings Jonathan Wild – Eine Abrechnung
Gegenstand dieser Arbeit ist Henry Fieldings Erzählung Jonathan Wild. Die Erzählung erschien erstmalig 1743 in Fieldings Sammlung Miscellanies und basiert zum einen auf dem Leben des berüchtigten Diebes und thief-takers Jonathan Wild und zum anderen auf fiktiven Elementen. Die Anzahl von Fielding hinzu gedichteter Begebenheiten und Charaktere ist so groß, dass man nicht mehr von einer Biographie von Jonathan Wild sprechen kann. Sein Leben und der schlechte Ruf, der ihm vorauseilte, dienen lediglich als Grundgerüst für eine bissige Erzählung, die sich die Verbrecher seiner Zeit vornimmt. Viele Kritiker sind der Meinung, dass Jonathan Wild in erster Linie eine politische Satire auf den damaligen Premierminister Englands Robert Walpole ist. Dies ist auch nicht von der Hand zu weisen. Die Moralvorstellungen die Fielding zu vermitteln versucht sind außerdem durchaus aktuell und können auch für „große Männer“ unserer Zeit gelten.
Des Weiteren ist Fieldings Version von Jonathan Wilds Lebensgeschichte eine satirisch-ironische Darstellung der damaligen Londoner Gesellschaft. Vom kleinen Dieb über die untreue Ehefrau bis zum großen Politiker bekommt jeder sein Fett weg. Fielding rechnet geschickt und mit unnachahmlicher Ironie mit jedem Lügner und Betrüger ab. Trotz aller Übertreibungen zeichnet er dabei ein Bild der Gesellschaft, das der damaligen Realität recht nahe kommt.
Diese Arbeit gliedert sich in vier Teile. Zunächst wird das Leben des wahren Jonathan Wild beschrieben, um eine Vorstellung davon zu vermitteln, auf welcher Grundlage Fieldings Werk entstand. Danach folgt ein Kapitel über Henry Fielding, seine Vorstellungen von Moral und welche Bedeutung diese für sein Werk haben. Danach wird die Geschichte des fiktiven Jonathan Wild umrissen und verglichen, inwieweit sich Fielding an das Original hielt, bzw. seiner Fantasie freien Lauf ließ. Anschließend wird auf den wichtigsten Schauplatz in Jonathan Wild, das Newgate Gefängnis, eingegangen. Im Laufe der Arbeit soll außerdem dargestellt werden, wie sich Fieldings Roman in das Bild der Londoner Gesellschaft des 18. Jahrhunderts einfügt.
Jonathan Wild – historische Hintergründe
Es sind nur wenige Fakten aus dem frühen Leben des Jonathan Wild bekannt. Einige erfasst W. Irwin in seinem Buch The Making of Jonathan Wild, a Study in the literary method of H. Fielding. Er beginnt mit einem kurzen Kapitel über das Leben des wahren Jonathan Wild.
Mit ziemlicher Sicherheit lässt sich laut Irwin sagen, dass Wild 1683 in Wolverhampton, Staffordshire geboren wurde. Über seine Eltern ist lediglich bekannt, dass sie sehr arm waren. Nach kurzer Zeit an der Dorfschule in Wolverhampton begann Jonathan Wild eine Ausbildung zum Schlosser. Diese dauerte allerdings nicht lange. Schon nach kurzer Zeit musste Wild, um der Strafe für eines seiner ersten Verbrechen zu entgehen, Meister und erste Ehefrau verlassen. Man geht davon aus, dass er sich direkt nach London begab, wo er kurz nach seinem Eintreffen verhaftet wurde. Vermutlich wegen nicht beglichener Schulden oder Landstreicherei. Wild verbrachte die nächsten fünf Jahre im Wood Street Compter. In dieser Zeit traf er auch seine zukünftige Frau und Komplizin Mary Milliner, die selbst über ein großes Maß an krimineller Energie verfügte. Unter ihrer Anweisung lernte und verübte Wild diverse Bagatellverbrechen und verdingte sich durch Erpressung seiner Mitgefangenen und Aufseher. Wild kam schnell wieder frei.
Mary Milliner und Wild verlagerten ihr Hauptquartier in ein Bordell in der Lewkenor Lane und begannen ihre Verbrechen zu organisieren. Ihr „Büro“ wurde Umschlagplatz verschiedenster gestohlener Wertgegenstände und Wild zum Empfänger und Händler dieser Waren. Wilds Methode war raffiniert. Zum einen bereicherte er sich auf kriminelle Weise, und gleichzeitig stand er scheinbar auf der richtigen Seite des Gesetzes. Er leitete eine Bande von Dieben, behielt deren gestohlene Güter ein und wartete ab, bis der Diebstahl in den Zeitungen erschien. Kurz danach behauptete er, seine private Polizeiarmee, die „Thief taking agents“, habe durch sorgfältige Detektivarbeit die gestohlenen Güter gefunden und brachte sie dem rechtmäßigen Besitzer zurück. Dieser zahlte ihm eine Gebühr für diesen Fund, mit der Wild seine Privatpolizei entlohnte.
Neben dem „Auffinden“ gestohlener Güter unterstützte er die Polizei bei der Festnahme von Dieben. Die Diebe, zu deren Verhaftung Wild beitrug, waren entweder Mitglieder rivalisierender Banden oder solche, die sich einer Kooperation mit ihm entzogen.
Dieser Beschäftigung ging Wild bis zu seinem Galgentod 1725 nach. Lange Zeit ahnte niemand, dass Wild in Wirklichkeit ein Verbrecher war. Beispielsweise 1716 erntete er großen Applaus für seine Mithilfe zur Aufklärung eines Mordes, in den er selbst verstrickt war. 1718 ernannte sich Wild selbst zum Thief-Catcher General of Great Britain and Ireland und verlagert sein Büro in eine bessere Gegend.
Wilds System war gut durchdacht. Nicht nur die Bestohlenen waren froh über Wilds „Fundbüro“. Auch die Justiz, die damals noch wesentlich lückenhafter war, war sehr dankbar für die Hinweise, die sie von Wild zur Ergreifung gesuchter Diebe bekam. Die Bevölkerung, die nichts von Wilds Machenschaften ahnte, bewunderte ihn und die Justiz ignorierte lange Zeit Wilds kriminelles Treiben.
Die beste Zusammenfassung von Wilds Aktivitäten findet sich in der Anklage die lange Zeit später gegen ihn erhoben wurde. Hier einige Punkte daraus:
[...]
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