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Termpaper, 2003, 14 Pages
Author: Fabienne Scheu
Subject: Pedagogy - Job Education, Occupational Training, Further Education
Details
Institution/College: Technical University of Chemnitz (Allgemeine, berufliche und mediale Bildung)
Tags: Interkulturelle, Berufspädagogik, Hauptseminar, Berufs-, Wirtschaftspädagogik
Year: 2003
Pages: 14
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 7 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-61875-5
File size: 121 KB
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Excerpt (computer-generated)
Technische Universität Chemnitz
Berufs- und Wirtschaftspädagogik
HS: Berufs- und Wirtschaftspädagogik
Sommersemester 2003
Interkulturelle Berufspädagogik
"Sie hatten keine Metallurgie. Ihre Werkzeuge waren aus Stein, und technologisch lebten sie in der Steinzeit. Doch sie errechneten exakte Daten, die es seit vierhundert Millionen Jahren gibt. Sie hatten keine angewandten Wissenschaften. Sie waren nicht praktisch. Ihr Fortschritt lag in der Religion, in den Künsten, der Mathematik, der Astronomie. Sie kannten keine Gewichte. Sie beteten die Zeit an, jenes geheimnisvoll Fließende und weiter Fließende der Zeit. Die Zeit war heilig. Die Tage waren Götter. Vergangenheit und Zukunft galten dieselben Katune, weil sie glaubten, die Zeit kehre stetig wieder, wie sie die Gestirne sich stetig drehen sahen. Doch die Zeit, die sie anbeteten, kehrte plötzlich nicht wieder."
(aus Ernesto Cardenal 1980, 181; in Rolf Arnold 1991, 7)
von
Fabienne Scheu
4. Fachsemester
Interkulturelle Kommunikation / Berufs- und Wirtschaftspädagogik
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 2
1. Aktualität der Thematik 3
1.1 Relevanz interkultureller Kommunikationsfähigkeit 4
2. Berufspädagogik und Kultur 5
2.1 Kulturbewusstes Management 6
2.2 Erwerb interkultureller Kompetenzen 7
3. Rahmen einer interkulturellen Berufspädagogik 9
3.1 Leitbegriffe nach Arnold 9
3.1.1 Interkulturelle Selbstreflexion 9
3.1.2 Berufs- und / oder Handlungsorientierung 11
3.1.3 Technologische Reife 11
3.1.4 Lebensweltorientierung 12
3.2 Zusammenfassung 13
4. Reflexion 13
5. Literatur 14
1. Aktualität der Thematik
Gerade erst hat Herr Franke seine ersten praktischen Berufserfahrungen nach der Ausbildung gesammelt, da soll er den technischen Leiter einer japanischen Firma in Empfang nehmen. Er kann bloß hoffen, dass dieser gute Englischkenntnisse besitzt und kooperativ agiert. Schon zur Schulzeit war es H. Franke äußerst unangenehm mit seinen ausländischen Mitschülern zu kommunizieren. Probleme kamen auf, da keine gemeinsame Sprachbasis vorhanden war. Außerdem konnte er ihre Ansichten und Verhaltensweisen nicht nachvollziehen. Diese wirkten so verkehrt auf ihn, fremd und merkwürdig. Doch wozu benötigte er auch Kontakt zu ihnen. Er ging den ausländischen Firmenmitarbeitern wie den vielen ausländischen Mitbürgern in der Stadt seitdem gekonnt aus dem Weg. Im Urlaub in fernen Ländern beschränkte er sich auf die touristischen Bereiche, wo ohnehin deutsch gesprochen und stets auf die Besucher eingegangen wurde. Es ärgerte ihn daher gewaltig, dass seine Firma sich immer internationaler zu organisieren suchte. Andererseits erschien es ihm einleuchtend, dass sich andere Länder gerne intensiver an dem ihm beispielhaft erscheinenden deutschen Modell technologischen Fortschritts orientierten. Gewiss würden sich die störenden Divergenzen, die er auf deren Unterentwicklung zurückführt, bald aufheben, das Idealmodell sich durchsetzen.
