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Qualitative Interviews mit Kindern

Termpaper, 2006, 16 Pages
Author: Natalie Schlee
Subject: Pedagogy - Science, Theory, Anthropology

Details

Category: Termpaper
Year: 2006
Pages: 16
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 7  Entries
Language: German
Archive No.: V70433
ISBN (E-book): 978-3-638-61595-2
ISBN (Book): 978-3-638-76910-5
File size: 128 KB

Abstract

Die neue Kindheitsforschung betrachtet Kinder als gleichwertige Gesellschaftsmitglieder und aktiv handelnde Akteure in ihrer Lebensumwelt. Sie sieht ihre Aufgabe nicht nur darin, Kinder zu erforschen, sondern „aus der Perspektive von Kindern“ zu forschen. Um sich in die Welt der Kinder zu versetzen, ihre Wünsche, Gedanken, Handlungen, Ideen, Probleme, Interessen und Reaktionen zu verstehen, bedient sich die neue Kindheitsforschung unterschiedlicher Methoden. Neben teilnehmender Beobachtung und standardisierter Befragungen sind auch qualitative Interviews eine oft angewandte Methode bei der Forschung mit Kindern. Doch qualitative Interviews mit Kindern gestalten sich in vielen Hinsichten schwieriger als bei Jugendlichen oder Erwachsenen. Vor allem das Alter und die damit verbundene Verbalisierungsfähigkeit sowie die Kompetenz der Kinder, über eigene Erfahrungen und Erlebnisse ausführlich und detailliert erzählen zu können, stellen eine wichtige Einschränkung bei der Anwendung dieser Forschungsmethode dar. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich sowohl mit den Problemen als auch mit den Lösungsmöglichkeiten bei der Vorbereitung und Durchführung qualitativer Interviews mit Kindern. Es wird außerdem ein Überblick darüber gegeben, zu welchen Fragestellungen die Methode der qualitativen Interviews in der Forschung mit Kindern eingesetzt wird, und die, für die Forschung mit Kindern bedeutendsten, Interviewformen werden kurz skizziert.


Excerpt (computer-generated)

Universität Osnabrück, Erziehungs- und Kulturwissenschaften
Seminar: Einführung in die Methoden der Erziehungswissenschaft
SS 2006, 4. Semester

Qualitative Interviews mit Kindern

von: Natalie Schlee

 


Inhaltverzeichnis

Einleitung 2

1. Einsatz qualitativer Interviews mit Kindern 3

2. Alter und Verbalisierungsfähigkeit der Kinder 4

3. Formen qualitativer Interviews mit Kindern 5

3.1 Teilstandardisierte Interviews 5
3.2 Narrative Interviews 6
3.3 Psychoanalytische Tiefeninterviews 7

4. Vorbereitung und Durchführung der Interviews mit Kindern 8

4.1 Zugang zu den Kindern und Ort des Interviews 8
4.2 Interviewdauer, Motivation und Kooperationsbereitschaft der Kinder 9
4.3 Haltung des Interviewers / der Interviewerin zum Kind 10
4.4 Verständlichkeit der Instruktionen 11

5. Zum Antwortverhalten der Kinder 11

6. Auswertung der qualitativen Interviews mit Kindern 12

Fazit 13

Literaturverzeichnis 15




 

