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Termpaper, 2007, 22 Pages
Author: Andrea Tuschka
Subject: German Studies - Modern German Literature
Details
Institution/College: University of Bonn
Tags: Vaterfiguren, Stücken, Familie, Selicke, Papa, Hamlet, Arno, Holz, Johannes, Schlaf, Naturalismus
Year: 2007
Pages: 22
Grade: 2,3
Bibliography: ~ 15 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-61522-8
File size: 190 KB
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Excerpt (computer-generated)
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Germanistisches Seminar
Hauptseminar: Familie. Literarische Entwürfe
SS 2006
Vaterfiguren in den Stücken "Familie Selicke" und
"Papa Hamlet" von Arno Holz und Johannes Schlaf
von: Andrea Tuschka
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
1.1 Zielsetzung der Hausarbeit 2
1.2 Der Naturalismus 3
1.3 Die Zusammenarbeit von Arno Holz und Johannes Schlaf 4
1.4 Familienstrukturen im 19. Jahrhundert 5
2. „Die Familie Selicke“ und „Papa Hamlet“ 6
2.1 Eduard Selicke 6
2.2 Niels Thienwiebel 11
3. Niels Thienwiebel und Eduard Selicke 16
3.1 Gemeinsamkeiten und Unterschiede 16
3.2 Ihre Positionen als Väter aus familiengeschichtlicher Sicht 18
3.3 Schlussbetrachtung 19
4. Literaturverzeichnis 21
4.1. Quellen 21
4.2. Sekundärliteratur 21
1. Einleitung
1.1 Zielsetzung der Hausarbeit
Ziel der Hausarbeit ist es, die Vaterfiguren in dem Drama „Die Familie Selicke“ und der Prosaskizze „Papa Hamlet“ zu charakterisieren und miteinander zu vergleichen. Beide Werke sind in der Zeit des Naturalismus in Zusammenarbeit von Arno Holz und Johannes Schlaf entstanden. Die zu analysierenden Stücke werden zunächst zeitlich kurz eingeordnet und die Merkmale ihrer Entstehungszeit, des Naturalismus, dargestellt. Inwiefern ist es den befreundeten Autoren gelungen, die Ziele dieser Epoche umzusetzen und trifft das Stück, wie Fontane schrieb, „den Berliner Ton in einer Weise, daß auch das Beste, was wir auf diesem Gebiete haben, daneben verschwindet“1?
Sowohl eine knapp gehaltene Übersicht mit den wichtigsten Fakten über die Zusammenarbeit von Arno Holz und Johannes Schlaf als auch ein kurzer Abriss über die Veränderungen der Familienstrukturen bis zum Ende des 19. Jahrhunderts sollen den Einstieg in die Arbeit komplettieren. Die folgenden Fragen sollen dann im Laufe der Hausarbeit eine Beantwortung finden:
• Wie verhalten sich die Väter der Familien Thienwiebel und Selicke?
• Sind diese Charaktere von Arno Holz und Johannes Schlaf einander ähnlich konzipiert worden?
• Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede weisen Eduard Selicke und Niels Thienwiebel auf?
• Passen die Vaterrollen in die geschichtliche Entwicklung der Familie?
Letztendlich soll mit dieser Arbeit deutlich werden, ob die „wirklichkeitsnahe“ Darstellung, die das Ziel der Autoren war, zumindest in den ausgewählten Beispielstücken, einen Prototypen Mann und Vater der Zeit um 1900 hervorbringt. Stimmt dieser mit der familiengeschichtlichen Entwicklung zu dieser Zeit überein? Oder weisen die Vaterfiguren charakteristische Unterschiede auf, die, gestützt auf der Darstellung der Autoren, keine Generalisierungen über Männer in dieser Zeit und in diesem Milieu zulassen?
1.2 Der Naturalismus
Den Naturalismus setzt man „zwischen 1880 und 1900 an mit einer kurzen Blütezeit zwischen 1889 und 1893.“2 Die dazugehörigen Autoren wie Gerhart Hauptmann, Arno Holz und Johannes Schlaf sahen in ihrer neuen Darstellungsweise eine literarische Revolution. Sie wollten die ganze, nicht „bloß eine beschönigte Wirklichkeit“3 darstellen. Ihr Ziel war es, die Welt naturgetreu und wissenschaftlich exakt wiederzugeben, ohne sich dabei von der eigenen Subjektivität beeinflussen zu lassen oder die Wirklichkeit in irgendeiner Form zu deuten. Ihre Werke sollten der „Erarbeitung einer wissenschaftlich begründeten, realistischen Schreibweise.“4 dienen. Die Naturalisten sehen den Menschen in seinem Milieu gefangen und „dessen Schicksal und Natur durch die Faktoren der Vererbung und Umwelt determiniert.“5 Die Sprechweise der auftretenden Charaktere wird im Naturalismus möglichst authentisch dargestellt, was sich durch ihr Stottern, ihren Dialekt, alle Atem- und Denkpausen äußert. Auch die Erläuterungen zur Umgebung, wie beispielsweise der Räume, sind möglichst realitätsnah und ausführlich.
