Politische Kultur in der 'B.Z. am Mittag' und im 'Berliner Lokal-Anzeiger'

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Details
Autor: Florian Werner
Fach: Medien / Kommunikation - Mediengeschichte
Veranstaltung: Proseminar: Einführung in die Kommunikationsgeschichte: Die Tagespresse in der Weimarer Republik
Institution/Hochschule: Freie Universität Berlin (Publizistik- und Kommunikationswissenschaft)
Jahr: 2001
Seiten: 20
Note: 1,0
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 209 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-14455-1
Textauszug (computergeneriert)
FREIE UNIVERSITÄT BERLIN
Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft
Proseminar: Einführung in die Kommunikationsgeschichte: Die Tagespresse in der Weimarer Republik
Sommersemester 2002
18. September 2002
Politische Kultur in der „B.Z. am Mittag“
und im „Berliner Lokal-Anzeiger“
Florian Werner, 4. Semester, Publizistik
Inhalt
1 EINLEITUNG ... 3
2 SOZIALE MILIEUS ... 3
3 POLITISCHE KULTUR ... 5
4 GEMEINSCHAFT UND GESELLSCHAFT ... 6
5 TENDENZPRESSE ... 7
5.1 LIBERALE PRESSE ... 7
5.2 KONSERVATIVE PRESSE ... 7
6 EINORDNUNG DER ZU UNTERSUCHENDEN ZEITUNGEN ... 8
6.1 B.Z. AM MITTAG ... 8
6.2 BERLINER LOKAL-ANZEIGER ... 9
7 LESERSCHAFT ... 9
7.1 B.Z. AM MITTAG ... 10
7.2 BERLINER LOKAL-ANZEIGER ... 11
8 HYPOTHESE ... 11
9 VORGEHENSWEISE ... 12
10 ANALYSE DER ZEITUNGEN ... 13
10.1 REICHSTAGSWAHLEN (20. MAI 1928) ... 13
10.2 HUGENBERG WIRD DNVP VORSITZENDER (20. OKTOBER 1928) ... 14
10.3 VORLEGUNG DES YOUNG-PLANS (7. JUNI 1929)...14
10.4 TOD STRESEMANNS (3. OKTOBER 1929)...14
10.5 ANNAHME DER YOUNG VERTRÄGE (12. MÄRZ 1930)...15
10.6 REICHSTAGSWAHLEN (14. SEPTEMBER 1930) ... 15
10.7 BANKENKRISE IN DEUTSCHLAND (13. JULI 1931) ... 16
10.8 GENFER ABRÜSTUNGSKONFERENZ (2. FEBRUAR 1932) ... 16
10.9 REICHSTAGSWAHLEN (31. AUGUST 1932) ... 16
11 ERGEBNIS ... 17
12 BIBLIOGRAPHIE ... 18
13 ANHANG ... 20
1 Einleitung
Die vorliegende Arbeit behandelt die Tagespresse in den letzten Jahren der Weimarer Republik. Dabei wird die Frage aufgeworfen worin die Gründe für die in der ersten deutschen Republik tragische Abwanderung der Wählerschaft der demokratischen Parteien hin zu den Nationalsozialisten liegen. Wieso sind liberale Wählerschichten für Anreize der Nationalsozialisten zugänglich geworden?
Ein Ansatzpunkt zur Beantwortung dieser Frage soll die liberale und die konservative Presse in Berlin sein. Exemplarisch dafür sollen die „B.Z. am Mittag“ und der „Berliner Lokal-Anzeiger“ untersucht werden. Hierfür ist es zunächst nötig einige theoretische Vorarbeit zu leisten: Es gilt die Begriffe des „sozialen Milieus“ und der „Politischen Kultur“ zu klären. Im folgenden wird ein kurzer Überblick über die liberale und konservative Presse und deren Leserschaft gegeben.
Um der Inhaltsanalyse der Zeitungen eine Grundlage zu bieten wird in Abschnitt 8 die oben gestellte Frage zur Hypothese formuliert. Der Zeitraum der zu untersuchenden Zeitungen erstreckt sich von 1928 bis 1932, dem Jahr, in dem die Nationalsozialisten zum ersten mal die stärkste Fraktion im Reichstag bildeten.