Einleitung

Die neue Kindheitsforschung betrachtet Kinder als gleichwertige Gesellschaftsmitglieder und aktiv handelnde Akteure in ihrer Lebensumwelt. Sie sieht ihre Aufgabe nicht nur darin, Kinder zu erforschen, sondern „aus der Perspektive von Kindern“ zu forschen. Um sich in die Welt der Kinder zu versetzen, ihre Wünsche, Gedanken, Handlungen, Ideen, Probleme, Interessen und Reaktionen zu verstehen, bedient sich die neue Kindheitsforschung unterschiedlicher Methoden. Neben teilnehmender Beobachtung und standardisierter Befragungen sind auch qualitative Interviews eine oft angewandte Methode bei der Forschung mit Kindern. Doch obwohl im Bereich der Kindheitsforschung inzwischen eine beträchtliche Zahl von Untersuchungen entstanden ist, in denen qualitative Interviews als Instrument für die Datensammlung verwendet wurden, gibt es bisher nur wenige Ausführungen zu den forschungstechnischen Schwierigkeiten und Möglichkeiten, die sich beim Interviewen von Kindern ergeben.1
In der vorliegenden Arbeit werden die Probleme und Lösungsmöglichkeiten bei der Vorbereitung und Durchführung qualitativer Interviews mit Kindern in der Kindheitsforschung aufgezeigt.
Als erstes wird ein kurzer Überblick darüber gegeben, zu welchen Fragestellungen die Methode der qualitativen Interviews in der Forschung mit Kindern eingesetzt wird. Als nächstes wird das Thema des Alters und der Verbalisierungsfähigkeit der Kinder behandelt, das bei der Anwendung von qualitativen Interviews mit Kindern eine große Rolle spielt. Danach werden die, für die Forschung mit Kindern bedeutendsten, Interviewformen kurz skizziert. Im nächsten Schritt werden die wichtigsten Punkte bei der Gestaltung der Kinderinterviews betrachtet. Dabei kommen dem Zugang zu den Kindern und dem Ort des Interviews, der Interviewdauer, der Motivation und der Kooperationsbereitschaft der Kinder, der Haltung des Interviewers / der Interviewerin zum Kind sowie der Verständlichkeit der Instruktionen eine große Rolle zu. Als letztes wird das Antwortverhalten der Kinder untersucht und auf einige zentrale Auswertungsverfahren eingegangen, die in der Analyse von Kinderinterviews verwendet werden. Abschließend wird ein Fazit gezogen.

1. Einsatz qualitativer Interviews mit Kindern

In der neueren Kindheitsforschung wurden in den letzten Jahren immer wieder qualitative Interviews als eine wichtige Methode eingesetzt.2 Diese Methode „...eröffnet die Möglichkeit, die Sicht von Kindern auf ihr Leben, ihre Wünsche, Interessen, Lernprozesse, Probleme und Ängste, in familiären und freundschaftlichen Beziehungen, in Schule, Wohnumwelt und Freizeit wissenschaftlich zu erfassen.“3

„Wenn man die Lebenswelt von Kindern untersuchen möchte, genügt es heutzutage nicht
mehr, die Erwachsenen zu fragen, die für die Betreuung und Erziehung von Kindern
zuständig sind. .... Kinder werden vielmehr auch als Personen mit eigenen Rechten,
Interessen und Ansichten gesehen, die als Akteure ihr Leben mitgestalten und deren
Meinungen und Wünsche gehört und berücksichtigt werden müssen.“

Im deutschsprachigen Raum werden mit qualitativen Interviews Kinder insbesondere zu Fragestellungen der Schulforschung, der Sozialisationsforschung und der Kindheitsforschung befragt.4
In der Schulforschung werden Interviewaussagen der Kinder dafür verwendet, um ihr alltagskulturelles Handeln in der Schule zu verstehen.

„Vor allem werden in der Grundschulforschung qualitative Interviews genutzt, um
Denkweisen, Lerngewohnheiten, Arbeitsstile, Erwartungen, Interessenetwicklung und
Verarbeitungsmuster von Schülerinnen und Schülern aus ihrer Perspektive erfassen und bei
der pädagogischen Arbeit in der Schule berücksichtigen zu können.“5

Außerdem werden mit Hilfe von Interviews mit Kindern das Schulwahlverhalten, die Bedeutung von Freundschaften, die Entwicklung des Soziallebens in Schulklassen und der Zusammenhang von innerschulischen und außerschulischen kindlichen Erfahrungen erschlossen.6
In der Sozialisationsforschung werden anhand Kinderinterviews insbesondere Forschungsfragen im Bereich der geschlechtsspezifischen Identitätsbildung und Sozialisation, der Moralentwicklung, der Autonomieentwicklung sowie der Entwicklung des sozialen Verhaltens und Verstehens thematisiert. Außerdem werden die zentralen Sozialisationsinstanzen (Familie, Kindergarten, Schule oder Gleichaltrigengruppe) erforscht. Die Kinder werden über Familienerfahrungen, Freundschaftsbeziehungen und Zukunftsentwürfe befragt. 7

[...]


1 Vgl. Heinzel 1997, S. 396

2 Vgl. Fuhs, S. 87

3 Heinzel 1997, S. 396

4 Vgl. ebd., S. 399

5 Ebd.

6 Vgl. ebd., S. 399, 400

7 Vgl. ebd., S. 400


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