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Subjektive Krankheitstheorien von Frauen mit nicht-karzinombedingter Hysterektomie

Diplomarbeit,  1997, 224 Seiten
Preis: 34,90 EUR (E-Book), 59,90 EUR (Buch)
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Details zum Text

Beschreibung

Veranstaltung:
Keine
Institution / Hochschule:
Autor:
Archivnummer:
V708
ISBN (E-Book):
978-3-638-10466-1
ISBN (Buch):
978-3-638-93416-9
DOI:
10.3239/9783638104661
Dateigröße:
8249 KB

Kategorie:
Diplomarbeit
Jahr:
1997
Seiten:
224
Bibliografie:
~ 125   Einträge
Note:
Gut
Sprache:
Deutsch

Schlagworte:

Zusammenfassung / Abstract

Auf der Grundlage des epistemologischen Subjektmodells wurden mit der Struktur-Lege-Technik von Scheele & Groeben (1988) Subjektive Theorien von Frauen mit nicht-karzinombedingter Hysterektomie und von einer Kontrollgruppe von Frauen ohne gynäkologischen Befund erhoben. In einem ersten Schritt wurden die objektiven Theorien zur Gebärmutter/-Entfernung anhand ausgewählter Literatur rekonstruiert. Auf der Grundlage dieser objektiven Theorierekonstruktionen wurde ein Interviewleitfaden entwickelt, der die für die Selbstsicht wesentlichen Konzepte der objektiven Theorierekonstruktionen thematisiert (Ursachenkognitionen, Beeinflussbarkeitserwartungen, Krankengeschichte, Folgen der Operation). In der Untersuchung wurden 9 Interviews mit Hysterektomie-Patientinnen und 7 Interviews mit Frauen ohne gynäkologischen Befund durchgeführt. Anschließend erfolgte die SLT-Rekonstruktion der Theoriestrukturen zu Ursachen und Folgen der Hysterektomie. Die endgültigen Strukturen der Subjektiven Theorien wurden durch Dialog-Konsens zwischen Interviewpartnerin und Interviewerin kommunikativ validiert. Die Subjektiven Theorien wurden hinsichtlich formaler und inhaltlicher Merkmale miteinander verglichen: Die Subjektiven Theorien der Hysterektomiepatientinnen sind auf formaler Ebene umfangreicher, differenzierter und vernetzter. Aus der Diskussion der Ergebnisse ergeben sich zahlreiche Hinweise auf die Relevanz Subjektiver Theorien für eine Anreicherung der objektiven Theorien. Die Subjektiven Theorien bilden ähnliche Zusammenhänge zwischen den Konzepten ab wie die objektiven Theorierekonstruktionen. Darüber hinaus finden sich in den Subjektiven Theorien Konzepte, die in den objektiven Theorierekonstruktionen fehlen. Sie thematisieren unter anderem als krankmachenden Faktor die starke körperliche Belastung in der Arbeitssituation von vielen Frauen, differenzieren den Ursachenbereich „Probleme mit Partnerschaft und Sexualität“ stärker aus und stellen als neues Konzept sexuellen Missbrauch als Ursachenzuschreibung zur Diskussion. Es wäre interessant, diese Suchrichtung weiterzuverfolgen: Stellen von der Gynäkologie bereitwillig zur Verfügung gestellte gynäkologische Operationen eine Möglichkeit für sexuell missbrauchte Frauen und für Frauen mit gravierenden Partnerschaftskonflikten dar, ihre Konflikte somatisch zu verarbeiten?

Textauszug (computergeneriert)

Subjektive Krankheitstheorien von Frauen mit nicht
karzinombedingter Hysterektomie

Johanna Vedral

Diplomarbeit zur Erlangung des Magistergrades
Fakultät für Grund - und Integrativwissenschaften
Institut für Psychologie