2 Soziale Milieus
Das Milieu, ein Begriff der Soziologie, dient als Erklärungsansatz in der Wahlforschung. Dabei wird in erster Linie die Milieugebundenheit und die Verwurzelung von Parteien in Milieus untersucht. Der Heidelberger Soziologe M. Rainer Lepsius führte 1966 das Paradigma der sozialmoralischen Milieus in die politikwissenschaftliche Diskussion ein. Demnach bestehen vier Milieus: das katholische, das konservative, das liberale und das sozialdemokratische. Lepsius’ These ist, dass „das deutsche Parteiensystem wesentlich Ausdruck struktureller Konflikte war, die bereits vor der Gründung des Kaiserreiches [also vor der Gründung der wichtigsten Parteien] bestanden“.1 Das impliziert die Vermutung, dass die Stärken der einzelnen Parteien relativ konstant sind, da sie die grundlegenden Konfliktlinien zwischen den Milieus spiegeln.2 Allerdings geht Lepsius davon aus, dass die beste Zeit der Milieus bereits in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts vorbei war. Häufig wird den Milieus die Verantwortung für den tragischen Verlauf der Geschichte der Weimarer Republik zugewiesen: Fragmentierung und Polarisierung der Gesellschaft, sowie Begünstigung von intoleranten Einstellungen und Verhaltensweisen, die einen versöhnlichen Pluralismus unter den verschiedenen Gruppen verhinderte.3
Verhältnismäßig gut erforscht sind das katholische und das sozialdemokratische Milieu, die durch ein ganzes Netzwerk kultureller und gesellschaftlicher Organisationen gekennzeichnet sind, einer Institutionalisierung, durch die „das sozialmoralische Milieu nach innen verfestigt, nach außen abgegrenzt wird“.4 Als relativ problematisch erweist sich dagegen die Untersuchung der konservativen und liberalen Milieus, da diese nicht über Organisationsbezüge eindeutig zu ermitteln sind.5 Genau in diesen Bevölkerungsteilen aber sieht Lepsius die Erklärung des Erfolges der Nationalsozialisten. Die fehlende Zugehörigkeit zu den Massenverbänden der Parteien gilt als Grund für eine schwache Parteienbindung, an ihre Stelle stehen gesellschaftliche Leitfiguren, so dass Karl-Heinz Naßmacher bei den konservativen, wie liberalen Milieus von „personenzentrierten“ Milieus spricht.6 Anders als bei Katholiken und Sozialisten zeichnen sich daher keine einheitlichen Beziehungen zwischen Milieu und Partei ab. Diese Milieus setzen sich sozial sehr heterogen zusammen, die Parteibindungen sind wenig verbindlich. Dennoch lässt sich sagen, dass die Wählerschaft der liberalen und konservativen Parteien vor allem im Bürgertum, bei Angestellten, (höheren) Beamten, Akademikern, Gewerbetreibenden, Pensionären und im Bauerntum, bei Groß- und Mittelgrundbesitzern, Landadel sowie Gutsbeamten zu finden ist.
[...]
1 Zit. nach Lepsius, Rainer M.: Parteiensystem und Sozialstruktur. Zum Problem der Demokratisierung der deutschen Gesellschaft, in: Ritter (Hrsg.), Gerhard A.: Die deutschen Parteien vor 1918, Köln 1973, S. 62.
2 Vgl. Borchert, Jens: Die Politik der Milieus und das Milieu der Politik, in: Dürr, Tobias, Walter (Hrsg.), Franz: Solidargemeinschaft und fragmentierte Gesellschaft. Parteien, Milieus und Verbände im Vergleich, Opladen 1999, S. 74.
3 Vgl. Walter, Franz, Matthiesen, Helge: Milieus in der modernen deutschen Gesellschaftsgeschichte. Ergebnisse und Perspektiven der Forschung, in: Schmiechen-Ackermann, Detlef: Anpassung Verweigerung Widerstand. Soziale Milieus, Politische Kultur und der Widerstand gegen den Nationalsozialismus in Deutschland im regionalen Vergleich, Berlin 1997, S. 47.
4 Zit. nach Lösche, Peter: Parteienstaat Bonn – Parteienstaat Weimar?. Über die Rolle von Parteien in der parlamentarischen Demokratie, in: Kolb, Eberhard, Mühlhausen (Hrsg.), Walter: Demokratie in die Krise, München 1997, S. 64.
5 Vgl. Walter, Franz, Matthisen, Helge (Anm. 3), S. 56.
6 Vgl. Naßmacher, Karl-Heinz: Zerfall einer liberalen Subkultur. Kontinuität und Wandel des Parteiensystems in der Region Oldenburg, in: Kühr (Hrsg.), Herbert: Vom Milieu zur Volkspartei. Funktionen und Wandlungen der Parteien im kommunalen und regionalen Bereich, Meisenheim 1979, S. 106.
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