In der Literatur des besonders konsequenten Naturalismus zeichnet sich die realistische Schreibweise durch den so genannten „Sekundenstil“ aus. Dies ist das Verfahren, jede kleinste Veränderung „Sekunde für Sekunde“ zu beschreiben. Arno Holz war der konsequenteste Vertreter dieser Epoche und begründete sogar ein ästhetisches Grundgesetz mit der Formel: Kunst = Natur minus x. „Die Natur […], sowohl Milieu und äußere Umwelt, als auch die entsprechenden Empfindungen des Menschen, seine seelische Innenwelt einschließend, ist Maßstab für alle Kunst. Der Künstler strebt danach, diese Natur in seinem Werk auszudrücken […], kann sie aber wegen der Unzulänglichkeit seiner technisch-handwerklichen Mittel nie völlig erreichen (>minus x<).“6 Johannes Schlaf und vor allem Arno Holz gehörten zu den Vertretern dieser Epoche und schrieben in dieser Zeit ihre naturalistischen Werke. In ihnen versuchten sie das „x“ möglichst gering zu halten.
1.3 Die Zusammenarbeit von Arno Holz und Johannes Schlaf
Arno Holz und Johannes Schlaf lernten sich 1985 in Berlin kennen, jedoch ist man sich bereits über die Daten der Anfänge der Gemeinschaftsarbeit in der Sekundärliteratur nicht einig. „Als Beginn der Zusammenarbeit wird meistens die zweite Hälfte des Jahres 1887, Herbst oder Winter, genannt“7 und sie begann nach dem Scheitern des zweiten Romans von Arno Holz. Auch Schlaf war in einer „kaum minder niedergeschlagenen Stimmung wie Holz“8, als sie sich zusammentaten. Die Initiative zur Gemeinschaft ist, soweit bekannt, von Holz ausgegangen und Johannes Schlaf zog 1988 sogar zu ihm nach Niederschönhausen.
Schlaf lieferte nach Forschungskenntnissen den Stoff für ihre Gemeinschaftsarbeiten und Holz war für die Überarbeitung und Angleichung an die exakte Wirklichkeit zuständig. „Die Ausbesserungen […] betreffen insbesondere jene Schicht der Vorlage, die […] sentimentale oder idealistische Elemente aufweist.“9 Arno Holz charakterisierte ihr Verhältnis zu dieser Zeit recht treffend: „Der eine von uns war damals blind, der andere lahm. […] Unsere Funktionen waren nicht die Selben, aber sie waren gleich wichtig.“10. Auch schreiben sie zu dieser Zeit in Briefen an Freunde, dass beide der Hilfe des jeweils andern bedurften. Die Frage, wer von ihnen den größeren Anteil an der Arbeit hatte, war unbedeutend: „Uns nun nachträglich sagen zu wollen, das gehört dir und das dem anderen, liegt uns ebenso fern als es in den weitaus meisten Fällen thatsächlich kaum mehr zu ermitteln wäre.“11
[...]
1 Klaus M. Rarisch in: Heinz Ludwig Arnold (Hrsg.): Text und Kritik. Zeitschrift für Literatur. 121 Arno Holz. edition text + kritik GmbH, München, 1994, S.6.
2 Annemarie und Wolfgang van Rinsum: Realismus und Naturalismus. Deutsche Literaturgeschichte Band 7. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München, 1994, S. 303.
3 Ebd., S. 303.
4 Jürgen Schutte: Lyrik des deutschen Naturalismus (1885-1893). Carl Ernst Poeschel Verlag GmbH, Stuttgart, 1976, S. 3.
5 Siegfried Hoefert: Das Drama des Naturalismus. Carl Ernst Poeschel Verlag Stuttgart, 1979, S. 4.
6 Klaus M. Rarisch in: Heinz Ludwig Arnold (Hrsg.): Text und Kritik. Zeitschrift für Literatur. 121 Arno Holz. S. 7.
7 Helmut Scheuer: Arno Holz im literarischen Leben des ausgehendes 19. Jahrhunderts (1883-1896). Winkler-Verlag, München, 1971, S. 101.
8 Ebd., S. 103.
9 Peter Sprengel in: Heinz Ludwig Arnold (Hrsg.): Text und Kritik. Zeitschrift für Literatur. 121 Arno Holz. S. 26.
10 Helmut Scheuer: Arno Holz im literarischen Leben des ausgehendes 19. Jahrhunderts (1883-1896), S. 108.
11 Ebd., S. 109.
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