Die überspitzt dargestellten Ansichten des fiktiven Herrn Franke sind in Deutschland wie den anderen Ländern der westlich-kapitalistischen Demokratien in vielen Köpfen noch fest verankert. Bedingt durch gesellschaftshistorische Bevölkerungsbewegungen und die Globalisierung befinden wir uns jedoch längst alltäglich in multikulturellen Kontexten, die wir bewältigen müssen. Ob es sich um berufliche Bereiche wie die Organisation von Warenexporten oder die Zusammenarbeit von ausländischen Firmenmitarbeitern handelt, um Entwicklungszusammenarbeit auf internationaler Ebene oder allgemein den Alltag einer multikulturellen Gesellschaft, eine Auseinandersetzung mit Menschen anderer Kulturen ist nicht mehr vermeidbar. Die eurozentrische Ideologie, die Fremden müssten sich dem Rahmen der eigenen Kultur anpassen, hat sich dabei lange schon als Illusion erwiesen. Es muss also vermieden werden, dass Menschen im Bezug auf ihre eigene Kultur eine, wie am Beispiel von Herrn Franke verdeutlicht, egozentrische Weltauffassung entwickeln. Wie aber lässt sich ein Umdenken erzielen?
Es gibt bereits seit Jahren Forschungen und Projekte zu diesem Themenkreis, die teilweise sehr erfolgreich abgeschlossen werden konnten. Eine umfangreiche Modernisierung des gesamten deutschen Bildungssystems auf Grundlage der damit gewonnenen Erkenntnisse steht bis heute aus. Aus meiner Arbeit soll hervorgehen von welcher Bedeutung multikulturelle Sensibilität ist, speziell im Rahmen der beruflichen Bildung. Dazu soll zunächst genauer auf die Relevanz interkultureller Kommunikationsfähigkeit sowie deren Vernetzung mit der Berufspädagogik, Management und Bildung eingegangen werden. Weiterhin sollen Möglichkeiten des Erwerbs interkultureller Management- bzw. allgemeiner Handlungskompetenzen aufgezeigt werden. Anhand der Leitbegriffe der interkulturellen Berufspädagogik nach Rolf Arnold soll daraufhin sein Konzept näher durchleuchtet werden, mit dem Ziel, die Chance ein die Landesgrenzen überschreitendes, multiperspektivisches Zusammenleben und -arbeiten aufzuzeigen. Am Beispiel der interkulturellen Berufspädagogik soll erläutert werden, welche Probleme und Defizite aus Unsensibilität gegenüber anderen Kulturen entstehen. Denn die Fremdperspektive mag auch eine wichtige Alternative darstellen, eine wichtige Hilfe zur Lösung eigenkultureller Defizite: "Eine interkulturelle Berufspädagogik, die ihre Zielrichtung nicht eindimensional als ‚Entwicklungshilfe′ für vermeintlich ‚unterentwickelte′ Nationen und Kulturen begreift, sondern zuallererst auch den interkulturellen Austausch begreift als Chance für eine interkulturelle Selbstreflexion, sieht sich somit zunächst in ihren grundlegenden Begriffen und Konzepten ‚verunsichert′." (Arnold, 13).
1.1 Relevanz interkultureller Kommunikationsfähigkeit
Wie bereits einleitend erläutert, stellt interkulturelle Kommunikation in der aktuellen Wirtschafts- und Lebenswelt einen nicht zu unterschätzenden Faktor dar. Während schon kulturinterne Kommunikation aufgrund individueller Auffassungsmuster bei ihrem "Scheitern" wirkungsreiche negative Folgen mit sich bringen kann, können interkulturelle Missverständnisse schlimmstenfalls gar zum Desaster führen. Dies ist mit folgendem Beispiel klar zu verdeutlichen: ‚Amerikanische Ingenieure bauten in den 50er Jahren einen Flugplatz im Südpazifik. Dazu rekrutierten sie unter den Inselbewohnern junge starke Arbeitskräfte, teilten sie in Teams ein und machten die Fähigsten unter ihnen zu Vorarbeitern dieser Teams, respektive zu Leitern von mehreren dieser Teams. In den Nächsten Wochen lief alles gut (dachten die Amerikaner), bis sie eines Morgens in ihrem Frühstücksraum sämtliche einheimischen Vorarbeiter und Gruppenleiter mit säuberlich durchschnittener Kehle vorfanden. Was war geschehen? In der Kultur dieses Inselvolkes waren Rangunterschiede innerhalb der gleichen Altersgruppen tabuisiert. Die Amerikaner hatten diese Gesellschaft in eine unerträgliche Situation gebracht und die kulturellen Normen des Inselvolkes hatten obsiegt.′ (Keller 1982, 7; in Arnold, 32).
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