Subtitle: Der kastilische Volksheld Rodrigo Díaz de Vivar (um 1043-1099) in einer Sage und Kurzbiographie
Textbook, 2002, 41 Pages
Author: Ernst Probst
Subject: History - Non-German
Details
Year: 2002
Pages: 41
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-14486-5
ISBN (Book): 978-3-638-73442-4
File size: 146 KB
Der Cid (Herr), auch El Campeador (Kämpe oder Schlachtensieger) genannt: Der kastilische Volksheld Rodrigo Díaz de Vivar (um 1043-1099) in einer Sage und Kurzbiographie. Ohne Sekundärliteratur.
Other users also were interested in the following titles:
Abstract
Der Adlige Rodrigo (Ruy) Díaz de Vivar (um 1043-1099) gilt als spanischer Nationalheld. Er stammte aus Vivar del Cid bei Burgos und wurde am Hof zusammen mit dem späteren König Sacho II. von Kastilien (gest. 1072) erzogen. Bei den Kämpfen zwischen den Brüdern Sancho II. und Alfons VI. der Tapfere (1049-1109) diente Rodrigo als Feldherr. Wegen seiner Erfolge verlieh man Rodrigo den ehrenvollen Beinamen "El Campeador" ("Schlachtensieger"). Nach der Ermordung von Sancho II. wurde Rodrigo Gefolgsmann von Alfons VI., der nach 1072 König von Léon und Kastilien war. 1081 verbannte ihn der König, als er zu mächtig werden drohte. Als Verbannter diente Rodrigo dem Maurenfürsten von Saragoza, den er auch gegen christliche Angriffe verteidigte, nicht aber gegen Alfons VI., dem er sich weiterhin zur Lehnstreue verpflichtet fühlte. In seinen Kämpfen erwarb sich Rodrigo großen Ruhm und seinen Ehrennamen "El Cid", der vom arabischen Begriff "Sayyid" ("Herr") abgeleitet ist. Nach einer vorübergehenden Aussöhnung 1086 verlieh König Alfons VI. dem Cid alle Gebiete, die dieser im Osten Spaniens erobert hatte. 1094 eroberte der Cid das maurische Valencia, das er bis zu seinem Tod am 10. Juni 1099 gegen die nordafrikanischen Amoraviden behauptete. Laut Legende griffen die Mauren sofort Valencia an, als sie vom Tod des Cid erfuhren. Aber die Christen banden den Leichnam auf ein Pferd und führten es voran in die Schlacht, worauf die entsetzten Mauren angeblich Reißaus nahmen, weil sie den Cid noch am Leben wähnten. Der Ruf der Unbesiegbarkeit des Cid hatte dazu geführt, dass er sogar noch nach seinem Ableben eine Schlacht gewann. Seine Gattin Jimena herrschte drei weitere Jahre über Valencia, bevor dieses wieder für mehr als ein Jahrhundert lang in die Hände der Mauren fiel.
Excerpt (computer-generated)
Der Cid - Eine Sage aus Spanien
Ernst Probst
Vorzeiten, als die Mauren von Marokko her nach Hispanien vorgedrungen waren, herrschte König Alfonso über Kastilien, über León und Asturien; bis Santiago gebot sein Zepter, denn auch alle Grafen von Galicien hatten ihm Treue schwören müssen.
Zu Alfonsos bewährtesten Mannen gehörte der Ritter Rodrigo Díaz von Bivar. Er war nicht hochgeboren und ebenbürtig wie des Königs Grafen, aber er war zu rechter Stunde geboren, denn niemand handhabte das Schwert wie er, und niemand wußte die Krieger in die Schlacht zu führen und ihnen dort Vorbild zu sein wie dieser treue Lehnsmann.