Wien, im Dezember 1997

Inhaltsverzeichis

Inhaltsverzeichnis ...  2
Einleitung ...  5

TEIL I: Subjektive Krankheitstheorien ...  9

1 Subjektive Theorien und Krankheitskonzepte ... 9
1.1 Das Forschungsprogramm Subjektive Theorien ... 9
1.1.1 Das epistemologische Subjektmodell ... 9
1.1.2 Explikation des Konstrukts "Subjektive Theorie" ... 9
1.1.3 Forschungsstruktur ... 11
1.1.4 Methodologische Zielvorstellungen für Verfahren der kommunikativen Validierung ... 14
1.2 Die Heidelberger Struktur-Lege-Technik (SLT) zur Rekonstruktion Subjektiver Theorien mittlerer Reichweite ... 15
1.2.1 Begriffsfestlegung "Subjektive Theorien mittlerer Reichweite": ... 15
1.2.2 Die Heidelberger Struktur-Lege-Technik ... 16
1.2.3 Explikation des Inhaltes der Subjektiven Theorie durch ein halbstandardisiertes Interview ... 17
1.2.4 Explikation der Theorie- Struktur: Die Struktur- Lege- Technik als Realisierung des Dialog- Konsens ... 19
1.2.5 Güte-Aspekte kommunikativer Validierung ... 20
1.3 Subjektive Krankheitstheorien ... 21
1.3.1 Definition: ... 21
1.3.2 Eine Möglichkeit der Strukturierung des Gegenstandsbereichs "Subjektive Krankheitstheorien" ... 23
1.3.3 Dynamik Subjektiver Krankheitstheorien ... 25
1.4 Standortbestimmung ... 28

TEIL II: Objektive Theorien zur Bedeutung des Uterus ... 29

2 Bedeutung des Uterus ... 29
2.1 Anatomisch-physiologische und endokrinologische Grundlagen ... 29
2.1.1 Aufbau und Lage des Uterus ... 29
2.1.2 Funktionen des Uterus ... 33
2.1.2.1 Die Gebärmutter als Sexualorgan ... 34
2.1.2.2 Einfluß der Gebärmutter auf die Eierstöcke und deren Hormonproduktion ... 35
2.1.2.3 Einfluß der Gebärmutter auf das Nervensystem ... 36
2.1.3 Die weiblichen Sexualhormone und ihre Rolle im ovariellen und uterinen Zyklus ... 37
2.1.4 Zusammenhänge zwischen dem Regelkreis der Sexualhormone und der Beta- Endorphine ... 38
2.2 Bedeutungszuschreibungen ... 40
2.2.1 Historischer Exkurs ... 40
2.2.2 Medizinische Metaphern, Wissenschaftsmythen und die "Krankheit Frau" ... 41
2.2.3 Symbolische Bedeutungszuschreibungen ... 45
2.2.4 Weibliches Selbstkonzept, Identität, Körperbild und das sogenannte "Vollwertigkeitsgefühl " ... 51

3 EXKURS : Klimakterium ... 54
3.1 Relevanz - ein Vergleich zwischen "natürlicher" und operationsbedingter Menopause ... 54
3.2 Einige spezielle Probleme der Wechseljahre ... 56
3.2.1 Das Ende der Reproduktionsfähigkeit ... 56
3.2.2 Klimakterium und Sexualität ... 57
3.2.3 Die Wechseljahre als Lebensabschnitt ... 57
3.3 Ausblick ... 58

4 Hysterektomie ... 60
4.1 Medizinisches Grundwissen über die Hysterektomie ... 60
4.1.1 Einleitung ... 60
4.1.2 Indikationen ... 61
4.1.3 Operationstechniken ... 63
4.1.4 Körperliche Reaktionen als Folge der Operation ... 65
4.1.5 Die Indikationendiskussion ... 67
4.2 Psychologische Aspekte der Hysterektomie ... 70
4.2.1 Einleitung ... 70
4.2.2 Hysterektomie und Depression ... 72
4.2.3 Hysterektomie bei psychisch gestörten Patientinnen ... 74
4.2.4 Risiko- Patientinnen ... 77
4.2.5 Untersuchungen zum Stellenwert der präoperativen Aufklärung ... 80
4.2.6 Hysterektomie, Sexualität und Partnerschaft ... 84

5 Rekonstruktion von Rahmentheorien zu den psychologischen Aspekten der Hysterektomie ... 89
5.1 Kriterien für die Selektion relevanter Aspekte ... 89
5.2 Zur Rekonstruktion der Rahmentheorien ... 90
5.3 Rekonstruktion der Rahmentheorien ... 91
5.3.1 Zur psychischen Bedeutsamkeit des/ Verlustes des/ Uterus ... 91
5.3.2 Risikofaktoren ... 91
5.3.3 Schlechter postoperativer Verlauf wird wie folgt definiert: ... 92
5.3.4 Ursachenkognitionen: ... 92
5.3.5 Psychische Folgeerscheinungen und psychosoziale Determinanten der Verarbeitung des Organverlusts ... 92
5.4 Erläuterungen zu den Erhebungskonzepten ... 93
5.4.1 Vorstellungen und Assoziationen zur Bedeutung des Uterus/-Verlustes ... 93
5.4.2 Risikofaktoren ... 95
5.4.3 Psychische Folgeerscheinungen und psychosoziale Determinanten der Verarbeitung des Organverlusts ... 96
5.4.4 Ursachenkognitionen ... 97

TEIL III: Subjektive Krankheitstheorien von Frauen zur Hysterektomie: Eigene Untersuchung ... 99

6 Vorbereitung der Untersuchung ... 99
6.1 Ziele und Hypothesen ... 99
6.1.1 Ziele: ... 99
6.1.2 Hypothesen: ... 100
6.2 Interviewleitfaden ... 101
6.2.1 Entwicklung des Interviewleitfadens ... 101
6.2.2 Interviewleitfaden zur Erhebung subjektiver Theorien von Frauen zur Hysterektomie ... 109

7 Durchführung der Untersuchung ... 122
7.1 Stichprobe ... 122
7.2 Durchführung der Interviews ... 125
7.3 Konzeptextraktion und Rekonstruktion der Interviewerin ... 132
7.4 Durchführung der SLT-Sitzungen ... 132

8 Ergebnisse ... 136
8.1 Verbalisation der Strukturbilder ... 136
8.1.1 Exemplarische Darstellung zweier Interviews ... 132
8.1.2 Verbalisation der Konsensversionen der Hysterektomie-Gruppe ... 142
8.1.3 Verbalisation der Konsensversionen der Gruppe der nicht-operierten Frauen ... 155
8.2 Vergleich der Strukturbilder auf formaler Ebene ... 161
8.2.1 Formalcharakteristika der SLT-Bilder (Ursachen- und Folgenstrukturen) ... 161
8.2.2 Formalcharakteristika der Ursachen-Strukturen ... 164
8.2.3 Formalcharakteristika der Folgen-Strukturen ... 166
8.2.4 Bewertung der Formalcharakteristika der Subjektiven Theorie-Rekonstruktionen ... 167
8.3 Interindividueller inhaltlicher Vergleich der Strukturbilder auf Konzeptebene ... 168
8.3.1 Vergleich der Subjektiven Theorien bezüglich der Ursachenzuschreibungen ... 172
8.3.2 Vergleich der Subjektiven Theorien bzgl. der Folgenzuschreibungen ... 175

9 Diskussion der Ergebnisse ... 177
9.1 Anregungen aus den Subjektiven Theorien für die objektiven Theorierekonstruktionen ... 177
9.1.1 Vergleich der objektiven und der Subjektiven Theorien für den Ursachen-Bereich ... 178
9.1.2 Vergleich der objektiven und Subjektiven Theorien für den Folgenbereich ... 180
9.2 Vergleich der Gruppen ... 182
9.2.1 Unterschiede im Bereich der Ursachenzuschreibungen: ... 182
9.2.2 Unterschiede im Bereich der Folgenzuschreibungen ... 184
9.2.3 Überprüfung der Hypothesen ... 184
9.3. Kritische Reflexion des eigenen Forschungsprozesses ... 186

10 Zusammenfassung ... 190

11 Literaturverzeichnis ... 193

12 Anhang

Einleitung

Die Gebärmutterentfernung (Hysterektomie) gilt als eine der häufigsten Operationen bei Frauen über 40.
Der Uterus gehört zu den Organen (wie z.B. Herz oder Gehirn), die weit über ihre physiologische Bedeutung hinaus für Selbsterleben und Identität eine wichtige Rolle spielen. Früher wie heute ranken sich um die Gebärmutter kollektive und idiosynkratische Phantasien und bewußte oder unbewußte Symbolisierungen, die sie mit Potenz und lebensspendender Kraft, aber auch mit nervöser Schwäche oder Minderwertigkeit in Verbindung bringen.
Lucius-Hoene(1992)weist auf die Ambivalenzen in der Betrachtung der Gebärmutter in der männlich geprägten Medizin-und Geisteswelt ebenso wie im Erleben der Frauen hin. Diese Ambivalenzen spiegeln sich auch in der Kontroverse um die relativen und erweiterten Indikationen zur Gebärmutterentfernung.
Zur Diskussion steht dabei u.a. auch der Stellenwert psychischer Besetzungen und ihrer möglichen Bedeutung für die Befindlichkeit.
Bei einem Überblick über die Hysterektomieforschung der letzten Jahre ist festzustellen, daß sich das Forschungsinteresse von der ursprünglichen Streitfrage, ob die Hysterektomie "an sich" ein potentiell pathogener Eingriff sei oder v.a. befindlichkeitsverbessernde Wirkung zeige,in neueren Publikationen auf die individuellen Bewältigungsmöglichkeiten der betroffenen Frauen verlagert hat.
Dabei werden u.a. Einflußgrößen berücksichtigt, die die soziale und partnerschaftliche Einbettung und grundlegende Formen der Auseinandersetzung mit Streß und Krankheit beschreiben sowie die Rolle des Leiberlebens im Selbstkonzept und in der Geschlechtsrollenidentität miteinbeziehen.
Wie Wittich & Lucius - Hoene (1988) in ihrer kritischen Analyse von 74 Arbeiten zum Stand der Forschung zur Frage "Psychische Störungen nach Hysterektomie" anführen, zeigen v.a. einzelfallanalytische Studien die hochkomplexe Problematik der Interdependenz körperlicher, psychischer, sozialer und sexueller Faktoren auf. In Untersuchungen mit hohen Fallzahlen, die entsprechend reduzierende Erhebungstechniken verwenden, scheint die Vielschichtigkeit der beteiligten körperlichen, kognitiven und emotionalen Faktoren nicht auf. Die Autorinnen weisen u.a. auch darauf hin, daß es noch keine Untersuchungen gäbe, die die subjektiven Einstellungen der Patientinnen (und der Partner) zu dem Eingriff sowie seinen lebensgeschichtlichen Stellenwert zu erfassen versuchten.
Zintl-Wiegand (1984) vermutet, daß die Bereitschaft einer Frau zur Hysterektomie unter nicht zwingenden Indikationen auch als Manifestation einer problematischen Einstellung zu Weiblichkeit und Sexualität zu betrachten sei.
Ausgehend von diesen Forschungsdesideraten ist die vorliegende Arbeit zum Thema "Subjektive Krankheitstheorien von Frauen zur nicht-karzinombedingten Hysterektomie" als Pilotstudie zu verstehen.
Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt darin, zum Gegenstand "Uterus/Hysterektomie" Subjektive Theorien zu erheben und mit den objektiven Theorien sowie untereinander zu vergleichen.
Als theoretische Grundlage bietet sich das epistemologische Subjektmodell an. Das dem Forschungsgegenstand ,,Subjektive Theorien" angemessenste Erhebungsinstrument stellt die "Heidelberger Struktur-Lege-Technik" (Scheele & Groeben, 1984, 1988) dar.
Das erste Kapitel stellt das epistemologische Subjektmodell vor, auf dem das Forschungsprogramm Subjektive Theorien und das Erhebungsinstrument (SLT) basieren.

Eine Beschreibung der SLT und ihrer methodologischen Problematik ist ebenfalls im einleitenden Kapitel zu finden, in dem auch der Forschungsgegenstand "Krankheitstheorien" vorgestellt wird.
Im zweiten Kapitel folgt ein knapper Überblick über die anatomisch-physiologischen und endokrinologischen Grundlagen.
Im Anschluß daran einige illustrative Beispiele der kulturell-historischen Bedeutungszuschreibungen, die das Organ Uterus in der Medizin und bei den Frauen auf sich gezogen hat.
Ein Exkurs über das Klimakterium nimmt auch Bezug auf kulturelle Zusammenhänge und leitet über zur Beschreibung der Situation der hysterektomierten Frau.
Im vierten Kapitel wird ein Überblick über den Stand der Hysterektomieforschung gegeben, wobei die Arbeiten nach den Untersuchungsschwerpunkten "Hysterektomie und Depression", "Hysterektomie bei psychisch gestörten Patientinnen", "Risiko-Patientinnen", "Zum Stellenwert der präoperativen Aufklärung" sowie "Hysterektomie, Sexualität und Partnerschaft" geordnet referiert werden.
Im fünften Kapitel versuche ich eine Rekonstruktion von Rahmentheorien zu den referierten objektiven Theorien, da eine solche Rekonstruktion für die Berücksichtigung der Austauschperspektive Subjektiver und objektiver Theorien unabdingbar ist.
Im Anschluß daran werden die Konzepte erläutert, die für die Konstruktion des Interviewleitfadens zur Erhebung Subjektiver Theorien zur Hysterektomie von mir als relevant extrahiert wurden.
Im zweiten Teil der vorliegenden Arbeit stelle ich die empirische Untersuchung an 9 hysterektomierten und 7 nicht- operierten Frauen, den Interviewleitfaden, die Interviews und die Strukturbilder der Subjektiven Theorien der Versuchspartnerinnen vor und diskutiere die Ergebnisse.
Ich hoffe, daß ich mit meiner Arbeit zu weiteren Untersuchungen auf diesem Gebiet und zu einer fruchtbaren Zusammenarbeit zwischen den Disziplinen der Gynäkologie und der Gesundheitspsychologie anregen kann.

[...]

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