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Scholary Paper (Seminar), 2002, 17 Pages
Author: Tobias Goldschmidt
Subject: Politics - Political Systems - Germany
Details
Institution/College: Free University of Berlin (Otto Suhr Institut für Politikwissenschaften)
Tags: Bauernverband, Agrarlobby, Eingebauter Lobbyismus, 14.Bundestag, Abgeordnetensoziologie, Strukturwandel, Lobbying, Verbandsfärbung der Bundestagsausschüsse
Year: 2002
Pages: 17
Grade: 1,7
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-14490-2
File size: 237 KB
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Excerpt (computer-generated)
Auswirkungen des Bedeutungsverlustes der Landwirtschaft
auf die eingebaute Agrarlobby beim Deutschen Bundestag
von Tobias Goldschmidt
Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung
2. Vom Agrarland zur modernen Dienstleistungsgesellschaft
2.1. Landwirtschaft und Industrielle Revolution
2.2. Der Bund der Landwirte
2.3. Weimarer Republik und Nationalsozialismus
2.4. Der Deutsche Bauernverband
2.4.1. Entstehung und Entwicklung
2.4.2. Organisationsstruktur
2.4.3. Programmatik
3. Der DBV als Interessenvertreter
3.1. Die besondere Bedeutung der Bundestagsausschüsse für Interessenverbände
3.2. Die traditionelle Verbandsfärbung des Agrarausschusses
3.2.1. Jürgen Webers Analyse über die Verbandsdichte für 1972 bis 1980
3.2.2. Peter Schindlers Vermutung über den Landwirtanteil für 1983 bis ´87
3.2.3. Eigene Rückschlüsse anhand Emil- Peter Müllers
Erhebungen über die Berufsstruktur der Bundestagsabgeordneten von 1949-´94
3.3. Die Mitglieder des Ausschusses für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft in der 14. Legislaturperiode
3.3.1. Die Mitgliederstruktur des Ausschusses
3.3.2. Der Ausschussvorsitzende
3.3.3. Die Verteilung der Landwirte auf die Fraktionen
3.4. Auswertung der empirischen Befunde und ihre Probleme
3.5. Rückgang oder Ausweitung des Einflusses des DBV?
4. Ausblick
5. Anhang
6. Liste der verwendeten Literatur
7. Internetressourcen
1.Einleitung
Kein Wirtschaftsbereich hat mit dem gesellschaftlichen Strukturwandel des vergangenen Jahrhunderts derartig an Bedeutung verloren wie die Landwirtschaft. Dennoch gilt ihr Interessenverband, nämlich der Deutsche Bauernverband, auch heute noch als einer der einflussreichsten Interessenverbände in der Bundesrepublik.
In dieser Hausarbeit soll es vor allem um den so genannten eingebauten Lobbyismus des Bauernverbandes beim Deutschen Bundestag gehen. Wie hat sich der seit Beginn des 19.Jahrhunderts anhaltende Bedeutungsverlust der Landwirtschaft seit 1949 ausgewirkt, sind bäuerliche Interessen noch immer überproportional vertreten und wie sieht es mit dem Bundestagsausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten aus, der als besonders eindeutiges Beispiel für die unmittelbare Einflussnahme durch Verbandsaktivisten gilt?
Nach einem unverzichtbaren, kurzen Rückblick auf die Entwicklung der Landwirtschaft in Deutschland, sowie parallel dazu der landwirtschaftlichen Interessenverbände soll anhand von Sozialstrukturanalysen über die Bundestagsabgeordneten ausgewählter Legislaturperioden untersucht werden, in welchem Maße dort Einfluss auf die Landwirtschaftspolitik genommen wurde.
2. Vom Agrarland zur Agrarindustrie der modernen Dienstleistungsgesellschaft
Landwirte stellen seit jeher eine besondere Produzentengruppe dar. Mit ihrer Witterungsabhängigkeit und ihren verderblichen Produkten sind sie starken Preisschwankungen ausgesetzt und nie können sie so flexibel den Konsumentenwünschen entsprechend produzieren wie andere Unternehmer. Hinzu kommt die ständige Existenzangst der Bauern, die durch den Strukturwandel der letzten 200 Jahre genährt wird. Waren zu Beginn des 19.Jahrhunderts noch etwa 80% der Bevölkerung in der Landwirtschaft beschäftigt, so waren es 1980 noch etwa 5%. Seit 1949 hat sich die absolute Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe von ca. 1,6 Millionen auf heute etwa. 428.000 reduziert. Drastischer könnte der Bedeutungsverlust der Landwirtschaft kaum in Zahlen gefasst werden.
2.1. Landwirtschaft und Industrielle Revolution
Die Situation der Landwirte ist spätestens seit Mitte des 19. Jahrhunderts von ständiger Statusfurcht gekennzeichnet. Damals wurde Deutschland vom Export- zum Importland für wesentlich preiswerteres Getreide aus den USA, welches in den landwirtschaftlich neu erschlossenen Weststaaten produziert wurde und dank neuer Verkehrs- und Verarbeitungstechnologien zu geringen Preisen auf den Deutschen Markt kam.
Den Wunsch der Landwirte nach Schutzzöllen artikulierten zunehmend Interessengruppen wie der "Verein der Wirtschafts- und Steuerreformer" oder der "Zentralverband deutscher Industrieller", die Bismarck 1879 veranlassten, erstmals Zölle auf Agrarimporte zu erlassen. Seither ist die Deutsche Landwirtschaft existenziell von permanenter Staatsintervention und agrarprotektionistischer Politik abhängig.
2.2. Der Bund der Landwirte
Bismarcks Schutzzölle konnten den ständigen Preisverfall für landwirtschaftliche Produkte nicht verhindern, da es im Zuge der "Industriellen Revolution" zu Produktionssteigerungen durch Intensivierung der Bodennutzung, Technisierung und Spezialisierung der Betriebe auf bestimmte Erzeugnisse kam. Rekordernten in den USA und Schutzzolllockerungen unter Reichskanzler Caprivi führten gegen Ende des 19.Jahrhunderts in die Agrarkrise und zur Gründung des "Bundes der Landwirte." Mit Reichskanzler von Bülow gab es 1906 eine erneute Anhebung der Schutzzölle. Fünf Jahre später war der "Bund der Landwirte" mit 300000 Mitgliedern bereits der mitgliederstärkste Interessenverband Deutschlands und artikulierte maßgeblich die Forderung der Bauern, nämlich die Landwirtschaft als wichtigstes Gewerbe des Reiches zu schützen.
[...]
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