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Überlegung zur Kulturrevolution

Essay, 2006, 3 Pages
Author: Rike Pätzold
Subject: Orientalism / Sinology - Chinese / China

Details

Event: Grundkurs Geschichte II: Das 20. Jahrhundert
Institution/College: LMU Munich (Sinologie)
Tags: Kulturrevolution, Grundkurs, Geschichte, Jahrhundert
Category: Essay
Year: 2006
Pages: 3
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 4  Entries
Language: German
Archive No.: V70606
ISBN (E-book): 978-3-638-63035-1

File size: 58 KB
Notes :
Mittelpunkt dieses Grundkurses waren die Revolutionen, Restaurationen und Reformen des 20. Jahrhunderts in China. Jeder Teilnehmer mußte für einen Schein drei Essays zu einem selbstgewählten Thema einreichen.



Excerpt (computer-generated)

Ludwig-Maximilians-Universität München
Institut für Sinologie
Grundkurs chinesische Geschichte II - Das 20. Jahrhundert

Essay

Überlegung zur Kulturrevolution

Rike Pätzold

 

 

 

Die Große Proletarische Kulturrevolution war wohl mit der blutigen Zerschlagung des Studentenprotests am Platz des Himmlischen Friedens 1989 dasjenige Kapitel in der neueren Geschichte Chinas, das die gesamte Welt am meisten bewegt hat. Die Bilder von Rotgardisten, die sich an die ‚Maobibel′ klammernd ‚Klassenfeinde′ bekämpfen, stehen für diese Episode - obwohl, wie Stéphane Courtois in einem Auszug aus seinem Schwarzbuch des Kommunismus darlegt, es nie das ‚erklärte Ziel der Kulturrevolution′ gewesen sei ‚eine bestimmte Schicht der Bevölkerung auszurotten′ (vgl. Courtois S. 571). Was war aber das ‚erklärte Ziel der Kulturrevolution′ und: ist es überhaupt angebracht, von einem solchen Ziel auszugehen oder hat sich die Kulturrevolution nicht erst gerade definiert durch die Interessenwidersprüche und Machtrangeleien auf oberster Parteiebene? Im Folgenden versuche ich anhand des vorliegenden Textes und weiterer herangezogener Literatur dieser Frage nachzugehen und sie zu diskutieren.

Courtois beschäftigt sich eingehend mit den offensichtlichsten Akteuren der KR - mit Mao Zedong und den Roten Garden. Mit dem desaströsem Ausgang des Großen Sprungs hatte Mao zum größten Teil das Vertrauen der Landbevölkerung eingebüßt und auch der Unterstützung der Intellektuellen war er seit den Säuberungen 1957 verlustig gegangen. Für eine (allerdings von ihm gelenkte) Revolution von unten, die seine politischen Konkurrenten ausschalten und ihn zurück zur Macht verhelfen sollte, mußte er auf den (übrigens sehr großen) Teil der Bevölkerung ausweichen, der zu jung war, als daß er die oben genannten Ereignisse hätte miterleben können und dessen Frust sich weniger gegen seine Person als auf die Partei als solche richtete. Mangelhafte Schulbildung aufgrund ängstlicher Lehrer und glorifizierende Erzählungen über den Langen Marsch und andere Heldentaten der Kommunisten taten ihr Übriges. Für diese jungen Menschen war Rebellion und Revolution letztlich das Ventil, über welches sie all ihrem Un- und Übermut Luft machen konnten und für Mao waren sie ein willkommenes Werkzeug, um mit diesem (noch) gesteuerten Chaos seine Widersacher ihrer Basis zu berauben, indem er nach und nach den gesamten Parteiapparat ‚säubern′ ließ. Den Methoden der Rotgardisten um Revisionisten, Klassenfeinde, Kapitalisten usw. herauszufiltern waren mit der Garantie, daß sie keinerlei von Bestrafung zu fürchten hätten, buchstäblich keine Grenzen gesetzt. Auch schlossen sich noch weitere Gruppen den Schülern und Studenten an: Courtois nennt hier (S. 578) rachehungrige Funktionäre, Opportunisten, Arbeiter mit Forderungen nach Lohnerhöhungen und festen Arbeitsverträgen etc., die sich eigentlich nur in dem Wunsch, alle Autoritäten zu attackieren, einig waren. Das führte bald zu heftigen Kämpfen zwischen Fraktionen, die sich nicht anders definieren konnten als dadurch, daß sie gegen etwas waren.′ (vgl. Courtois S. 577)

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