Darum wußte König Alfonso keinen besseren als den starken Rodrigo Díaz zu beauftragen, als der Tribut einzutreiben war, den ihm der Maurenkönig von Córdoba und der von Sevilla jährlich zu zahlen hatten. Die Aufgabe war schwer, denn den König von Sevilla bedrängte König Almudafar von Granada, und dieser Maurenkönig hatte die Unterstützung tapferer spanischer Ritter. So mußte Rodrigo Díaz gegen Araber und Spanier zugleich kämpfen, um seinem königlichen Herrn den schuldigen Tribut zu sichern. In einer heißen, erbitterten Schlacht besiegte er die Gegner und gewann große Beute. Mit diesen Schätzen und dem Vasallentribut des Königs von Sevilla konnte er König Alfonsos Schatzkammern wieder auffüllen. Nach dieser herrlichen Waffentat nannten Mauren und Christen den Ritter Rodrigo Díaz nur noch Cid Campeador, das ist der Tapfere, der Herr. Doch der strahlende Erfolg brachte dem Cid viele Neider ein, die es heimtückisch verstanden, das Ansehen des Helden beim Herrscher herabzusetzen. Ihre Verleumdungen führten dazu, daß König Alfonso sehr aufgebracht wurde und den Cid aus seinem Reiche verbannte. „Innerhalb von neun Tagen“, so stand in dem königlichen Briefe, „habt Ihr Kastilien zu verlassen.“
Der kampfbewährte Held war zu stolz, als daß er gegen diesen Bannspruch des Königs aufbegehrt hätte. Er schickte Boten an seine Verwandten, um ihnen davon zu berichten. „Wer mit mir reiten will“ ließ er ihnen sagen, „dem wird Gott die Treue belohnen, und wer sich mir nicht anschließen will, der soll in Gottes Namen bleiben!“ Für den Kreis der Verwandten sprach Alvar Minaya Fáñez, sein Neffe: „Alle werden mit dir reiten, Cid, wohin auch das Schicksal es will, übers weite Land wie durch unwirtliche Wildnis.“ Froh dankte der Held den Getreuen. Trauer im Herzen über den Undank des königlichen Herrn, nahm er dann Abschied von Bivar, seinem Lehnsland, das unter seiner starken Lenkung zum blühenden Besitztum aufgeblüht war. Frau Jimena mit den beiden Töchtern mußte der Verbannte im Kloster San Pedro zurücklassen. Als er mit den sechzig Lanzen durch Burgos, die gute Stadt, zog und vorbei an den festen Städten des Heimatlandes, drängten sich an den Fenstern und am Wegrand die Menschen, um den herrlichen Ritter zu bewundern. „Welch edler Held!“ klangen ringsum die Stimmen. „Hätte er nur einen Herrn, der so edel ist wie der Lehnsmann!“
Der harte Mann konnte seine Tränen nicht zurückhalten. Er wandte sich im Sattel zu seinem Brudersohn um: „Sei versichert, Alvar Fáñez, so wie man uns heute aus unserer kastilischen Heimat verbannt, so werden wir einst in hohen Ehren zurückkehren!“ Aber aus Furcht vor dem gnadenlosen Verbannungsbefehl wagte niemand, dem Heimatlosen Obdach zu gewähren. Durch einen Majestätsbrief wurden alle Bewohner bei strengen Strafen gewarnt, dem Rodrigo Díaz Cid mit seinen Begleitern Herberge zu geben. So öffnete niemand auf ihr Klopfen die Tore. Nur Antolínez von Burgos wagte dem königlichen Verbot zu trotzen; er brachte den Wegmüden Brot und Wein zur Nahrung – und machte sich damit selber zum Verfemten. Als Gefolgsmann schloß der Treue sich den Ausziehenden an. An Cid lag es nun, für den Unterhalt der Mannen zu sorgen, die ihm in die Verbannung folgten. Da verfiel er auf eine List, sich das nötige Geld zu beschaffen.
Zwei große Truhen ließ er sich bauen, mit rotem Leder beschlagen und mit genagelten Eisenbändern versehen, die ließ er mit Sand füllen und fest verschließen. Dann schickte er Antolínez damit zu zwei Geldverleihern und ließ ihnen seine Lage schildern: daß er vom Könige verbannt sei, das Recht zum Einkaufen verloren habe und nun seinen Schatz verpfänden wolle.
Gern waren Vidas und Rahel bereit, dem Helden zu helfen, und gaben ihm gegen das Pfand das benötigte Geld, sechsmal hundert Mark in Gold und Silber für zwölf Monate. Cid versprach ihnen neben den Zinsen kostbare Geschenke, einen roten Pelz, wie ihn die Mauren tragen, für jeden. Er ließ die beiden schwören, die Geldkästen nicht vor der Zeit zu öffnen.
[...]
Comments
No comments yet
Other users also were interested in the following titles:
Zweite Moderne oder Postmoderne?
Author: Dipl. Werner NehlsArt - Architecture / History of Construction, 2008 Download as PDF-file for 19,99 EUR
Oliver E. Williamsons Transaktionskostenökonomik - Entwicklung und Grundlagen
Author: Dr. Markus GrothEconomics / Business : Economic and Social History, 2007 Download as PDF-file for 14,99 EUR
Karl August Lingner - Leben und Werk eines sächsischen Großindustriellen
Author: Dr. med. Ulf-Norbert FunkeHistory - Empire, Imperialism, 2007 Download as PDF-file for 14,99 EUR
Was heißt hier schon gläubig - Standortbestimmung eines kritischen Katholiken
Author: Dr.med. Ewald FettweisTheology - Miscellaneous, 2006 Download as PDF-file for 14,99 EUR
Versunkene Kulturen der Welt - das Kompendium
Author: Dr. Carlos CalvetHistory - Early and Ancient History, 2005 Download as PDF-file for 29,90 EUR
Innovative Ingenieur-Werkstoffe
Author: Prof. Dr.-Ing, Dipl.-Wirt.-Ing. Norbert JostMaterials Science, 2004 Download as PDF-file for 11,99 EUR
Zur semantischen Beschaffenheit literarischer Sachbegriffe
Author: Dr. Wolfgang RuttkowskiGerman Studies - Semiotics, Pragmatics, Semantics, 2000 Download as PDF-file for 4,99 EUR
Vertrauen in den Abschlussprüfer
Author: Jan MauelshagenEconomics / Business: Revision, Auditing, 2007 Download as PDF-file for 59,90 EUR
Aufklärung und Revolutionsbegeisterung
Author: Jörg SchweigardHistory - Miscellaneous, 2000 Download as PDF-file for 39,90 EUR
This text can be quoted and accessed from this url: