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Cargo-Kulte auf Melanesien

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2006, 17 Pages
Author: Sandra Hein
Subject: Ethnology / Cultural Anthropology

Details

Institution/College: University of Göttingen
Tags: Cargo-Kulte, Melanesien
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2006
Pages: 17
Grade: 2,3
Bibliography: ~ 3  Entries
Language: German
Archive No.: V71387
ISBN (E-book): 978-3-638-61942-4

File size: 118 KB


Excerpt (computer-generated)

Georg- August- Universität Göttingen
Institut für Ethnologie
Ethnologie des Indopazifiks III: Polynesien
SS 2006

Cargo Kulte auf Melanesien

vorgelegt von

Sandra- Simone Hein

 

 

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 3

2. Die Neuen Hebriden 3
2.1 Historisch relevante Bewegungen auf den Neuen Hebriden 4

3. Die John Frum Bewegung 4
3.1 Die Vorstufe im Jahr 1940 4
3.2 Das erste Auftreten John Frums 5
3.3 Neuer Aufschwung des Kults 6
3.4 Die Jugendbewegung 7
3.5 Neuere Entwicklungen bis heute 8

4. Der Marching (Masinga) Rule auf den Salomonen 9
4.1 Die Salomonen 9
4.2 Die Entstehung der "Chair and Rule-" Bewegung 9
4.3 Der Beginn des "Marching Rule" 10
4.4 Vorstellung der drei wichtigsten Führer 11
4.5 Die Entwicklung der ersten "Native Councils" 12
4.6 Warten auf Cargo 13
4.7 Vom Marching Rule zum Malaita- Rat 14

5. Ausblick 16

6. Literaturangabe 17

 

 

1. Einleitung

In dieser Hausarbeit werde ich einen kurzen Einblick in das Phänomen der so genannten "Cargo- Kulte" geben, welche vornehmlich in vielen Teilen Melanesiens seit Ende des 19. Jahrhunderts, größtenteils aber nach dem zweiten Weltkrieg, stattfanden. Die Kulte entstanden hauptsächlich durch die Konfrontation der einheimischen Bevölkerung mit zivilisatorischen Werten und Handelsgütern ("Cargo") der Kolonisatoren bzw. der Besatzungsmächte.

Es gab niemals einen ausdrücklich als solchen bezeichneten Cargo- Kult. Daher ist diese Bezeichnung eigentlich irreführend, da niemand, der sich am Cargo- Kult beteiligte, sich dessen auch bewusst war. Der Begriff "Cargo- Kult" wurde lange als typisch melanesisches Phänomen betrachtet. Neueren Forschungen zufolge kamen die Kulte jedoch schon früher und auch außerhalb von Melanesien, wie beispielsweise in Afrika und Japan vor.

Als Beispiel werde ich die "John Frum- Bewegung" vorstellen, die auf den Neuen Hebriden, genauer gesagt auf Tanna, stattfand. Als zweites Beispiel wird der "Marching Rule", der auf den Salomon Inseln vorkam, dargestellt. Diese Form des Cargo -Kults ist besonders interessant, da aus ihr eine nationalistische, vom ganzen Volk getragene Verbindung geworden ist. Für "Marching Rule" gibt es in der Literatur diverse Namen, wie Masinga Lo etc., die jeweils verschieden interpretiert werden. Ich werde jedoch bei der erstgenannten Bezeichnung bleiben, um Verwechslungen zu vermeiden.

2. Die Neuen Hebriden

Die Neuen Hebriden liegen im südwestlichen Pazifik, westlich von Fidschi. Sie erstrecken sich als zwei Inselketten von 20 Haupt- und 70 Nebeninseln über rund 800 km in nordwest- südöstlicher Richtung. Dazu gehören die Banks- und Torresinseln im Nordwesten; die größte Insel ist Espiritu Santo, deren höchste Erhebung Vanuatu (ca. 1879 m über dem Meeresspiegel) ist. Die meisten Inseln sind vulkanischen Ursprungs und Tanna, der Ort des ersten vorgestellten Cargo- Kultes, verfügt sogar noch über aktive Vulkane (Brockhaus 2006, Band 19:519).
Um in etwa verständlich zu machen, wie ein derartiger Kult um die Figur des John Frum entstehen konnte, hilft ein kurzer Überblick über die geschichtlichen Bewegungen auf den Neuen Hebriden.

2.1 Historisch relevante Entwicklungen auf den Neuen Hebriden

Die Neuen Hebriden wurden 1606 vom portugiesischen Seefahrer Pedro Fernández de Quirós entdeckt und erhielten im Jahre 1774 den Namen "Neue Hebriden".

Die Inselgruppe der Hebriden sowie die Salomoninseln hatten während des 19. Jahrhunderts schwer zu leiden unter dem so genannten "blackbirding", dem Versklaven oder Rekrutieren von Arbeitskräften, welches oftmals unter Gewalt oder der Vortäuschung falscher Tatsachen geschah. Die unzähligen Arbeitskräfte wurden nach den Plantagen von Queensland oder Fidschi eingeschifft und kamen häufig nicht zurück. Die Umstände auf den Transportschiffen waren oft miserabel und brachten aufgrund dessen eine hohe Seuchen- und Sterblichkeitsrate mit sich. Diese Tatsachen wiederum führten zu einem hohen Bevölkerungsrückgang auf beiden Inseln. (Worsley, 1973:205).

Des Weiteren kamen mit Ankunft der Sklavenhändler verständlicherweise auch Feuerwaffen, Krankheiten und Alkohol auf die Inseln. Großbritannien und Frankreich schlossen sich 1906 zum Kondominium zusammen und verfügten nur über einen kleinen Beamtenstab sowie über geringe finanzielle Mittel (Brockhaus 2006, Band 23:723). In diesem Machtvakuum hatten die Missionen einen immer größer werden Einfluss, obwohl die ersten Missionare schon um 1848 auf der Insel eintrafen (Worsley, 1973:207).

3. Die John Frum Bewegung

3.1 Die Vorstufe im Jahr 1940

Das "Eigenartige" an dieser Bewegung auf Tanna ist, dass sie sich zentral um eine Person dreht, die offiziell nie existiert hat.

Tanna ist eine relativ kleine, nur 50km lange, fruchtbare und gut bewässerte Insel südlich der Neuen Hebriden. Obwohl auch dieses Eiland unter der Tätigkeit der "Blackbirders" gelitten hatte, gab es in den 1940er Jahren Anzeichen für eine Bevölkerungszunahme.

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